Stadt der goldenen Schatten von Tad Williams

Buchvorstellungund Rezension

Stadt der goldenen Schatten von Tad Williams

Originalausgabe erschienen 1996unter dem Titel „City of Golden Shadow“,deutsche Ausgabe erstmals 1997, 915 Seiten.ISBN 3-453-53075-6.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Otherland: Die Welt, in der die Phantasie Realität wird – und sich das größte Abenteuer aller Zeiten ereignet … Mit „;Stadt der goldenen Schatten“; beginnt die ultimative Fantasy-Saga der Gegenwart: Millionenfach verkauft und zuletzt auch als Hörspiel ein überragender Erfolg, ist Tad Williams’ „;Otherland“; an erzählerischer Wucht und phantastischem Ideenreichtum nur mit J. R. R. Tolkiens „;Herr der Ringe“; zu vergleichen. Ausgezeichnet mit dem CORINE 2004 Future-Preis

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Der Auftakt einer wahnwitzigen Reise durch virtuelle Realitäten“;85

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Stellen Sie sich einmal vor, sie würden nicht vor ihrem Computer sitzen und auf die „;Phantastik-Couch“; Webseite auf ihrem Bildschirm schauen, sondern hätten eine technische Ausrüstung, mit der sie eine dreidimensionale „;Phantastik-Couch“; Bibliothek aufrufen könnten. Sie befänden sich in einem phantasievoll eingerichteten Raum mit gemütlichen Sitzecken in dem Sie unsere Besprechungen ordern könnten. Nach dem Sie die Rezension zu „;Otherland – Stadt der goldenen Schatten“; angefordert haben, komme ich, bzw. meine kreativ gestaltete Figur (Avatar) zu Ihnen und wir unterhalten uns über das Buch. Darüber hinaus gäbe es noch mehr Möglichkeiten, Figuren aus dem Buch könnten sich Ihnen vorstellen, der Autor selbst Ihnen erzählen, wie er auf die Idee gekommen ist und vieles mehr -  beinahe alles wäre realisierbar. Eine interessante Vorstellung ? Jetzt haben Sie bereits einen ersten Eindruck darüber gewonnen, was Sie in „;Otherland“; erwartet.

Reales Leben – virtuelle Welt

Am Ende des 21. Jahrhunderts herrscht in Südafrika Bürgerkrieg und in den Vereinigten Staaten ein technokratisches System aus Gewalt und Korruption. Viele Menschen kämpfen um ihr Überleben, wer es sich leisten kann, flüchtet mit Hilfe von Computersimulationen in die virtuelle Realität.

Paul Jonas

Paul Jonas hört um sich herum Granaten und Schüsse einschlagen und die Schreie seiner sterbenden Kameraden. Er befindet sich in Frankreich zur Zeit des 1. Weltkrieges im Schützengraben. Schlamm, Kälte und blutiges Chaos sind kaum noch zu ertragen, als Paul eine andere Welt betritt, in der er die Bekanntschaft mit einer schönen und verängstigten Vogelfrau macht. Sie warnt ihn vor dem alten Mann, der ihn zur Strecke bringen wolle. Paul Jonas wird von zwei unnachgiebigen Gestalten von einer bizarren Realität zur nächsten gehetzt. Die Vogelfrau erscheint ihm immer wieder und ruft ihn beharrlich zu sich. Warum kann Paul sich an nichts erinnern, welchen Sinn hat diese Irrfahrt und was hat es mit dem Begriff „;Gralsbruderschaft“; auf sich, der tief in seinen Bewusstsein verankert ist ?

