Die Dämonen von

Buchvorstellungund Rezension

Die Dämonen von

Originalausgabe erschienen 2008, 464 Seiten.ISBN 3-492-70145-0.

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In Kürze:

Seit Jahrtausenden sind die Dämonen in einem magischen Schlund gebannt. Doch durch einen Zufall gelingt Irathindur und Gäus die Flucht. Sie fallen in das Menschenreich Orison ein und ergreifen dort von Herrschern Besitz, um das Land unter sich aufzuteilen. Bald jedoch stellt sich heraus, dass die Lebenskraft, die den Dämonen als Nahrung dient, für zwei Geschöpfe der Finsternis nicht ausreichen wird. Ein Dämon muss den anderen vernichten, um zu überleben. Irathindur und Gäus versammeln gewaltige Heere hinter sich und beginnen eine erbarmungslose Schlacht, die alles in den Schatten stellt, was das menschliche Auge je gesehen hat …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Mehr als einer der austauschbaren Völkerromane“80

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Vor Jahrhunderten hat der letzte der großen Magier die Dämonen in den Schlund gebannt. Seitdem leben die Menschen in Frieden miteinander. Neun Provinzen umfasst das Reich Orison, mit einem König an der Spitze. Als der alte Monarch auf einer fettigen Soße ausrutscht, und über den Balkon zu Tode stürzt übernimmt sein unreifer, unsicherer Sohn die Herrschaftsbürde, die eigentlich keine ist. Ein funktionierender Beamtenapparat, Wohlstand in allen Provinzen und fähige Verwalter, das Königreich ist ein Selbstläufer.

Eines Tages setzt sich der junge König in den Kopf, den Schlund zu besichtigen. Am Strudel, in dem die Dämonen gefangen sind, angekommen, opfert er diesen aus einer Laune heraus seine beiden Ohrringe – ein Fehler, wie sich herausstellen wird. Die königlichen Preziosen dienen zwei der Dämonen als Mittel zur Flucht. Kaum an der Erdoberfläche angekommen, vereinbaren die beiden einen Friedenspakt. Jeder sucht sich einen Wirt und genießt die schönen Seiten des Lebens.

Während Gäus in den König fährt, besetzt Irathindur eine lebenslustige Baronin. Als Irathindur dann aber bemerkt, dass die Lebenskraft, die er zum Existieren benötigt, endlich ist, ja diese für zwei Dämonen nicht ausreicht, ist guter Rat teuer. Der Nichtangriffspakt lässt ein direktes Eingreifen nicht zu – kurzum krönt er sich selbst zur Königin. Der Jahrhunderte währende Status Quo ist passee, Geltungssucht, Machtdenken, Egoismus greifen um sich, Kriege brechen aus, die dünne zivilisatorische Tünche bröckelt all überall.

Aus Sicht eines der in den Dienst gepressten Soldaten, einem jungen Mann, der eigentlich nur studieren wollte, dann zum Boxchampion avancierte und später auf den unterschiedlichsten Seiten im Krieg dabei ist, wird das Geschehen in all seiner Idiotie und Widersinnigkeit dargestellt.

Tobias O. Meissner – ein Autor, der etwas auszusagen hat

„'Die Dämonen’ sind ein Actionspektakel, das kein Fantasy-Leser je vergessen wird“, so zumindest die reißerische Aussage der Marketing-Strategen im Klappentext.

Selten war eine Aussage so falsch, wie diese! Tobias O. Meissner hat mitnichten einen der üblichen bemüht lustigen Hau-Drauf Fantasy-Romane vorgelegt, die im Dutzend billiger jedes Jahr über uns hereinbrechen. Oh nein, Tobias Meissner ist sich dafür viel zu schade. Statt dessen hat er eine Parabel vorgelegt, die die Unsinnigkeit und den Wahnsinn des Krieges überdeutlich beißend portraitiert.

Natürlich gibt es Beschreibungen von Kämpfen und Schlachten, doch sind diese niemals Selbstzweck, sondern dienen immer dazu, den Krieg als letztlich perversen Selbstläufer zu entlarven.

Ist die zivilisatorische Tünche einmal ab, kommen unweigerlich die wahren Charaktere zum Vorschein. Psychopathen spielen sich zu despotischen Herrschern über Leben und Tod auf, verkorkste Verlierer erhalten plötzlich Macht über andere und nutzen diese weidlich, um sich selbst zu profilieren, um ihre Herrschafts- und Gewaltgelüste zu befriedigen.

Mit spitzer Feder, mit Gespür für Personen, die zunächst dem Gewohnten entsprechen, dann aber im Verlauf der Ereignisse immer mehr ins Surreale abgleiten, hat Meissner einen Roman vorgelegt, der nichts aber auch gar nichts mit den Völkerromanen in der Nachfolge Tolkiens gemein hat – und das ist gut so!

Statt dessen unterhält er, ähnlich wie in seinem Meisterwerk „Das Paradies der Schwerter“ anspruchsvoll, tiefsinnig und packend. Das wird so manchem Gelegenheitsleser, der einen weiteres Zwergen- oder Ork-Abenteuer erwartet, nicht schmecken, dafür die Freunde anspruchvsollerer Fantasy abseits der ausgetretenen Pfade entzücken.

