Nemesis - Morgengrauen von Wolfgang Hohlbein

Buchvorstellungund Rezension

Nemesis - Morgengrauen von Wolfgang Hohlbein

Originalausgabe erschienen 2004, 191 Seiten.ISBN 3-548-25980-4.

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In Kürze:

Nur einer der hoffnungsvollen Erben, die sich am vorigen Abend auf Burg Krailsfelden versammelt haben, erlebt das Morgenlicht des nächsten Tages. Inzwischen hat er begreifen müssen, dass sie alle nur unter einem Vorwand hergelockt wurden, um eine grausige Rache zu vollziehen. Aber er weiß noch immer nicht, wer hinter den Morden steckt. Dann taucht der totgeglaubte Gastgeber wieder auf und die letzten Masken fallen.
Nichts ist so, wie es schien und der Mörder steht kurz vor seinem endgültigen Triumph…

Das meint phantastik-couch.de: „Hitlers Traum des Prometheus“60

Horror-Rezension von Lars Hermanns

Nachdem ich die ersten fünf Bände gelesen habe, hatte ich schon eine Ahnung, dass das Thema „;Lebensborn“; vermutlich noch intensiviert werden würde. Himmlers Traum von der Zucht einer arischen Superrasse hat sich mehr und mehr in den Vordergrund gedrängt. Ist dieser Traum des Reichsleiters SS der Grund für all die Morde gewesen? Und was hat es nun mit dem Horrorkabinett im Keller auf sich? Was haben all die Leichen und Gehirne (in Formalin) mit Burg Crailsfelden zu tun? Hängt dies auch mit dem Lebensborn zusammen? Und wer ist nun wirklich der Mörder? Ist es Carl, der nun im Besitz einer Waffe ist und am Ende von Band 5 sogar auf Frank, den Protagonisten, geschossen hat? Oder ist jemand ganz anderes der Mörder? Meine Erwartung war nun natürlich, auf all diese Fragen Antworten zu erhalten.

Mehr Geheimnisse auf Crailsfelden

Nachdem Carl auf Frank geschossen hat, wacht dieser nach einiger Zeit auf und stellt fest, dass man ihn wohl operiert hat. Ärzte und Schwestern stehen um ihn herum, und er kann hören, dass mit ihm etwas nicht ganz zu stimmen scheint. Doch dann erhält er eine Spritze und verliert das Bewusstsein. Als Frank erneut zu sich kommt, befindet er sich in einer Art Krankenzimmer. Er muss feststellen, dass alles nicht so ist, wie es die ganze Zeit über den Anschein hatte. Burg Crailsfelden birgt mehr Geheimnisse, als er es sich jemals hätte erträumen lassen. Als dann plötzlich der tot geglaubte Gero von Thun auftaucht, um sich Franks Testament zu notieren, wird Frank klar, dass er dieses Krankenzimmer offensichtlich nicht mehr lebend verlassen soll. Doch was steckt hinter all diesen Ereignissen? Wieso ist er hier und wieso konnten sie bei ihrer nächtlichen Inspektion des Schlosses dieses Krankenzimmer und den vorherigen OP-Saal nicht entdecken? Und was ist mit Ellen und Judith, die bei ihm waren, als Carl ihn niederschoss?

Fortsetzung von Himmlers Lebensborn

Bei meiner Kritik zu diesem Buch muss ich, da es sich eigentlich fast ausschließlich um die Klärung der offenen Fragen dreht, auch auf den konkreten Inhalt eingehen. Dabei werde ich natürlich auch einiges anschneiden, was beim Lesen gegebenenfalls die Spannung nehmen wird (vor allem dann, wenn man die vorherigen Bücher noch nicht gelesen hat). Wer sich die Spannung erhalten möchte, der möge doch bitte beim FAZIT weiter lesen. Vielen Dank.

Bei der Lektüre der beiden kurzen Inhaltsangaben seitens des Verlages wird an sich schon klar, wer wohl der Überlebende dieser Horrornacht sein würde. Dies wird natürlich auch durch den Umstand verstärkt, dass der Roman in der Ich-Form geschrieben ist und dabei konkret auf die Erlebnisse des Frank Gorresberg eingegangen wird. Durch diese Erzählform hat man als Leser nämlich das Gefühl, selbst inmitten des Geschehens zu sein und mitzuerleben, was Frank alles so widerfährt. Man liest aber auch förmlich seine Gedanken, die einem immer wieder preisgegeben werden. Erinnert man sich jedoch an die Inhaltsangaben voran gegangener Bücher, dann wird man vielleicht noch wissen, das sich die Verlage bei den Inhaltsangaben schon mehr als nur einmal vertan haben.

