Freiheit oder Finsternis von

Buchvorstellungund Rezension

Freiheit oder Finsternis von

Originalausgabe erschienen 2010, 478 Seiten.ISBN 3-492-70184-1.

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In Kürze:
In »Die Dämonen« entkamen zwei düstere Geschöpfe aus ihrem magischen Gefängnis und stürzten das Land in einen verheerenden Krieg. Doch das waren nur zwei – jetzt brechen die restlichen hunderttausend Dämonen aus. Eine gigantische Armee fällt in die Menschenwelt ein. Die Menschen formieren Truppen und schmieden Allianzen, aber die Übermacht ist erdrückend. In dieser Schlacht geht es nicht mehr um Besitztümer, Ländereien oder das eigene Überleben. Das Einzige, was noch zählt, ist das Schicksal der Menschheit …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Eins Zwei Drei – Dämoneneinerlei“35

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

„Dämonen-Freiheit oder Finsternis“ ist nach "Die Dämonen„ der zweite Teil von Tobias O. Meißners Dämonentrilogie, auch der dritte Band “Am Ende aller Zeiten„ ist bereits erschienen. Vermutlich ist diese Fantasysparte, in der sich heftig bekriegt, viel geblutet und noch mehr gestorben wird, der Beliebtheit der Fantasy PC-Games geschuldet. Wer gern des Kämpfers kriegerisches Abenteuer erlebt, liest auch seine Geschichte. Viele sind es sicherlich wert, erzählt zu werden. Meißners “Die Soldaten„ war ebenfalls ein Buch über Armee und Krieg, doch dort ließ die Kampfhandlung lange auf sich warten. Anders hier; das Blutvergießen bricht unmittelbar über Land und Menschen herein.

Der Schlund spuckt 12430 Dämonen aus …

...249 verendeten gleich in der Nähe des Schlunds. Der Rest fällt, 21 Jahre nach dem ersten Dämonenkrieg, über das neungeteilte Königreich Orison her. Im Handstreich machen die Dämonen dem Hauptschloss des sechsten Baronats den Garaus. Allen voran der unkontrollierbare und wilde Hundegesichtdämon Orogontorogon, der oft mit seinem Hauptmann Culcah, einem Kriegsstrategen aneinander gerät. Nachdem Orogontorogon den Baron, den Culcah lebend kassieren wollte, in Stücke gerissen hat, verfolgt er eigene Wege. Der Heeresführer verzweifelt derweil an der Disziplinlosigkeit seiner Soldaten. Doch noch ist die zahlenmäßige Überlegenheit und Kampfeskraft der Dämonen erdrückend.

Die Königin der Menschen Lae I formiert den Widerstand, macht sich aber ebenfalls bereit, mit ihren Leute in den Norden zu ziehen. Ein Bündnis mit dem verhassten König Turer von Coldrin scheint das kleinere Übel zu sein. Kampflos den Dämonen das Feld überlassen will sie aber nicht. Und so zieht ihr Berater und Geliebter Taisser Sildien aus, den mysteriös starken Veteranen aus dem ersten Dämonenkrieg Minten Liago zu rekrutieren. Zur Königin gesellt sich die Söldnerinnentruppe “Die Töchter Benesands„ die einem so tapferen wie schönen Kriegshelden nacheifert. Auch Ritter Stummsturm scheint es mit etlichen der Kreaturen zugleich aufnehmen zu können. Hoffnung also für die Menschen? Welch ernüchternde und bittere Wahrheit sich hinter dem Dämonensturm und dem Schicksal des Landes verbirgt, offenbart sich, als der Dämonenkönig das Schlachtfeld betritt.

