Kaleidoskop der Seele - Retrospektive 1993-2007 von Tobias Bachmann

Buchvorstellungund Rezension

Kaleidoskop der Seele - Retrospektive 1993-2007 von Tobias Bachmann

Originalausgabe erschienen 2007, 220 Seiten.ISBN 3936742758.

»Kaleidoskop der Seele - Retrospektive 1993-2007« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Mit Anlehnung an den Stil eines Kafka und Poe, jedoch mit einer ganz persönlichen Note, führt der Autor den Leser durch eine Ansammlung unheimlicher Begegnungen und dunkler Machenschaften. Das Kaleidoskop der Seele spielt mit der Unsicherheit und Angst des Lesers, wie sie vielleicht am besten mit Dämmerlicht kurz vor der Dunkelheit vergleichbar ist. Man weiß, dass der Schatten ein Baum ist, und man weiß, dass es keine Ungeheuer gibt. Aber warum hat man dieses komische Gefühl der Angst und Beklemmung wenn der Schatten sich plötzlich bewegt?

Das meint Phantastik-Couch.de: „K A W U M M M M M M M M M M...“10

Horror-Rezension von Jochen König

Tobias Bachmanns „;Kaleidoskop der Seele“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, entstanden zwischen 1993 und 2007, die ursprünglich an anderen Orten erschienen sind und bereits im Jahr 2000 unter dem vorliegenden Titel veröffentlicht wurden. Jetzt ist die Anthologie, vom Autor überarbeitet und erweitert, in neuem Verlag unter gleichem Titel noch einmal erschienen. Nötig wäre es nicht gewesen.

Laut Nachwort hat der Autor viel Zeit und Herzblut in die Sammlung gesteckt. Das nehmen wir ihm ab, fraglich bleibt, wohin das alles geflossen ist? Kaum in die teils jämmerlichen Geschichten, die sich zwischen müdem Abklatsch der großen Vorbilder H.P. Lovercraft und Algernon Blackwood, fiktionaler Zivilisationskritik und kafkaesker Satire bewegen. Zumindest letzteres hätte der Autor jedenfalls gerne. Dabei ist das Beste, was man über das Buch sagen kann, dass es ein ausführliches Lektorat dringend gebraucht hätte. Ob dadurch viel zu retten gewesen wäre, bleibt allerdings zu bezweifeln. Bachmann war 16, wenn die Zeitangaben im Buch korrekt sind, als er die ersten Geschichten verfasste. Doch wie das so oft ist mit pubertären Geschichten; sie erscheinen unglaublich wichtig, wenn sie passieren, doch jeder ist froh, wenn sie Geschichte sind und nur noch hinter vorgehaltener Hand erzählt werden. Gerne als angetrunkenes Bekenntnis zu vergangenen Peinlichkeiten, über die man auf Wiedersehensfeiern unter alten Freunden herzlich lachen kann. Veröffentlichen sollte man so was auf keinen Fall. Denn dann kommen Geschichten raus, die sprachlich zwischen Edgar Allan Poe, Lovecraft und Blackwood herumirren und dabei vergessen, dass das 19. Jahrhundert vorbei ist, und originäre Autoren wie Lovecraft und Blackwood, die dem Klang einer ganz anderen Trommel gehorchten, kaum zu kopieren sind, ohne dass es lächerlich wird. Die Besseren der Epigonen (Lumley, Masterton etc.) haben das erkannt und sich Howard Philipp Lovecrafts Mythos und Motiven angenommen, ohne einen sprachlichen Offenbarungseid zu leisten.

