Blutschwur - Die Powder-Mage-Chroniken 1 von Brian McClellan

Buchvorstellungund Rezension

Blutschwur - Die Powder-Mage-Chroniken 1 von Brian McClellan

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Promise of Blood“,deutsche Ausgabe erstmals 2018, 774 Seiten.ISBN 3959816685.Übersetzung ins Deutsche von Stephanie Pannen.

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Das meint Phantastik-Couch.de: Die drei Musketiere treffen auf Magier und Götter82

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Mögen Sie Magie oder die Drei Musketiere? Dann hätte ich etwas für sie. Wie sich dies für eine waschechtes Fantasy-Epos so gehört wird die Geschichte von auf Erden wandelnden Götter, alternden Verrätern & Helden und einem Reich, das von allen Seiten bedroht wird in drei Bänden erzählt. Eine Trilogie also, die sogenannten Powder-Mage Chroniken von Brian McClellan, deren erster Band vor mir liegt.

Doch fangen wir am besten am Beginn an. Eine Nachts wird Adramat, ein bereits pensionierter Ermittler in Diensten des Königs zu dessen Residenz gerufen. Statt der königlichen Garde und den Fürsten, seiner magischen Kabale und deren Harems aber stößt unser Detektiv auf Blut und Leichen. Ausgerechnet Tamas, einer der angesehensten Generäle des Reiches rebelliert gegen seinen Fürsten. Der Grund für die anschließende Säuberung der Adeligen mittels Guillotine ist schnell gefunden – das Reich ist beim unbeliebten Nachbarn hoch verschuldet und der König wollte, um seinen eigenen Wohlstand zu sichern, das Reich an die Kaz verkaufen.

Dass die königlichen Magier nach ihrem Tod eine Prophezeiung aussprechen, dass Kersimir, der vor vierzehnhundert Jahren die Welt verlassene Gott zurückkehren wird, um für den Mord des Herrschers ultimative Rache zu üben, bringt Tamas in die Beredouille. Steckt wirklich etwas hinter der Prophezeiung? Adramat soll es herausfinden.

Währenddessen versucht Tamas das Reich zusammenzuhalten. Er lässt Brot an das verarmte Volk verteilen und versucht, auch mit Hilfe eines meisterhaften Kochs Land und Leute zu einen. Dass sein Putsch fast gescheitert wäre, hat er nicht vergessen. Er setzt seinen eigenen Sohn Taniel Zwei-Schuss auf die Spur der Magierin, die die Rebellion mit ihren Kräften fast verhindert hätte. Es entbrennt ein blutiger Wettlauf zum Berg, auf dem der fürchterliche Gott beschworen werden soll …

Unterhaltsamer Genremix der besonders unterhaltsamen Art

In drei, eigentlich sind es vier Handlungssträngen erzählt uns der Autor seine Geschichte, die zunächst ein wenig an ein Rollenspiel-Szenario erinnert, dann aber doch ganz eigene Wege geht.

Zunächst lernen wir den General, der eine höchst persönliche Motivation im Kampf gegen den Erzfeind Kaz besitzt, kennen. Als eine integere Figur, ein großer Feldherr und verantwortungsvoller Staatsmann, hinterfragt er sich immer wieder selbst, versucht seine Bevölkerung und sein Land zu retten – und wird immer wieder von Neuem verraten. Auf welche seiner Mitverschwörer kann er sich verlassen, wer hintergeht ihn und die gemeinsam beschlossenen Pläne für mehr Gerechtigkeit, Demokratie und Wohlstand? Hier verwöhnt uns der Autor mit eine fiktiven Biographie eines großen Staatsmannes und genialen Feldherren.

Der Ermittler, dem McClellan dann einen, auf den ersten Blick tumben, Boxer als Leibwächter der besonderen Art zur Seite stellt, ist für den Kriminalplot im Roman zuständig. Rastlos vernimmt, hinterfragt und stöbert der Detektiv nach Motiv und Identität des Verräters und gerät dabei selbst in Gefahr.

Mit Taniel, dem Sohn des politischen Führers der neu installierten Republik, hält die Magie Einzug in den Roman. Und da hat sich der Autor einiges einfallen lassen. Neben normalen Magiern mit ihren letztlich bekannten Kräften gibt es auch Menschen, die mittels Magie verbessert, sprich kräftiger und brutaler gemacht wurden. Und es gibt die titelgebenden Powder-Mages. Da neben den fantasy-bekannten Stich- und Schlagwaffen auch Pistolen, Gewehre und Kanonen zum Einsatz kommen hat sich der Autor überlegt, wie er diese mit Magie verbinden könnte. Heraus kamen die Powder-Mages, Begabte, die mittels Pulver gar unmöglich Dinge anstellen können. Wie etwa um die Ecke schießen, ganze Munitionslager oder gerne auch die Ersatzpatronen aus der Entfernung zum Explodieren bringen, oder Kugeln ganz ohne Pistole oder Gewehr auf ihre Gegner loslassen. Nachteil für diese Begabten – der Genuss des Schießpulvers macht süchtig – mit all den bekannten Symptomen einer Sucht.

Letzte Protagonisten to come sind die bislang mehr in einer Nebenrolle auftretende Wäscherin Nila, die den letzten Thronabkömmling zu schützen versucht und ein auf Erden wandelnder, lukullisch begnadeter Gott.

Dazu kommt, dass der Autor einmal nicht die übliche archaische Welt als Handlungsort gewählt hat, sondern eine Ära präsentiert, die ein wenig an die Welt von Dumas´ Drei Musketiere oder die Napoleonische Zeit erinnert.

Der Roman liest sich dabei eigentlich fast wie drei Werke in Einem. Je nachdem, welchem Protagonisten man gerade folgt, geht die Handlung immer in unterschiedliche Richtungen – hier das Portrait eines Staatsmannes und Heerführers, dort die Suche eines Detektivs nach dem Täter und schließlich der Kampf der Magier um das Schicksal der Welt.

Dies hat zur Folge, dass wir keinen einheitlichen Erzähler vorfinden, dem wir ins Abenteuer folgen, sondern uns – nach und nach – auf die unterschiedlichen Sichtweisen einstellen. Positiv daran, dass wir so mehrere sehr unterschiedliche, real wirkende Blickwinkel auf das Geschehen erhalten.

Man mag nun unken, dass sich die Figuren kaum entwickeln, darf dabei aber nicht vergessen, dass sich die Handlung des Romans nur über einen Zeitraum von wenigen Wochen erstreckt. So gilt es Anschläge, Attentate, Gefangennahmen und Verrat zu überstehen, wir verfolgen Erpressungsversuche ebenso wie Mordkomplotte, die auch immer wieder Sympathieträgern das Leben kosten.

Natürlich sind die Ingredienzien nicht wirklich neu – aber die Kombination der Elemente hat mich in ihren Bann gezogen. Brandon Sanderson empfiehlt in seinem Blurb den Roman daher auch als sehr unterhaltsam – dem kann ich mich nur anschließen und warte ungeduldig auf den für Januar in Vorbereitung befindlichen zweiten Teil.

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