Die Welt am Abgrund von Andreas Zwengel

Buchvorstellungund Rezension

Die Welt am Abgrund von Andreas Zwengel

Originalausgabe erschienen 2009, 243 Seiten.ISBN 3940528811.

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In Kürze:

Mysteriöse Zeichen, Schäden in europäischen Bergwerken: Ein Sonderermittler des Auswärtigen Amtes und ein Professor der Geschichte machen sich im Berlin der Kaiserzeit auf die Suche nach den Ursachen. Eine Begegnung in den U-Bahn-Tunnels der Stadt weist auf ein fremdes Volk hin, das in Höhlensystemen Europas lebt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Neuer, deutscher Steampunk“76

Science-Fiction-Rezension von Verena Wolf

Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts, Fortschrittglauben und das industrielle Zeitalter sind unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Aber irgendjemand scheint sich genau dieser Unaufhaltsamkeit entgegen zu stellen. In erschreckendem Maße gibt es unerklärliche Grubenunglücke, Sabotageakte und Explosionen und überall in Europa werden seltsame Zeichen gefunden, wann immer diese Anschläge geschehen. Der Expolizist Seyferd, ein rationaler, zynischer Mensch, der gern zupackt und Piscator, ein verschrobener Gelehrter, werden als Duo wider Willen auf den Fall angesetzt. Je weiter sie ihre Forschungen treiben, desto unglaublicher erscheint die Wahrheit. Wer sind die Attentäter, die offensichtlich wörtlich im Untergrund leben und was bedeutet das für die Welt?

Bis ins ferne China reicht der Einfluss der Kolonialmächte, die auch hier die Bodenschätze und Reichtümer erschließen wollen. Deutsche Ingenieure kommen dazu nach China, unter ihnen Anton Slabon, mit Frau und Kind. Endlich will er Karriere machen, das ist ihm zu Hause in Berlin nicht gelungen. Während er kaum noch Zeit für seine Familie hat, erregt seine Tochter Esther mitten in den Wirren des Boxeraufstands mit paranormalen Fähigkeiten die Aufmerksamkeit mächtiger Strippenzieher. Und wer genau ist Marie Frost, die so kalt und berechnend wie ihr Name ist und ist es wirklich Zufall, das gerade sie als Esthers Kindermädchen arbeitet? Dann kommt es zur Auslöschung der Familie Slabon. Aber sind wirklich alle tot?

Das Industriezeitalter fordert Opfer

„Die Welt am Abgrund“ ist der Siegerroman einer Ausschreibung des Onlinemagazins www.geisterpiegel.de und wurde als Preis vom Persimplex Verlag als Hardcover herausgegeben. In diesem Erstlingswerk legt Andreas Zwengel ein originelles Steampunk-Werk vor, das endlich mal nicht im alten Großbritannien spielt. Als deutscher Autor beschäftigt sich Zwengel mit Handlungsorten „vor der Tür“ und erweckt diese gekonnt zum Leben. Thema und die indirekte Art der Erzählung sind der Zeit der Handlung angemessen, es schwingt ein Hauch Jules Verne und Wells mit. Natürlich erinnert Esther auch ein wenig an das Feuerkind von King, aber das passt gut in die philosophische Grundidee des Werkes: Denn es geht um die Natur des Menschen, den Fortschritt, wie das zusammenpasst und was geschähe, wenn jemand, egal ob Person oder Volk, eine Waffe der ganz besonderen Art hätte. Dafür wird der Leser nach Frankfurt, China, München und die Schweiz entführt, jagt wie die Ermittler den seltsamen Spuren nach und versucht die Bruchstücke zusammenzufügen. Seltsame Albinos treten auf, Buffalo Bill und seine Wildwestshow sind auf einer ganz eigenen Mission unterwegs und die ausgestorbene Sprache Burgundisch wird unter Tage doch noch gesprochen.

Die Geschichte ist spannend und solide konstruiert. Anfangs irritiert, dass jedes Kapitel wie eine Kurzgeschichte für sich erscheint. Die Figuren, die der Leser als Hauptfiguren identifiziert, werden aufwendig eingeführt und sterben dann oder verschwinden für lange Zeit. So muss man sich in jedem Kapitel erst neu einfinden. Erst nach und nach ergeben sich die Zusammenhänge: Man begegnet Figuren aus früheren Kapiteln wieder, an anderen Orten, in anderen Situationen. Doch je weiter der Roman vorrückt, desto deutlicher wird für den Leser das Netz dahinter.

Die Verfolgungsjagd von Zeppelin und Leviathan zum Ende hin war zwar etwas lang und zu diffus, aber das ist Mäkeln auf hohem Niveau. Das äußerst gelungene Ende, das dem Titel „Die Welt am Abgrund“ erst seine Vielschichtigkeit gibt, gleicht das vollauf aus.

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