Nemesis - Die Stunde des Wolfs von Wolfgang Hohlbein

Buchvorstellungund Rezension

Nemesis - Die Stunde des Wolfs von Wolfgang Hohlbein

Originalausgabe erschienen 2004, 155 Seiten.ISBN 3-548-25973-1.

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In Kürze:

Nur noch zwei Überlebende gibt es von den sechs potentiellen Erben, die in der Hoffnung auf unerwarteten Reichtum der Einladung auf Burg Krailsfelden gefolgt sind. Beide sind überzeugt, dass der andere ein Mörder sein muss, der gnadenlos alle Konkurrenten aus dem Weg räumt. Oder liegt ihre einzige Chance in der Zusammenarbeit gegen einen mysteriösen Dritten, der es auf sie alle abgesehen hat?
In der Stunde des Wolfs, jener Todeszeit zwischen tiefster Nacht und dem ersten Morgengrauen, müssen sie sich entscheiden…

Das meint phantastik-couch.de: „;Kurz vor Sonnenaufgang“;50

Horror-Rezension von Lars Hermanns

„;Mit den Bauplänen der Burg Crailsfelden in der Hand sieht Carl seine Chance gekommen, endlich den Schatz zu finden, den die Nazis dort versteckt haben. Er zwingt die überlebenden Gäste, ihm in das Kellerlabyrinth zu folgen. Doch statt auf Gold stoßen sie auf ein Museum des Grauens…“;
„;Marias Selbstmord hat sie erschüttert. Doch hatte sie wirklich alleine auf der Zinne gestanden? Oder war ihr Sprung in den Tod die Flucht vor einem noch schrecklicheren Verfolger gewesen? Vom offenbar wahnsinnigen Carl mit der Pistole in Schach gehalten, wird Frank, Judith und Ellen klar, dass sie zusammenspielen müssen, um diese Nacht auf Burg Crailsfelden zu überleben. Angesichts der grauenvollen Entdeckungen im Kellergewölbe fällt es ihnen nicht leicht, die Nerven zu behalten. Und obendrein verstärkt sich bei Frank mit jedem Schritt das Gefühl, an einen vertrauten Ort zurückzukehren – einen Ort unermesslichen Leids…“;

Diesen beiden Inhaltsangaben des Buches selbst (Rückseite und erste Seite) kann man sehr gut entnehmen, dass das Grauen auf Burg Crailsfelden in der Eifel noch lange nicht überstanden zu sein scheint. Vielmehr deutet wohl alles darauf hin, dass wir uns nun langsam dem Höhepunkt nähern. Fragt sich natürlich, inwiefern man den beiden Inhaltsangaben überhaupt glauben kann. War es doch schon so, dass gerade dort immense Fehler eingebaut worden sind. Lassen wir uns also überraschen.

Was bisher geschah…

Sechs junge Leute (je drei Männer und drei Frauen) sind von einer Anwaltskanzlei in den Eifelort Crailsfelden bestellt worden. Als sie sich mit einem Anwalt der Kanzlei am vereinbarten Treffpunkt treffen wollen, bricht dieser vor ihren Augen tot zusammen. Der Wirt der Kneipe, die als Treffpunkt dient, bringt die jungen Leute auf Burg Crailsfelden, wo sie seinen Angaben nach übernachten sollen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft erfahren sie durch einen greisen Gehilfen der Kanzlei, Herrn Gero von Thun, dass sie die Erben des verstorbenen Multimillionärs Klaus Sänger seien. Dieser habe verfügt, dass nur ein Paar von ihnen erben werde. Und auch erst dann, wenn sie zusammen einen gesunden Nachkommen zur Welt bringen würden.

Für die sechs jungen Menschen, die sich noch nie zuvor gesehen hatten, ist diese Nachricht natürlich ein überraschender Schock. Doch schon sehr bald bilden sich drei Pärchen, die auch offensichtlich jeweils Sex miteinander haben. Nach kurzer Zeit ereignen sich jedoch mysteriöse und tragische Vorfälle, die den Aufenthalt in der Burg zu einem Horrortrip werden lassen. Sechs potenzielle Erben, von denen jedoch nur zwei erben werden. Als es dann die ersten Toten gibt, misstraut jeder jedem. Die Erkenntnis, dass während des zweiten Weltkriegs Burg Crailsfelden als Kinderheim des Lebensborn gedient haben könnte, lässt die Stimmung auch nicht unbedingt steigen. Die Lage spitzt sich sehr schnell dramatisch zu… und die Nacht ist noch lange nicht vorüber…

