Das tote Land von Wolfgang Hohlbein

Buchvorstellungund Rezension

Das tote Land von Wolfgang Hohlbein

Originalausgabe erschienen 1984, 286 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

Alle Mühen waren umsonst gewesen: Skar hatte Unsägliches auf sich genommen, um den „;Stein der Macht“; aus der brennenden Stadt Combat zu holen – da war er ihm von Vela, der Hexe und Ehrwürdigen Frau, in einem Handstreich wieder entrissen worden. Mit den Gefährten nimmt Skar die Verfolgung Velas auf. So ziehen sie über die gläsernen Ebenen von Tuan – das „;tote Land“;. Als sie Vela schließlich treffen, scheint die letzte Schlacht unmittelbar bevorzustehen. Da greift der „;steinerne Wolf“;, der Wächter des Steins aus Combat, in das Geschehen ein.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der bisher schwächste Band der Enwor-Saga“60

Fantasy-Rezension von Lars Hermanns

Nachdem Skar seinen Einsatz in Combat (siehe: Enwor 2 – Die brennende Stadt) überstanden und Del im Zweikampf besiegt hat, wird er von Vela und ihren Lakaien in einem Krater zurück gelassen. Verstört über Velas hinterhältiges Verhalten, ihre unmenschliche Attacke gegen Gowenna und ganz besonders der Umstand, dass Vela Del gegen ihn aufgebracht hat, kann der Satai nur noch an eines denken: an Rache. Er beschließt, Vela zu folgen und zu töten. Gowenna und die beiden Sumpfmänner schließen sich ihm an, wenn auch aus anderen Beweggründen. Gemeinsam folgen sie Velas Fährte durch das tote Land. Und erneut muss Skar am Ende dieses Abenteuers eine böse Überraschung hinnehmen …

Ein Quereinstieg ist nicht mehr ratsam

„;Das tote Land“; bildet den dritten Teil der Enwor-Saga und zugleich den zweiten Teil in den Ereignissen um Vela, die verräterische Errish. War Enwor 1 (Der wandernde Wald) noch ein in sich abgeschlossenes Abenteuer, so muss man nun wirklich zwangsläufig die weiteren Bände kaufen, möchte man wissen, wie letztendlich alles ausgeht. Dies mag jeder für sich beurteilen, wie er will …ich halte es bei einer Fantasy-Saga, die zunächst mit einem in sich geschlossenen Abenteuer begonnen hat, für nicht wirklich angebracht. Was anfänglich noch als leichte Kost für nebenher dienen konnte, entwickelt sich nunmehr zu einer Romanreihe, die durchaus Bezug auf die vorangegangenen Werke nimmt. Ein Quereinstieg ist dadurch nicht mehr ratsam, da einem sonst mitunter wichtige Hintergrundinformationen fehlen. Entgegen Band 1 werden nun nämlich nicht mehr peu-à-peu Hintergrundinformationen erteilt, sondern es wird förmlich erwartet, dass man die vorherigen Bände kennt.

Auffällig in diesem dritten Enwor-Band ist, dass man ziemlich klar zu erkennen glaubt, dass die Geschichte wohl auf unserem Planeten Erde in ferner Zukunft spielen muss. Immer wieder gibt es Hinweise, die keinen anderen Schluss zulassen. So wird beispielsweise die Herkunft des Städtenamens „;Combat“; erklärt (was nämlich „;Kampf“; bedeutet). Dies und die Tatsache, dass das tote Land eine Ebene mit zu Glas gewordenem Gestein ist, lässt einen unweigerlich an ein postapokalyptisches Abenteuer denken, wie es derer in den späten 70er und frühen 80er Jahren als B-Movies viele gab. Nach dem nuklearen Endschlag bleiben nur noch einige wenige Menschen übrig, die sich wie Barbaren am Leben erhalten müssen. Und dies spiegelt sich in diesem Abenteuer immer wieder wider.

