Der Abschiedsstein von Tad Williams

Buchvorstellungund Rezension

Der Abschiedsstein von Tad Williams

Originalausgabe erschienen 1990unter dem Titel „Stone of Farewell“,deutsche Ausgabe erstmals 1993, 877 Seiten.ISBN 3-608-93867-2.Übersetzung ins Deutsche von Verena C. Harksen.

»Der Abschiedsstein« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Über dem einst so schönen Land Osten Ard liegt düster drohen der Schatten des untoten Elbenprinzen Ineluki, der als Sturmkönig die Herrschaft der Elben in Osten Ard erneuern und, um altes Unrecht zu rächen, die Menschheit ausrotten will. Seine Verbündete ist die Nornenkönigin Utuk’ku, die ihre Jahrtausende hinter einer Silbermaske verbirgt. Auf dem Hochhorst, einst Mittelpunkt eines blühenden Reiches, herrschen Inelukis Kreaturen: der finstere Hochkönig Elias und sein unheimlicher Ratgeber, der scharlachrote Priester Pryrates. Durch hinterhältigen Mord und offenen Krieg haben sie den größten Teil des Landes in ihre Gewalt gebracht, unterstützt von Inelukis Kriegern, den bleichen Nornen, und einem grausamen Winter, der alle anderen Jahreszeiten verdrängt hat; Inelukis Zauberkraft hat ihn hervorgebracht.
Aber noch regt sich Widerstand in Osten Ard. Prinz Josua Ohnehand, der jüngere Bruder des Hochkönigs, hat die Zerstörung seiner Festung Naglimund überlebt und ein Häuflein Getreuer um sich geschart. Zu seinen Helfern zählt auch Simon Schneelocke, ein junger Mann geheimnisvoller Herkunft. Er hat für Josua das Zauberschwert „Dorn“ vom Drachenbrg geholt. Auf dem Rückweg nach Süden befreit er auf dem Berg Mintahoq seine Freunde Binabik und Sludig aus der Gefangenschaft der Trolle, entgeht knapp dem Mordanschlag der dämonischen Skodi und wird schließlich von Jiriki, dem Elbenprinzen, gerettet. In der verborgenen Stadt der Sithi verwirrt Jirikis Schwester Aditu seine Sinne. Aber noch hat Simon Miriamel nicht vergessen, Elias’ einzige Tochter, die als Novize verkleidet durchs Land irrt. Ihr Begleiter ist der undurchsichtige Mönch Cadrach, der nicht verhindern kann, daß die junge Prinzessin ihre Unschuld an den aalglatten Schönling Graf Aspitis verliert. An Josuas Seite wiederum kämpft die schöne, wilde Vara, ein Kind der Steppe, das für den einhändigen Prinzen Leben und Ehre aufs Spiel setzt. Sie alle führt der Weg in die uralte Festung der Sithi auf dem Abschiedsstein, einem steilen Felsberg mitten im Grasland. Von dort aus beginnt der letzte Kampf um Osten Ard.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Band zwei besticht durch Größe“88

Fantasy-Rezension von Amandara M. Schulzke

Tad Williams hat die Welt mit seiner „Otherland“-Saga begeistert, so dass sich Fans und Verlage auch auf seine früheren Werke stürzen. So präsentiert der Klett-Cotta-Verlag eine sehr schön gebundene und liebevoll aufgemachte Neuauflage der Tetralogie um das Geheimnis der Großen Schwerter, die erstmalig 1988 erschienen war. Williams schreibt eine klassische High-Fantasy, die alle Ansprüche des Genres erfüllt, siehe auch Rezension zu Band 1 „Der Drachenbeinthron“.

Was ist besonders? Sein Stil! Er ist voller Poesie. Gleichgültig, worum sich die Handlung auch dreht: Zu allen Situationen findet er nicht nur schöne, sondern vor allem nachdenkenswerte detaillierte Bilder und Vergleiche. Sie sind nicht immer auf den ersten Blick einleuchtend, manchmal sogar schräg, doch das macht den Reiz von Williams Werken aus. Manche Sätze zwei- dreimal zu lesen, um sich die Wörter und ihren Klang wie Pralinenstückchen auf der Zunge zergehen zu lassen. Ein großes Lob an Verena C. Harksen, die eine ausgezeichnete Übersetzung geschaffen hat, in der Neuauflage unterstützt von Andy Hahnemann.

Poetisch, philosophisch, spannend

In diese Beschreibungen flicht Williams immer wieder philosophische Gedanken ein. Seine Dialoge sind ausgefeilt, teilweise tiefsinnig, teilweise voller Humor. Williams zeichnet mit Worten eine Welt, die bei aller Phantasie doch sehr vorstellbar und lebensecht ist. Das gilt auch für seine Charaktere der verschiedenen Völker, denen wir begegnen dürfen. Sehr gut gelungen ist ihm das Wachstum Simons vom einfältigen Küchenjungen, noch einem Kind, der in diesem Band zum jungen Mann heranreift. Der vom Mondkalb zum Drachenbezwinger Schneelocke wird. Simons Geschichte folgt zunächst weiterhin dem aus Band 1 bekannten Schema; er agiert, weil es ihn scheinbar zufällig an einen bestimmten Ort verschlagen hat. Doch als er sich gegen Ende des Buches mutterseelenallein in der Eiseskälte verirrt hat, beweist er zum ersten Mal, dass er bewusst die Initiative ergreifen kann und um sein Überleben kämpft – trotz aller Zweifel und Einsamkeit. Auch Josua Ohnehand macht eine Wandlung durch, gepeinigt vom jüngeren gelehrten Bruder des Hochkönigs Elias, der sich der dunklen Seite der Macht verschworen hat. Er steht auf, um für die Belange seines Volkes zu kämpfen und seinem Bruder entgegen zu treten.