Fragen über Fragen…

Die Spannung steigt kontinuierlich an und man möchte wissen, wer hinter diesen Morden steckt und wer letztendlich überleben wird. Klar war mir von Anfang an, dass sich die jungen Leute ab sofort gegenseitig verdächtigen würden. Jeder konnte der Mörder sein. Oder sind sie doch nur Laborratten in einem riesigen Experiment von Naziärzten? Carl, der Wirt, hat behauptet, Kinderstimmen gehört zu haben, als man Ed, einem der drei jungen Männer, die Kehle durchschnitten hat. Was hat es mit diesen Kinderstimmen auf sich? Sind sie nur eine Ausgeburt seiner Phantasie? Sind sie alle nur nervlich überstrapaziert? Und was ist mit Carl überhaupt los? Ist er wirklich nur hinter dem angeblichen Nazi-Schatz her? Oder spielt er ein falsches Spiel? Fragen, auf die es hoffentlich bald eine Antwort geben wird.

Die Suche nach dem Nazi-Gold

Nach Marias Selbstmord gelingt es Carl, in den Besitz ihrer Pistole zu kommen. Seither fühlt er sich besonders stark und bedroht die drei Überlebenden. Keiner weiß, was dieser offensichtlich wahnsinnige Wirt plant. Er jagt sie tatsächlich durch die Kellergewölbe, um ihm bei der Suche nach dem Schatz zu helfen. Während des Krieges seien immer wieder Laster zur Burg gefahren, die vermutlich das verschwundene Nazi-Gold enthielten. Und hinter diesem Gold ist er schon seit vielen Jahren her. Die drei Überlebenden (Frank, Judith und Ellen) ahnen jedoch, dass es dieses Gold überhaupt nicht geben wird. Bei ihrer Suche in den Kellergewölben stoßen sie dann plötzlich auf eine grauenvolle Sammlung von Organen und Leichen, sorgfältig in Formalin eingelegt. Ist es das, was gegen Ende des zweiten Weltkrieges in die Burg geschafft worden ist? Oder ist dies erst in jüngster Vergangenheit geschehen?

Man spielt in dieser Horrorgeschichte selber mit

Da es sich bei DIE STUNDE DES WOLFS um den fünften Band eines Sechsteilers handelt, war zu erwarten, dass die Handlung nun unmittelbar an den vorherigen Band anschließen würde. Und tatsächlich… es geht direkt nach Marias Tod unbeirrt weiter. Carl hat die Pistole und niemand weiß, was tatsächlich vorgefallen ist. Gero von Thun ist mindestens schwer verletzt, wenn nicht gar tot. Ed und Stefan wurden ermordet und Maria scheint wohl den Freitod gewählt zu haben. Das gegenseitige Misstrauen ist immer noch spürbar, wenn auch das Misstrauen gegenüber Carl situationsbedingt die Oberhand zu gewinnen scheint. Der Schock sitzt tief und die vergangenen Stunden zehren arg an den Kräften.

Nach einigen Wirrungen sind sich Frank, der Protagonist, und Judith wieder näher gekommen. Doch was ist mit Ellen? Ihre Faszination im Kabinett des Grauens ist fast schon schockierend. Alles Fassade? Medizinisches Interesse? Oder steckt doch mehr dahinter? Um was geht es denn nun? Geht es immer noch nur um die Erbschaft? Geht es tatsächlich um den Nazi-Schatz, dem Carl so hinterher jagt? Oder sind sie tatsächlich Mäuse in einem Experiment? Was hat es mit den Déjà-vus der Gruppe zu tun? Frank, Judith und Ellen leiden im selben Moment an wahnsinnigen Kopfschmerzen, während Carl überhaupt nicht betroffen zu sein scheint. Zufall?

Auch hier wird wieder alles aus der Perspektive des Protagonisten Frank dargestellt, mit dem wir uns förmlich durch die dunklen Gänge und Katakomben der Burg bewegen. Wir sehen mit seinen Augen, lesen seine Gedanken und wissen, was er weiß, denkt und fühlt. Dies hat den Vorteil, dass man sich mehr auf die Geschehnisse um ihn herum konzentrieren kann – aber eben auch den Nachteil, dass man eben nicht weiß, was um ihn herum verborgen geschieht. Dies unterscheidet diesen Roman vielleicht ein bisschen von der herkömmlichen Romankost. Man erlebt alles mit den Augen des Hauptcharakters… spielt also förmlich selbst in dieser Horrorgeschichte mit.