Renie und !Xabbu

Renie Sulaweyo arbeitet als Spezialistin für virtual reality (VR) in der Technischen Universität von Durban/Südafrika.!Xabbu gehört dem fast ausgerotteten Volk der Buschmänner an. Er möchte die Kultur seiner Ahnen festhalten und von Renie die Netzprogrammierung erlernen. Doch die hat gerade andere Sorgen, ihr Bruder Steven scheint im VR im so genannten inneren Distrikt in Schwierigkeiten zu stecken. Gerade hat sich Renie einen Zugang organisiert, als Stevens Freund ihr panisch mitteilt, dass Steven während des gemeinsamen Netzbesuches auf einmal das Bewusstsein verloren hat. Steven wird ins Krankenhaus eingeliefert, wo allerdings niemand seinen Zustand erklären kann. Renie recherchiert Informationen über dieses Koma, offensichtlich sind in Ländern mit hoher Netzabdeckung viele Kinder davon betroffen. Renie hat im inneren District ein Tool bekommen, dass eine geheimnisvolle goldene Stadt zeigt. Als ihre ehemalige Professorin Susan van Bleeck versucht, das Bild zu entschlüsseln, löst sie eine Kaskade von Gewalt und Verrat aus. Renie und !Xabbu fliehen zu einem stillgelegten Militärstützpunkt, wo sie V-Tanks aktivieren, mit denen sie unbegrenzte Zeit ins Netz gehen können. Susans Freund, der sich „;der Einsiedlerkrebs“; nennt und den unkonventionellen Netzbereich „;Treehouse“; erschaffen hat, bringt sie auf die Spur des „;Otherland“; Netzwerkes, eine gigantische Simulation zahlloser Welten, so perfekt, dass sie von der  realen Welt nur schwer zu unterscheiden ist.

Orlando und Sam

Die amerikanischen Teenager Orlando Gardiner und Sam Fredericks verbringen ihre Freizeit mit dem Abenteuer-Netzspiel „;Midland“;. Orlando leidet im realen Leben an Progerie, einer Krankheit, die ihn vorzeitig altern lässt. In der Realität erschöpft ihn jede Bewegung, in „;Midland“; ist er „;Thargor der Barbar“;, ein unbesiegbarer Held, der mit seinem Freund Sam als „;Pithlit der Dieb“; viele Gefahren übersteht. Das letzte Abenteuer wird der Figur Thargor zum Verhängnis, gerade als er ein seltsames Zeichen, ein Bild mit einer goldenen Stadt entdeckt hat, wird er völlig überraschend von einem eigentlich schwächeren Gegner getötet. Orlando vermutet, dass dieser Spielzug manipuliert wurde und stellt mit Sam und seinem Computeragenten Beezle Nachforschungen an. Auch sie erreichen das „;Treehouse“;und bekommen schließlich Zugang zu „;Otherland“;. Dort machen sie eine beängstigende Erfahrung; sie können nicht mehr offline gehen.

Mr. Sellers und Christabel

Mr Sellers wird auf einem schwer bewachten Militärstützpunkt festgehalten. Seine Erscheinung ist wenig bedrohlich; ein alter verkrüppelter Mann, mit einer Haut, die wie geschmolzenes Plastik aussieht. Er scheint ein VR-Spezialist mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu sein, der trotz massiver Einschränkungen kontinuierlich an einem geheimen Projekt arbeitet. Mit Hilfe der kleinen Christabel, der Tochter eines Militärpolizisten, plant Sellers ein gewaltiges und gefährliches Vorhaben.

Die Gralsbruderschaft

Sie sind die mächtigsten Männer der Welt, Herren von „;Otherland“; und treten in Gestalt der agyptischen Götter auf. Ihr Lebenswerk, eine autarke Welt für einen erlesenen Kreis, ist ihnen heilig, die Erreichung eines endgültigen Ziels steht unmittelbar bevor. Wie konnte ein so umfangreiches Netzwerk erschaffen werden? Wie kann der Betrieb von so vielen Welten aufrecht erhalten werden?

