Sturm von Wolfgang Hohlbein

Buchvorstellungund Rezension

Sturm von Wolfgang Hohlbein

Originalausgabe erschienen 2007, 600 Seiten.ISBN 3-426-66168-3.

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In Kürze:

Ein orkanartiger Sturm fegt übers Land… ein Blitz jagt in einen dunklen Wald… ein ungleiches Paar steht am Eingang zu einer unterirdischen Welt… Kinder schweben in Gefahr…
Dirk Gallwynds ist völlig verzweifelt, seine sechzehnjährige Tochter Akuyi ist seit kurzem verschwunden. Ein Drama, wenn man bedenkt, dass seine afrikanische Ehefrau Kinah bei der komplizierten Geburt des Kindes ihr Leben verloren hat – angeblich. Durch einen Hinweis gelingt es Dirk, die Spur seiner Tochter aufzunehmen. Sie führt in eine kleine Siedlung am Rande des Ogowe-Flusses in Afrika, wo der Stamm der Sturmbringer eine neue Zuflucht gefunden hat und ein unfassbares Geheimnis hütet… Wissen jene Sturmbringer mehr über Naturkatastrophen als die Wissenschaft? Kann das Wissen beider Gruppen vereint werden? Könnte das die Rettung der Menschheit bedeuten?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Nur ein laues Lüftchen“25

Fantasy-Rezension von Peter Kümmel

Der Klimawandel ist in aller Munde und hat auch Wolfgang Hohlbein inspiriert zu einer kleinen Apokalypse-Reihe von drei in sich abgeschlossenen und nicht zusammenhängenden Romanen. Nach „Flut“ und „Feuer“ ist es nun ein „Sturm“, der die Menschheit zu vernichten droht.

Doch ist dies ein von Menschenhand gemachter Sturm? Existiert dieser „Thunderformer“ wirklich – eine Waffe, der sich skrupellose Terroristen bedienen wollen, um die Naturgewalten auf ihre Ziele zu lenken? Oder sind Dämonen der Quell der Katastrophe, die magische Orte in Afrika dazu nutzen wollen, um Zerstörung über die Erde zu bringen?

Eine illustre Gruppe auf dem Weg nach Marokko

Protagonist und quasi Anti-Held der Story ist Dirk Gallwynd, Computerspezialist und angehender Alkoholiker, seit ihn seine schwarzafrikanische Frau Kinah vor drei Jahren von heute auf morgen ohne jede Erklärung verlassen und sämtliche Konten geplündert hat. Einzig der Tatsache, daß er sich um seine 16-jährige Tochter Akuyi zu kümmern hat, ist es zu verdanken, daß Dirk noch nicht vollends abgerutscht ist. Doch nun ist auch Akuyi verschwunden. Dirk ist verzweifelt und nimmt die Hilfe des zwielichtigen Privatdetektivs Harry Biermann, genannt „Birdie“, der sich ihm selber aufgedrängt hat, liebend gerne an. Dieser behauptet, eine Spur zu Dirks Frau zu haben.

Während über München ein Sturm tobt, macht sich Dirk trotz Flugangst mit einer kleinen Gruppe illustrer Gestalten auf den Weg nach Marokko, um Frau und Tochter auf die Spur zu kommen. Neben Biermann ist auch dessen kiffender Angestellter John, von Dirk nur „Rastalocke“ genannt, sowie die Blondine Janette dabei, von der Dirk nicht so genau weiß, ob sie nun Biermanns oder Johns Freundin ist.

In Marokko angekommen mieten die Detektive mit Dirks Geld zunächst einen sündhaft teuren Luxus-Geländewagen und suchen dann einen Bungalow am Meer auf, in dem sie angeblich Kinah finden wollen. In dessen Keller, der eher eine Grotte zu sein scheint, stossen sie auf eine Leiche, doch bevor sie der Sache auf den Grund gehen können, werden sie mit Waffengewalt vertrieben. Da sie in Marokko keinerlei Befugnisse haben, verzichten sie darauf, die Polizei zu verständigen und planen, dem Bungalow einen erneuten Besuch abzustatten.

Doch bis dahin müssen sie sich auch noch vor dem geheimnisvollen Ventura verbergen, der sie zu beobachten scheint.

Wirre Handlung ohne afrikanisches Flair

Die Idee zu „Sturm“ ist gut, das Thema zweifellos interessant und vor allem aktuell. Schon seit Urzeiten träumen Menschen davon, sich die Naturgewalten untertan zu machen und durch ihre Beherrschung ihren Feinden überlegen zu sein. Ob dies auf technischer oder eher auf mystischer Basis gelingt, ist belanglos, und das lässt auch Hohlbein zunächst offen. Die Umsetzung dieser Idee aber ist leider mangelhaft.