Wenn der junge Tobias daher gestürmt kommt, auf Kriegsfuß mit Sprache und Rechtschreibung, von den bescheidenen Inhalten ganz abgesehen, ist das Gemetzel an der Literatur vorprogrammiert. Hat Bachmann keine Freunde, Lektoren oder Feinde, die den Mumm besitzen, ihm zu sagen, dass seine Geschichten schlecht geklont und seine sprachlichen Fähigleiten bestenfalls vermessen sind? Ein guter Autor kann durchaus Legastheniker sein, aber beim langen Produktionsvorgang, der vonstatten geht, bis man ein gebundenes Buch in Händen hält, muss jemand da sein, der die Fehler ausbügelt. Das ist bei Tobias Bachmann leider nicht geschehen. Dass er sich entschieden hat, sein Buch der neuen Rechtschreibung anzupassen, diese aber nicht in Ansätzen verstanden hat, führt zu dem Effekt, dass der innere Deutschlehrer geweckt wird und den Rotstift zückt. Das lenkt von den Geschichten ab, macht jede gruselige Atmosphäre zunichte und führt zu anhaltendem Gelächter oder Entsetzen. Ein paar Beispiele gefällig? Da geht ein Ich-Erzähler „;dem Drang nach, die Toilette auf zu suchen, da es zweifellos das war, was mich nicht schlafen ließ.“ An anderer Stelle wird behauptet, dass eine Geschichte „;war“ ist, während der Autor ernsthaft im Nachwort aufstöhnt: „;Da währen wir mal wieder“. Als was denn? Euro, Dollar oder britisches Pfund? Derartiges aus einander reißen von Wörtern, die zusammengehören, sinnverfälschenden Fehlschreibungen und fehlerhaften Satzbildungen finden sich zuhauf. Zudem neigt Bachmann zu galoppierender Redundanz, was selbst die kürzesten Geschichten anschwellen lässt auf ein Maß, das kein Gürtel mehr hält. Wenn die Schneedecke sich erhöht, liegt das daran, das Schnee fällt. Wenn sich eine Tür nicht öffnen lässt, woran liegt’s? Genau, sie ist verschlossen. Vielleicht ist der geneigte Leser ja tatsächlich zu verwirrt, um Ursache und Wirkung korrekt entschlüsseln zu können. Mein absoluter Liebling ist die nachdenkliche Betrachtung des Begriffes „;Ruhe“. Hier erklärt Bachmann dem verdutzten Leser ernsthaft, was die kleine Weisheit „;Ruhe vor dem Sturm“ bedeutet.: es handelt sich „;bei besagter Ruhe in der Tat um jene vor dem Sturm“. Tatsächlich?!

Bevor ich der Versuchung erliege, Seite um Seite mit Zitaten zu füllen, die dem altehrwürdigen Begriff „;Komödienstadl“ eine ganz neue Dimension verleihen dürften, verabschiede ich mich mit einer kurzen Inhaltsangabe. Algernon Blackwoods „;Wendigo“ erlebt als „;Krotus“ eine Hommage, die besser unter dem Schnee begraben wäre, der in der Geschichte dauernd fällt. Ein warmer Schal würgt, Zarathustras Kannibalenkumpel liest gerne „;Emanuel Kant“ (der Guteste kennt anscheinend das Taufregister Immanuels), Jesus ist ein Killer, das Haus der Ushers auch nicht das, was es mal war. Dennis Chambers „;tat die Arbeit, welche ihm als Friedhofswärter zuteil kam, äußerst gerne“, Werwölfe vergreifen sich ebenso lustvoll an jungen Mädchen, Charles Dexter Ward wird zur pädophilen Hexenfantasie. Domian fliegt in die Luft, Kinder wühlen im Müll, eine riesige Vagina wartet hinter dem verzweifelten und vergeblichen Versuch eine Eintrittskarte in Kafkas Schloss zu ergattern. Ach ja, Familie Stoiber (Vater, Mutter und fünf Kinder) wird exzessiv niedergemetzelt – wenn derart platt Satire aussieht, verzichte ich gerne auf’s Gelächter. Gerahmt wird das Ganze von Steinen und dem Necronomicon. Genauer, einem unheimlichen Gebärakt, der in Stonehenge stattfindet. Das Necronomicon verrät wie’s geht. Drei Geschichten, drei verschiedene Zeiten, dreimal dasselbe.

„;Kaleidoskop der Seele“ ist ein verquastes, fehlerhaftes, überflüssiges Geschreibsel. Manch nette Idee geht an der eigenen Inkompetenz zugrunde, manch andere Idee ist gar keine. Bleibt nur übrig, inständige Gebete an höhere Instanzen zu schicken, egal ob sie D.l.G oder Cthulhu heißen, und zu wünschen, dass die nächsten Ausgaben des „;Kaleidoskops der Seele“ wenigstens grammatikalisch überarbeitet werden. Es sei denn, man möchte Halloween als trunkenes Karnevalsspektakel feiern. Dann ist das Buch genau der richtige Wegbegleiter.

Ein Zitat noch zum Schluss: „;- – - K A W U M M M M M M M M M M . . .- – -“;

So könnte es ewig weiter gehen, auch auf die Gefahr hin, dass man aus treten muss.

Ihre Meinung zu »Tobias Bachmann: Kaleidoskop der Seele - Retrospektive 1993-2007«

Ihr Kommentar zu Kaleidoskop der Seele - Retrospektive 1993-2007

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.