The Book of Dave von Will Self

Buchvorstellungund Rezension

The Book of Dave von Will Self

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „The Book of Dave“,, 496 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Das meint Phantastik-Couch.de: „Eine sprachliche und mentale Herausforderung“82

Science-Fiction-Rezension von Klaus-Günther Beck-Ewerhardy

Dave Rudman ist ein geschiedener Vater und Londoner Taxifahrer – und es ist schwierig festzustellen, welche Rolle er primär einnimmt. Sein Leben verbringt er größtenteils in seinem Fairways und kann nur gelegentlich seinen Sohn sehen, da seine Exfrau Michelle gegen seine Annäherung eine einstweilige Verfügung erwirkt hat. Nicht übermäßig gebildet nimmt er seine Mitmenschen meist durch den Rückspiegel des Fairways war und ist sich dabei nicht unbedingt bewusst, dass ihm dies einen eher spiegelverkehrten Blick auf die Welt ermöglicht. Trotzdem – oder gerade deswegen – hat er überaus klare Ideen davon, wie die Welt ist und wie sie idealerweise sein sollte. Und er schreibt diese Ideen auf. Zusammen mit dem, was seinen Job zu etwas Besonderem macht und was eigentlich jedem Londoner Taxifahrer das Gefühl gibt in Wirklichkeit über den anderen Menschen zu stehen – Das Wissen/The Knowledge.

Etwa 600 Jahre in der Zukunft ist dieses Buch eines verbitterten und auch ziemlich verwirrten Menschen zur Grundlage einer neuen Kultur geworden. Durch Überflutungen und andere Veränderungen sind die britischen Inseln noch weiter aufgeteilt und politisch vom europäischen Festland weitestgehend abgespalten. Ausgehend von London hat sich der Kult des Dave ausgebreitet und regelmäßig werden „;Fahrer“; ausgesandt, die mit dem Rücken zu den Gemeinden und mit einem Rückspiegel in der Hand zu ihren Gemeinden predigen, was Dave von ihnen will, damit sie alle in Davinität leben können. Sie schreiben eine strenge Geschlechtertrennung zwischen den „;Dads“; und den „;Mummys“; vor, die bis ins Jugendalter zurück weist. Der einzige Kontakt soll sein am „;Besuchstag“; und bei der Übermittlung des „;Unterhalts.“; Dabei haben es die „;Fahrer“; nicht leicht, denn die zum Teil sehr abgelegenen Inselchen entwickeln schnell eigene Varianten des „;Wissens“;, das nun die Funktion von gebeten übernommen hat und eines Tages erscheint auf der Insel Ham ein „;AntiDave“;, der behauptet, in einer „;Verbotenen Zone“; eine neue Offenbarung gefunden zu haben, die es den Menschen ermöglicht auch ohne die „;Gegensprechanlage“; der „;Fahrer“; mit Dave zu kommunizieren und „;Davinität“; zu erlangen. Ein Schisma droht – besonders als der „;AntiDave“; zur Strafe nach London gebracht und dort inhaftiert wird. Die Bewacher in der großen Stadt unterschätzen nämlich das „;Landei“; enorm und bald breitet sich die Lehre des „;AntiDave“; aus und nicht einmal die Hinrichtung des Übeltäters kann dies verhindern.

Dass die Auslegung heiliger Bücher immer wieder zu Konflikten führen kann ist nicht wirklich ein neuer Gedanke, aber dass ein Tagebuch eines eher unbedeutenden Menschen zur Grundlage einer Religion wird ist schon beinahe blasphemisch zu nennen. Wenn sich die Welt dann noch über beinahe 600 Jahre verändert und viele Dinge den Menschen nicht mehr verständlich sind, dann wird die Auslegung der „;heiligen Schrift“; wirklich haarig. Dies wird noch dadurch kompliziert, dass Will Self den Menschen auf Ham einen überaus eigenen Dialekt gibt, der sich dann auch noch von der Arpee (von RP = received pronunciation) der Londoner unterscheidet, die schon so nicht ohne Weiteres zugänglich ist. So verlangt das Buch, das zwischen Daves Leben, Einschüben aus Michelles Erfahrungen und den Ereignissen in den Jahren nach Dave hin und her springt, den Leserinnen und Lesern Einiges ab, wobei das Vokabular am Ende des Buches nur eine geringe Hilfe darstellt. Am Ende fragt man sich „;Freue ich mich, dass ich es geschafft habe, dieses Buch zu beenden, oder freue ich mich, weil mir das Buch wirklich gefallen hat?“; Für Leserinnen und Leser, die eine sprachliche und mentale Herausforderung suchen sicherlich ein willkommener Mount Everest („;Warum hast Du es gelesen?“; „;Weil es da war.“;)

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