Mörderhotel von Wolfgang Hohlbein

Buchvorstellungund Rezension

deutsche Ausgabe erstmals 2015, 848 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

230 Menschen gehen auf sein Konto: Herman Webster Mudgett, den unglaublichsten Serienmörder aller Zeiten. In Chicago errichtet er eigens ein Hotel, um seine Taten zu begehen. Ein Hotel, in dem es Falltüren, verborgene Räume, Geheimgänge, einen Foltertisch, ein Säurebad und eine Gaskammer gibt. Seine Opfer erleichtert er um ihr Geld und verkauft ihre Leichen an Mediziner. Niemand weiß, was im Kopf dieses Menschen vor sich geht. Bis die Polizei ihm auf die Spur kommt und eine gnadenlose Jagd beginnt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Spannung, Nervenkitzel und viele brutale Szenen, die nichts für schwache Nerven sind!“85

Horror-Rezension von Brigitte Ahlers

Wer sich für das Thema Serienmörder interessiert, für den ist Mörderhotel quasi Pflichtlektüre. Denn der Thriller beruht auf Tatsachen. Er erzählt sehr realistisch von der historisch belegten Person Henry Webster Mudgett.

Wer sehr sensibel ist und schon bei Büchern von Cody McFayden angewidert das Gesicht verzieht, sollte auf Mörderhotel verzichten. Er hätte keine Freude daran. Alle Morde werden genaustens geschildert, ohne Rücksicht auf zarte Gemüter. Auch die Folterszenen, die für Mudgett unverzichtbar sind, kann man nur ertragen, wenn man emotialen Abstand wahrt und nicht zu empathisch ist. Durch die bildhafte Schreibweise entsteht im Kopf des Lesers hier großes Kino. Wegesehen kann bei bei einem Buch ja schlecht. Und bei Mörderhotel erst recht nicht! Die Rezensentin bekennt hier ehrlicherweise, bei einigen Szenen, die Hohlbein beschreibt, manchmal das Buch mit langem Arm, weit weg von sich weg gehalten zu haben, ähnlich wie es Leute tun, die sich vor Angst oder Ekel die Hand vor die Augen legen. Aber trotz allem – neugierig, wie es weitergeht, war sie ja schon …Hier gleich noch ein Tipp, den man beachten sollte: Bitte nicht vor Ende des Buches googeln, wer denn Henry Webster Mudgett tatsächlich gewesen ist. Diejenigen die sich mit Serienmördern auskennen, also schon Erfahrung haben, werden ihn sowieso schon kennen, auch ohne den gutgemeinten Rat. Alle anderen werden sich ärgern, weil sie sich den Schluss denken können. Denn Sie werden gespoilert. Also lassen Sie es einfach. Heben Sie sich das aber gerne für danach auf.

Hohlbein hat gut recheriert. Doch nicht alles beruht auf Fakten. Das hier ist ein knallharter Thriller und keine Dokumentation! Auch wenn der Autor eher für seine Fantasie-Werke berühmt ist, ist ihm mit Mörderhotel ein sehr gutes Werk gelungen, welches auch ohne Fantasieelemente faszinierend und spannend geschrieben ist. Denn das kann er wirklich, der Wolfgang Hohlbein! Nicht umsonst wurde der Wegbereiter neuer deutscher Phantastik- und Fantasy bislang in 34 Sprachen übersetzt. Er hat bereits 160 Romane verfasst, den überwiegenden Teil alleine, etliche Kinder- und Jugendbücher gemeinsam mit seiner Frau Heike und einige wenige Erwachsenenromane mit Co-Autoren. Er hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Vom „Preis der Leseratten“ 1983 bis zum „Bester Autor National“ Deutscher Phantastik-Preis 2004, dem „Sondermann-Preis“ auf der Buchmesse 2005 und dem „Nyctalus“ im November 2005, wie man seiner Biografie entnehmen kann.

Um zu verstehen, wie Mudgett zu dem wurde, was er war, muss man die Anfänge kennen. Geschickt lenkt der Autor den Leser von der Gegenwart in die Vergangenheit. Das geschieht im ständigen Wechsel. Gleichzeitig zeichnet er dabei seine Hauptprotagonisten. Sehr prägnant und ausführlich. Das schmälert in gewissem Maße das Lesevergnügen. Denn mit der Zeit wird es langweilig. Zu viele Details und belanglose Kleinigkeiten behindern hier oft den „Flow“. Sicher hat sich Hohlbein mit der Ausarbeitung der Protagonisten viel Mühe gegeben. Aber es fliesst einfach zuviel davon …

Alles fängt damit an, dass Mudgett als kleiner zehnjähriger Junge seine Mordlust entdeckt, nachdem er jahrelang gehänselt und gepeinigt wurde. Später auf der Universität, wo er Medizin studiert, trifft er auf Henry Homes, mit dem er sich anfreundet und der Zeit seines Lebens sein bester und einziger Freund sein wird. Sie stehlen, um für ihren Lebensunterhalt aufkommen zu können, gemeinsam Leichen, um diese an die Universität zu verkaufen, die immer auf der Suche nach Material für ihre Studenten sind, welche daran lernen können.Von Hausmeister Kyle eines Nachts bei ihrer Tätigkeit entdeckt, stehen sie in seiner Schuld, die dieser schamlos ausnutzt. Denn er erpresst sie ab jetzt und benutzt die jungen Studenten für seine Zwecke. Er braucht Leichen, um sie skelettieren zu können. Skelette lassen sich fast so gut verkaufen wie frische Leichen und werden immer gebraucht. Natürlich bezahlt er seine neuen unfreiwilligen Helfer mehr schlecht als recht und das wird ihm eines Tages zum Verhängnis. Der gnadenlose Kampf zwischen Mudgett und Kyle und schließlich Kyles grausames Ende ist der Rezensentin bis heute im Gedächtnis geblieben und hat ihr schon Alpträume beschert.

Das Morden geht immer weiter, solange bis sich die Schwester eines seiner Opfer sich Gewissheit darüber verschaffen will, ob es ihr so gut geht, wie sie in einem Brief behauptet. Sie fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihre Schwester Endres nicht nur verschwunden ist – angeblich verheiratet mit Mr. Mudgett, und sogar schwanger sein soll.Daraufhin beauftragt Arlis Christen einen Privatdetektiv damit, ihre Schwester zu finden. Die Suche erweist sich als äusserst schwierig und unergiebig, dafür decken die beiden immer mehr Geheimnisse der Burg, wie das Hotel in der Umgebung nur genannt wird, auf. Mehr möchte ich an dieser Stelle auch nicht verraten. Lesen Sie selbst – es lohnt sich!

Bis auf einige unnötige Längen ist Mörderhotel ein spannender Thriller und eine klare Leseempfehlung für diejenigen, die sich für das Thema Serienmörder und auch ein wenig Zeitgeschichte im späten 19. Jahrhundert interessieren.

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