Vier holzschnitzartige Figuren schickt der Autor auf eine Reise, deren Grund er nicht nur vor seinen Lesern, sondern auch vor seinem Protagonisten verbirgt. Man wird vor Tatsachen gestellt, für die man keine Erklärung bekommt und deren Zusammenhänge sich einem nicht erschließen. So wie es beginnt, so geht es auch über die gesamte Story hinweg weiter. Die Personen der Gruppe werden im Verlauf der Handlung nach und nach ausgetauscht, was aber nicht weiter tragisch ist, denn die neu hinzu gekommenen Charaktere sind ebenso stereotyp wie die, die den Schauplatz verlassen müssen. Nebendarsteller gibt es definitiv nicht. Unglaublich, wie es ein Autor schafft, über mehr als 600 Seiten auf jeden Fahrkartenverkäufer, Briefträger, Radfahrer oder Kellner, auf harmlose Passanten und Spaziergänger zu verzichten. Es gibt sie einfach nicht – einzig eine Stewardess findet kurz Erwähnung.

Die Handlung bleibt verworren. Einzelne Personen verschwinden plötzlich, tauchen aber später genauso abrupt wieder auf, ohne daß man dafür eine Erklärung bekommt. Unsere kleine Gruppe macht sich in einem kleinen alten russischen Flugzeug mit einem noch älteren Wodka saufenden russischen Pilot auf nach – ja wohin eigentlich? Ist im Prinzip auch egal – die Route wird sowieso geändert. Dann wird man verfolgt von einem Hubschrauber – oder zwei oder drei? – und plötzlich befindet man sich inmitten einer Luftschlacht. Unsere Helden sind schwer lädiert, wissen jedoch immer noch nicht, wer Freund und wer Feind ist.

Von Atmosphäre ist leider auch nichts vorhanden. Nichts ist vom Flair Nordafrikas zu spüren. Die Beschreibung der Örtlichkeiten ist so vage, daß man als Leser meist im Dunklen steht – doch auch das ist nicht sicher, denn meist weiß man nicht, ob Tag oder Nacht ist. Doch auch das spielt keine große Rolle, da ein Großteil der Handlung in Höhlen abläuft.

Fragen zur afrikanischen Lebensphilosphie werden einige Male angerissen, die Erklärungen dazu jedoch meist im Keim erstickt. So bleibt den Masken und Skulpturen zwar eine magische Kraft anhaften, die Fragen, die die Leser und der ebenso dumm drein schauende, aber wesentlich mitgenommenere Protagonist Dirk haben, werden jedoch auch nach dem actionlastigen Finale nicht beantwortet.

Ihre Meinung zu »Wolfgang Hohlbein: Sturm«

Christopher zu »Wolfgang Hohlbein: Sturm«29.09.2014
Ich kann eigentlich nur zustimmen. Hinzuzufügen habe ich noch, dass Dirk mir als Charakter zutiefst unsympathisch war und dass die Figuren ihre Palavers oft in absolut unpassenden Situationen durchgeführt haben: während sie sich verstecken, während Schießereien usw. Für mich wirkt "Sturm" wie ein Roman aus der Kategorie: lieber Quantität als Qualität. Warum sollte ich Mühe in einen Roman investieren, wenn ich in dieser Zeit fünf raushauen kann? Nein, "Sturm" ist beim besten Willen kein guter Roman. Sehr konstruiert, zu viele offene Fragen oder falsch offene Fragen, kein richtiger Sympathieträger (weder Dirk noch KInah habe ich gemocht) und die anderen Aspekte, die in der Kritik angesprochen wurden.

Ganz ehrlich: Wenn ich den Roman gelesen und nicht als Hörbuch gehabt hätte, hätte ich ihn nicht zu Ende gelesen. So konnte man die Geschichte immer noch im Hintergrund mitlaufen lassen.
Ulrike zu »Wolfgang Hohlbein: Sturm«08.05.2007
Also ich fand das Buch toll. Gerade die offenen Fragen machen es zu etwas mysthischem und führen dazu seine eigene Fantasie freien Lauf zu lassen.
Den einzigen Mangel, den ich an diesem Buch finden kann, ist das Ende. Ich fand es hörte viel zu abrupt auf.
Viel Spaß beim lesen
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