Dieser zweite Band zeichnet sich durch Handlungsreichtum und viele wunderbare Ideen aus. Er ist hochgradig spannend und lässt den Leser oftmals mit dem Gefühl der Qual zurück, dass Williams eine Situation genau dann abbricht, wenn die Spannung am Größten ist. Das fällt besonders bei dem kleinen Tiamak, Träger der Schriftrolle und Bewohner des Wranna, einer Flusslandschaft des Dschungels, auf. Er bereitet die Leser darauf vor, dass dieser kleine Mann noch eine wichtige Rolle zu spielen hat.

Nachdem Williams im ersten Band die Grundlagen und die Stimmung der Geschichte in Osten Ard geschaffen hat, besticht dieser Band durch Größe. Band drei „Die Nornenkönigin“ hat einen langatmigen Einstieg und langweilt den Leser zwischenzeitlich, weil es nicht voran geht. Doch wer einmal mit dieser Saga begonnen hat, und wen der Schreibstil von Williams fesselt, der kann einfach nicht aufhören. Auch wenn am Anfang eine Zusammenfassung des ersten Teils vorliegt, ist es empfehlenswert, den „Drachenbeinthron“ zuerst zu lesen, sonst entgehen einem viele Anspielungen, die sich auf die Vorgeschichte beziehen.

Ihre Meinung zu »Tad Williams: Der Abschiedsstein«

walli007 zu »Tad Williams: Der Abschiedsstein«15.09.2015
Der Stein des Abschieds

Winter herrscht über dem Land, die Jahreszeiten schreiten voran, doch es bleibt kalt. In dieser unwirtlichen Zeit tun Simon und seine Freunde ihr Möglichstes, um die Welt zu bewahren. Das Ziel soll ein Ort sein, der „Stone of Farewell“ genannt wird. Der Weg dorthin ist beschwerlich und birgt große Gefahren. Es ist nicht sicher, dass sie alle gemeinsam diesen Ort erreichen, um Prinz Josua in seinem Kampf gegen das böse Reich zu unterstützen.

Mit seiner Saga um die drei Schwerter hat Tad Williams eine von Krieg und Untergang bedrohte Welt geschaffen. In diesem zweiten Band der Reihe befinden sich Simon und seine Freunde auf dem Weg. Dazu müssen sie unterschiedlichste Pfade beschreiten und große Gefahren bestehen. Manchmal werden sie direkt angegriffen, manchmal geht es eher darum, das Geheimnis ihrer wahren Identität zu bewahren. Wie ein magischer Anziehungspunkt und Ort der Hoffnung wirkt dabei der Stein des Abschieds. Es scheint so als würden alle auf dem Weg ihre Kräfte sammeln, um den bevorstehenden Kampf zu überstehen.

Wie es bei Büchern, die eine Wanderschaft beschreiben, schon mal sein kann, passiert nicht viel mehr als das eben diese Wanderung aus verschiedenen Blickwinkeln beschrieben wird. Zwar gibt es Passagen, die einen gefangen nehmen, doch man fragt sich, wieso diese Hindernisse im Gesamtzusammenhang des Geschehens sein müssen. Dienst es dazu, den Roman überhaupt mit Handlung zu versehen, oder hat es im gesamten Zusammenhang eine Bedeutung, die sich jetzt noch nicht entschlüsseln lässt. Genau so etwas ist es, das die Neugier auf die Folgebände weckt, obwohl es in diesem Buch vermeintlich nicht viel zu entdecken gibt. Vielleicht kommt da ja noch was, dass alles schlüssig werden lässt. Es ist ein Kreuz mit diesen Reihen.
Merianch zu »Tad Williams: Der Abschiedsstein«31.12.2006
Tad Williams Zyklus um Osten Ard ist der einzige, der meiner Meinung nach neben dem Herrn der Ringe bestehen kann. Die Völker und Figuren sind nicht nur ein neuer Aufguss der immer gleichen Elemente, die man sonst in diesem Genre antrifft, sondern wirklich innovativ. Wie Tolkien hat sich Williams die Mühe gemacht, eine Welt mit Jahrtausende alter Geschichte und Mythen zu erdenken, die in die Story hinein nachwirken, den Völkern eigene Sprachen und stimmige Kultur zu geben (ein besonderes Vergnügen, dass man die Völker der europäischen Antike, Mittelalter und Sagenwelt durchschimmern fühlt, ohne dass sie es wirklich sind). Die Charaktere sind vielfältig, allesammt faszinierend, glaubwürdig und stimmig beschrieben, selbst dem Sturmkönig und der Herrin Silbermaske kann man fast nichts als Mitgefühl entgegenbringen. Die Handlung ist schön und tragisch zugleich, facettenreich mit vielen ineinander verwobenen Handlungsstängen, die nicht immer in die Richtung laufen, die der Leser vorherzusehen meint. Es beginnt wie der HdR im ersten Buch recht betuhlich und idyllisch ereignislos, um dann ab Buch 2 exponentiell an Fahrt aufzunehmen.
Voll Empfehlenswert!
Ihr Kommentar zu Der Abschiedsstein

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.