Spät dran am Jüngsten Tag von Tad Williams

Buchvorstellungund Rezension

Spät dran am Jüngsten Tag von Tad Williams

Originalausgabe erschienen 2014unter dem Titel „Sleeping late on Judgement Day“,deutsche Ausgabe erstmals 2015, 540 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Cornelia Holfelder-von der Tann.

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In Kürze:

Der Engel und Anwalt der verlorenen Seelen ist aus den Tiefen der Hölle zurückgekehrt, seine Geliebte Caz befindet sich noch immer in den Fängen des Erzdämons Eligor. Und Bobby wird nun auch von seinen letzten Freunden im Himmel fallengelassen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Engel, die Dämonin und die Göttin – eine explosive Mischung“80

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Es ist schon so eine Crux, wenn man sich als Engel auf Erden verliebt. Doch fangen wir lieber, ich will Sie ja beileibe nicht verwirren, am Anfang an. Ja, es gibt den Himmel und die Hölle ist auch sehr real – mehr dazu später.

Bevor eine Seele aber nach dem Tod ins Jenseits übergeht, gilt es vorher zu bestimmen, in welche Richtung sich der Aufzug bewegt. Bürokratie gibt es auch in der Nachwelt, und so wird dieser Test als Gerichtsverhandlung vor Ort durchgeführt. Ein Richter – fragen Sie mich nur nicht, wer genau den ernennt – lässt sich von Advokaten beider Seiten die Vorzüge oder Verfehlungen des Verblichenen schildern und trifft dann seine Entscheidung. Daumen auf heißt Himmel, Daumen runter – da wird es dann warm.

Ich gehöre zu den himmlischen Anwälten. An mein Leben als Mensch habe ich keinerlei Erinnerung mehr, vor einigen Jahrzehnten wurde meine Seele nun in einen lebendigen Körper versetzt und ich darf in Kalifornien, genauer gesagt in San Judas für die Verstorbenen sprechen. Dass ich mich dabei in eine Dämonin verliebe war weder vorgesehen, noch dürfen meine Vorgesetzten davon wissen. Ich bin sogar leibhaftig in die Hölle eingefahren, um meine Angebetete zu befreien – vergeblich. Doch eine Hoffnung habe ich noch, denn meine übergeordnete Vorgesetzte hat Dreck am Stecken – und das Horn ihres teuflischen Mitverschwörers als Pfand versteckt – und eben dieses brauche ich, um meine Geliebte aus dem Fegefeuer zu befreien.

Um das Horn zu bekommen lege ich mich mit Nazis, Sammlern, einer gefallenen Göttin und Engeln an, ob mit das Glück hold ist bleibt abzuwarten, zumal es auch im Himmel Intrigen und Verrat gibt und ich mich plötzlich auf der Anklagebank wiederfinde . …

Tad Williams kann das – Urban Fantasy aus der Feder des High-Fantasy-Autors

Vor ein paar Jahren hatte ich das Vergnügen Tad Williams in seinem Hotel zu interviewen. Damals erzählte er mir, dass er gerade mit der Idee zu einer Urban Fantasy Trilogie schwanger gehen würde – er wollte für sich einfach wissen, ob er fähig wäre abseits der archaischen High-Fantasy im damals so boomenden Urban Fantasy Subgenre punkten zu können.

Nun liegt der dritte Band der Reihe vor, und Williams ist zu attestieren, dass er die Urban Fantasy um seine ganz eigene Kreation bereichert hat.

Der dritte Band der Bobbie Dollar – so nennt sich unser Engel Doloriel auf der Erde – Saga beginnt allerdings, na sagen wie es einmal vorsichtig, etwas verhalten. Legte der Auftaktband gleich mit unheimlichem Tempo los, begaben wir uns im zweiten Teil mit unserem Filou in die Hölle, eine wirklich traumatische Erfahrung, so wartet der Leser auf den großen Knall in vorliegendem Band zunächst vergebens. Zusammen mit Bobby versuchen wir in dessen alter Existenz Fuß zu fassen, herauszufinden, wer alles hinter ihm her ist und das Horn zu suchen. Das liest sich auch durchaus amüsant und kurzweilig, lässt aber doch etwas das Spritzige der ersten Teile vermissen. Es passiert lange nichts, dann wenig und nur Williams Fähigkeit skurrile Situationen zu skizzieren und uns aberwitzige Figuren vorzustellen sorgen dafür, dass wir uns nicht langweilen. Erst im letzten Drittel des Romans dreht der Autor dann auf, tritt das Gaspedal dann bis zum Blech durch. Allerdings nimmt der Plot so manche unerwartete, überraschende und vielleicht sogar unnötige Wendung, bis es denn in die Zielgeraden geht.

Das Finale birgt dann das erwartete Ergebnis, lässt aber auch so einige Fragen offen, so dass eine Fortsetzung in späteren Jahren durchaus möglich wäre. Als Fazit bleibt mir, dass ich zumindest Tads High Fantasy noch einen Tick gelungener empfinde, wobei er durchaus bewiesen hat, dass er auch im göttlich aufgepepptem hier und jetzt erzählen kann.

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