The Hunger - Die letzte Reise von Alma Katsu

Buchvorstellungund Rezension

The Hunger - Die letzte Reise von Alma Katsu

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „The Hunger“,deutsche Ausgabe erstmals 2018, 448 Seiten.ISBN 978-3-453-31927-1.Übersetzung ins Deutsche von Michael Pfingstl.

»The Hunger - Die letzte Reise« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

Das meint phantastik-couch.de: Historische Tragödie mit phantastischem Twist80

Fantasy-Rezension von Lisa Reim

Im Jahre 1846 bricht die Donner-Party von Springfield in Illinois in Richtung Kalifornien auf. Unter der Führung von George Donner wagen etwa 87 Siedler die beschwerliche Reise, um an der Westküste ihr Glück zu suchen. Doch es kommt anders als gedacht. Statt der üblichen Route über den California Trail, entschließt sich der Tross dem Hastings Cutoff zu folgen. Dass Hastings zu seiner Zeit die Reise allerdings allein und mit Pferd bestritt, scheinen Donner und seine Gefährten nicht zu bedenken. Aufgrund dieser „Abkürzung“ und etlichen Fehlentscheidungen verlieren sie wertvolle Zeit und werden Ende Oktober in der Sierra Nevada vom Wintereinbruch überrascht: Ohne genügend Proviant oder Nahrung für die Tiere. Erst im Februar 1847 findet ein Rettungstrupp die Überlebenden, die bis zur Unkenntlichkeit abgemagert, halb verhungert und mehr tot als lebendig sind. Insgesamt 34 Mitglieder der Donner-Party starben während der Reise. Ihr trauriges Schicksal verbreitet sich rasch, auch heute noch ist das tragische Ende des Siedlertrecks vielen ein Begriff und hat seine Spuren in Literatur, Film und Kunst hinterlassen. Dies ist nicht zuletzt auch den Gerüchten zu verdanken, die nach der Rettungsaktion schnell die Runde machen: so sollen die verhungernden Mitglieder der Donner-Party aus lauter Verzweiflung ihre eigenen Toten gegessen haben.

Drama, Herzschmerz, Prügeleien – und ein hungriges Monster

Dieses historische Ereignis dient Alma Katsu als Inspiration für ihren Horror-Roman „The Hunger“. Tatsächlich merkt man dem Buch die ihm zugrundeliegende, aufwändige Recherchearbeit an. So begegnen einem auf der historischen Route nicht nur George Donner, James Reed, Louis Keseberg und andere historische Figuren rund um die Donner-Party, auch das entbehrungsreiche Leben der Siedler auf ihrer Reise zum gelobten Land Kalifornien wird eindrucksvoll dargestellt. Bei so vielen Menschen, die über eine lange Zeit hinweg auf engem Raum zusammenleben müssen, sind Konflikte vorprogrammiert. Zudem stattet Alma Katsu ihre Figuren mit reichlich Geheimnissen und dunklen Vergangenheiten aus, die im Laufe der Geschichte und in Rückblenden immer mehr ans Licht kommen. Konflikte, Leidenschaft, Streit, Eifersucht, Zusammenhalt – dies sind die treibenden Kräfte, denen sich die Mitglieder Donner-Party auf ihrem Weg stellen müssen.

Das allein bietet schon genug Potential für eine spannende Geschichte. Doch Alma Katsu gibt sich damit nicht zufrieden. Sie fügt dem Ganzen noch eine übernatürliche Wendung hinzu. So lauert außerhalb der zerstrittenen Donner-Party etwas noch viel Gefährlicheres, etwas mit großem Hunger. Nicht nur die Rinder und Pferde der Siedler werden von dem merkwürdigen Tier gerissen, auch Kinder verschwinden spurlos, nur um Tage später in der Wildnis gefunden zu werden – grausam entstellt und kaum wiederzuerkennen. Einigen Reisenden wird schnell klar, dass sie es mit etwas Dämonischem zu tun haben, vor dem sogar die einheimischen Indianer große Angst zu haben scheinen. Doch durch die Uneinigkeit innerhalb des Trosses und den einsetzenden Winter, sieht sich die Donner-Party einem Feind gegenüber, dem sie nicht gewachsen ist.

Ein historisches Ereignis mit einem Hauch Fantasy neu zu erzählen, kann eine großartige Idee sein. In diesem Fall scheinen sich die beiden Handlungselemente jedoch gegenseitig das Wasser abzugraben, zumal das Schicksal der Donner-Party zusammen mit Katsus fesselnder Figurenzeichnung bereits genug Stoff für einen aufregenden Roman liefert. Dennoch bietet das mysteriöse, hungrige Etwas, das die Donner-Party auf Schritt und Tritt verfolgt, einen schaurigen Grusel, der am Ende das tragische Schicksal der Siedler keinesfalls despektierlich behandelt, sondern im Gegenteil noch unterstreicht. Doch bis dahin scheinen beide Ideen nicht ganz so gut zusammenwirken zu können.

Fazit

Trotz unausgewogenem Zusammenspiel verschiedener Elemente ist Alma Katsus Debüt eine spannende, emotionale und lehrreiche Lektüre. Wer Gefallen an menschlichen Abgründen, historischen Ereignissen und handfestem Grusel findet, sollte dieses Buch auf seine Liste setzen.

Ihre Meinung zu »Alma Katsu: The Hunger - Die letzte Reise«

Ihr Kommentar zu The Hunger - Die letzte Reise

Hinweis:Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen.Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre.Werbung ist nicht gestattet.Lesen Sie auch die Hinweise zu Kommentaren in unserer Datenschut­zerklärung.