Shadowmarch. Das Herz von Tad Williams

Buchvorstellungund Rezension

Shadowmarch. Das Herz von Tad Williams

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „Shadowheart“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 900 Seiten.ISBN 3-608-93720-X.Übersetzung ins Deutsche von Cornelia Holfelder-von der Tann.

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In Kürze:

Vielfältig sind die Bedrohungen des Landes Eion. Von Norden dringt im Schutz undurchdringlichen Nebels ein Elbenheer vor, und im Süden schmiedet der machtbesessene Herrscher Sulepis Eroberungspläne. In diesen Wirren lastet auf Prinz Barrik und seiner Schwester Briony eine übergroße Aufgabe. Eine riesige Elbenarmee überschreitet die Schattengrenze, und nichts scheint sie aufhalten zu können. Als Barrick in die Hände der heimtückischen Feinde fällt, ist Briony gezwungen, aus der Südmarkfeste zu fliehen. Ist es das Schicksal der Völker Eions, zwischen den Armeen der Elben und des Autarchen zerrieben zu werden? Gelingt es Briony, in der Fremde Unterstützung zu finden, um den Thron zurückzuerobern? Und ist Barrick der Herausforderung gewachsen, die ihn immer weiter in die Schattenlande hineinführt ...?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Epische Schlachten – kleine Helden“83

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Aus der ursprünglich geplanten Trilogie wurde eine Tetralogie, doch nun ist das Finale der großen „Shadowmarch“-Saga von Tad Williams da. Unzählige Geschichten um Völker, Wesen und Götter der Shadowmarch-Welt hat der Autor ersonnen und nun – zumindest die meisten – zu einem Ende geführt. Doch zu welchem?

Zwei wahnsinnige Eroberer – viele Fronten

Schlachten um die Südmarkburg, die in ihrem Inneren die Schnittstelle zur Götterwelt birgt, prägen diesen finalen Band „Shadowmarch – Das Herz“. Denn tief in das Herz der Südmarkfeste dringen die Eroberer vor, der Autarch von Xis Sulepsis und der verräterische selbsternannte Reichshüter der Südmark Hendon Tolly. Sie wollen nichts weniger, als sich einen Gott untertan machen und damit die absolute Herrschaft über den Kontinent Eion an sich reißen. Doch dessen Völker stellen sich diesem Wahnsinn entgegen, bilden Bündnisse, die man zu Anfang der Saga noch nicht für möglich gehalten hätte.

Barrick Eddon, Prinz der Südmark, reiste zu den Quar jenseits der Schattengrenze, den langjährigen Feinden der Menschen. Dort erhielt er vom sterbenden Quar-König Ynnir die Feuerblume, die Hälfte der Erinnerungen der Quar-Völker. Nun marschieren die Quar mit Saqri, Ynnirs Gemahlin, an der Spitze zur Südmarkburg, um gegen den Autarchen zu kämpfen. Doch werden wirklich alle Quar auf der Seite des einst verhassten Volks der Sterblichen stehen?

Seine Schwester Briony reitet mit der Armee des Kronprinzen von Syan Eneas zur Burg, um Hendon Trolly zu stellen, ihren Vater Olin aus der Gefangenschaft des Autarchen zu befreien und den Thron für die Eddons zurückzuerobern. Derweil wehrt Hauptmann Ferras Vansen in den unterirdischen Gängen der Südmarkburg mit den dort beheimateten Funderlingen wahrhaftige Monster ab. Und Mittsommer kommt immer näher, die Nacht, in der das Ritual der Göttererweckung vollzogen wird.

Ein typisches Tad Williams Werk

Nach den bekannten Tetralogien des Autors „Das Geheimnis der großen Schwerter“ und „Otherland“ endet nun mit „Shadowmarch“ eine weitere, obwohl ursprünglich eine Trilogie vorgesehen war. Und bei aller Anerkennung des Autors Fabulierkunst werden auch jetzt Stimmen laut, dass der „Shadowmarch“-Zyklus mit drei Bänden besser gefahren wäre (was an ein Zitat aus dem Film „Amadeus“ erinnert. Als Kaiser Joseph II. die Oper „Die Entführung aus dem Serail“ gesehen hatte, richtete er folgende Worte an den Komponisten Mozart: „Zu viele Noten, streich er einige weg, und es ist richtig.“).

