Pestmond von Wolfgang Hohlbein

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012, 500 Seiten.ISBN 3802588401.

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In Kürze:

In Ägypten verliert sich die Grenze zwischen Leben und Tod, und Andrej muss sich einem neuen Feind stellen: Abu Dun! Wie ein Dämon fährt der Nubier in die Reihen des Sultans und seiner Gegner. Erst als Unschuldige sterben, kann Andrej ihn von der dunklen Seite zurückholen, und gemeinsam verfolgen sie die zwischen den Fronten stehende Murida, die inzwischen das Land verlassen hat und nach Norden flieht. Als ihr Andrej und Abu Dun folgen, ahnen sie nicht, dass Murida nicht Rettung, sondern Verderben bringt und dass nicht nur für sie selbst, sondern auch für die Kinder einer ganzen Stadt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Unsterblichen treffen auf den Alten vom Berge“73

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Seit mehreren hundert Jahren sind sie nun schon gemeinsam unterwegs. Andrej Delaňy und der frühere Pirat Abu Dun. Auf der Flucht durch die unendlich scheinende nordafrikanische Wüste wurde Abu Dun schwer verwundet. Seine rechte Hand wurde ihm abgehackt, sein unsterbliches Leben droht endgültig zu versiegen. Selbst schwer angeschlagen und am Verdursten kann Andrej seinen Freund nicht retten. In einer Höhle, die ihm ein ortsansässiger Alter zeigt, bettet er seinen Freund zu letzten Ruhe. Doch in der Oase, in die er sich entkräftet und innerlich ob des Verlustes gebrochen zurückzieht, ist nichts, wie es scheint. Die mysteriöse Alte unterbreitet ihm einen Vorschlag, den er nicht ablehnen kann. Wenn er sich verpflichtet, einen Auftrag zu übernehmen, wird Abu Dun von den Toten auferstehen. Und der Alte, der von sich selbst behauptet, der Alte Mann von Berg zu sein, der Anführer der vor Jahrhunderten ausgelöschten Bruderschaft der Assassinen, geht in Vorleistung. Abu Dun erwacht aus seinem letzten Schlaf, nur um Andrej zu verdammen – das Opfer, das sie sich zu meucheln verpflichtet haben, ist niemand geringeres als Papst Clemens IX. Auf der Reise in die ewige Stadt eilt ihnen das Böse hinterher. Menschen verwandeln sich über Nacht in lebende Tote, die Zombies sind kaum zu besiegen und auch venezianische Soldaten machen sich auf die Jagd nach den Assassinen. Selbst der Unterschlupf bei sardischen Piraten erweist sich als Falle – die selbst unsere Unsterblichen vor existenzielle Probleme stellt …

Ein längst überfälliger Wechsel der Anlage der Figuren tut der Serie gut

Mit was für Gegnern haben sich unsere beiden Unsterblichen nicht in den letzten Jahren herumschlagen müssen. Altnordische und ägyptische Götter machten ihnen ihr Dasein ebenso schwer wie Artgenossen, die sich wie sie von der Energie und den ungelebten Lebensjahren ihrer Opfer ernähren.

Nun aber treffen sie auf einen der mysteriösesten Orden, den unsere Welt jemals gesehen hat. Wer hat nicht von den Auftragsmördern der Assassinen gehört, die unfehlbar ihre Aufträge zu erledigen pflegten. Nach jahrzehntelangem Suchen schien deren Ordensburg gefunden, sie selbst ausgehungert und bis auf den letzten Mann niedergemacht zu sein. Doch dann taucht ein neuer Alter Mann vom Berge auf und verpflichtet unsere beiden Schwertkämpfer, um den Papst zu meucheln. Eine interessante, ja aufsehenerregende Ausgangslage, die den Leser sofort in ihren Bann zieht – zumal der Autor der so schon explosiven Gemenge noch Zombies, eine bildhübsche, tätowierte Frau, Seegefechte und Mafiosivorgänger hinzufügt.

Das liest sich wie aus einem Guss ebenso tempo- und actionreich durch, auch wenn, wie wir dies von der Reihe ja gewohnt sind, die Figuren relativ flach bleiben und die Handlungsorte lediglich skizziert werden. Dass der Autor dann mit einem veritablen, nägelkauenden Cliffhanger endet, wäre nicht ganz so schlimm, wenn wir nicht wieder über ein Jahr auf die projektierte Fortsetzung warten müssten.

