Auspizien von Tobias Bachmann

Buchvorstellungund Rezension

Auspizien von Tobias Bachmann

Originalausgabe erschienen 2007, 160 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Inhalt:

3 Kurzgeschichten von Tobias Bachmann, ergänzt durch eine Rahmenhandlung:

  • Das Treffen der drei Alten I
  • Grønn
  • Das Treffen der drei Alten II
  • Liber XIII
  • Das Treffen der drei Alten III
  • Auspizien
  • Das Treffen der drei Alten IV

Das meint Phantastik-Couch.de: „Schmale aber 'runde’ Kurzgeschichtensammlung mit ungewöhnlichem Thema“70

Horror-Rezension von Elmar Huber

„;Der letzte Sonntag des Monats war für die drei Alten stets dazu gedacht und geeignet, sich zu treffen, Tee zu trinken, Zigarren zu rauchen und sich der wohlkingenden Atmosphäre eines, beim letzten Treffen auserkorenen Ortes Geschichten zu erzählen. Gruselige Geschichten, für gewöhnlich, denn alle drei hatten eine Schwäche für dieses Genre und alle drei liebten jenes unscheinbare Gefühl der knisternden Angst, der leichten Gänsehaut und der wohligen Schauer und es schien, als wäre es ihre einzige Bestimmung, um nicht zusagen, ihr Lebenszweck, diese Treffen abzuhalten.“
(Das Treffen der drei Alten)

Regelmäßig am letzten Sonntag im Monat treffen sich die drei Alten, um sich mit dem gegenseitigen Erzählen von Gruselgeschichten zu unterhalten. Doch etwas ist anders an der heutigen Zusammenkunft. Die erfundenen Geschichten scheinen in die Wirklichkeit zu greifen und von Erzählung zu Erzählung wächst das Gefühl eines tatsächlichen Schreckens.

Der Zufall führt den Weltenbummler Jonas auf die norwegische Insel „;Grønn“. Eines Morgens erfährt er vom unerklärlichen Verschwinden eines einheimischen Fischers. Dies ist bereits der dritte, der innerhalb kurzer Zeit bei Vollmond verschwindet. Die seltsamen Begebenheiten auf der Insel häufen sich und ungewollt gerät der Fremde in den Strudel der Ereignisse.

Unzweifelhaft ließ sich Tobias Bachmann von Lovecrafts „;Schatten über Innsmouth“ inspirieren. Dennoch verfügt „;Grønn“ über genügend Potenzial, um nicht als plumpe Nacherzählung gelten zu müssen. Leider wird das Potenzial nicht voll ausgeschöpft. Eine ausgereifte Charakterisierung und ein plausibler Hintergund für das Treiben auf der Insel fehlt leider. Damit fällt es schwer, sich mit Jonas zu identifizieren. Was bleibt ist eine nette Gruselgeschichte, die im Rahmen der Gesamthandlung ihren Zweck erfüllt.

Das „;Liber XIII“ ist ein geheimnisvolles Buch, das sich in eine Reihe stellen läßt mit dem Necronomicon, den Unaussprechlichen Kulten oder dem De Vermis Mysteriis. Nach der Lektüre wird Francesco de Montserrat von immer heftiger werdenden Albträumen heimgesucht. Er bittet seinen Freund Charles Laughton zu sich nach Providence.

Schon Laughtons Zugfahrt nach Providence beschreibt vergangene Zusammentreffen mit Cthulhu. Diese werden als kurze Tagträume eingebaut, indem Laughton während der Zugfahrt nach Providence immer wieder wegdämmert. Eine Idee, die hervorragend funktioniert. Im weiteren Verlauf versucht Tobias Bachmann gar nicht, seine Verehrung für Lovecraft zu verschleiern. Wild mischt er Elemente aus dessen Geschichten zu einem neuen Ganzen. Da wird ein Turm für eine polynesische Eingeborene errichtet, die sich ein Kapitän auf seiner Fahrt zur Frau genommen hat; Da ist die Rede von verwinkelten, unzugänglichen Zimmerteilen, hinter denen Kinderknochen modern; Da klärt ein hoffnungslos Betrunkener Zeitgenosse unseren Helden über die Wurzeln der Geschehnisse auf. Die wohl ungewöhnlichste Remineszenz ist allerdings der bereits von H.P.Lovecraft und E.A.Poe verwendete Vogelschrei „;Tekeli-li, Tekeli-li“. Obwohl hier stark gewildert wird, gelingt es Tobias Bachmann doch, eine fesselnde, eigenständige Geschichte zu erzählen.

