Das Opfer von Vadim Panov

Buchvorstellungund Rezension

Das Opfer von Vadim Panov

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „Knight Commander (Komandor voiny)“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 576 Seiten.ISBN 3-453-52715-1.Übersetzung ins Deutsche von Matthias Dondl.

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In Kürze:

Was ist die verborgene Stadt? Als Major Kornilow, der beste Detektiv von Moskau, auf die Spur eines Serienmörders gerät, scheint alles auf einen Täter mit übernatürlichen Kräften hinzuweisen. Kann es sein, dass die alten Legenden von Elfen, Magiern und Werwölfen wahr sind? Kornilow ahnt, dass Moskau eine andere, magische Seite hat – doch die verborgene Stadt bleibt ein Geheimnis…

Das meint Phantastik-Couch.de: „Verbotener Elfenzauber an der Moskwa“68

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Sie meinen Sie kennen Geschichten von den Elfen und Feen. Ja, da gibt es die verschiedenen Höfe, Königinnen und Magier, Intrigen und Kriege – alles altbekannt, ich weiß. Doch so manches Mal stößt man dann doch auf ein Werk, das einen etwas anderen, einen neuen Zugang zu etwas eigentlich Altbekanntem offeriert.

Vadim Panovs Reihe um die verborgene Stadt ist solch eine Entdeckung. Spätestens seit der Erfolgszugs eines gewissen Sergej Lukianenko und den Romanen Dimitry Glukhovskys sind phantastische Werke aus Russland bei uns en vogue.

Vadim Panovs Reihe orientiert sich dabei eher an den Wächter-Titeln als an Metro 2033, soll heißen, der Autor entführt uns nicht etwa in eine märchenhafte Vergangenheit oder eine finstere Zukunft, sondern siedelt seine Handlung im Moskau unserer Tage an. Ähnlich wie bei Lukianenko existiert, verborgen vor den Augen der Menschen und neben diesen, ein Reich, in dem die übersinnlichen Völker leben und ihre Konflikte austragen.

Es gibt Zauber, die sind selbst in der Verborgenen Stadt verboten. Zauber, die die Welt vernichten können, deren Wirkung unabsehbar ist. Vor Jahrhunderten haben sich die drei Herrscherhäuser darauf geeinigt, diese Zauber zu versiegeln und wegzuschließen. Doch jedes Siegel kann gebrochen, jedes Versteck entdeckt und jedes Geheimnis gelüftet werden.

Als überall in der Stadt Leichen auftauchen, deren Stirn ein Brandzeichen ziert und denen die linke Hand abgeschnitten wurde, muss der Sonderermittler Major Kornilow das tun, was er nie wieder machen wollte – er muss in der verborgenen Stadt ermitteln. Mit von der Partie sind erneut die Söldner Cortes, Jana und Artjom sowie Santiago, der Kommissar des Dunklen Hofes. Ihre Gegner – ein Kriegsmagier und die Wandelwesen der Schwarzen Morjanen und im Hintergrund eine intrigante menschliche Hexe . …

Kein explosives Kugelfeuerwerk, stattdessen faszinierende Intrigen und Geheimnisse

Was als Detektivgeschichte seinen Anfang nimmt, das entwickelt sich im Verlauf der Geschehnisse zu einem faszinierend dichten Geflecht aus Geheimnissen und Intrigen. Im Gegensatz zum ersten Band, in dem die rasante Action komplett mit jeder Menge Feuerzauber, sprich Kugelhagel und Raketendonner im Mittelpunkt stand, geht es dieses Mal um die Aufklärung eines Verbrechens. Nicht nur wer den verbotenen Zauber wirken will – das wird schnell deutlich – auch das Warum, das Motiv bleibt bis ins Finale interessant.

Mehr noch, drum herum berichtet uns der Autor von menschlichen Hexen, Feen des grünen Hofes, Kriegsmagiern des Ordens und deren jeweils ganz eigenen Zielsetzungen. Jede Partei sucht, mit allen Mitteln versteht sich, die Situation für sich auszunutzen, intrigiert und manipuliert, dass es eine wahre Freude ist.

Auf der Strecke bleibt leider einmal mehr die Darstellung der normalen Menschen an der Moskwa. Es ist zu konstatieren, dass es mir zumindest ein wenig an dem Besonderen mangelt, das die Werke russischer Autoren sonst auszeichnet. Das Leben der Moskowiter erinnert frappierend an westliche Gepflogenheiten, wir erhalten, anders als bei Lukianenko, keinen Einblick in die russische Seele, ins Alltagsleben und Denken der Moskauer. Auch die russische Hauptstadt selbst bleibt als Bühne relativ ungenutzt. Die ganze Handlung könnte man ohne Probleme in eine andere Metropole verlegen. Genau dies aber macht einen Großteil des Reizes der Lukianenko-Romane aus. Panov hat sich hier, ob bewusst oder unbewusst, selbst um einen zusätzlichen Reiz gebracht.

Dem entgegen stellt der Autor dann aber seine sehr detailreich und interessant ausgestaltete Geheime Welt. Die einander bekriegenden Königshöfe mit ihren verschiedensten Wesen, die Parallelgesellschaft, die ihre eigenen TV-Sender, Kreditkarten und Internetauftritte besitzt, sogen als Kulisse für weitere Faszination.

So bietet der Roman eine spannend aufbereitete Urban-Fantasy-Handlung, die vorliegend ein wenig leiser als im ersten Teil daherkommt, die aber vielleicht, gerade weil auf das Abbrennen der ganz großen Feuerwerke verzichtet wird, den Leser mehr an die Gestalten und ihre Charaktere heranführt und mit diesen zu faszinieren weiß.

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