Schwarzer Mond über Soho von Ben Aaronovitch

Buchvorstellungund Rezension

Schwarzer Mond über Soho von Ben Aaronovitch

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Moon Over Soho“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 413 Seiten.ISBN 3423213809.Übersetzung ins Deutsche von Christine Blum.

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In Kürze:

Constable Peter Grant ist ein ganz normaler Londoner Bobby. Die Abteilung, in der er arbeitet, ist allerdings alles andere als normal: ihr Spezialgebiet ist – die Magie. Peters Vorgesetzter, Detective Inspector Thomas Nightingale, ist der letzte Magier Englands und Peter seit kurzem bei ihm in der Ausbildung. Was im Moment vor allem das Auswendiglernen von Lateinvokabeln bedeutet, die uralten Zaubersprüche wollen schließlich korrekt aufgesagt werden. Doch als Peter eines Nachts zu der Leiche eines Jazzmusikers gerufen wird, verliert das Lateinstudium auf einmal seine Dringlichkeit. Peter findet heraus, dass in den Jazzclubs in Soho, im Herzen Londons, plötzlich verdächtig viele Musiker eines unerwarteten Todes sterben. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Bobby und die Hexen – oder Soho im Jazz-Fieber“73

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Peter Grant war ein ganz normaler Bobby, der sich in Soho die Hacken ablaufen durfte. Seitdem der dunkelhäutige Polizist aber von Detective Chief Inspector Thomas Nightingale zu dessen ESC 9 Abteilung versetzt wurde, die sich um besondere Verbrechen kümmert, hat der junge Mann, der Magie förmlich erschnüffeln kann, kaum mehr Zeit Luft zu holen. Neben dem Büffeln von Latein und Griechisch – Sie ahnen gar nicht, in was für Sprachen die alten Magielehrbücher verfasst sind – und dem praktischen Unterricht wird der junge Polizist auch immer wieder an Tatorte gerufen. Wenn die Chief Inspectors von Scotland Yard nicht mehr weiter wissen, wenn es nach etwas Unmöglichem aussieht, dann sind die Spezialisten gefragt, die es eigentlich offiziell gar nicht gibt.

Da wird einem freien Journalisten auf der Toilette sein bestes Stück von eine zahnbestückten Vagina abgebissen, oder es kommen immer wieder Jazz-Musiker kurz nach ihrem Auftritt zu Tode – schon darf Grant in Vertretung seines Chefs antanzen. Dass die gesamte Abteilung nur aus ihnen beiden besteht, lädt ein gerüttelt Maß an Verantwortung auf seine jungen Schultern. Hängen die Morde – denn genau danach und nach jeder Menge Magie riecht es an den Tatorten – vielleicht gar zusammen, eine Vermutung, die der Constabler untersuchen muss.

Bei seinen Nachforschungen stößt Grant nicht nur auf Hinweise auf renegate Schwarzmagier, sondern auch auf Überlebende eines deutschen Bombenangriffs. Statt dass es sich hierbei jedoch, wie eigentlich zu erwarten wäre, um alternde Greise handeln würde, sehen die Überlebenden jung und frisch aus. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

Unterhaltung abseits der Urban-Fantasy-Pfade

Üblicherweise geht man davon aus, dass zu einem für das geneigte Publikum leidlich erfolgreichen Urban-Fantasy-Roman einige Bestandteile unabdingbar dazugehören – als da sind: ein oder besser gleich mehrere waschbrettbauch-gestählte Vampire / Werwesen, eine bindungswillige Frau Ende 20, Anfang 30, der der passende laszive Bettpartner noch nicht über den Weg gelaufen ist, dazu jede Menge großer Gefühle und berauschend-sinnliche Freuden.

Darauf wartet der Leser bei Ben Aaronovitch – glücklicherweise – vergebens. Statt sich in die uniforme Masse einzureihen, versucht der Brite etwas gar Unerhörtes – er setzt auf Ideen! Voller Situationskomödie, Sprachwitz und ungewöhnlicher Figuren erwartet uns erneut ein Roman, der den Leser in seinen Bann zieht.

Dabei geschieht, gerade wenn man dieses Buch mit dem Auftakt der Reihe vergleicht, zunächst erstaunlich wenig. Constabler Grant ermittelt in Mordfällen und ist, nachdem sein Mentor weiterhin außer Gefecht ist, ziemlich auf sich selbst gestellt. So tappt er lange im Dunkeln, fehlt ihm schlicht das magische Rüstzeug, um schnell folgerichtige Schlüsse zu ziehen.

