Nemesis - Geisterstunde von Wolfgang Hohlbein

Buchvorstellungund Rezension

Nemesis - Geisterstunde von Wolfgang Hohlbein

Originalausgabe erschienen 2004, 175 Seiten.ISBN 3-548-25889-1.

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In Kürze:

In diesen Erzählungen feiert der Horror seine schönsten Triumphe. Hohlbein lädt ein zu einem Festival der verwunschenen Orte und unheimlichen Begegnungen.

Das meint phantastik-couch.de: „;Mischung aus Moderne und Althergebrachtem“;80

Horror-Rezension von Lars Hermanns

„;Was wartet wirklich auf die sechs potentiellen Erben, die sich auf Burg Crailsfelden eingefunden haben, um an das Geld des Millionärs von Thun zu kommen? Schon vor Mitternacht hat es den ersten Toten gegeben – und die Überlebenden beginnen sich gegenseitig zu misstrauen…“;

Diese kurze Inhaltsangabe des Buches gibt einen Eindruck dessen wieder, was einen beim Kauf dieses Buches erwarten wird. Doch auch hier stimmen Inhaltsangabe und tatsächlicher Inhalt einmal weniger überein. Dazu gleich mehr.

„;Geisterstunde“; ist der mittlerweile zweite Band einer sechsteiligen Reihe, die seit August 2004 nach und nach auf den deutschen Buchmarkt gebracht wurde. Ihren Abschluss fand diese Reihe im Februar 2005, als der sechste und letzte Band erschienen ist.

Nachdem ich den ersten Band bereits gelesen hatte, war mir schon klar, dass es beim zweiten Band übergangslos weiter gehen würde. Doch mir war nicht klar, wie es geschehen sollte. In der Gewissheit lebend, dass bereits vor Mitternacht der erste Tote zu beklagen sei, war ich nun gespannt, wie dies im zweiten Band seine Fortsetzung finden sollte. Sechs junge Leute… sechs Bände. Dies verspricht spannend zu werden.

Man ist Frank!

Das gesamte Abenteuer ist in der Ich-Form geschrieben. Der Leser nimmt sämtliche Ereignisse stets aus der Sicht des Protagonisten Frank wahr. Dies hat zur Folge, dass es nicht mehrere Ereignisse zugleich geben kann, die nach und nach zueinander führen könnten, wie dies bei vielen anderen Romanen der Fall ist. Dadurch wird zum einen natürlich eine zusätzliche Spannung erzeugt (da man als Leser nicht mehr und auch nicht weniger weiß, als der Protagonist selbst), zum anderen nimmt man aber auch viel intensiver an der Gefühlswelt Franks teil. Man erlebt förmlich, was er durchmacht. Seine Gedanken, seine Ängste, seine Wunschträume… alles liegt unmittelbar vor einem. Man sieht nicht nur alles durch Franks Augen… man ist Frank!

Bereits zu Beginn habe ich bemängelt, dass der Inhalt der Inhaltsangabe nicht mit dem tatsächlichen Inhalt des Buches überein stimmt. Dies war bedauerlicherweise auch schon beim ersten Band der Fall. Es ist zwar richtig, dass es bereits vor Mitternacht den ersten Toten gegeben hat. Doch hat dieser nur indirekt mit der Gruppe zu tun. Der Anwalt Flemming ist bereits zu Beginn des ersten Bandes im Wirtshaus verstorben. Und einen Bezug auf den Unfall gegen Ende des ersten Bandes kann diese Behauptung nicht haben, da es zwar ein heftiger Unfall war, den beide Beteiligten jedoch überlebt haben. Dies erfährt man jedoch erst auf den ersten Seiten des nun vorliegenden zweiten Buches. Dies war wohl der erste neue Patzer des Verlags. Der zweite Fehler ist der Name des Millionärs. Es ist immer von Herrn von Thun die Rede. Dieser ist jedoch der greise Kanzleigehilfe. Der verstorbene Millionär heißt immer noch Sänger.

Dieser zweite Band deckt die Zeit von Mitternacht bis ein Uhr nachts ab. Eine Ewigkeit, wie man meinen möchte. Denn dieses Buch hat es wieder einmal in sich.

Nachdem man nun erfahren hat, dass die beiden Unfallopfer mehr oder weniger wohlauf sind, gilt es nun, die Burg so schnell wie möglich zu verlassen. Während Frank lediglich Prellungen und Schnittverletzungen davon getragen hat, hat es Eduard deutlich stärker erwischt. Ein Arzt und ein Krankenhaus wären jetzt bitter nötig. Doch wie sollen die Überlebenden die Burg verlassen?

Nun beginnt ein Abenteuer, das ein wenig an eine Mischung aus „;Indiana Jones“; und diversen Grusel- und Horrorgeschichten erinnert. Wolfgang Hohlbein erweckt eine düstere, beklemmende Stimmung, die von Seite zu Seite zunimmt. Immer wieder wird durch Franks Augen berichtet, in welch düstere Ecken der Burg die Gruppe vordringt. Immer wieder fragt er sich, wer wohl ein falsches Spiel spielen mag. Können sie einander trauen? Oder ist vielleicht einer unter ihnen, der für die rätselhaften Ereignisse verantwortlich zu zeichnen ist? Und welche Rolle spielt dabei Carl, der Wirt?

