Zwischen zwei Sternen von Becky Chambers

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „A Closed and Common Orbit“,deutsche Ausgabe erstmals 2018, 464 Seiten.ISBN 3-596-03569-4.Übersetzung ins Deutsche von Karin Will.

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Das meint Phantastik-Couch.de: Gefühlvolle und zum Nachdenken anregende Science-Fiction91

Science-Fiction-Rezension von Petra Meyeroltmanns

Nach einem Systemausfall ist die KI der Wayfarer nicht mehr sie selbst. Um sich und der Crew Kummer zu ersparen, verlässt sie mit der Tech Pepper das Schiff in einem Bodykit, dessen Einsatz eigentlich anders gedacht war – Lovey gibt es nicht mehr, aus Lovelace wird nun Sidra.

Sidra und Pepper begeben sich nach Coriol, Peppers Heimat, und dort muss Sidra sich neu finden. Alles ist schwer für sie, nach der allumfassenden Wahrnehmung einer Schiffs-KI, steht ihr nun nur noch die begrenzte des Bodykits zur Verfügung, eines Bodykits, das sie nicht als „ihren Körper“ wahrnehmen kann. Pepper und ihr Freund Blue tun alles dafür, Sidra das Leben zu erleichtern und ihr beizustehen, doch erst die Bekanntschaft mit Tak, einem Äluoner bzw. einer Äluonerin, führt schließlich dazu, dass Sidra umdenkt.

Pepper war nicht immer Pepper, auch ihr Leben wurde auf den Kopf gestellt, als sie, zehnjährig, einem erzwungenen Dasein entfliehen konnte. Ihr Leben verdankt sie letztlich einer KI, Eule, KI eines verlassenen Shuttles nahm sie ihrer an, Pepper hat Eule alles zu verdanken …

Fortsetzung und auch wieder nicht

„Zwischen zwei Sternen“ spielt im selben Universum wie „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ und ist im Grunde eine Fortsetzung, jedoch ohne jemanden der Wayfarer-Besatzung. Pepper ist zwar auch im ersten Band zu finden, hat dort aber nur eine Nebenrolle, und Lovelace ist nicht mehr Lovey, die zur Crew gehörte und geliebt wurde. Wer auf ein Wiedersehen mit Ashby, Jenks, Sissix oder einem anderen Crewmitglied hofft, wird enttäuscht werden. Das sollte aber auf gar keinen Fall von der Lektüre dieses Romans abhalten, und tatsächlich hätte es auch gar nicht zur Geschichte gepasst.

Erzählt wird in zwei Zeitsträngen aus den Perspektiven der beiden Protagonistinnen. Sidras Perspektive schließt direkt an den Geschehnissen des Vorgängerromans an, Peppers Perspektive setzt ca. 20 Jahre davor ein. Becky Chambers Erzählstil ist sehr bildhaft und packt den Leser schnell, wenn man sich darauf einlassen kann, dass es relativ wenig Actionszenen gibt, es vor allem um die Entwicklung der Charaktere und deren Emotionen geht. Trotzdem ist der Roman auf seine Art spannend, zum einen gibt es durchaus Szenen, die den Leser mitfiebern lassen, gerade in dem Pepper-Erzählstrang, zum anderen wird immer wieder die Empathie des Leser stark gefordert.

Authentische Charaktere

Was Becky Chambers Romane besonders auszeichnet, sind ihre Charaktere, sie wirken authentisch, gehen in die Tiefe und berühren den Leser emotional – egal, ob menschlich oder nicht. Die verschiedenen Spezies sind sehr unterschiedlich, ihre Hintergründe wurden vorwiegend schon im Vorgängerroman ausgearbeitet, es ist also vorteilhaft, diesen bereits gelesen zu haben.

Durch ihren familiären Hintergrund (Mutter Astrobiologin, Vater Luft- und Raumfahrttechniker) hat die Autorin beste Voraussetzungen für eine überzeugende Darstellung der Welt und der Charaktere, die sie entworfen hat, dazu kommt noch ein gehöriges Quäntchen Fantasie. Dass dabei Formen, Farben oder geschlechtliche Identitäten kaum eine Rolle spielen, man daher öfter Pronomen wie „ser“ (aus „sie“ und „er“ zusammengesetzt) liest, gibt dem Roman eine zusätzliche ethisch-moralische Relevanz, die nicht aufgesetzt sondern natürlich wirkt.

Fazit

Becky Chambers ist, wie schon beim Vorgänger, ein besonderer Roman gelungen, gefühlvoll, zum Nachdenken anregend, dennoch spannend, mit wunderbaren Charakteren und einer interessanten Geschichte. Für mich ist dieser Roman ein Lesehighlight und ich bin gespannt auf den nächsten Band der Reihe, bei dem die Autorin hoffentlich wieder an Bord der Wayfarer wechselt, denn jetzt möchte ich wissen, wie es dort weitergeht. „Zwischen zwei Sternen“ ist ein wunderbarer Roman, dem ich viele Leser wünsche und den ich uneingeschränkt empfehlen möchte. Zum besseren Verständnis sollte man jedoch den Vorgängerband gelesen haben.

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