Entgegen der ersten beiden Bände stimmen die Angaben zum Inhalt bei diesem fünften Band wieder mit dem tatsächlichen Inhalt überein. Ich weiß jedoch immer noch nicht, weshalb man sich dazu entschieden hat, zwei grundverschiedene Inhaltsangaben zu veröffentlichen (eine auf dem Buchrücken und eine weitere im Buch selbst).

Parallelen zu Stephen King

Während Band 1 in der Zeit bis Mitternacht spielt, hat Band 2 die Geisterstunde abgedeckt. Band 3 spielte folglich in der Zeit von ein bis zwei Uhr und Band 4 von zwei Uhr bis drei Uhr. Wir können nun also davon ausgehen, dass Band 5 in der Zeit von drei Uhr bis vier Uhr spielt. Wir nähern uns also langsam dem Sonnenaufgang, der wohl im sechsten Band zu erwarten sein wird. Pro Buch eine Stunde… übersichtlich und erschreckend zugleich. Beim Lesen wird einem erst klar, wie viel in einer einzigen Stunde passieren kann. Minutiös nimmt man an dem Horror auf Burg Crailsfelden teil.

Was hat sich in vergangenen Jahren tatsächlich auf Burg Crailsfelden ereignet? Was hat es mit den Déjà-vus und Tagträumen auf sich, von denen Frank immer wieder heimgesucht wird? War er tatsächlich schon einmal auf Burg Crailsfelden und hat diese Erinnerung aus Selbstschutz verdrängt? Hatte er in den vergangenen Bänden immer wieder Träume von einer Flucht mit einem dunkelhaarigen Mädchen an seiner Hand, so scheint er sich nun fast schon sicher zu sein, seine Kindheit an diesem unheimlichen Ort verbracht zu haben. So vieles ist ihm bekannt oder kommt ihm zumindest bekannt vor. Wieso kann er sich an den Schallraum erinnern, den sie zufällig entdecken? Hat er das „;F“; einst in den Stuhl geritzt? „;F“; wie „;Frank“;!

Allein dieser immer wiederkehrende Alptraum mit dem dunkelhaarigen Mädchen erinnert mich inhaltlich ein bisschen an den Horrorfilm „;Kinder des Zorns“;. Frank und das Mädchen wurden in seinem Traum immer wieder von blonden Kindern verfolgt. Und überhaupt sind so manchen Ideen offensichtlich anderen Romanen entliehen. So findet man immer wieder Parallelen zu Stephen Kings „;Es“; (auf den sich Wolfgang Hohlbein sogar namentlich bezieht). Eine Mischung aus Horror, Thriller und sogar Erotik, wie sie einen sehr gut in den Bann zu ziehen versteht. Peinlich ist in diesem Zusammenhang, dass Wolfgang Hohlbein zwar viele Ideen von Stephen King übernommen hat, diesen sogar namentlich auf Seite 28 erwähnt, jedoch nicht einmal in der Lage zu sein scheint, dessen Namen richtig zu schreiben! So lautet der Patzer in der siebten Zeile von unten: „;… oder ein fesselnder Thriller von Steven King.“;

Wenden wir uns nun aber den vier Überlebenden zu:

  • ELLEN ist erfolgsverwöhnt und verstand es bislang immer, die Fassung zu bewahren und sich selbst zu inszenieren. Dies wurde bereits im ersten Band überdeutlich, wo sie sich immer als etwas Besonderes präsentieren wollte. Allwissend und sich selbst als Redensführerin der Gruppe fühlend, hat sie sich dabei nicht nur Freunde gemacht. Ihre Überheblichkeit hat den Neid und die Unzufriedenheit der anderen immer wieder angefacht. Nach Stefans Tod schien sie nun am Rande eines Nervenzusammenbruchs zu stehen. Es fiel ihr sichtlich immer schwerer, die Ruhe zu bewahren und die unnahbare Chirurgin zu mimen, die sie so gern vorgibt. Durch den Rollenwechsel ist sie nun wieder entmachtet und muss sich den Weisungen von Carl beugen. Doch was hat es mit ihrer Faszination im Kabinett des Grauens auf sich? Ist dies wirklich allein damit zu begründen, dass sie Medizinerin ist und sich für Präparate generell interessiert? Oder steckt hinter dieser morbiden Faszination etwas, wovon wir noch nichts wissen?

