Mona Lisa Overdrive von William Gibson

Buchvorstellung

Mona Lisa Overdrive von William Gibson

Originalausgabe erschienen 1988unter dem Titel „Mona Lisa Overdrive“,deutsche Ausgabe erstmals 1989, 362 Seiten.ISBN 3-453-10832-9.Übersetzung ins Deutsche von Reinhard Heinz.

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Ihre Meinung zu »William Gibson: Mona Lisa Overdrive«

Michael Zöllner zu »William Gibson: Mona Lisa Overdrive«16.11.2014
Der Roman ist ein Schlüsselwerk zum Verständnis der neueren Science-Fiction. Er ist eine Art Sittengemälde der näheren Zukunft. Die Handlung einige Entwicklungen die wir in der Gegenwart erleben vorweg. Immerhin ist das Buch bereits annähernd 30 Jahre alt.
Im Gegensatz zu vielen Romanen in denen die Schöpfung ihrem Schöpfer überlegen ist (Frankenstein), ist die Schöpfung hier fast gleichgültig gegen ihren Schöpfer, den Menschen. Der Fortschritt zerstört die Gesellschaft die wir sie kennen! Der Prozess der Zerstörung, ist auch gleichzeitig mit der Schöpfung neuer gesellschaftlicher Realitäten verbunden.
Die Gesellschaft der Menschen ist durch und durchkommerzialisiert. Die neuen Techniken haben den Menschen nicht zum Herrn der Welt gemacht, sondern eine Welt geschaffen in der der Mensch der Technik und der Wirtschaft dient. Wer nicht zu den großen gesellschaftlichen Strukturen eines Konzerns gehört, der braucht die Zugehörigkeit zu Parallelgesellschaften oder kriminellen Strukturen! Wer über all dies nicht verfügt verfällt in Wirkungslosigkeit. Oder in einen endlosen Existenzkampf auf verschiedenen Ebenen der neu geschaffenen gesellschaftlichen Realitäten.
Trotz vieler Möglichkeiten sich individuell zu gestalten ist die Gesellschaft in diesem Roman massenhaft und nur die ausgestoßenen verfügen über Identität. Wer sich allein durch die Technik individuell verwirklichen will, passt sich zu aller erst der Technik an! So beginnen Markennamen und Produkte an die Stellen von Eigenschaften und charakterzügenzutreten. Sie dienen der Selbstfindung und sie dienen der Beschreibung.
Das Verhältnis zu mit Menschen ist in weiten Teilen ohne Mitgefühl. Die Menschen in dieser Geschichte sind verwickelte grausame Handlungen die sie zum Teil selbst verantworten, aber auch getrieben werden. Gerade durch diese Brutalität wird klar, dass die Kräfte der Technologie, die sich über ihre Schöpfer erheben, ein rein pragmatisches Verhältnis zu den Menschen haben.
So sehr Abhängigkeiten voneinander existieren, des Menschen von der Technik/der Parallelgesellschaften voneinander/der Kriminellen von ihren Auftraggebern, so sehr scheinen alle Akteure in der Beziehungslosigkeit zu existieren. Sexualität, Liebe, Verantwortung sind die Folge kurzfristiger Agreements und des situativen Kontextes.
Gibson sammelt hier fehlten auf, die andere Autoren vor ihm schon gespannt haben. Er verzichtet diese aber zu einem unentrinnbaren Netz. So beherrschend und engmaschig wie die Durchdringung der Realität durch die Datenwelt.
Zudem ist es ein spannendes Buch mit einer intelligenten facettenreichen Geschichte, und einer dynamisch vorangetriebenen Handlung die komplex aber in sich logisch ist. Unter verschiedenen Gesichtspunkten ist das Buch spannend zu lesen! Und der Abstand der Jahre ergeben sich immer neue Aspekte. Zum Teil ergeben sich die neuen Blickwinkel aus dem Fortgang der Geschichte, zu einem anderen Teil , aus dem schriftstellerischen können von William Gibson.
Das Buch ist deswegen ein Schlüsselroman und von literaturhistorischer Bedeutung, weil es zu den ersten Büchern gehört, die die Erkenntnis vermitteln, dass die Zukunft bereits begonnen hat. Und gerade das Jahr 2014 gab mir das Gefühl, dass der Roman das Lebensgefühl unserer und der nachfolgende Generationen prognostiziert hat!

Ob es nötig war die Geschichte über drei Romane
zu spinnen muss sich jeder Leser selbst beantworten. Der einstieg durch Neuromancer ist imposant.
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