Nachdem Wolfgang Hohlbein sich offensichtlich im ersten Band einiger Ideen von Stephen King bedient hat, greift er nun wieder auf historische Ereignisse zurück, die die Abenteuer innerhalb der Burg stark beeinflussen. Frank und seine Begleiter müssen feststellen, dass nicht alles so ist, wie es anfänglich vielleicht den Schein hatte. Und immer wieder tritt die Frage auf, welche Rolle der unheimliche Späthippie Carl spielt. Weiß er mehr, als er vorgibt? Steckt er vielleicht hinter diesen unheimlichen Zwischenfällen?

Angst, Faszination, Abenteuer

Die Hauptaktion dieses zweiten Bandes besteht darin, einen zweiten Ausgang aus der Burg zu finden. Das Tor ist durch den verunfallten Wagen blockiert. Und einen Geheimgang gibt es eigentlich in jeder Burg. Doch gilt dies auch für Burg Crailsfelden? Frank und seine Verwandtschaft gebe die Hoffnung jedenfalls nicht auf. Nur Carl scheint der Überzeugung zu sein, dass es keinen weiteren Ausgang gibt. Schließlich sei diese Burg einst ein Internat gewesen. Und die Schüler hätten den Geheimgang garantiert entdeckt, wenn es ihn gäbe. Ist diese Behauptung nur eine Ausrede? Oder hat Carl in Wirklichkeit etwas zu verbergen?

Nach und nach kommen die unfreiwilligen Gäste der Burg geheimnisvollen Dingen auf die Spur. Dabei hat Wolfgang Hohlbein ein Talent, immer wieder von der eigentlichen Notsituation abzulenken, in der sich die Gruppe an sich befindet. Der Angst und Schrecken weichen immer wieder einer Faszination, die ein Abenteurer vielleicht auf einer Schatzsuche verspüren mag. Doch genauso schnell lässt er die Gruppe sich auch wieder daran erinnern, was eigentlich ihre derzeitige Aufgabe ist.

Auffallend ist, dass die Aggressionen innerhalb der Gruppe immer wieder rapide zunehmen. Keiner kann es sich erklären und Frank macht sich auch nur seine eigenen Gedanken dazu, ohne wirklich die Lösung parat zu haben. Hinzu kommen immer wieder Déjà-vus, die alle Mitglieder der Gruppe durchleben. Einer nach dem anderen hat immer wieder das Gefühl, diese Burg bereits zu kennen. Dabei war noch keiner jemals in dieser Burg. Dies ist immer wieder verbunden mit Visionen und Träumen, die ein wenig an die gemeinsamen Träume der Menschen in Stephen Kings „;The Stand – Das letzte Gefecht“; erinnern.

  • FRANK ist der Protagonist, durch den wir das Abenteuer unmittelbar miterleben. Er ist ein Pechvogel der besonderen Art, was ihn irgendwie zu einem ganz normalen Menschen wie du und ich werden lässt. Kein Held, der sämtliche Abenteuer meistern würde. Wir erleben seine Emotionen hautnah mit. Wie erfahren, wie sehr ihn die Nähe zu Judith einerseits fasziniert und erregt, andererseits aber auch wieder unangenehm ist. Durch ihn erfahren wir auch immer wieder von den Visionen und Träumen, die offenbar jeder der sechsköpfigen Gruppe von potentiellen Erben durchlebt.

  • CARL wird im Buch immer wieder als alter Späthippie beschrieben, dem alles zuzutrauen ist. Von Anfang an hat er sehr unsympathisch gewirkt und keiner konnte ihm so recht trauen. Der Wirt der „;Taube“; weiß offenbar mehr, als er zugeben möchte. Doch was für ein Geheimnis trägt er denn wirklich mit sich? Ist er wirklich für die Ereignisse verantwortlich? Oder ist alles nur ein dummer Zufall?

  • JUDITH ist die Frau, die es Frank trotz ihrer Figur angetan hat. Zwischen den beiden ist eine Art Freundschaft entstanden, die sie letztendlich im ersten Band schon miteinander im Bett hat landen lassen. Ihre panische Angst vor Fledermäusen hat leider dazu geführt, dass Gero von Thun in den Schacht gefallen ist und keiner weiß, ob er noch lebt. War sie im ersten Band noch sehr zurückhaltend und schockiert, so dreht sie im zweiten Band so langsam ein bisschen auf und ergreift sogar hin und wieder die Initiative, um einen Ausweg aus dieser unheimlichen Burg zu finden.

  • EDUARD (ED) ist immer noch das Ekelpaket der Gruppe. Trotz seiner Verletzungen kann er es nicht lassen, über jeden herzuziehen und einen dummen Spruch nach dem nächsten loszulassen. Sind seine Verletzungen tatsächlich so schlimm? Oder zieht er nur eine Show ab?