  • JUDITH wurde von Frank bereits im ersten Band gedanklich als „;Pummelchen“; bezeichnet. Eine junge, selbstbewusste Frau, die lediglich vor Fledermäusen Angst zu haben scheint. Nach der Ankunft auf Burg Crailsfelden landet sie schließlich auch mit Frank im Bett, was ihm nicht sehr unangenehm zu sein schien. Überhaupt scheint sie seit dem Beginn der Romanreihe förmlich in ihren Aktivitäten aufzublühen. So sorgt sie immer wieder für Ruhe innerhalb der Gruppe und versucht, die Wogen weitest gehend zu glätten. Oder spielt sie nur eine Rolle in einem Gruselstück? Sind ihre Empfindungen für Frank echt? Ist Judith selbst echt?

  • CARL wurde bereits im ersten Band optisch als Späthippie beschrieben, der immer noch viel zu enge Jeans und langes Haar trägt. Seit dem zweiten Band genießt er das ungeteilte Misstrauen der Gruppe. Er hat lange Zeit verschwiegen, wie gut er sich letztlich in der Burg auskennt. Seit Jahren sucht er hier nach einem verschollenen Nazischatz. Doch ist das wirklich alles, was hinter seinem Kopf vorgeht? Stefan hat ihn einst sehr bösartig bedroht und in schiere Panik versetzt (als er ihm im zweiten Band mit der Amputation von Fingern drohte, sollte er nicht sofort die Wahrheit sagen). Hat ihn dies vielleicht dazu gebracht, den jungen Sportler mit einem Nazidolch zu ermorden? Oder sitzt er auch nur in der Falle, wie beinah alle anderen? Wieso wird er von dem Mörder verschont, als dieser vor Carls Augen Ed aufschlitzt? Hat er Carl einfach nur übersehen? Was führt dieser fette Wirt im Schilde? Was weiß er wirklich? Diese Fragen verschärfen sich, seit Carl im Besitz von Marias Pistole ist. Er scheint nahezu wahnsinnig zu sein. Verbissen jagt er einem Schatz hinterher, von dem er gar nicht mit Sicherheit weiß, ob es ihn je gegeben hat. Seine Angst, die anderen könnten ihm den Schatz wegnehmen wollen, macht ihn vollkommen unberechenbar. Ist er am Ende doch der Mörder? Hat er gemordet, um den Schatz nicht mit den zukünftigen Erben Klaus Sängers teilen zu müssen?

  • FRANK ist immer noch unser Protagonist, durch den wir alles erleben dürfen. Durch ihn erfahren wir auch immer wieder, wie die Emotionen in ihm selbst hoch kochen und wie er spürt, wie der Hass der anderen aufeinander stetig steigt. Er war anfänglich ein Außenseiter, da er zuletzt zur Gruppe gestoßen ist. Durch das Techtelmechtel mit Judith schien er dann plötzlich irgendwie dazu zu gehören. Plötzlich fing er an, gedanklich von seiner „;Verwandtschaft“; zu sprechen, wenn er auf die anderen eingehen wollte. Doch seine Gefühle sind unstet wie nie zuvor. Vor allem seine Gefühle gegenüber Judith scheinen ihn sehr zu verwirren. Den Sex mit ihr hat er sehr genossen. Doch liebte er sie deswegen schon? Und was hat es immer wieder mit seinen Aussetzern zu tun? Sind es wirklich Déjà-Vus, die ihn immer wieder quälen? Oder spielen ihm seine Gedanken schlichtweg einen Streich? Er ist der einzige, dem man keinen Mord zutrauen würde, da man seine Gedanken eigentlich allgegenwärtig vor sich hat. Doch auch er weiß nicht, wem er trauen kann. Einzig Judith scheint seiner Meinung nach über alle Zweifel erhaben zu sein. Ist er blind vor Liebe, die er lange Zeit nicht eingestehen wollte? Hat der erneute Sex mit Judith ihn blind für die schreckliche Realität werden lassen? Was hat es plötzlich mit seinen Erinnerungen auf sich? War er doch schon auf Burg Crailsfelden? Und was verbindet ihn plötzlich mit Ellen und Judith? Hat er doch mehr mit ihnen gemeinsam, als er anfänglich erkennen konnte? Was hat es mit seinen Erinnerungen an den Schallraum auf sich? Wieso sind er und die Frauen ohnmächtig geworden?