Von Vielem zu viel – vom Wesentlichen zu wenig

Das Beste in diesem Roman sind die Dämonen, die Meißner anschaulich charakterisiert hat. Bei ihm dürfen sie sein, was sie sind, oder vielmehr so, wie man sie sich vorstellt. Sie sind hungrig, sie sind gewalttätig, sie sind wild und sie sind vielfältig, nicht nur in ihrer Gestalt. Der Stratege Culcah plant akribisch und zählt immer wieder seine zur Verfügung stehenden Soldaten durch. Orogontorogon kümmert sich nicht um Strategie, er will seinen Spaß und frönt der Lust am Töten. Eine “zartere„ Seite zeigt Orogontorogon, als er das Menschenkind Genja zu sich nimmt, um zu beobachten, ob eine Frau aus ihm wird. Es ist fast schon “rührend„ anzusehen, wie er dem Kind nachgibt und die alte Frau tötet, der er Genja eigentlich eine Weile anvertrauen wollte. Lediglich von der Szene getoppt, als er Genja und ihr Stofftier für immer verliert:
“Genja und Entchen gingen beide zu schanden„ [2x S. 235, 1x S. 236]
“Genja und Entchen hatten sich aufgelöst. Weichheit sie beide„ [S. 237]
So weit, so dämonisch emotional.

Im Vergleich dazu wirken die Menschen uninteressant. Heldentaugliche Figuren sind dabei, auch einige Frauen. Königin Lae I, eine ehemalige Soldatin, die sich auf die Flucht zu den Feinden im Norden aufmacht, oder ihre spätere Beraterin, die behinderte Lehenna Kresterfell. Furchtlose Amazonen sind die “Töchter Benesands„, die alles geben würden, um zu bewunderten und begehrten Helden zu werden. Wie ihr geistiger Vater Faur Benessand, der einst die Träne in den Schlund fallen ließ, welche im ersten Band die beiden Dämonen befreiten. Alte Bekannte aus “Die Dämonen„ trifft man also wieder, wie Taisser Sildien oder Minten Liao. Doch lediglich letzterer kann dem Bild über die Menschen einige interessantere Facetten verleihen.

Zu den Vorzügen von Meißners Schreibe zählt, dass dieser häufiger in die Perspektive des übergeordneten Erzählers wechselt. Die so gewonnene Distanz zu den Figuren unterstützt die Neutralität, mit der der Autor ihr Handeln beschreibt. So grausam sich die Dämonen auch gebaren, “So sind sie halt„ lautet die wertfreie Botschaft, die beim Leser hängen bleibt.

Apropos Grausamkeit: wer Gemetzel mag, hat hier wenig zu beanstanden. Kein noch so ekliges, fieses Bild aus Schlamm, Blut, Exkrementen, Gedärmen wird dem Leser vorenthalten. Doch Blut und Tod aus übervollen Kübeln gegossen machen eine Geschichte nicht spannend. Daran fehlt es in “Freiheit oder Finsternis„, so etwas wie einen Spannungsbogen sucht man vergeblich. Ebenfalls in Hülle und Fülle vorhanden; derber Humor, leider zu oft von einer ähnlichen Art: (“Es ist zum KOTZEN!„) und die schon angeführte Dämonenzählerei. Etwas selektiver eingesetzt würden derlei Wortspiele vielleicht sogar gefallen und nicht nerven. Doch es stellt sich die Frage: “Stützen sie die Handlung?„. Man möchte fast zurückfragen: “Welche?". Denn letztendlich passiert kaum etwas auf den knapp 480 Seiten. Und so führen uns die Dämonen und Menschen, Zahlen und Phrasen und das wenige, zu häufig gleiche Geschehen ins – Nichts. Was natürlich perfekt zu der hinter der Geschichte verborgenen ironisch vermittelten Botschaft, der Sinnlosigkeit eines Krieges passt. Nur leider baut sich keinerlei entsprechende Atmosphäre auf, weil die geschilderte Brutalität anonym und bezuglos bleibt, Story und Stilmittel fad daher kommen und weitestgehend wirkungslos verpuffen.

(Eva Bergschneider, April 2012)

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