Gottesopfer von Tanja Pleva

Buchvorstellungund Rezension

Gottesopfer von Tanja Pleva

Originalausgabe erschienen 2010, 332 Seiten.ISBN 3-492-25867-0.

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In Kürze:

Auf dem Campo dei Fiori in Rom wird eine junge Frau verbrannt wie eine Hexe. Die Tat eines Besessenen? Er schlägt wieder zu, und auch dieser Ritualmord trägt seine Handschrift. Profiler Sam O’Connor findet nach und nach heraus, dass der Täter im Bann eines religiösen Wahns zu stehen scheint. Doch seine Identität bleibt lange im Dunkeln − so lange, bis es für sein nächstes Opfer fast zu spät ist …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Geister, weise Frauen und ein brutaler Inquisitor“89

Mystery-Rezension von Andreas Kurth

Der „Hexenhammer“ – mit lateinischem Titel „Malleus Maleficarum“ – ist ein Buch des Dominikaners Heinrich Kramer. Veröffentlicht wurde es 1486 in Speyer und diente Generationen von Inquisitoren fortan als Anleitung zur Verfolgung von Hexen und Häretikern. Im 21. Jahrhundert ist das Buch wohl nur noch von historischem Interesse – oder doch nicht? Ein brutaler Serienmörder richtet seine Opfer in der Gegenwart hin, nachdem er sie übelst gefoltert und gequält hat. Seine Vorgehensweise erinnert dabei an die Methoden der mittelalterlichen Inquisitoren. Der Münchner Profiler Sam O’Connor, ein ausgewiesener Spezialist, wird auf den Fall angesetzt. Die grausamen Morde haben in Rom, Salzburg, Amsterdam und Hamburg stattgefunden. Insbesondere in der Elbmetropole findet O’Connor interessante Spuren an den Tatorten.

Viele Hinweise deuten auf typische Foltertechniken der Inquisition hin, allerdings kann sich der skeptische Profiler zunächst keinen Reim auf die Sache machen. Für ihn sind Seancen und Geisterbeschwörungen schlichtweg unsinniger Hokuspokus. Bei seinen gründlichen Nachforschungen verdichtet sich jedoch das Bild eines Killers, der skrupellos Frauen tötet, die nach seiner Überzeugung einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben. Ein junger Hamburger Pater – der selbst zu Geisteranrufungen einlädt – und die hübsche Sprechstundenhilfe Lina geraten in den Fokus der Ermittler. Lina ist offenbar selbst ein Medium, und ahnt daher nicht, wie sehr sie in Gefahr ist. O’Connor, der mehr als Sympathie für die junge Frau entwickelt, kommt dem Psychopathen langsam auf die Spur – kann weitere grausame Morde aber dennoch nicht verhindern. Im dramatischen Finale kommen ihm schließlich der Zufall und die Spürnase eine Kollegen zu Hilfe.

Ein Held zum Anfassen

Tanja Pleva hat ein – in meinen Augen – sensationelles Debüt vorgelegt. Mit Sam O’Connor präsentiert sie ihren Lesern einen starken und recht authentischen Protagonisten. Der Kommissar muss im Zuge der Ermittlungen private Rückschläge verkraften – seine Schwester erleidet nach der Entlassung aus der Psychiatrie neue Anfälle – und wirkt gerade durch gezeigte Schwächen und ständige Selbstreflektion auf den Leser überaus sympathisch. Um seine Schwester zu retten, denkt Sam sogar an eine Geisteranrufung – für den überaus skeptischen Kommissar ein purer Akt der Verzweiflung. Neben diesem „Helden zum Anfassen“ hat die Autorin eine überaus spannende Geschichte kreiert. Von der ersten Seite an wird der Leser gefesselt und mit starken, zuweilen auch heftigen Bildern konfrontiert.

Die Autorin hat eine ausgezeichnete Mischung zwischen Horror- und fantastischen Elementen geschaffen. Die aufgefundenen Mordopfer bieten reichlich Gruseleffekte, aber noch eindringlicher ist dann das Gespräch des Ermittlers mit einem Professor, der ihm als Mittelalterexperte viel über die Methoden der Inquisition berichtet. Geradezu fröhlich und enthusiastisch schildert der Wissenschaftler die Tötungs- und Folterinstrumente der dunkle Epoche der europäischen Geschichte, und verursacht bei Sam O’Connor – und vor allem beim Leser – eine Gänsehaut nach der anderen.

