Die dunkle Quelle von

Buchvorstellungund Rezension

Die dunkle Quelle von

Originalausgabe erschienen 2005, 375 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

Als Schreiber im Rathaus von Kuellen führt Rodraeg Delbane ein beschauliches Leben. Bis ihn eines Tages die schöne Schmetterlingsfrau Naenn als Anführer einer geheimnisvollen Truppe wirbt. Die Gefährten des Kreises wollen die phantastische Welt, in der sie leben, vor Zerstörung und Mißbrauch bewahren. Doch schon beim ersten Einsatz scheitert Rodraeg. Nur knapp entrinnt er dem Untergang in der Hölle der Schwarzwachsminen und steht schließlich seinem Erzfeind in einem letzten Duell gegenüber.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Militante Ökos in Mittelerde“75

Fantasy-Rezension von Holger Schmidt

Die Kritiken sind voll des Lobes für den deutschen Nachwuchsautor Tobias O. Meißner. „Im Zeichen des Mammuts“ erscheinen seit 2005 Fantasy-Romane aus Meißners Feder, in denen eine Gruppe von Helden es sich zur Aufgabe macht, die bedrohte Natur zu bewahren – wenn es sein muss, auch mit Waffengewalt.

Vom Schreibtischhengst zum Robin Wood

Rodraeg Talavessa Delbane ist ein Schreibtischhengst, wie er im Buche steht. Von einem knauserigen Bürgermeister für einen Hungerlohn beschäftigt, sind es nicht nur administrative Aufgaben, denen Rodraeg im Ratshaus nachgeht. Ob es um die Schlichtung störender Streitigkeiten oder grauenhafte Poesie für feierliche Anlässe geht, Rodraeg erfüllt seine Aufgaben stets mit viel Disziplin. Das ändert sich, als eines Abends eine geheimnisvolle Schöne auftaucht und Rodraeg für eine gefährliche Mission anwerben will.

Vielleicht hätte Rodraeg aufhorchen sollen, als er erfuhr, dass bereits andere Kandidaten Naenn einen Korb gegeben haben. Doch Rodraeg ist Idealist und erliegt zudem dem Liebreiz des Schmetterlingsmädchens schnell. Ehe er sich‘s versieht, reist er also in Begleitung von Naenn seiner neuen Aufgabe entgegen. In der Stadt soll er mehr über seine im Hintergrund agierenden Auftraggeber und die Mission erfahren.

Nachdem das geschehen ist und bevor es nun richtig los gehen kann, muss Rodraeg jedoch noch sein Team zusammenstellen. Gar keine leichte Aufgabe, denn mit einer üppigen Vergütung kann er potentielle Mitstreiter nicht locken. Und auch die Arbeit ist nicht jedermanns Sache; Rodraegs Gruppe, deren Stützpunkt kurzerhand „Das Haus des Mammuts“ getauft wird, soll überall dort intervenieren, wo das natürliche Gleichgewicht der Elemente bedroht wird.

Fortsetzung folgt

Das Konzept von Meißners Zyklus scheint schnell durchschaut: eine Gruppe wackerer Helden, verschiedene abenteuerliche Missionen und kein Ende in Sicht. Beste Voraussetzungen also, episodenhaft Buch für Buch abgeschlossene Geschichten zu erzählen. So verhält es sich auch in „Die dunkle Quelle“, wobei die zu erfüllende Mission in diesem Buch eher Beiwerk ist. Über viele Seiten erzählt der Autor zuerst von der Anwerbung Rodraegs, der Reise zu seiner Wirkungsstätte und später von der Suche nach passenden Mitstreitern. Ein weiteres Element wird in Prolog und Epilog kurz angerissen, in der eigentlichen Handlung aber nur am Rande erwähnt – hier hat Meissner noch ein Bonbon versteckt, das in zukünftigen Bänden ausgepackt werden kann.

Das Erzähltempo ist gemächlich. Zusammengefasst geschieht nicht wirklich viel in dem 370-Seiten-Schmöker. Meißner ist ein versierter Erzähler und glänzt besonders mit einer variantenreichen Sprache, die so schnell keine Langeweile aufkommen lässt. Übermäßiger Pomp vermeidet der Autor dabei eher und setzt auf griffige und der Situation stets angemessene Schilderungen, schöpft aus einer unendlich erscheinenden (und ganz und gar nicht dunklen) Quelle treffender Formulierungen.

Ein etwas anderer Held

Ausgesprochen unterhaltsam kommt der Humor der Hauptfigur, Rodraeg, rüber. Dieser ist auf der einen Seite ein vom Leben desillusionierter Bürokrat, auf der anderen Seite aber auch ein hoffnungslos romantischer Idealist. Immer wieder denkt er an seine Jugendjahre zurück, in denen er gemeinsam mit einem guten Freund eine Reise quer durch den Kontinent unternahm. Insgeheim sehnt er sich noch immer nach dieser einfachen Zeit voller Abenteuer. Genau der Richtige also für eine etwas naiv erscheinende Mission, wie der Rettung der Natur. Rodraegs nüchtern realistischer Witz macht ihn zu einem sympathischen Helden, dem der Leser sich gerne auf seiner Reise anschließt.

Die erfrischende Gutartigkeit und Anständigkeit der Hauptfigur, gepaart mit dem Erzähltalent des Autors, machen „Die dunkle Quelle“ zu einer unterhaltsamen Sache. Die lange währende Ereignislosigkeit der Handlung wirkt sich jedoch negativ aus. Stellenweise lässt sich Meißner einfach zu viel Zeit und weckt Erinnerungen an den Meister des langatmigen Fantasy-Schmökers Robert Jordan. Süffig zu lesen und dank seinem, gerade im Fantasy Bereich, ungewöhnlich naiven Öko-Idealismus, ist dieses Buch durchaus ein interessanter Auftakt. Eine Zyklus, der einen zweiten Blick wert ist.

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