Wer Tad Williams liest, weiß um dessen ausschweifenden Erzählstil, der stets eine Fülle von Geschichten und eine unglaubliche Vielfalt an Figuren erschafft. Was der Autor in der „Shadowmarch“-Tetralogie wieder eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Und es ist ihm doch wieder gelungen, woran man als Leser zwischendurch schon zweifeln wollte: Tad Williams hat (fast) alle Geschichten und Charaktere zu einem großen Ganzen vereinen können. Es würde hier den Rahmen sprengen, noch einmal die vielen mehr oder weniger bodenständigen und schillernden oder skurrilen Figuren zu beschreiben, zumal das bereits unsere ersten drei „Shadowmarch“-Rezensionen tun. Festzuhalten bleibt allerdings, dass wirklich jede Figur eine besondere, oftmals unerwartete Entwicklung durchläuft. Tad Williams nimmt jede seiner Figuren, und sei sie scheinbar noch so unbedeutend, ernst. Das gilt sowohl für die Sympathieträger, wie die Eddons, Quinnitan, Hauptmann Vansen oder den Funderling Chert, als auch für die Unsympathen, wie den diabolischen Autarch und den machtgierigen, über Leichen gehenden Tolly. Und für alle Figuren, die dazwischen liegen, die mehr oder weniger Spielbälle der Geschehnisse sind. Viele von ihnen setzen entscheidende Akzente, von einigen hätte man sich noch etwas mehr erwünscht. In „Shadowmarch“ erleben wir, wie viele große und kleine Leute zu Helden werden oder scheitern. Selten hat man eine derartige Fülle von Handlungen erlebt, die wie fallende Dominosteine Ereignisketten in Gang setzen und schließlich zum brutal-emotionalen Finale mit dramatischen Wendungen führen.

Götter und Philosophen

Wie bereits in der Rezension zu „Shadowmarch – Die Dämmerung“ angedeutet, kommt hier den Göttern eine besondere Bedeutung zu. Letztendlich bleiben ihnen, neben sporadischen Eingriffen, allerdings nur ihre in Liedern und Gebeten erzählten Mythen und ein Teil der finalen Schlacht vorbehalten. Nach den endlosen Schlachten der Menschen, Quar und Funderlinge gegen ihre weltlichen Feinde, fällt dieser Teil doch verhältnismäßig kurz aus. Das ist schade, denn hier wurde die Chance vertan, die Menschen-Quar- und Götterwelten neu zu definieren. Was bleibt, ist allerdings eine philosophische Botschaft, die ein wenig an die in Lessings Ringparabel erinnert. Nur, dass hier die Antwort auf die Frage nach der Bedeutung der Religionen weitläufiger ausfällt. Die Zorienpriesterin Utta antwortet darauf wie folgt:

„Selbst wenn unser Glaube nie mehr war, als ein Puppentheater, können wir doch daraus lernen. Und es ist möglich, dass auch die Götter selbst nur Theaterpuppen waren – das hinter all dem ein höherer Plan steht, mit Euch, mit mir und allen anderen hier. [..] Passt auf Euch auf. Verzweiflung ist der einzige echte Feind. [..]Tut irgendetwas, das einem anderen hilft.“

Die Zeilen am Anfang der Kapitel erzählen in „Das Herz“ übrigens keine Götter- oder Quar-Sagen, sondern eine Kindergeschichte: „Der Waisenknabe, sein Leben und Sterben und himmlischer Lohn“. Lange hat sie nichts mit den aktuellen Geschehnissen zu tun hat und fügt sich am Ende doch in die Geschichte ein. Eine Geschichte, die in die Zukunft weist und trotz aller Geschlossenheit offene Enden hat. Letzteres betrifft die Figuren, die stets eine geheimnisvolle Aura umgeben hat. Diese wollte ihnen Tad Williams offenbar nicht nehmen.

Insgesamt ist Tad Williams ein für seine Verhältnisse zwar schlachtenlastiger, aber trotzdem runder Abschluss seiner „Shadowmarch“-Tetralogie gelungen, wie immer ohne Kitsch, dafür voller Dramatik und mit einem besonderen Hang zur Poesie erzählt.

(Eva Bergschneider, November 2011)

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