Nauraka von Uschi Zietsch

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2009, 512 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

1000 Jahre nach den Ereignissen um das Tabernakel erinnert sich kaum jemand mehr an das Volk der Nauraka, das verborgen in der Tiefe des Meeres lebt. Seit die Königssippe das Meer verlassen hat, herrscht ein Hochfürst über die weit verstreut lebenden Sippen, die nur selten Kontakt zueinander haben. Prinz Erenwin und seine Schwester Lurdèa entstammen dieser Sippe und wachsen unter strengen Regeln und Traditionen auf. Vor allem Erenwin leidet darunter, ist er doch der ungeliebte zweite Sohn und wird nie eine offizielle Funktion einnehmen. Er träumt davon, eines Tages an Land zu gehen – und ahnt nicht, dass sein Wunsch für ihn und seine Schwester auf verheerende Weise wahr werden wird . …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Märchenhaft und außergewöhnlich“89

Fantasy-Rezension von Amandara M. Schulzke

Erenwin wurde als zweiter Sohn des Hochfürsten der Nauraka zwar mit seinen beiden Geschwistern gut gebildet, aber ansonsten von seinen Eltern eher ignoriert. Mit seiner heißgeliebten Schwester Lurdea lebt er gemeinsam in ihren Grotten. Das Verhängnis beginnt, als er sich darauf einlässt, mit seinem wagemutigen Bruder gemeinsam auf die Jagd nach einem mächtigen Schlängelaal zu gehen. Er kann ihn zwar töten, landet aber bewusstlos auf dem Grund des Meeres, einer für Nauraka verbotenen Gegend. Magisch zieht ihn eine schwarze Perle an. Der sensible verträumte Prinz nimmt sie mit nach oben und versteckt sie. Da taucht Prinz Janwe auf und hält um die Hand seiner Schwester an. Durch Zufall entdeckt Eri die vom Hochfürst Verstoßenen und beschwert sich bei seinem Vater. Als Strafe muss er Lurdea in das Reich Fürst Janwes folgen. Sein uralter Onkel, der von vielen als versponnen oder verwirrt angesehen wird, begleitet die junge Braut ebenfalls. Dort entdecken sie ein grauenvolles Geheimnis, während der Einfluss der schwarzen Perle auf den Prinzen wächst.

Außergewöhnliche Kreativität

Ein wunderschöner Roman. Anfangs vor allem, weil Zietsch ihn in den Weiten des Meeres spielen lässt. Eine blumige Sprache führt den Leser in eine fantastische, bunte und dennoch vorstellbare Welt. Sie erinnert an „Die kleine Meerjungfrau“ des Dänen Hans-Christian Andersen. Wirkt alles recht romantisch und wohl geordnet, ändert sich das spätestens im Fürstentum des Aufsteigers Janwe. Der Plot scheint das normale Fantasy-Klischee zu erfüllen – hier die Guten, dort der Böse mit seiner Gefolgschaft. Glücklicherweise verfügt Zietsch über eine außergewöhnliche Kreativität, die den klassischen Grundkonflikt ganz anders löst. So erwarten den Leser ungeahnte Überraschungen. Besonders der erste direkte Kontakt mit dem alten Feind ist verblüffend und dennoch stimmig. Sie bringt viele gute und unerwartete Ideen zu Papier und damit in unsere deutsche Fantasylandschaft. Zu ihrem Werk „Dämonenblut“, das die drei Chroniken von Waldsee eröffnete, gab es Stimmen, die ihr nicht wirklich Innovatives bescheinigten. Diese Schelte hat sie spätestens mit Nauraka, das etwa 1000 Jahre später spielt, widerlegt.

Ihre Figuren zeichnet sie über Jahrzehnte in deren Entwicklung mit viel handwerklichem Geschick und Fabulierkunst. Dabei werden aus verspielten wohl behüteten Kindern Erwachsene. Während Lurdea in der Fremde ihr Glück gefunden zu haben scheint, entfremdet sich Erenwin immer mehr seinem wahren Selbst. Doch nur, wenn er sich darauf besinnt, kann er sein Volk retten. Wichtige Szenen und Wendungen sind stark emotionsgeladen und verleihen der Geschichte Tiefe.

Sie gehen abenteuerliche Wege, und gelangen in für sie ungewohnte Welten, die genauso faszinierend beschrieben sind wie die Unterwasserlandschaft. Der Autorin gelingt es, die Grauzone zwischen Gut und Böse mit Leben zu erfüllen. Das sowohl im Außen wie auch in Prinz Erenwin selbst.

Etwas stört der Charakter des Fürsten Janwe. Nachdem er liebevoll und aufmerksam um Prinzessin Lurdea geworben hat, entpuppt er sich in seinem eigenen Reich als brutaler, gnadenloser Despot. Die Figur wirkt überzeichnet in ihrem plötzlichen Coming out. Sein Pakt mit dem Alten Feind wäre schon Grund genug gewesen, Erenwin und Lurdea die Flucht antreten zu lassen. Nichtsdestotrotz ein Buch mit märchenhaften Zügen, das in die Regale von Fantasy-Fans gehört, um es ein wiederholtes Mal zu lesen. Ein Lob an den Verlag für die Umschlaggestaltung, die ausgezeichnet zum Inhalt passt und ästhetisch außerordentlich gut gelungen ist.

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