The Walking Dead – Staffel 6

In Kürze:

Polizist Rick Grimes erwacht aus dem Koma und erkennt die Welt nicht wieder: Das Krankenhaus, in dem er sich befindet, liegt in Trümmern, das Umland ist verwüstet – und überall lauern blutrünstige Zombies darauf, die Lebenden zu zerfleischen!

    Regel Nummer 1: Sage nie das Wort mit Z!

    Wer in den letzten 5 Jahren noch nie in eine Folge von The Walking Dead gezappt hat, werfe den ersten Stein. Über 80 Folgen lang schlagen sich die Überlebenden um Ex-Sheriff Rick Grimes nun schon durch, nachdem die Zombieapokalypse über sie hereingebrochen ist. Dabei überspringt die Serie geschickt – und irgendwie abgekupfert bei 28 Days later – den langwierigen Untergang der Welt, wie wir sie kennen. Denn Dreh- und Angelpunkt ist der Polizist Rick Grimes, der kurz vor dem Ausbruch schwer verwundet ins Koma fällt und in einem menschenleeren verwüsteten Krankenhaus wieder aufwacht. Auf seinem Weg nach draußen und auf der Suche nach seiner Frau und seinem Sohn wird er im Eiltempo erfahren müssen, wie es mittlerweile um die Albtraumversion seines verschlafenen Städtchens bestellt ist.

    Sein Weg hat Erfolg, er trifft auf eine Gruppe Überlebender, unter ihnen auch seine kleine Familie. Und spätestens hier wird klar: Es geht um Menschen und um ihre Beziehungen, mehr als um fleischfressende verwesende Untote, sie bilden vielmehr den Hintergrund für eine Weltuntergang-Western-Drama-Serie, die vielleicht auch deshalb eine so große Fangemeinde hat, hebt sie sich doch von Splatter-Zombie-Action erfrischend ab.

    In der mittlerweile sechsten Staffel der TV-Version hat die Gruppe um Rick Zuflucht in der Siedlung Alexandria gefunden, in der – hinter hohen Stahlmauern – das Leben recht normal abläuft: Man hat Strom und sogar fließendes Wasser, unzerstörte Häuser, Waffen und Vorräte. Und nachdem ein Großteil einer gigantischen Herde aus einem nahegelegenen Steinbruch erfolgreich fort geführt und der – immer noch immens zahlreiche – Rest in einer Tarantino-esken Schlacht vernichtet wurde, kehrt der Alltag in die Siedlung ein: Versorgungstouren, zu denen kleinere Gruppen aufbrechen, dauern manchmal mehrere Wochen und auf einer solchen treffen Rick und Daryl auf Jesus, der ihnen zwar erst einen prall gefüllten Truck stiehlt, sich aber dann als Vermittler einer anderen Gruppe Überlebender entpuppt, die bereit sind, Tauschgeschäfte zu betreiben.

    Nicht alle Gruppen sind in dieser kargen Welt so wohlgesonnen, so treffen unterschiedliche Mitglieder der Gruppe immer wieder auf vornehmlich Männer, die von ihrem Anführer Negan erzählen. Und schon bald entschließt Rick, dem ein Ende zu bereiten, denn nach 5 Staffeln wissen unsere „Helden“, dass meist die Lebenden eine noch größere Gefahr darstellen als die Toten.

    Abschiede am laufenden Band

    Liebgewonnene Hauptfiguren haben von der ersten Staffel an schon das Zeitliche gesegnet. Aber in der sechsten Staffel hat man das Gefühl, dass die Taktzahl ungewöhnlich hoch ist. Vielleicht auch deshalb, weil die 16 Folgen dieser Staffel nicht stringent einem Haupterzählstrang folgt, sondern vielmehr einzelnen Figuren ganze Folgen widmet. So wird Enids Weg nach Alexandria erzählt und Morgans Wandlung dank Eastmans „Therapie“ gezeigt, während in der Gegenwart so ziemlich jeder Charakter seine ganz eigenen Probleme zu bewältigen hat. Das macht diese Staffel etwas holprig und gekünstelt spannend, tauchen doch einzelne Personen einfach über zwei oder drei Folgen gar nicht auf, nach dem eine Folge davor einen meist atemraubenden Cliffhanger raus haut.

    Das Imperium schlägt …zurück?

    Das TWD-Universum von Robert Kirkman umfasst nach der erfolgreichen Comicreihe, auf der die TV-Serie basiert, auch eine Romanreihe, für die er sich einen Co-Autor zur Seite geholt hat. Mittlerweile ist die multimediale Version doch aber vermutlich die erfolgreichste Schiene: Sobald Comic- und Romanfiguren ein Gesicht haben, sind sie massentauglich ausschlachtbar. Tassen, T-Shirts, Schlüsselanhänger, reine Web-Mini-Serien und sogar eine neue TV-Serie über die Anfänge – Fear the Walking Dead – geht ebenfalls bereits in die zweite Staffel. Fans haben Google-Maps mit allen Stationen der Reise kreiert – natürlich nicht ohne die Unterschiede zwischen Comics und Fernsehserie penibelst aufzuzeigen – und diskutieren im Netz Realitätsnähe und Fehler der Reihe – oder wussten Sie, dass sich Benzin nach all den Jahren so verändert und verdickt haben würde, dass man damit nie und niemals Fahrzeuge betanken könnte?

    „Alles dreht sich um Menschen. Alles im Leben wird lebenswert durch sie, das weiß ich genau. Und hier draußen, ganz allein, sterben sie.“

    Sei es drum. Mit einem großen Budget und viel Liebe zum Detail bei der Ausstattung kinoreif produziert ist noch lange kein Ende für The Walking Dead in Sicht. Die siebte Staffel hat bereits einen Sendeplatz im Herbst diesen Jahres sicher und die Comicvorlagen bieten noch reichlich Stoff, den man verfilmt sehen möchte. Die Frage „Was wäre, wenn ...?“ und vor allem was machte es mit unseren Moralvorstellungen und Werten wird als „Familienserie mit Zombieanhang“ noch einige Episoden lang unterhalten können.

    Silke Wronkowski, im April 2016