Trotz der relativen Handlungsarmut aber kommt keine Langeweile auf. Statt dessen fiebern wir mit unserem Erzähler mit, versuchen einen Sinn in die Geschehnisse zu bringen und begeben uns auf die Spur des klassischen Swing. Dabei muss sich unsere Hauptperson dann mit seinem einst berühmten Vater arrangieren, wir erhalten aber auch Einblick in die Welt der kleinen Clubs, der Musiker und ihrer Fans. Grant selbst ist diese Welt, gerade auch, weil sein Verhältnis zum Vater problematisch ist, nach wie vor ebenso fremd wie die Hintergründe und die Historie der Magier von England.

Das hat naturgemäß den Vorteil, dass der Leser mit seinem Protagonisten die unbekannten Zusammenhänge eruieren muss, dass er auf diese Weise einen weiteren Einblick in die übernatürliche Welt erhält. Dass die Handlung dabei fest in der wirklichen Welt verankert bleibt, sorgt für weiteren Lesegenuss. Wenn wir mit Grant zusammen Soho besuchen, an den kleinen Boutiquen, Schallplattenläden und Strip-Lokale vorbeiflanieren, kommt Stimmung und Flair auf.

Natürlich dürfen aus dem ersten Teil bekannte Figuren nicht fehlen, der Autor weitet seine übernatürliche Welt aber auch weiter aus. Immer aber bleibt das geographische Zentrum Londons verbindendes Glied. Hier, in der Beschreibung der City mit ihrem etwas anrüchigem Vergnügungsviertel Soho hat der Roman einmal mehr sein solides Fundament, auf dem der Autor seine Handlung aufsetzt.

Auch wenn das Finale ein wenig zu abrupt und schnell abgehandelt wird, wenn die große Auseinandersetzung mit dem neu eingeführten, nach wie vor mysteriösen Widersacher noch auf sich warten lässt, liest sich das Buch amüsant und spannend auf einen Rutsch durch. Nicht ganz das Niveau des ersten Teils, aber es bleibt ebenso spannend wie unterhaltsam und verwöhnt den Leser mit etwas, das selten geworden ist – Eigenständigkeit.

(Carsten Kuhr, Juli 2012)

Ihre Meinung zu »Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho«

benfi zu »Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho«16.12.2012
Weiter geht es mit der Ausbildung von Peter Grant im ehrwürdigen 'Folly'. Es ist nicht gerade zwingend, dass man den Vorgängerband 'Die Flüsse von London' gelesen hat, aber es beschleunigt das Verständnis schon - man ist einfach sofort im Geschehen. Dieser zweite Band spielt in der Jazz-Szene und Autor Ben Aaronovitch hat scheinbar ausgiebig Recherche betrieben oder ist ohnehin ein Kenner. Die Handlung ist recht logisch aufgebaut und der versteckte Humor von Aaronovitch entlockt dem Leser oftmals ein Grinsen. Die Welt des Peter Grant reizt fantasy-begeisterte Schmökerfreunde bestimmt und der Roman ist insgesamt gut. Allerdings muß ich sagen, dass man schon merkt, dass der Vorgängerband einen anderen Übersetzer hatte - es fehlt bei diesem neuen Werk hier und da ein wenig Tiefe. Nichtsdestotrotz bin ich nun gespannt, wie es im dritten Teil weitergeht, denn das Buch besitzt einen kleinen Cliffhanger ...
80°
Hakuchan zu »Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho«16.11.2012
Der zweite Teil von "Die Flüsse von London" geschrieben von Ben Aaronovitch. Nachdem ich den ersten Teil verschlungen habe, musste ich mir den zweiten Teil sofort holen. Ich denke mir, dass man das Buch gut auch alleinstehend lesen kann, doch empfehle ich den ersten Teil unbedingt wenigstens nachholen, denn die (Vor-)Geschichte von Peter Grant und seinem Meister Thomas Nightingale ist doch nicht ohne. Auch versteht man einige Details besser.

Die Story ist wieder genauso packend und mitreissend wie im ersten Teil. Man kann wieder viele neue Wesen und Orte entdecken. Besonders gut an diesem Buch finde ich die Dialoge. Vor allem zwischen Peter Grant und Molly, dem Haus Dämon (?), obwohl Molly nie ein Wort sagt.

In diesem Band wird ein übergreifender Gegner eingebracht. Ein böser und dunkler Magier gegen den die beiden Helden antreten werden müssen. Es wird spannend...

Ich kann beide Teile nur empfehlen, lesen müsst ihrs selber. :)
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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