Der sechste Band knüpft natürlich übergangslos an den fünften Band an. Wir erfahren lediglich durch Franks Erwachen mit Erinnerungen an den Schuss, was vorher geschehen ist. Die Kenntnis der vorherigen Bände ist für diesen sechsten Band also auch wieder unumgänglich, wenn man wissen möchte, was überhaupt passiert ist. Frank erwacht aus einem Alptraum, um sogleich in einem erneuten Alptraum gefangen zu sein. Sehr schön kann man nachlesen, wie es in seinem verwirrten Innern aussieht und welche Auswirkungen die diversen Medikamente haben, die durch Schläuche direkt in seinen Körper gepumpt werden. Durch das Erscheinen des Anwaltsgehilfen von Thun wird Frank dann urplötzlich klar, dass irgendetwas nicht so recht stimmen kann.

Und als Leser erhält man nun die Gewissheit, dass es sich bei dem sechsten Band tatsächlich um die Fortsetzung von Himmlers Lebensborn  handeln muss, der bereits in den vorherigen Bänden eine große Rolle gespielt hat. Doch zu diesem Grundprogramm kommt nun auch noch Hitlers Traum des „;Prometheus“; dazu, eine Erweiterung von Himmlers Traum der Zucht einer neuen Herrenrasse. Nämlich der Traum von der Zucht einer Herren-Superrasse mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Dies sei auch der Grund, weshalb Frank und die anderen im Keller so viele Gehirne mit Tumoren entdeckt haben, die man in Formalin konserviert hat. Seit sechzig Jahren wird bereits erforscht, womit besondere Fähigkeiten zusammen hängen könnten. Und er, Frank, und die anderen verfügten offensichtlich ebenfalls über besondere Fähigkeiten. Und was immer wieder als Déjà-vu abgetan worden ist, waren tatsächlich Erinnerungen an Burg Crailsfelden, die von den sechs jungen Leuten vor vielen Jahren besucht worden war. Damals waren sie noch Kinder und Jugendliche und wurden einem besonderen Schulungsprogramm durch Klaus Sänger unterzogen. Doch kam es damals zu einem tragischen Zwischenfall, bei dem ein Mädchen, Miriam (von dem Frank immer wieder träumt), ums Leben gekommen ist. Daraufhin habe man Frank und die anderen zu einem Psychologen gebracht, der sie vergessen ließ, was während ihrer Kindheit geschah. Doch ein Geist mit außergewöhnlichen Fähigkeiten kann nicht einfach vergessen. Das Unterbewusstsein erinnert sich. Und genau hier kommen nun die Vorkommnisse der vergangenen Stunden ins Spiel.

Aus dem Thriller wird Fantasy

Wolfgang Hohlbein versteht es sehr gut, die Ereignisse der ersten fünf Bände immer wieder klar in den Vordergrund zu rücken und den Leser zu erinnern, was geschehen ist und was dabei in Wirklichkeit passiert sein muss. Nicht nur, dass es ein perfider Plan war, die sechs jungen Leute nach Crailsfelden einzuladen, wo sie bereits ihre Kindheit verbracht haben, ohne sich überhaupt daran erinnern zu können; man hat sie zudem nach Crailsfelden gelockt, um sie hier in aller Ruhe töten zu können! Der Plan eines offensichtlich Wahnsinnigen, mit dem Ziel, sich einer immensen Gefahr zu entledigen. Waren die sechs jungen Menschen doch einst Objekte in einem perversen Programm der Wissenschaft, mit dem Ziel die Herrenrasse durch außergewöhnliche Fähigkeiten zu verstärken. Mit dem Ziel, nachhaltig Einfluss auf die Weltpolitik zu nehmen. Und er, Frank, sei dabei die Krone der Schöpfung geworden. Das Ergebnis der dritten Generation, auf das sie alle gehofft hatte. Der Übermensch, der zur perfekten Waffe werden sollte. Doch durch sein Verhalten in der Kindheit wurde dieser einstige Traum Sängers vorübergehend vernichtet. Die Kinder, über die er einst hat wachen können, wurden verstreut, und es galt all die Jahre, sie irgendwie wieder zusammen zu führen. Doch erfährt man beim Lesen nicht wirklich, ob dies nun aus Rache geschehen sollte, da das Experiment nun doch gescheitert war, oder ob dies tatsächlich geschehen sollte, um die vierte Generation zu züchten. Dies würde nämlich auch erklären, weshalb in dem angeblichen Testament die Rede davon war, einen gesunden Nachkommen zu zeugen. Eine Samenbank aus drei Männern und Eiern von drei Frauen wäre ein guter Neuanfang. Doch erfährt man auch, dass es eben zu Hirntumoren kommt, wenn ein Mensch über besondere Fähigkeiten verfügt. Sozusagen der Preis für diese besondere Macht.

