Barking von Tom Holt

Buchvorstellungund Rezension

Barking von Tom Holt

Originalausgabe erschienen 2007, 352 Seiten.ISBN 184149285X.

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Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein genüßliches Fünf-Gänge-Menü“

Fantasy-Rezension von Marcel Buelles

Schreckliche Monster treiben in London ihr Unwesen, ohne daß die Menschen es merken. Werwölfe und Vampire sind mächtige Kreaturen, doch sie alle werden vom geheimnisumwobenen Einhorn beherrscht, das mit harter Hand regiert und seine eigenen, bösartigen Pläne verfolgt. Duncan Hughes, ein mittelmäßig begabter Jurist, arbeitet in einer ebenso mittelmäßigen Anwaltskanzlei und empfindet sein Leben als eintönig und trostlos, bis zu dem Tag, an dem ihn aus heiterem Himmel ein alter Schulfreund anruft. Vor fünfzehn Jahren hat er ihn und die anderen Mitglieder seiner Clique das letzte Mal gesehen und ist nicht erpicht darauf, ihn oder die anderen wiederzusehen. Bei Luke Ferris gibt es aber keinen Widerspruch und so findet er sich bald in einem Pub bei einem Guiness neben ihm wieder und bekommt Angebot als Partner in seiner Kanzlei einzusteigen, zusammen mit der alten Clique. Eigentlich will Duncan ablehnen, aber als er gefeuert wird und sein Leben nach einer unglücklichen Trennung generell in Trümmern liegt, scheint das Angebot zu gut, um wahr zu sein. Spontan entscheidet er sich den ihm zugeworfenen Rettungsring zu packen und das Beste aus der Angelegenheit zu machen. Als er die Kanzlei Ferris & Loop betritt, seine alten Freunde ihn freundlich begrüßen und in ihre Reihen aufnehmen, scheint alles gut zu laufen. Bis zu dem Zeitpunkt, als Luke ihn beißt und zu einem Werwolf macht.

Bald begreift Duncan, daß er in eine Anwaltskanzlei geraten ist, die nur aus Werwölfen besteht. Eine andere, führende Londoner Kanzlei besteht nur aus Vampiren und man versucht möglichst konfliktfrei miteinander umzugehen, wenn da nicht die Instinkte eines Werwolfs und die unangenehme Arroganz der Vampire wären. Abgesehen von der schlichten Tatsache, daß es sich bei den Vampiren um ausnahmslos faszinierende Frauen handelt, die von den haarigen Kerlen nicht viel halten. Duncan ist begeistert, ein Werwolf zu sein, denn die früher langweilige und nervige Arbeit als Anwalt erledigt er jetzt in Sekunden, er besitzt übermenschliche Kräfte und verfügt über eine Widerstandskraft, die an das Unsterbliche grenzt. Gemeinsam haben Werwölfe und Vampire einen Feind, der sie nach Gusto jagt -oder besser gesagt- sich von den Werwölfen jagen läßt, bis sie zusammenbrechen und sterben: das Einhorn. In dieser Kreatur liegt eine Macht, die alles andere zu beherrschen vermag und sie hat einen perfiden Plan: die gesamte Welt mit billigen Arbeitskräften zu überschwemmen, bis die Menschen nicht mehr gebraucht werden. Sie hat die Macht Zombies zu erschaffen und welcher Arbeiter arbeitet billiger als ein Zombie? Das erklärt unter anderem die miserable Betreuungsqualität in Call Centern.

Nach kurzer Zeit merkt Duncan, daß er aus einem ganz besonderen Grund gefeuert und Partner in der Anwaltskanzlei der alten Freunde wurde, nämlich um dort einige interessante Fälle zu bearbeiten, mit denen sonst niemand umgehen kann. In ihm liegt die Macht, das Einhorn zu besiegen, doch weder versteht er, wie das funktionieren, noch wie er gegen das übermächtige Wesen antreten soll, dessen Kraft seiner Meinung nach viel zu groß ist. Als dann Liebe zwischen den Spezies noch ein Wörtchen mitzureden hat und Werwölfe und Vampire begreifen, daß sie nur gemeinsam gegen das Einhorn bestehen können, kommt es zur entscheidenden Schlacht der Intellekte, Krallen und Fänge. Leider sieht es nicht besonders gut aus für Flatterviech und Fellmonster, denn das Einhorn lacht lediglich über all ihre Versuche, sich ihrer zu entledigen. Bis zu dem Tag, an dem Duncan sich an seinen Matheunterricht erinnert und ihn mit einer sehr alten, unangenehmen Akte, die er schon seit längerer Zeit als Anwalt betreute, in Zusammenhang bringt und das Einhorn sichtlich nervös wird.

Was in dieser kurzen Zusammenfassung vielleicht ein wenig trocken daherkommen mag, ist in Wirklichkeit eine Geschichte, die sich dem Leser als genüßliches Fünf-Gänge-Menü präsentiert, das er nach Lust und Laune vernaschen kann. Ob nun Fisch oder Fleisch, Vor- oder Nachspeise, Holt zögert nicht den nächsten Deckel zu lüpfen und ein weiteres Schmankerl zu präsentieren. Wer gerne Scifi und Fantasy liest und außerdem noch die eine oder andere Film- und Fernsehproduktion dieses Genres kennt, den werden die pointierten Anspielungen Holts amüsieren und für ein insgesamt kurzweiliges und packendes Leseerlebnis sorgen. Mit gespitzter Feder beschreibt er die Existenz als Werwolf mit ihren Vor- und Nachteilen und bietet im Spannungsfeld zu den Vampiren manch interessanten Eindruck, wie die Monster unter uns heute leben und verleiht seinem Roman eine angenehme, aber nicht zu ernste Tiefe, die ihn aus dem Durchschnitt des Genres klar hervorhebt.

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