Grundsätzlich erinnert dieses Abenteuer in seinen Grundzügen erneut an „;Conan der Barbar“; und ähnliche Abenteuer. Ein kampferprobter Muskelmann zieht mit einem Schwert (hier schön „;Tschekal“; genannt) mutig in die Schlacht gegen eine klare Übermacht und gewinnt die Herzen der Frauen (zumindest so mehr oder weniger). Der unweigerliche rote Faden, der sich durch die nicht wirklich komplexe Geschichte zieht, ist unübersehbar und sorgt zumindest für einen klaren Ablauf der Geschehnisse. Leider verliert sich Wolfgang Hohlbein bei der Erzählung ab und an in langweilige Wiederholungen, die das Lesen mehr und mehr langatmig werden lassen. Wieder und wieder beschreibt er die Eintönigkeit der Landschaft, die so giftig auf den Verstand zu wirken scheint. Leider wirkt sich diese öde Dauerbeschreibung der monotonen Umgebung auch sehr giftig auf die Lust aufs Weiterlesen aus! So vergehen gefühlte Äonen, ehe unsere Helden das tote Land endlich durchquert haben und erstmals wieder auf ihre Widersacher treffen. Eine sehr lange Zeit, bei der man sich mehr als nur einmal wünscht, das Buch ein für allemal aus der Hand zu legen. Das Fehlen wirklich neuer Charaktere wirkt sich hierbei mindestens so erlahmend aus, wie das ach so überraschende Erscheinen alter Gegner.

  • SKAR ist und bleibt der Protagonist er ersten Stunde, um den sich mehr oder weniger alles dreht. Jahrzehnte des Kampfes in der Kaste der Satai haben ihn sehr muskulös und erfahren, aber auch mehr und mehr kampfesmüde gemacht. Wurde er in Enwor 1 noch als nahezu unbesiegbar beschrieben, so versteift sich Wolfgang Hohlbein nun mehr und mehr darauf, Skars gefühlsbetonte Seite hervorzuheben. Irgendwie passt dies nicht wirklich zu dem, was man zuvor über diesen barbarisch anmutenden Helden lesen durfte.

  • DEL war zunächst Skars langjähriger Freund und Novize, ehe er in Band 2 Velas Geisel und Marionette wurde. Hat er sich am Ende von „;Die brennende Stadt“; noch einen knallharten Zweikampf mit Skar geleistet, tritt er in diesem dritten Band erneut wieder nur als kurze Nebenerscheinung auf. Was einen immer wieder verwundert: In Band 1 wurde Del als Hüne beschrieben, der zwar ab und an recht ungestüm und vorschnell reagiert, nichtsdestotrotz aber eine nahezu unbesiegbare Kampfmaschine sein soll. Davon ist seit „;Die brennende Stadt“; leider nichts mehr zu merken. Die Wichtigkeit Dels besteht in diesen Bänden eigentlich nur noch darin, dass Skar sich schuldig fühlt und sich wegen Dels Verhalten und Seitenwechsel an Vela rächen möchte. Von einem wirklich noch wichtigen Charakter der Geschichte kann hier leider überhaupt nicht mehr die Rede sein.

  • VELA verkörpert in dieser Geschichte erneut das abgrundtief Böse. Auf einem Staubdrachen reitend, greift sie am Ende des zweiten Bandes sogar noch ihre einstige Novizin Gowenna an, wodurch deren Gesicht auf alle Zeit entstellt wird. Später erfährt man, dass sie nichts anderes als eine größenwahnsinnige Hexe zu sein scheint, die ihre weiblichen Reize gezielt einsetzt, um sich gewisse Männer gefügig zu machen. Auch wenn Wolfgang Hohlbein hierbei – entgegen eines deutschen Fantasy-Autorenkollegen – auf exzessive Beschreibungen des sexuellen Aktes an sich verzichtet, kann er es sich dennoch nicht verkneifen, immer wieder klare Andeutungen zu machen. Dies wäre nicht weiter tragisch, wenn dies tatsächlich in das aktuelle Geschehen passen und die zuvor beschriebenen Charaktere nicht ad absurdum führen würde. Gerade in Bezug auf Vela – und ihr Verhalten gegenüber Del und Skar – hätte ich mir jedoch einen etwas anderen Weg gewünscht. Andernfalls hätte zuvor an der Geschichte ein wenig mehr modifiziert werden müssen, um gewisse Logiklücken zu verhindern.

  • EL-TRA spielen auch in diesem dritten Band wieder die Rolle von Gowennas Beschützern. Was mich hier jedoch verwundert, das ist der Umstand, wie sich das Verhalten der beiden Sumpfmänner seit dem zweiten Band geändert hat. Von den einst unbesiegbaren Kämpfern ist nur noch selten etwas zu bemerken. Zu sehr vergeht sich Wolfgang Hohlbein in die Beschreibung der nicht vorhandenen Nebelgesichter, als dass die tatsächlichen Fähigkeiten der beiden Krieger am Ende wirklich richtig zur Geltung kämen. Beinah nebensächlich wirken dadurch u.a. die Fähigkeiten, sich gänzlich durch bloße Berührung in ein anderes Wesen verwandeln zu können.