Aus dem einstigen Thriller wird dadurch automatisch eine Art von Fantasy oder Science Fiction, wenn man bedenkt, über welche Macht Frank verfügen soll. Man erfährt, wer der eiskalte Mörder ist und was es mit den Kinderstimmen auf sich hat. Dadurch wird man automatisch an die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde erinnert. Ein harmloser Mann mit einem gewalttätigen, mörderischen zweiten Ich. Und genau dieses Thema wird nun auch in NEMESIS aufgegriffen, wenn auch mit einem etwas anderen Hintergrund. Ich hatte zuvor bereits erklärt, dass es sich bei „;Nemesis“; um eine griechische Göttin der Vergeltung handelt. Und genau dies ist hier auch das Thema des Buches. Es geht um Vergeltung …um Rache. Um Rache für etwas, was sich vor langer Zeit zugetragen hat und an dem alle Opfer unmittelbar beteiligt haben. Doch der Mörder ist ein ganz anderer als zunächst vermutet. Und nicht jeder Freund ist tatsächlich der Freund, für den man ihn gehalten hat. Geschickt spielt Wolfgang Hohlbein mit Details rum, die man vorher zwar gelesen, ihnen jedoch keine besondere Beachtung geschenkt hat. Nun wird jedoch sehr schnell klar, wie sehr eben diese Kleinigkeiten Auswirkungen auf die nun endenden Handlungen haben. Und man muss erfahren, welche Wölfe in welchen Schafspelzen stecken.

Fremde Ideen

Dieser sechste Band stellt wirklich den furiosen Abschluss dieser Romanreihe dar. Leider überschlagen sich aber zum Teil die Ereignisse und man sieht, dass sich Wolfgang Hohlbein erneut bei anderen Vorlagen um Ideen bemüht hat. So hat er offensichtlich den Film „;Master and Commander“; gesehen, in dem sich ein Arzt selbst operiert; und genau solch eine Szene kommt nun auch in diesem sechsten Band vor. Eine Ärztin, die sich vor vorgehaltenem Spiegel selbst einer Bauchoperation unterzieht. Aber auch die Beschreibung des Krankenflügels und der Pfleger erinnert ein bisschen an Romanvorlagen, wie beispielsweise „;The Stand“; von Stephen King. Nichtsdestotrotz ist es Wolfgang Hohlbein jedoch gelungen, all diese Ideen zu einem komplexen Etwas zu vereinigen. Doch kann man sehr gut erkennen, dass eben diese beiden Inhaltsangaben des Verlages erneut nur wenig mit dem tatsächlichen Inhalt gemein haben. Fragt sich nun natürlich nur, ob dies absichtlich geschehen ist, um die Spannung zusätzlich zu steigern, oder ob es sich erneut um einen Fehler handelt, der aus Unaufmerksamkeit und Unwissen resultiert.

Dieser letzte Band ist einerseits immer noch spannend geschrieben, da man sehr viel über die Vergangenheit erfährt, andererseits stellt er aber auch nur noch eine Aneinanderreihung von Ereignissen dar, die irgendwo fast schon vorhersehbar sind. Man erfährt schon recht früh, was es mit Burg Crailsfelden und den sechs unfreiwilligen Probanten auf sich hat. Dadurch wird sehr schnell der Thrill genommen, den der unbekannte Mörder mit sich gebracht hat. Er wird sehr schnell entlarvt und die Spannung bezieht sich letztendlich einzig und allein auf die Tatsache, dass Frank, Ellen und Judith noch immer in der Burg sind, die es nun schleunigst zu verlassen gilt. Hier hätte ich mir schon gewünscht, dass man mit der Enttarnung des Mörders noch ein wenig gewartet hätte. Durch die Aufteilung auf sechs Bände kommt dadurch nämlich die Spannung des sechsten Bandes ein wenig zu kurz. Bei einem Gesamtband wäre dies nicht weiter negativ aufgefallen. Doch hatte ich schon einmal erwähnt, dass sich Wolfgang Hohlbein hier einer Buchidee von Stephen King bedient hat, der eine ähnliche Romanserie mit „;The Green Mile“; auf den Markt gebracht hat. Fragt sich also auch hier, wann es diese Romanserie wohl als Gesamtroman mit allen Teilen in einem Band zu kaufen geben wird. Dies würde sich auf diese Serie nämlich durchaus positiv auswirken.