Schaut man ein wenig tiefer, dann fällt auf, dass Hohlbein seine Gestalten erstmals wirklich weiterentwickelt. Bislang waren sie wie aus Granit gemeißelt – hier der zynische, impulsive Sklave, Pirat und betont schwarze Wilde, dort der etwas gutmütige Kopfmensch Andrej mit seinen hehren Moralvorstellungen. Jetzt, nach einschneidenden Vorgängen, die von außen kommend über unsere beiden Schwertkämpfer herfallen, wandelt sich das Bild. Andrej bekommt eine dunkle, fast morbide Seite, reagiert emotional und aufbrausend, während Abu Dun mehr zu Vorsicht und Zurückhaltung rät. Das tut nicht nur dem Roman, sondern der ganzen Serie gut, zumal beide mit dem Alten von Berge endlich auch einen Gegner / Freund / Auftraggeber bekommen, der mit ihnen auf einer Höhe kommunizieren kann. Hier kommt ein Mitspieler ins Boot der selbst interessant ist, der Geheimnisse en masse hütet und dessen Motivation noch nicht ganz klar ist. Über diese faszinierende Person kommt viel Spannung in den straff durchgezogenen Plot, dem es allerdings, wie oben bereits ausgeführt, an einem wirklichen Finale mangelt. So wird die Zeit lang werden, bis wir erfahren, was wirklich hinter dem Auftrag steckt, wie der Alte und seine Gefährten einzuschätzen sind.

(Carsten Kuhr, Februar 2013)

Ihre Meinung zu »Wolfgang Hohlbein: Pestmond«

benfi zu »Wolfgang Hohlbein: Pestmond«08.10.2014
Ich weiß nicht, was ich von den Romanen des Autors Wolfgang Hohlbein noch halten soll! Auf der einen Seite wartet er wirklich interessante Grundstrukturen für den Roman 'Pestmond' auf; der Deal von der Wiederbelebung Abu Duns gegen den Mord an den Papst samt der Reise in Richtung Rom sind einfach, aber sehr flüssig geschrieben und weisen eine gewisse Spannung auf. Auch die Wortgefechte der liebgewordenen Protagonisten erinnern an die älteren Romane der Serie 'Chronik der Unsterblichen'. Auf der anderen Seite aber beschleicht mich wieder mal das Gefühl, dass Hohlbein einfach munter drauf los geschrieben hat und das auf's Papier brachte, was ihm gerade einfiel, ohne auf eine gewisse Logik oder auch Verständlichkeit zu achten! 'Der Alte vom Berg' wurde oft irrtümlicherweise als Hasan-i-Sabbah angesehen. Hohlbein macht es ebenfalls. Wie auch immer, beide Personen lebten ein gutes halbes Jahrtausend vor Papst Clemens, dem Neunten! Dieser wiederum starb 1669, also knapp drei Jahre nach dem Brand von London, welcher vor drei Romanen zentrales Thema war. Und ich meine, im vorletzten Band war schon eine zehnjährige Spanne zwischen den Ereignissen vorhanden. Irgendwie ist dies alles überhaupt nicht stimmig! Dazu stören die immer wiederkehrenden Gespräche und Handlungen, die nicht erklärt werden - so werden wir nie erfahren warum Jaffa (heute Tel-Aviv) nun wohl eine Zombie-Stadt ist. Oder warum Ayla die gesamte Zeit von Hasan mitgeschleppt wird. Es gibt bleiben einfach zu viele Fragen zurück ... und ganz besonders durch das letzte Kapitel!
Achtung Spoiler:
Zwar korrigiert die Enttarnung von Hasan als Clemens zumindest zeithistorisch vieles, doch wirft dies dem ganzen Roman noch einen Sack voll Fragen hinterher. Warum hat er dann die Assassinen - welche übrigens auch nur bis ins 13. Jahrhundert aktiv waren - auf seiner Seite, die ihren Anführer doch viel besser kennen sollten?! Und woher hat er Kenntnisse über das Kat und kann außerdem überall an den Landesteilen des Mittelmeers dieses Lebenselixier für Abu Dun besorgen? Schlussendlich verwirrt das abrupte Ende des Romans dann den Leser total - kein Wort von Mehrteiler oder Fortsetzung. Diese Rüge muss auch an den Verlag gehen, denn vielen Käufern wird so etwas nicht gefallen! Ob es der Roman ansonsten tut, bleibt fraglich! Ich für meinen Teil bin einfach nur ... verwirrt!
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