Gruselig bis zur letzten Seite

Die in Rückblenden angerissene Lebensgeschichte des irren Mörders gibt erschreckende Einblicke in die Welt des religiösen Fanatismus, der in Wahnsinn umschlägt. Der selbst ernannte Teufelsaustreiber hat bereits als Jugendlicher getötet – und glaubt damit Seelen gerettet zu haben. Das perfide Spiel dieses Mörders enthält auch überraschende Wendungen, zumal der „Inquisitor“, wie ihn O’Connor im Zuge der Ermittlungen nennt – einige falsche Spuren legt, die Kommissar und Leser trefflich in die Irre führen. Überhaupt ist der Killer der genaue Gegenentwurf zum sympathischen Ermittler. Der im Kloster aufgewachsene Fanatiker ist von Sendungsbewußtsein förmlich durchdrungen, von keinerlei Selbstzweifeln geplagt, und deshalb eine eiskalte Tötungsmaschine. Teufelsaustreibung mit den Methoden des „Hexenhammers“ – eine hervorragend erzählte Geschichte, die den Leser intensiv berührt, gruselig und spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Nach diesem Debüt freut man sich als Leser bereits auf die Fortsetzung.

Ihre Meinung zu »Tanja Pleva: Gottesopfer«

Dracon zu »Tanja Pleva: Gottesopfer«12.11.2011
Tanja Pleva bleibt mit dem Roman Gottes Opfer weit hinter meinen Erwartungen zurück,die Handlung des Buches ist stellenweise so an den Haaren herbeigezogen das man nur ungläubig weiterlesen kann, auch die Hauptpersonen Sam und Lina sind übertrieben in ihren guten Wesen dargestellt .Spannung will so recht nicht aufkommen und das Ende hat man so oder so ähnlich schon in 100 anderen Bücher gelesen . Schade die Idee zu diesem Roman war gut aber die Umsetzung da hapert es aber an allen Ecken.
€nigma zu »Tanja Pleva: Gottesopfer«12.10.2011
Im Januar 2007 wird in Hamburg in einer eisigen Nacht eine nackte, bis zum Skelett abgemagerte, kahlgeschorene und völlig verwirrte Frau aufgegriffen. Da sie nicht ansprechbar ist und pausenlos Bibelpassagen rezitiert, wird sie in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen.

Ein Jahr später wird der Münchner Polizist und Profiler Sam O´Connor in der Ermittlung einer grässlichen Mordserie um Hilfe gebeten: an verschiedenen Orten in Europa (Hamburg, Rom, Amsterdam, Salzburg) wurden weibliche Leichen aufgefunden. Die Frauen wurden nach mittelalterlichen Ritualen der Inquisition gefoltert und ermordet. Sam, der mobilste Ermittler, der mir bisher untergekommen ist, reist umtriebig zwischen Hamburg, Rom, Salzburg, Amsterdam, Genf und Burghausen hin und her und gewinnt allmählich Einblick in die Zusammenhänge zwischen den Mordfällen: alle Mordopfer waren im esoterischen Bereich (Kartenlegen, Wahrsagerei) tätig und bei jedem Opfer wurde eine Bibel gefinden, die aus einer bestimmten Hamburger Kirchengemeinde stammt. So gerät zunächst der zuständige Priester, Pater Dominik, ins Visier der Polizei...

Sam wird jedoch nicht nur als Polizist, sondern auch als Privatmensch dargestellt, er kümmert sich liebevoll um seine Schwester Lily, die aufgrund langjährigen Drogenkonsums ein psychisches Wrack ist und immer wieder in der Psychiatrie untergebracht werden muss. Außerdem verliebt sich Sam in die junge Lina, die er in der Kirche von Pater Dominik kennenlernt und die ihm nicht aus dem Kopf geht, obwohl ihre Auffassungen über Gott und die Kirche sehr entgegengesetzt sind: sie ist eine gläubige Katholikin mit einem Faible für Übersinnliches, er ist überzeugter Atheist. Natürlich handelt es sich hier nicht nur um eine Liebesgeschichte, Lina wird auch in die Ermittlungen verwickelt.