Fazit

Mir hat dieser sechste Band an sich sehr gut gefallen, da nun endlich die offenen Fragen geklärt werden und man erfahren darf, was es mit all den Ereignissen auf sich hat. Leider ist auch dieser sechste Band für sich allein gelesen nur dann interessant, wenn man die vorherigen Bände kennt. Ein Quereinstieg macht daher überhaupt keinen Sinn, da keinerlei Rückblenden auf die Vorgeschichte eingefügt werden, wie dies beispielsweise bei „Operation Nautilus“ immer wieder der Fall war. Man ist also gezwungen, sich alle Bücher zu kaufen, nur um diesen letzten Band vollends zu verstehen. Wolfgang Hohlbein hat diesen Band, wie auch die vorherigen Bände, sehr gut und spannend geschrieben, doch wird eben immer wieder deutlich, das er sich anderer Romane und Schriftsteller bedient haben muss (z.B. „;Die Kinder des Zorns“;). Dies tut der Geschichte jedoch selbst keinen Abbruch. Ich würde diesen letzten Band dennoch nur mit „;mittelmäßig“; bewerten, weil eben die Spannung sehr schnell genommen wird. Man erfährt einfach zu früh, wer der mysteriöse Mörder ist und weshalb er die Morde begangen hat. Auf die Länge der kompletten Romanreihe projiziert mag dies zwar erst sehr spät erscheinen; auf die Länge dieses letzten Bandes bezogen, wird jedoch die Spannung förmlich vorweg genommen. Und dies macht eben diesen Punkteabzug aus. Meine Empfehlung spreche ich aber trotzdem aus, da es sich eben um den Abschluss der Serie handelt und man noch einige Dinge erfährt, die man nicht einmal erahnt hätte.

Ihre Meinung zu »Wolfgang Hohlbein: Nemesis - Morgengrauen«

Claude zu »Wolfgang Hohlbein: Nemesis - Morgengrauen«07.08.2007
Meiner Meinung nach ist der letzte Band zu kurz geraten. Zuviele Fragen bleiben offen, oder man ist gezwungen, die Antworten selber aus den vorherigen Bänder zu suchen. Ein Beispiel wäre Judiths Angst vor Fledermäusen, oder warum sich eben diese Tiere während der ganzen Geschichte so seltsam verhalten (z.B. als sie Stephan angriffen, was ja total untypisch ist, und in den Tod stürtzen liessen). Auch warum Frank beim Anwalt im ersten Band die Vision eines explodierenden Kopfes hatte... man kann sich eine mögliche Lösung denken, doch mir fehlt die klare Antwort des Autoren. Die Geschichte kommt meiner Ansicht nach zwar zu einer gelungenen Aufklärung, was das grosse ganze angeht, aber die kleineren, eher unwichtig erscheinenden Fragen bleiben meiner Meinung nach offen.
Franky zu »Wolfgang Hohlbein: Nemesis - Morgengrauen«14.01.2007
Die 6 Bücher sind klasse. Obwohl sie eigentlich erst ab 16 geeignet sind find ich sie eigentlich garnich so schlimm. Ich frage mich warum die Bücher nich verfilmt werden!? Sie sind sehr spannend geschrieben, nur das ende lässt etwas zu wünschen übrig ... wie ich finde.
Tanja Walder 1994 zu »Wolfgang Hohlbein: Nemesis - Morgengrauen«22.08.2006
Entschuldige ich habe biss her nur den Teil 2 und 4 gelesen, kann mir jedoch lebhaft vorstellen was in den anderen 4 Teilen passiert. Nun, diese Bücher sind wirkliche horror Bücher. Immer wenn Frank sein Bewusstsein verliert und so schlimm von Miriam träumt, bekommt man Gänsehaut, die Erzählungen sind so glaubhaft und real dass man meinen könnte man befinde sich selbst in der Burg von Crailsfelden. Ansonten ist es ein bisschen abgedreht aber das ist ja ganz normal für Wolfgang Hohlbein.
Der hat ein bisschen zu viel Fantasie. ;D
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