Dschiheads von Wolfgang Jeschke

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2013, 210 Seiten.ISBN 3-453-31491-3.

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In Kürze:

Auf einem weit abgelegenen Planeten, dessen Klima für eine Besiedlung denkbar ungeeignet ist, leben die Dschiheads, eine rätselhafte Sekte, die einst von der Erde geflohen ist und auf dieser neuen Welt eine bizarre Gesellschaftsform errichtet hat. Jahrzehntelang hat sie niemand in ihrem religiösen Wahn gestört – doch als ein Forschungsteam die Ökologie des Planeten untersuchen will, kommt es zur Katastrophe.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Zwei Forscher auf dem Planeten der Sektierer“72

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Der Weltraum in einer fernen Zukunft dient Wolfgang Jeschke als Handlungsort seines neuesten Romans. Willkommen in Paradies, wie dessen Bewohner den Planeten Hot Spot nennen. Hierher hat es die Dschiheads, religiöse Sektierer verschlagen, die ihren Gottesstaat an den Ufern des großen, den gigantischen Kontinent teilenden Flusses angesiedelt haben. Mit einem absolutem, seine religiösen Schäfchen mit harter, despotischer Hand regierenden Führer an der Spitze warten sie darauf, dass Ihr Herr sie ins gelobte Land führt.

Der junge Suk und sein taubstummer Freund Anzo wachsen hier, beargwöhnt von ihren Altersgenossen und den Klerikern, heran. Dass Anzo die als gottlose Tiere gejagten und geschlachteten Dongos hören und verstehen kann bringt ihr Weltbild weiter ins Wanken, hat ihr geistlicher Führer die Tiere und ihr Fleisch doch als koscher zum Verzehr freigegeben. Als Anzo und dessen Mutter spurlos verschwinden ahnt Suk, dass der Religionsführer auch ihn auf der Abschussliste hat, sind die beiden Jungen doch seinem streng gehüteten Geheimnis auf die Spur gekommen ..

Zur gleichen Zeit besuchen zwei Wissenschaftler auf Einladung des zwischenzeitlich auf dem Planeten verschollenen Kommandanten der auf Hot Spot stationierten Flotte den Planeten. Sie sollen feststellen, ob die Dongos wirklich intelligent sind und somit unter Schatz gestellt werden müssen. Dass sie und ihr kybernetisch aufgerüsteter Hund Sir Jonathan Swift nicht eben willkommen sind, war ihnen bewusst. Dass aber ein Neger und eine Unbeschnittene die Verdammung aller streng Gläubigen geradezu auf sich herab beschwören, ahnten sie nicht. Gegen den Widerstand des neuen Kommandanten machen sie sich auf die Forschung und geraten dabei in Gefahr – in Lebensgefahr …

Tolle Ansätze, nur leider vergisst der Autor darüber ein wenig seine Handlung

Wolfgang Jeschke hat sich nicht nur als langjähriger Herausgeber der Heyne SF Meriten verdient, sein literarischen Oeuvre ist, obzwar klein, von herausragender Bedeutung für die Deutsche Nachkriegs-SF.

Als dann sein neuestes Werk seinen Weg in die Buchhandlungen fand ging ich mit großen Erwartungen und Interesse an die Lektüre.

Wie ich das auch nicht anders erwartet hatte, besticht der Autor wieder durch interessante Ideen und dem Aufgriff von aktuellen Problemen. Religiöser Fanatismus in jedweder Form wird angeprangert, wobei vorliegend keine Glaubensrichtung alleine in den Mittelpunkt gestellt wird. Der Handlungsschauplatz, ein heißer unwirtlicher Planet ist interessant ausgestaltet, die zwei alternierend erzählten Handlungsstränge zeigen uns sowohl die „Innenansicht“ der klerikalen Gemeinde, als auch, durch die Augen der den Planeten besuchenden Wissenschaftler die wirtschafts-politischen Zusammenhänge der Vorkommnisse.

Allerdings, und hier komme ich zu dem Manko des relativ kurzen Romans bleiben die Figuren ungewöhnlich flach, der Plot selbst entfaltet sich nur zögerlich. Erst nach und nach erschließt sich dem Leser eine packende Geschichte, lange Zeit irrt der Rezipient ein wenig Hilflos in der Szenen herum.

Auch die Personen, allen voran der Potentat und dessen Helfer sind eindimensional gezeichnet und wirken stereotyp. Dabei waren es in den bisherigen Romanen Jeschkes immer auch die Figuren, die den Leser an die Hand nahmen und in die Handlung zogen.

So bleibt ein etwas zwiespältiges Gefühl zurück, einen Roman in Händen zu halten, der gute, sehr gute und aktuelle Bezüge hat, der wichtige Probleme thematisiert, aber das packende Erzählen ein wenig aus den Augen verloren hat.

Carsten Kuhr im September 2013

 

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