  • STEFAN ist die Sportskanone im Bunde. Muskelpakete und ein blonder Bürstenschnitt lassen ihn wie einen amerikanischen GI wirken. Doch er beweist immer mehr, dass er nicht nur ein Kraftprotz ist, sondern dass man sich durchaus auf ihn verlassen kann. So übernimmt er immer wieder die Führung der Gruppe, wenn es in den düsteren und unheimlichen Keller geht. Und er ist es auch, der ein besonderes Auge auf Carl hat, dem irgendwie niemand so recht trauen will.

  • MARIA war im ersten band noch das graue Mauerblümchen. Im zweiten Band läuft sie nahezu zur Hochform auf. Bereist im ersten band ist aufgefallen, dass sie sich als einzige mit den Geschichten um die Burg Crailsfelden und den Millionär Krämer auszukennen scheint. Nun erfährt man auch, weshalb dem so ist. Und überhaupt scheint sie sich geschichtlich mit sehr vielem auszukennen…!

  • ELLEN war schon im ersten Band die attraktive, zickige, hochnäsige und verwöhnte Chirurgin, die sich sehr bald als Leitwolf hat präsentieren wollen. Doch ihre Verwandtschaft lässt sich nicht einfach nur befehligen. Ihr perfekt inszeniertes Gehabe muss nun nach und nach einer stetig wachsenden Furcht weichen, die von allen Besitz zu ergreifen droht. Wer in der Gruppe spielt eventuell ein falsches Spiel? Es kann nur zwei Gewinner geben. Und sie ist es gewohnt, dass sie bekommt, was sie will.

Lauert eine unnatürliche Macht innerhalb der Burgmauern?

Diese Gruppe unterschiedlicher Charaktere macht vermutlich deutlich, wie kompliziert die Ereignisse auf ein notwendiges Miteinander einzuwirken scheinen. Jeder hat seinen eigenen Kopf. Doch nur in der Gruppe haben sie eine Chance, die kommenden Stunden zu überleben. Wolfgang Hohlbein gelingt es sehr gut, die steigenden Spannungen in Szene zu setzen und zu zeigen, wie sich unterschiedliche Menschen in Stresssituationen verhalten. Panik und Amok sind Mittel, den Stress abzubauen. Doch eben diese Mittel machen einen solch gestressten Menschen zu einer todbringenden Gefahr. Ist dies bereits geschehen? Und wen hat es in dieser Form getroffen? Wird es innerhalb dieser Stunde wieder tragische Zwischenfälle geben? Und falls ja: wen wird es treffen?

Mit einer gekonnten Mischung aus Moderne und Althergebrachtem gelingt es Wolfgang Hohlbein, diese düstere Situation aufzuzeigen und den Leser förmlich in den Bann zu ziehen. Was mich jedoch ein wenig stört, das sind die Visionen, die immer wieder von Frank Besitz zu ergreifen scheinen. Hat man sonst das Gefühl, einen düsteren Thriller zu lesen, erwecken diese Visionen mehr und mehr den Anschein, dass es sich vielleicht um eine unnatürliche Macht handeln könnte, die innerhalb dieser Burgmauern lauert. Ich bin gespannt, was der dritte Teil für den Leser bereithalten wird.

Dieser zweite Band gefällt mir ansonsten auch ganz gut. Die Spannung ist allgegenwärtig und macht einen wirklich neugierig auf die nächsten Folgen. Der Preis von € 6,95 pro Band ist grade noch so zu ertragen, doch wünschte ich mir, man hätte das komplette Abenteuer in einen großen Band gepackt. So erinnert mich diese ganze Romanreihe wieder an Stephen King, der „;The Green Mile“; ebenfalls als Mehrteiler auf den Markt gebracht hat.

Somit bewerte ich diesen zweiten Band ebenfalls mit „;gut“; und empfehle ich entsprechend weiter. Es handelt sich auf jeden Fall um ein spannendes Abenteuer, das man nicht verpassen sollte. Quereinsteiger haben hierbei jedoch keine Chance. Die Teile bauen aufeinander auf und man erfährt nur selten, was vorher passiert ist. Daher sollte man wirklich mit dem ersten Band zum Einstieg beginnen.

Ihre Meinung zu »Wolfgang Hohlbein: Nemesis - Geisterstunde«

Antl zu »Wolfgang Hohlbein: Nemesis - Geisterstunde«06.11.2006
Das Abenteuer auf Craisfelden geht weiter und die Lage spitzt sich allmählich zu. Irgend jemand möchte verhindern, dass die 6 potenziellen Erben die Burg verlassen und jeder der versucht Hilfe zu holen wird daran mit allen Mitteln gehindert. Die Vorgänge werden immer mysteriöser und langsam frägt man sich, wer hinter all dem steckt.
Der zweite Teil dieser Geschichte bleibt spannend und man kann sich in den Ich-Erzähler hineinversetzen, als wäre man selbst mitten in der Geschichte. Noch ist nicht ganz klar, worauf die Geschichte hinauswill, aber ich bin sicher, dass man es in den nächsten Teilen erfragen wird. Dieser Fortsetzungsroman ist auf alle Fälle sehr empfehlenswert, allerdings sollte man mit dem ersten beginnen, damit man überhaupt versteht worum es geht.
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