Der Kampf um das Herzland von William Horwood

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Der Kampf um das Herzland von William Horwood

Originalausgabe erschienen 1997unter dem Titel „Seekers at the Wulfrock“,deutsche Ausgabe erstmals 1999, 605 Seiten.ISBN 3522719212.Übersetzung ins Deutsche von Gabriele Burkhardt.

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In Kürze:

Seit ewigen Zeiten schon ist das Ende des dunklen Jahrtausends prophezeit worden. ein neues Zeitalter soll beginnen: Die Wölfe der Zeit müssen sich gegen feindliche Wolfsrudel und gewissenlose Menschen verteidigen. Ihr Kampf ist zugleich ein Ringen um die Erkenntnis der eigenen Bestimmung.

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Tark zu »William Horwood: Der Kampf um das Herzland«19.12.2010
Der britische Fantasy-Autor William Horwood wurde am 12. Mai 1946 als jüngstes von fünf Geschwistern in Oxford geboren. Horwood studierte an der Bristol University Geographie und Wirtschaftswissenschaften, wo er mit einem Bachelor of the Arts abschloss. Weltweite Bekanntheit errang der Autor durch seinen im Englischen als 'Book of Silence' betitelten Zyklus. Dieser erzählte die Liebesgeschichte zweier Maulwürfe in einem Maulwurfsystem, in welchem das Denken, Handeln und Überleben nur durch ausgeprägte spirituell-mystische Gesetze möglich wurde. Im Deutschen krankte der Zyklus, welcher unter dem Titel 'Der Stein von Duncton' zu einem Roman zusammengefasst wurde, an der schwachen Übersetzung.

Seine ursprünglich als drei Teile geplante Saga 'The wolfes of time', wurde im Deutschen in den zwei Romanen 'Die Reise ins Herzland' und 'Der Kampf um das Herzland' veröffentlicht. Der gegenwärtige Zweiteiler ist also Horwoods bisher letzte, grosse Erzählung im Genre der phantastisch-tierischen Literatur. Erfreulich dabei, dass dieser mit einer wesentlich besseren Übersetzung überzeugen kann.

Die Geschichte beginnt anno Domini 2023 nach dem alten gregorianischen Kalender. Das dunkle Jahrtausend ist angebrochen. Europa versank im Krieg. 1994 wurde in Prag das neonationalistische, christliche Bündnis ausgerufen. Interne Fehden, Kriege. Bodenerosion, Landschaftszerstörung, Unterbrechung der Nahrungsketten folgten. Zerstörung und Anarchie. Seuchen und Krankheiten überschwammen die Zivilisation. 2011 bis 2013 wurde das Leben für die meisten Völker zur Hölle. Ganze Gemeinden wurden durch thermische Strahlung oder durch Druckwellen von Atombomben ausgelöscht. Hitler hatte scheinbar sehr ehrgeizige Nachfolger gefunden. Trümmer und Ruinen übersähen nun das Land. Umherziehende Vagabunden und streunende Tiere, die ums Überleben kämpfen, werden zur allgegenwärtigen Gefahr. Überlebende haben sich zu Stämmen geeint, um eigenen Zukunftswegen zu folgen. Der deutsche Mathias Wald aus dem Schwarzwald, der in dieser Zeit eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und den Wölfen verspürt und schamanistischen Traditionen folgt, begibt sich auf eine spirituelle Wanderschaft, um sich selbst zu finden. Dabei ist seine Identitätssuche und sein Weg eng mit dem der Wölfe verbunden.

