Angoulême von Thomas M. Disch

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Angoulême von Thomas M. Disch

Originalausgabe erschienen 1972unter dem Titel „344“,deutsche Ausgabe erstmals 1977, 302 Seiten.ISBN 3-453-30906-5.Übersetzung ins Deutsche von Walter Brumm.

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In Kürze:

Als Verrazano, Seefahrer aus Florenz in Frankreichs Diensten und Kapitän der Karavelle „La Dauphine“, 1524 in der Bucht vor Anker ging, an der heute New York liegt, nannte er die neuentdeckten Gestade „Angoulême“ zu Ehren seines Königs, Franz I. von Frankreich.
New York ist bankrott, lebt auf Pump; seine Parks sind gefährlicher als die Dschungel Neu-Guineas, und das Analphabetentum in den Slums gleicht dem in unterentwickelten Ländern. New York siecht dahin, stirbt in Raten – und ist doch von einer unbezähmbaren Vitalität. Hubert Selby hat in seinem Roman „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ die Trostlosigkeit und morbide Faszination dieser Stadt eingefangen, wie sie sich heut darbietet. Thomas M. Disch, in derselben Haßliebe mit diesem Monstrum einer Magalopolis verbunden, schildert den todkrank dahinsiechenden, unsterblichen, schmarotzenden Koloß mit seinen Künstlern, Tagedieben und Fürsorgeempfängern, seinen irren und ausgeflippten Typen, wie er sich in naher Zukunft darbieten wird, wenn nichts für die Stadt geschieht.
Angoulême: New York in den zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts. Endstation der Entwicklung? Müllkippe der Zivilisation? – Oder Nährboden der Zukunft?

Ihre Meinung zu »Thomas M. Disch: Angoulême«

Riotgun zu »Thomas M. Disch: Angoulême«12.05.2015
Thomas Disch hat in seiner Novelle 'Angoulême' eine Collage des New York im Jahre 2025 gezeichnet und es erscheint schon merkwürdig, dass in der deutschen Übersetzung nicht einfach der Titel des Originals '334' beibehalten wurde. 334 ist die Nummer des Wohnblocks, in dem die Figuren leben, um die der Autor ein Handlungs- und Beziehungsgeflecht webt, welches so engmaschig und verwirrend ist, dass der Leser in höchster Anspannung verbleiben muss, um die Geschichten in den richtigen Kontext setzen zu können.

Eins haben die Schicksale der Figuren alle gemein: Sie scheitern angesichts erschreckender sozialer und gesellschaftlicher Umstände oder müssen wie in der Erzählung 'Emanzipation' ihre Individualität und ihr Geschlecht wechseln, um die Umstände zu meistern. Die Novelle besteht aus 5 Büchern, die jeweils eine eigenständige Geschichte erzählen und auch überzeugen können. Besonders das Schicksal (Tod des Sokrates) eines jungen Mannes, der wegen einer Diabetes-Erkrankung seines Vaters im Punkte-System abrutscht, dadurch die Erlaubnis verliert, Kinder haben zu können und an den Folgeprüfungen scheitert ist ein sehr guter Beginn.
In der Folge werden die Erzählungen immer schwächer. In der zweiten Erzählung 'Leichen' schafft es Disch ein letztes Mal den Leser in den Bann New Yorks im Jahre 2025 zu ziehen.

Dann baut die Novelle ab. Die Figurenkonstellation wird allzu unübersichtlich, die Erzählungen fesseln nicht mehr so und dann kommt das 6. Buch. Es besteht eigentlich über 160 Seiten hinweg nur aus wild durcheinander gewürfelten Episoden aus dem Leben dreier Personen, die zwar zuvor in den Erzählungen vorkamen, jedoch nur als Randfiguren in Erscheinung getreten sind.

Fazit
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Diese nicht stringenten Kurzepisoden, von denen keine länger als 3 Seiten ist, geben 'Angoulême' den Rest. Ich habe die Novelle sogar von neuem begonnen zu lesen und wurde dennoch von dem puzzlehaften 6. Buch entnervt. Als dunkle Sozialutopie kann das Buch nur in den ersten beiden Geschichten auftrumpfen. Diese sind lesenswert, der Rest in Ordnung und die zweite Hälfte des Buchs ist schlicht unlesbar.
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