Eine neue Familie zieht in die verschworene Gemeinde Nieningen. Zwangsläufig aber widerstrebend entwickelt sich der Kontakt zwischen der Dorfjugend und dem Sohn der Neuankömmlinge. Der Neue soll als Aufnahmeritual in die örtliche Jugendbande eine Nacht in der verlassenen Waldkirche außerhalb des Dorfes verbringen. Als er nicht zurückkommt, nimmt das Schicksal seinen Lauf und plötzlich scheinen überall Vögel aufzutauchen.

Nach einem angemessen kurzen Porträt von Nieningen und der Andeutung, dass etwas Schreckliches passieren wird, steigt Tobias Bachmann in die Handlung ein, die mit der Ankunft der neuen Familie beginnt. Erzählt wird aus der Sicht eines der Dorfjungen. Dabei behält Tobias Bachmann leider eine „;Erwachsenensprache“ bei. Die Verwendung eines jugendlichen Sprachstils hätte hier mehr zur Atmosphäre beigetragen, auch wenn die Ereignisse im Rückblick erzählt werden. „;Auspizien“ funktioniert sehr gut im Rahmen der Gesamthandlung. Ein leichter Schliff an einigen Stellen hätte der Geschichte gut getan. So bleibt sie, wie „;Grønn“, leider etwas zu leblos.

„;Das Treffen der drei Alten“ wird erzählt von der Haushälterin des Gastgebers. Von Teil zu Teil steigert sich das Gefühl der Bedrohung. Gemeinsam mit den erzählten Geschichten steuert „;Das Treffen der drei Alten“ auf einen gemeinsamen Höhepunkt zu. Sehr gut werden hier die Rahmenhandlung und die erzählten Geschichten verknüpft.

Vögel sind das verbindende Element

Entgegen dem Klang des Wortes, der darunter die Bezeichnung eines fremden Landes vermuten lässt, handelt es sich bei Auspizien um Voraussagungen und Deutungen, die aufgrund von Vogelflug und -lauten gemacht werden. Hat man das Buch zu Ende gelesen, wird klar, dass der Titel durchaus Sinn macht, sind Vögel doch das verbindende Element der Geschichten. Unter dieser Betrachtungsweise ist Tobias Bachmann ein ungewöhnlich „;rundes“ Werk gelungen. Das entschädigt auch dafür, dass das Buch etwas schmal ausfällt und noch dazu eine der Geschichten (Liber XIII) nahezu unverändert bereits erschienen ist.

„;Auspizien“ kommt realitätsverbundener daher als Tobias Bachmanns „;Novalis’ Traum“, das doch starke Tendenzen zum Surrealen aufwies. Lovecraft-Fans sollten wegen „;Grønn“ und „;Liber XIII“ einen Blick riskieren und auch Stammleser von Markus K. Korb dürften sich gut unterhalten fühlen.

Helfend zur Seite standen Tobias Bachmann Jörg Kleudgen (für „;Liber XIII“), Markus K. Korb (für „;Auspizien“), Sören Prescher (für „;Das Treffen der drei Alten“) und Solveig Perner (für „;Grønn“). „;Liber XIII“ wurde bereits in Jörg Kleudgens gleichnamiger Sammlung veröffentlicht und hier nur unmerklich überarbeitet. Auch die Rahmenhandlung „;Das Treffen der drei Alten“ wurde bereits veröffentlicht, für „;Auspizien“ aber stark angepasst.

Die Erscheinung des mgverlags kommt mit einem sympathischen Understatement und dezenter Gestaltung daher. Einige Rechtschreibfehler sind zu verzeihen.

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