Immer neue Verwicklungen

Die Rätsel nehmen immer wieder eine Wende, die es sehr unklar machen, was letztendlich die Lösung sein könnte. Plötzlich scheint wieder alles klar zu sein… und schon eine Minute später liegen neue Verdachtsmomente vor, die alles bisher da Gewesene widerlegen. Man weiß einfach nicht mehr, was nun wahr ist und was nicht. Dazu kommen immer wieder geschichtliche Verwicklungen mit der Vergangenheit Deutschlands, kombiniert mit der vermeintlichen Vergangenheit von Burg Crailsfelden. War im vierten Band noch vom Lebensborn die Rede (Himmlers Lebenstraum von der Zucht einer arischen Herrenrasse), so geht Hohlbein im diesem fünften Band detailliert auf medizinische Experimente ein, die eher an Mengele und seine perversen Versuche erinnern.

Mich stört diesmal, dass die Spannung allein darauf zurück zu führen ist, dass sich die Gruppe durch die Kellergewölbe bewegt und dabei auf das Gruselkabinett stößt. Doch dabei handelt es sich weniger um eine Spannung im Sinne einer spannenden Geschichte, als vielmehr um eine Art des Horrors dessen, was Hohlbein mit den Experimenten andeutet und verdeutlichen will. Dass er dabei Bezug auf die „;Körperwelten“; Ausstellungen nimmt, erscheint dann nur noch nebensächlich. Dadurch würde ich die Spannung an sich nur als „;mittelmäßig“; bezeichnen. Man ist zwar gespannt, was als nächstes passiert, doch passiert eben nichts. Und hier liegt der Hase begraben. Hier hätte Hohlbein doch noch ein wenig mehr einarbeiten können und müssen. Die Entdeckung, die am Ende des fünften Bandes gemacht wird, wird den Leser zwar zufrieden stellen, doch hätte man schon sehr viel eher darauf eingehen können, statt ständig in dem Horrorkabinett zu verweilen.

Der Faden geht verloren

Bei all den Verwicklungen dieser Geschichte wird ein Aspekt leider immer wieder außer Acht gelassen. Erinnern wir uns: Nemesis war eine Göttin der Rache. Kann man also davon ausgehen, dass es sich hierbei auch um eine Mörderin handeln wird? Sollte dem so sein, bleiben eigentlich nur noch Ellen und Judith als potenzielle Mörderinnen übrig. Oder sollte man nun schon davon ausgehen, dass es sich um eine externe Person handelt? Denn was haben die aktuellen Ereignisse mit dem Titel zu tun? Steckt vielleicht eine Frau hinter den Morden, die bislang noch nicht in Augenschein getreten ist? Was hat es mit den Computern auf sich, die am Ende des Buches entdeckt werden? Bilden diese Computer das Bindeglied zwischen dem schon Geschehenen und den aktuellen Ereignissen?

Ich bewerte diesen fünften Band insgesamt nur mit „;mittelmäßig“;, da sich Wolfgang Hohlbein mit dieser Buchreihe offensichtlich übernommen zu haben scheint. Es schmerzt doch sehr, wenn man lesen muss, wie er immer mehr Punkte zusammen fügt, die für sich allein schon ein Buch wert wären, ohne dabei jedoch auf das Wesentliche zu kommen. Man hat als Leser das Gefühl, dass ihm zwischendurch immer wieder der Faden verloren gegangen ist. Und dies macht das Lesen zum Teil recht unschön. Immer wieder wirkt es, als hätte Wolfgang Hohlbein schnell etwas hingeschrieben, um das Buch (und die Stunde der Handlung) zu füllen. Doch die Qualität seiner früheren Werke bleibt dabei vollkommen auf der Strecke.

Quereinsteigern kann man diesen Band (wie auch die anderen) nicht empfehlen, da die Geschichten übergangslos aufeinander aufbauen. Man muss schon die vorherigen Bände kennen, um überhaupt einigermaßen durchblicken zu können. Zu mannigfaltig sind die Ereignisse, die über einen hereinbrechen. Empfehlenswert ist der Band im Gesamtzusammenhang auf jeden Fall. Einen eigenständigen Roman mit der Qualität dieses fünften Bandes würde ich hingegen wohl nicht empfehlen.

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