William Horwoods Erzählung ist in einer Alternativwelt angesiedelt. Adolf Hitler war nach wie vor an der Macht, der Holocaust war Realität. Unzählige, grausige Massaker waren geschehen, wie sie Tatsache sind. So schildert der Autor beispielsweise das Massaker am 9. Juni 1944 in Oradour in eindringlichen und erregenden Worten. Aber im Gegensatz zu realen Begebenheiten tobten grosse Kriege bis ins frühe 21. Jahrhundert. Ein Diktator, dessen Name nicht bekannt ist, ist der Initiator des nationalistisch-christlichen Bündnisses, das er von seinem Prager Stützpunkt aus koordiniert. Dieses Bündnis setzte seine Hoffnung in all jene Enteigneten, wovon es Zahlreiche gab. Die Welt, die Horwood als Hintergrund gewählt hat, steht am Rande des Abgrunds. Industrie- und Verwaltungszentren sind am Boden. Völliges Chaos, Opportunismus, egoistischer Überlebenstrieb, Sadismus beherrschen den Alltag. Eine Welt, die vor vielen Jahren durchaus denkbar gewesen wäre, aber nach heutigen Massstäben wohl nicht mehr realistisch ist. Das Bild, das Horwood aber zeichnet, genügt seinen Ansprüchen und wirkt sicherlich glaubwürdig genug für seine Intention, zu zeigen, wenn die Welt sich ändern solle, muss im Menschen ein spiritueller Wandel vonstatten gehen und begriffen werden, dass Tier, Mensch und Natur unmittelbar miteinander verbunden sind und unweigerlich miteinander zugrunde gehen, wenn keine Rückbesinnung zu Natur stattfindet.

Horwood erzählt eine Geschichte, in der das Überleben nur durch spirituelle Gesetze möglich wird. Indem man gelernt hat, den feinen Zusammenhang von Psyche und Natur zu erkennen und so mit der Natur im Einklang zu leben imstande ist. Im Rudel der Wölfe des Herzlandes ist eine starke, mystische Verbindung zu ihrem Wolfsgott merkbar, nach dessen Überlieferungen, Gesetzen und Hinweisen diese leben. Durch Träume, Visionen und Rituale nimmt das Rudel den Kontakt mit ihrem Gott auf und lässt sich massgebend von ihm leiten. Die Wölfe spüren, dass das Gleichgewicht der Natur langsam aus den Fugen gerät und vertrauen der Weisheit ihres Gottes. Der Hauptprotagonist Mathias Wald kennt den Wolfsgott ebenfalls und ist entschlossen, auf seine innere Stimme zu horchen, mit den Wölfen zu wandern. Einen gemeinsamen Weg mit ihnen in die Zukunft zu suchen. Denn die Wölfe sind für ihn Symbol eines neuen Zeitalters, aber auch Symbol der ursprünglichen, urtümlichen Weisheit der Natur, als Schutzpatrone dieser mit den Eigenschaften der Gelassenheit, Selbstbeherrschung und Furchtlosigkeit.

Horwood spannt in seinem Roman grundsätzlich zwei grosse Handlungsstränge. Zum Einen schildert er das Geschehen aus der Sicht des Menschen Mathias Wald, auf der anderen Seite aus jener des Herzland-Wolfsrudels. Diese Handlungsstränge nähern sich mit zunehmendem Fortgang einander an. Zu den zwei Handlungsfäden von Tier und Wolf existiert jeweils ein ihm entgegengerichteter, der etwas weniger ausführlich ist. Somit wirkt das Ganze wie ein Gleichnis von Gut und Böse, Ambivalenzen von Wolf und Mensch. Dies scheint Horwood nicht ohne Grund so angelegt zu haben, projiziert der Mensch auf den Wolf doch schon seit jeher die ambivalente Einstellung als verehrtes, starkes und überlegenes Tier, zum anderen als aggressive, gefürchtete Bestie. Der Autor verleihte den Wölfen nicht so sehr unterschiedliche Charakterkonturen. Er lässt sie stets als Kollektiv agieren, da sie streng nach festen, spirituellen Gesetzen leben. Dem Autor ging es offenbar mehr um die Kultur, das soziale Zusammenleben, um zu überleben. Die Mystik, Mythologie und Spiritualität. Man darf aber sagen, dass die Kontur, welche dem Diktatoren verliehen wurde, etwas arg nach dem Schwarz-Weiss-Muster gestrickt ist, obwohl niemand zu Zeiten von Adolf Hitler diesem wirklich positive, menschliche Seiten angedeihen lassen hätte.

Fazit: Für Liebhaber der tierisch-phantastischen Literatur ist dieses Werk lesenswert. Als Einstiegslektüre in die phantastisch-tierische Literatur ist es umso besser geeignet. Das Leben der Wölfe wird sehr realistisch von Horwood beschrieben, hingegen wirken die Menschen sicher etwas stereotyp.
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