 

Ihre Meinung zu »Tobias O. Meißner: Die Dämonen«

Enel zu »Tobias O. Meißner: Die Dämonen«28.09.2010
Hallo,
ich wollte nur anmerken, dass das Cover des hier vorgestellten Buches zum zweiten Teil aus der Serie "Die Dämonen" gehört.

"Die Dämonen - Freiheit oder Finsternis" ist die Fortsetzung, erschienen März 2010.

Cover des ersten Teils sieht so aus:

http://www.amazon.de/Die-D%C3%A4monen-Tobias-O-Mei%C3%9Fner/dp/3492701450/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1285679209&sr=1-1

grüße
Enel
Tomaten Mark zu »Tobias O. Meißner: Die Dämonen«16.10.2008
Die Dämonen klingt für einen Fantasy-Leser zuerst nach einer Parallelgeschichte zu den unzähligen Abenteuerbüchern über Zwerge, Trolle, Orks und dergleichen.
Ich persönlich hatte besonders in der ersten Hälfte des Buches eine wesentlich stärkere Präsenz der Dämonen erwartet und war durchaus etwas verwundert, nicht unbedingt enttäuscht, wie die Geschichte erzählt wird.
Viel über die Dämonen selbst, über ihre Macht, erfährt der Leser nicht, es werden ein paar Anekdoten vorgelegt, in alten Zeiten vor Erschaffen des Magie-bannenden Mahlstromes, jedoch fühlte ich mich gänzlich aus der Geschichte gedrängt. Mir scheint es so, als ginge es im Kern dieser Geschichte nicht um Dämonen oder deren Macht, Abenteuer und Persönlichkeiten, sondern eher um ein Buch gegen den Krieg. Zugegeben war ich eventuell etwas verwöhnt und mein Blick war in eine bestimmte Richtung gelenkt durch Bücher wie "Die Elfen" oder "Die Zwerge" in denen die Eigenheiten, Stärken und Schwächen der Wesen durch ihre Abenteuer unterstützt vom Leser bewundert werden konnten, doch ich hatte mir für "Die Dämonen" einfach beeindruckenderes vorgestellt.
Der Autor spricht meiner Meinung nach eine Leserschaft an, welche viel lieber Erfahrungen über eben diese fantastischen Wesen durch das Lesen der Bücher erfährt, als eine Art philosophisches auf-die-Finger-Klopfen vom Kaliber Krieg ist doof mit dem (Sch)Einband "Die Dämonen" in eine falsche Richtung gestoßen zu werden.

Natürlich wird im Verlaufe der Geschichte auch der Fantasy-Teil langsam erweckt und es geht durchaus um zwei Dämonen mit übernatürlichen Kräften, doch scheint diese Tatsache nur nebensächlich und hat mir diesen Titel dadurch allenfalls zu einem durchschnittlichen Urteil geraten.
darkul zu »Tobias O. Meißner: Die Dämonen«10.08.2008
Stimme der Rezension vollkommen zu, nur muss dann auch die Wertung bei mindestens 90% liegen.

Ein Buch, das wieder einmal wahrlich zu lesen lohnt und das eine nachhaltige und tiefe Wirkung hinterlässt, wenn man sich drauf einlässt und nicht ein sinnloses Actionspektakel erwartet.
Gäus wirkt in seinem Tun "menschlicher" oder vielleicht vom Verhalten her klüger und abwartender, vielleicht sympathischer, vielleicht der "bessere" von beiden. Irathindur leckt von der Macht und er will sie dann mit allen Mitteln erreichen, wirklich mit allen Mitteln.
Ob das nun daran liegt, dass sie sich eben dementsprechende Personen ausgesucht haben, sei mal dahingestellt.
Beide sind aber nicht in der Lage, ihre Macht zu teilen, ihren Nichtangriffspakt einzuhalten im Endeffekt. Wirkt ein wenig wie der Kalte Krieg zunächst. Beide sammeln Macht, rüsten auf, einer erobert, einer lässt die Politik und die Zeit für sich spielen. Letzten Endes kann aber nur ein Kampf darüber entscheiden, wer die Oberhand behält.

Eines ist mir allerdings nicht klar:
Achtung Spoiler!
Warum ist der finale Kampf im Prinzip eine Abschrift der Boxkämpfe von Oloc und Minten nur mit anderen Adjutanten? Und Gäus und Iranthindur werden dabei auch als Minten und Oloc beschrieben.
Dieses Stilmittel ist genial, aber mir will sein Sinn nicht ganz klar werden.
Kann mir das einer erklären?

Wieder einmal wurde meine Meinung bestätigt, auch vom Rezensenten: ich hasse Klappentexte oder Inhaltsangaben auf Buchrückseiten. Ich hasse sie einfach. Ob sie nun zuviel verraten oder ein Buch in ein völlig falsches Licht rücken. Selten, aber auch nur ganz selten, gibt es Ausnahmen.
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