In die fortlaufende Erzählung sind kursivgedruckte Kapitel mit Rückblenden in die Jahre 1985, 1990, 1995 und 2005 eingestreut. Hier wird der Leser Zeuge des bedauernswerten Schicksals eines kleinen Jungen, der von seiner Mutter so misshandelt wird, dass der Vater den Jungen schließlich (auf Nimmerwiedersehen) in einem Kloster abgibt, um dessen Leben zu retten.

Das Buch ist in relativ kurzen Kapiteln gehalten und durch die ständige Abwechslung im Hinblick auf die örtlichen und zeitlichen Ebenen äußerst kurzweilig und spannend zu lesen. Die Autorin versteht es, die verschiedenen Handlungsfäden im Griff zu behalten und zum Ende hin zusammenzuführen. Dabei werden geschickt falsche Spuren gelegt: der Leser ist zwar immer einen kleinen Schritt weiter als Sam und sein Kollege Juri, muss sich aber dennoch auf einige Überraschungen einstellen. Die Darstellung gegensätzlicher Einstellungen zur Thematik des Glaubens ohne Wertung der Autorin hat mir gefallen, ebenso die in diesem Buch vermittelten Informationen über die Hexenprozesse.

Der Schreibstil der Autorin ist nicht nur spannend, sondern auch erfrischend humorvoll, da kann man über ein paar kleinere Ungereimtheiten und Zufälle leicht hinwegsehen.

Dieses Buch hat mich sehr fesselnd unterhalten und ich freue mich auf den zweiten Krimi mit Sam O´Connor.
anyways zu »Tanja Pleva: Gottesopfer«16.05.2011
Der Profiler Sam O`Connor wird von Europol angefordert, um zwei außergewöhnliche Verbrechen an Frauen in Rom und Hamburg aufzuklären. In Rom wurde auf dem Campo die Fiori die verkohlte Leiche von Gianna Lorenzo an einem Laternenfahl gefunden. In Hamburg geschah ein ähnliches Verbrechen 2006 an Irene Geiger. Während der ersten Ermittlungen geschieht ein weiteres Verbrechen in Salzburg. Dieser Mord entspricht zwar nicht der üblichen Vorgehensweise des Täters, O`Connor ist trotzdem alarmiert, denn an allen Tatorten wurden abgeschnittene Haare der Opfer sowie Salz, Kräuter und Weihrauch gefunden, außerdem wurden an den Opfern bestialische Foltermethoden angewendet. Der Verdacht einer modernen Hexenjagd manifestiert sich. Die ersten wirklich brauchbaren Spuren auf die Identität des Killers führen nach Hamburg zu katholischen Gemeinde unter Führung von Pater Dominik. Der Pater war zur Tatzeit in allen Städten um heimlich spiritistische Sitzungen abzuhalten. Würde dies öffentlich werden, wäre der sofortige Ausschluss des Paters aus der Kirche sicher. Liegt hier das Motiv? Der Pater schweigt dazu.



Ein solide gestrickter Thriller mit einem sympathischen Ermittler, der sich neben seiner Arbeit noch um seine kranke Schwester und seinen tot kranken Freund und Kollegen kümmern muss.



Ein gelungenes Debüt von Tanja Pleva. Die dunkelste Vergangenheit der katholischen Kirche ist gut recherchiert, dargestellt und erläutert, auch die Verknüpfung mit den tagespolitisch aktuellen sexuellen Mißbrauchsfällen an Kindern und Jugendlichen durch Vertreter dieser Kirche gelingt sehr gut. Ein klein wenig hat mich manchmal der etwas hölzerne Umgang der Protagonisten untereinander gestört. Die Darstellung der Lina als schreibendes Medium ist für mich unglaubwürdig, wenn nicht sogar phantastisch. Das sind aber auch die einzigen kleinen Makel. Man merkt der Autorin die eigene Ruhelosigkeit an, denn genauso verhält sich ihr Hauptakteur. Dies tut der Spannung keinen Abbruch, im Gegenteil die Geschichte ist spannend und flüssig bis zum Schluss erzählt.
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