Otherland – ein opulentes Werk

„;Otherland – Stadt der goldenen Schatten“; ist der erste Teil der umfangreichen „;Otherland“; Tetralogie und mit 919 Seiten der zweit längste Teil. Der vierte Teil „;Meer des silbernen Lichts“; ist mit 1065 Seiten ist noch etwas umfangreicher, die Teile 2 „;Fluss aus blauem Feuer“; und 3 „;Berg aus schwarzem Glas“; sind mit jeweils ca. 800 Seiten auch nicht gerade schnell zu lesen. Die „;Otherland“; Bände haben keine in sich abgeschlossene Handlung. Dementsprechend werden im ersten Teil eine Reihe von Handlungsebenen eingeführt, deren Zusammenhang lange nicht offensichtlich ist. Schauplätze und Handlungsstränge wechseln einander ab, enden häufig mit einem Cliffhänger und werden ständig durch die „;Netfeed-Nachrichten“; unterbrochen, die mit der eigentlichen Handlung wenig zu tun haben und einen Hintergrundkommentar darstellen. Dieser Aufbau macht „;Otherland“; nicht gerade flüssig zu lesen. Das Tempo wird dadurch einerseits konstant hoch gehalten und das ganze Buch wirkt rastlos und gehetzt. Tad Williams beschreibt andererseits jeden Schauplatz und jede Szene außerordentlich detailreich, dadurch wirkt das Geschehen teilweise unnötig in die Länge gezogen und bringt die Handlung nicht erkennbar weiter. Mancher Leser empfindet Tad Williams Detailverliebtheit als zu exzessiv, andere sind von seinem Ideenreichtum begeistert. Dem Autor gelingt eine einzigartig phantasievolle und zugleich realistische Erschaffung einer Welt die ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten unterliegt und dennoch an jeder Stelle gut nachvollziehbar ist. Tad Williams Erzählstil ist so intensiv und mitreißend, dass man als Leser völlig in „;Otherland“; eintaucht und sein eigene Welt ausblendet. „;Otherland“; weist hohes ein Suchtpotential auf, wer ohne Mühe die 919 Seiten von „; Stadt der goldenen Schatten“; durchgehalten hat, wird eine Weile in Tad Williams virtueller Realität verbleiben und die weiteren drei Bände lesen. Leser, die sich bereits beim ersten Band von der Fülle der Handlungsebenen und der umfangreichen Beschreibung der virtuellen Welten erschlagen oder gelangweilt fühlen, tun sich dagegen mit dem Erwerb der nachfolgenden Bände keinen Gefallen.

Einzigartig gezeichnete Charaktere

Die Erschaffung seiner Protagonisten gelingt Tad Williams mindestens genauso exzellent, wie die Gestaltung der Schauplätze. Trotz der hohen Anzahl beinahe gleichwertiger Charaktere, ist jede einzelne individuell, mit besonderen Schwächen und Stärken und speziellen Bedürfnissen ausgestattet. Der Autor stellt ganz unterschiedliche Charaktere Seite an Seite, z.B. bilden Renie und !Xabbu ein sehr heterogenes Team, die praxisnahe Analytikerin und der spirituelle letzte Vertreter seiner Kultur. Ähnliches gilt für Orlando und Sam, der schwer kranke Junge kämpft verbissen um die Auflösung dieses komplexen Rätsels, während Sam sein weniger fanatischer, aber loyaler Freund und Wegbegleiter ist, der im Laufe der Geschichte erwachsener und reifer wird.

Zahlreiche Attribute sind für die Charakterisierung des  „;Otherland“; Epos verwendet worden, wie „;Achterbahnfahrt der Phantasie“;oder „;ultimative Cyberspace-Saga“; und besonders gern wird der Vergleich mit dem Begründer des Literaturgenre Fantasy strapaziert.

Der Tolkien des 21. Jahrhunderts…

…ist Tad Williams sicherlich nicht, denn er hat kein Werk erschaffen, dass vergleichsweise richtungweisend für ein Literaturgenre war, wie „;Der Herr der Ringe“;. Dennoch ist „;Otherland“; unbestreitbar ein innovatives Epos, auch wenn die Grundidee nicht neu ist… Die Komplexität von „;Otherland“; macht dieses Werk zu einem einzigartigen Genre-Mix aus Fantasy und Science-Fiction. Tolkien Fans, die sich auch für „;Otherland“; begeistern können, werden sich zudem über eine unübersehbare Hommage an  „;Der Herr der Ringe“; freuen.

Ihre Meinung zu »Tad Williams: Stadt der goldenen Schatten«

H.S. zu »Tad Williams: Stadt der goldenen Schatten«12.10.2008
Im fortgeschrittenen 21. Jahrhundert wandeln die Menschen in einem virtuellen Universum, das sowohl Informations- und Kommunikationsquelle, als auch schlichter Zeitvertreib ist. Ähnlich dem Internet ist diese weltumspannende Netzwerk, in das man sich körperlich mithilfe selbtkreierter “Sims” einloggen kann, angelegt.
Als ihr Bruder in ein mysteriöses Koma fällt, stellt die Hochschuldozentin Irene (“Renie”) Nachforschungen an, unterstützt wird sie dabei von einem ihrer Schüler, dem kleinen Buschmann !Xabbu und dem ewig nörgelnden, Alkoholiker-Vater. Gleichzeitig muss die kleine Christabel für einen freundlichen alten Mann im Rollstuhl eine wichtige Mission unternehmen, wandert der gedächtnislose Paul durch ein Netzwerk haarsträubend fantasiereicher Welten und versucht der 14 Jährige Orlando mit seinem Freund Sam, hinter das Geheimnis einer goldenen Stadt zu kommen…….