  • GOWENNA wurde in Band 2 noch als eine Art Amazonenkriegerin beschrieben, die nichts mit Männern zu tun haben will. Mit diesem Umstand hätte man in diesem Abenteuer sehr gut leben können. Dass Wolfgang Hohlbein diese Frau scheinbar über Nacht läufig werden lässt, ist nicht nur unlogisch, sondern aufgrund der vorherigen Beschreibung absolut absurd! Erst hasst sie Skar so sehr, dass sie ihn am liebsten auf der Stelle töten würde; schon lässt sie sich mehr als einmal auf Sex mit ihm ein. Nichts gegen wilde Männerphantasien, aber dies ist hier dann doch wirklich etwas zu dick aufgetragen.

  • TANTOR darf auch in diesem dritten Band nicht fehlen. Der Gnom mit den scheinbar magischen Fähigkeiten ist so ziemlich das Undurchsichtigste am ganzen Abenteuer. Freund oder Feind? Eine Frage, die man selbst gegen Ende nicht wirklich beantworten kann.

Langatmige Wanderung durch das tote Land

Die in diesem Band enthaltenen Illustrationen sollen dem Leser wohl ein deutlicheres Bild davon ermöglichen, wie sich manche Szenen abspielen – oder gewisse Charaktere aussehen könnten. Sie sind recht ordentlich gemacht und lockern das Lesen dieser doch recht langatmigen Geschichte auf. Dennoch passen sie nicht immer auf das, was man zuvor gelesen hat. Vor allem die Darstellungen Skars wollen nie wirklich zu dem passen, was man die ganze Zeit über diesen Krieger gelesen hat.

Was die Langatmigkeit des Lesens zusätzlich noch unerträglicher gestaltet, das sind die zum Teil extrem langen Schachtelsätze, derer sich Wolfgang Hohlbein wieder und wieder bedient. Man hat den Satz kaum zur Hälfte gelesen, da hat man den Zusammenhang schon wieder verloren und darf von vorn beginnen. Dies ist mehr als nervig und trägt nicht gerade einer Steigerung der ohnehin kaum vorhandenen Spannung bei.

Nachdem ich mit „;Das tote Land“; nunmehr schon das dritte Enwor-Abenteuer gelesen habe, muss ich gestehen, dass es mir bislang am wenigsten gefallen hat. Zu langatmig ist die Wanderung durch das tote Land, zu selten kommen wirklich spannende Momente vor. Quereinsteigern kann man diesen Band ohnehin nicht empfehlen, da der Kontext zu den vorherigen Geschehnissen fehlt, und kaum einer weiter als bis zum Erreichen der Brücke lesen würde.

Insgesamt würde ich diesen dritten Band auch wieder als Kost für Jugendliche und Erwachsene bezeichnen. Die komplex gestalteten Sätze und die langatmigen (weil langweiligen) Geschehnisse würden ein Kind nicht lang genug zum Lesen bewegen können. Bleibt zu hoffen, dass sich dies mit den folgenden Bänden wieder etwas bessern wird.

Ihre Meinung zu »Wolfgang Hohlbein: Das tote Land«

ABaum71 zu »Wolfgang Hohlbein: Das tote Land«10.11.2007
Das Buch ist anfangs etwas langatmig um nicht zu sagen langweilig. Aber sobald die Buchseiten in den dreistelligen Bereich gehen, legt das Buch an Spannung zu. Es ist aber tatsächlich so das das Buch auf seinem Vorgänger aufbaut und zum Teil völlig unverständlich ist, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt. Der offene Schluss macht neugierig auf den nächsten Teil.
ceylon1979 zu »Wolfgang Hohlbein: Das tote Land«13.11.2006
Dieses Buch wird die Gemüter spalten. Im Grunde beschreibt Hohlbein eine langwierige, anstrengende Reise - und so gut wie nichts passiert.
Ein paar Eindrücke werden vermittelt, ein paar Landschaften skizziert. Dialoge. Gedanken. Vermutungen...

Das Buch ist extrem. Ja. Es ähnelt einem SF-Film, in dem die Spannung ganz ganz langsam aufgebaut wird ... so dass die Geräuschkulisse im Kino so weit absinkt, dass man sein eigenes Herz schlagen hört, den Atem.

Für das Verständnis der Geschichte ist es kaum relevant; man kann, muss aber das Buch nicht lesen.
Spannend ist es alle Mal.
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