Die Frage wer besser zum anderen passt Tad Williams zu Otherland oder Otherland zu Williams ist so müßig wie die Frage, wer zuerst da war, die Henne oder das Ei. Bei diesem Buch- diesem Zyklus hat der richtige Autor zum richtigen Zeitpunkt das richtige Thema angefasst.
Es stimmt beinahe alles. Viele Charaktere in einer spannenden, nervenaufreibenden Handlung, interessante Welten, eine wichtige Mission zur Rettung der Zukunft….
Dabei ist der Roman auch (oder vielleicht sogar speziell?) für ein jüngeres Publikum angelegt. Von wenigen Gewaltszenen abgesehen, kann man das Buch auch sicher schon ab einem Alter von 14 Jahren empfehlen.
Williams versucht sich sprachlich auf die Welt im fortgeschrittenen 21 Jahrhundert anzupassen und erfindet eine Reihe neuer Begriffe und Schimpfworte, deren Bedeutung man aus dem Kontext immer erahnen kann. Die Sprache ist neu lebendig und der Story stets dienlich. Dazu kommt noch dass der Autor sich sprachlich den verschiedenen handelnden Personen so genial anpasst, dass man nur staunen kann. Beinahe perfekt !
Bedenkt man, dass dieser erste Teil der Otherland Reihe schon 1996 veröffentlicht wurde, wird die Leistung des Autors noch deutlicher. Es wird jedoch nicht von einem schlichten Internet erzählt, dass die Menschen, so wie der Leser gerade, lediglich optisch erfassen, sondern von einer virtuellen Welt, die auch andere Sinne anspricht.
Die Riege der Charaktere ist breit.
Ein kleiner Mangel ist vielleicht die, für einen Roman dieser Seitenstärke, doch etwas zu geradlinig verlaufende Story. Viele Thriller-Autoren hätten die Story auch auf 400 Seiten erzählen können. Williams ausufernde Sprache hat jedoch einen hohen Wiedererkennungswert. Wer zu Tad Williams greift, will auch eine Story so erzählt bekommen, bzw. sollte wissen was auf ihn zukommt.
“Otherland” ein wahnsinniger Trip der Fantasie. Eine episch umfassende Weltenschöpfung voller Personen, die sich in das Gedächtnis des Lesers tief einbrennen. Voller fantastischer Orte, unglaublicher Szenen, kurzem eine fast perfektes Buch, das für mich zu den absoluten Meisterwerken fantastischer Literatur zählt.
“Mega scännig. Echt. Da gehste nich so schnell ex.” Wie es der Autor vielleicht einem seiner Charaktere in den Mund legen würde……
Bernd Abels zu »Tad Williams: Stadt der goldenen Schatten«25.03.2007
Das bisher beste Buch von Tad Williams. Die Art, wie er Science-fiction und Fantasy vereinigt ist bemerkenswert. Der Leser taucht förmlich in die verschiedenen virtuellen Welten ein. Besonders die schnellen Wechsel sind mitreißend. Nie weiß man, ob sich die Charaktere, in die man sich gut versetzen kann und mit denen man staunt, nun in ihrer wirklichen Welt befinden, oder ob sie sich „eingestöpselt" haben in eine andere, fast grenzenlose Welt. Sie durchleben in den verschiedenen Welten die unterschiedlichsten Abenteuer und zunächst scheint es, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Eine Lehrerin aus Südafrika und ein Jugendlicher aus Amerkia, der sterbenskrank ist und sich nur in der virtuellen Welt schmerzlos bewegen kann, scheinen auch nicht viel gemeinsam zu haben. Doch sie und einige andere haben etwas gesehen, was sie nach der goldenen Stadt suchen läßt. Eine lange und gefährliche Suche, die nur die Besten beenden werden. Das Internet der Zukunft, wie es Tad Williams sieht, ist wahrscheinlich gar nicht so sehr Science-fiction wie man vielleicht denken mag, wenn man die rasante Entwicklung dieses Mediums betrachtet. Vielleicht ist es das, was dieses Buch so besonders macht. Ein Muß für alle Science-fiction Fans.
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