Mondherz von Christiane Spies

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012, 667 Seiten.ISBN 978-3-426-50848-0.

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In Kürze:

1456: Seit Konstantinopel gefallen ist, dringt das osmanische Heer immer weiter nach Westen vor, und Belgrad wird von der erschreckenden Übermacht belagert. In der Stadt hält sich auch die junge Adlige Veronika auf. Doch ihr steht nicht nur wegen der gefährlichen Zustände im Land eine ungewisse Zukunft bevor, denn Veronika ist Teil einer verborgenen Welt, von der normale Menschen nicht einmal etwas ahnen: Es gibt einen Bund von Werwölfen, der den mächtigsten Männern Europas im Geheimen dient. Seit sie selbst zur Werwölfin wurde, bestimmt der Bund auch Veronikas Leben. Aber als er ihr vorschreiben will, wen sie lieben soll, beginnt sie, um ihre Freiheit – und ihre Liebe – zu kämpfen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Werwolfroman in historischem Gewand“66

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Die junge Adelige Veronika hat es nicht leicht im Leben. Seitdem ihre Eltern starben, dient sie ihrer Cousine als Freundin und Begleiterin. Das beste ,auf das sie hoffen kann, ist, dass ihr Vormund sie mit einem seiner Ritter verheiratet. Doch eines Tages, im Jahr des Herren 1455, passiert etwas, das ihr vorgezeichnetes Schicksal unabänderlicher wandelt. Sie wird Zeuge, wie der örtliche Pfarrer von einer Bestie förmlich in der Luft zerrissen wird.
Mehr noch, der Angriff des großen Wolfes geschah mit Wissen und Billigung des Grafen Hunyadis und ihres Onkels.

Doch was hat die beiden sonst so honorigen und untadeligen Männer dazu verleitet, den Mord anzuordnen? Der Priester hat etwas getan, was man niemals tun sollte. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. Dort hat er mit angesehen, wie ein Mensch sich in ein Wesen des Teufels, ein reißendes Tier verwandelt hat. Dass die Werwölfe sich den Schutz der Christenheit vor den anrückenden Muselmanen auf ihre Fahnen geschrieben haben, darf niemand wissen. Verborgen vor den argwöhnischen Augen der Fürstenhäuser, des Klerus und der einfachen Leute versuchen sie seit Jahrhunderten mit ihren besonderen Kräften die Kämpfer unter dem Halbmond aufzuhalten. Dabei weissagt ihnen eine Prophezeiung eine Wölfin mit einem roten Mal, die sie und ihre Rasse zu neuen Ufern führen soll.

Dass Veronika, deren Schulter ein rotes Muttermal ziert, von einem Wolf gebissen wird und sich ihr Körper ändert, ist für sie noch nicht das Schlimmste. Während die Türken auf Belgrad marschieren und sie ihr Dasein als einzige Werwölfin langsam zu akzeptieren scheint, versuchen unterschiedlichste Interessen- und Machtgruppen sie für ihre Zwecke einzuspannen. Wem nur kann sie und den Wandelwesen vertrauen – dem Halbtürken Gábor oder dem charismatischen Frauenheld Michael?

Überzeugende Kulisse mit letztlich bekannter Grundhandlung

In ihrem Debutroman nimmt sich Christiane Spies einmal mehr eines Themas an, das in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden hat. Werwölfe – ihre Fähigkeit, sich vom Mensch zum Tier und zurück zu verwandeln, ihre Art, in Rudeln zu leben scheint Leser auf der ganzen Welt zu faszinieren.

Anders als viele ihrer Kollegen aber situiert Spies ihre Handlung nicht in der Jetztzeit, sondern in der Vergangenheit an. Und sie nutzt diese Tatsache, um uns – minutiös recherchiert – geschichtliches Wissen nahezubringen. Glaubwürdig und – glaubt man den Verlagsangaben – nach ausgedehnten Recherchearbeiten vor Ort weiß sie vieles über das Leben, das Denken in der Zeit um 1455 und flicht dies unauffällig, aber interessant zu lesen in ihre Handlung ein.

Der Sturm der Türken auf das Abendland, der verzweifelte, von gegenseitigem Misstrauen und Ablehnung geprägte Versuch, die angreifenden Muselmanen zurückzuschlagen, die große Politik, aber auch das Leben der damaligen Menschen wird en passent gestreift und hinterfüttert den Plot mit einem soliden Fundament. Da bekommt der Leser kein chemisch reines Mittelalter vorgesetzt, sondern die Rolle der Frau als Heimchen am Herd wird ebenso angesprochen wie die Arroganz des Adels oder die alltägliche Gewaltbereitschaft der Krieger.

Dazu gesellt sich eine interessant aufgezogene Geschichte um Werwölfe, die für die Christenheit kämpfen, die, obzwar im Ziel vereint, intrigieren und manipulieren. Das hat viel Spannung, dabei aber auch ein wenig Romantik, viel Tempo und jede Menge Fakten.

(Carsten Kuhr, März 2012)

Ihre Meinung zu »Christiane Spies: Mondherz«

M.Reinsch zu »Christiane Spies: Mondherz«21.06.2012
Die Geschichte um den Kampf der Ungarn gegen das Osmanische Reich mit einer "Werwolfslieberomanze" zu verbinden ist wirklich ein interessanter Zug gewesen.
Der Roman liest sich recht leicht und zur Vereinfachung wurden viele Namen ins Deutsche übersetzt (auch wenn die ungarischen Nachnamen für "Stolperfallen" sorgen.
Geschichtlich hat Fr.Spies wirklich sehr gut recherchiert (und in Ihrem Nachwort so einige Ungereimtheiten geglättet).
Faszinierend ist auch Ihre Interpretation der Werwölfe!
Nicht nur, dass Sie die Möglichkeit/Sucht haben, sich jeden Tag zu verwandeln, nein sie sind auch auf "normalem Wege zu töten (kein Silber, Weihwasser oder Kreuz ist nötig). Für Fr.Spies sind diese Wesen einfach eine Mischung aus Wolf und Mensch, bei denen jede Wesenheit um seine Vormacht im Körper streitet.
Sie sind stärker und "mächtiger" als normale Menschen, unterliegen aber einem (sich selbst auferlegten) Ehrenkodex und der "Sucht" sich zu verwandeln.
Da es nur männliche Werwölfe gibt, ist die "Heldin" der Geschichte an sich schon etwas Besonderes, aber das war Fr.Spies nicht genug: Veronika muss auch noch eine uralte Prophezeiung erfüllen.
Die Prophezeiung der Heiligen Agnes (im Buch 995 gestorben), kann sich eigentlich nur auf die Heilige Agnes von Böhmen beziehen (die ist aber erst 1282 verstorben). Leider wird das im Nachwort nicht geklärt.
Das Leben und die Gesellschaft, vor allem die Intrigen am Königshof, sind sehr gut eingefangen und auch die wichtigen Figuren haben Tiefe, so dass man mit ihnen leidet oder glücklich ist. Selbst "zwielichte" Gestalten (wie Michael) haben viel Logik in ihren Handlungen.
In der Gesamtheit hat Fr.Spies ein sehr gutes Bild der damaligen Zeit erschaffen und es fällt einem leicht in das Geschehen ein zu tauchen. Des weiteren sind Schlacht- und Kampfszenen sehr anschaulich (Bildhaft) geschrieben und für eine weibliche Autorin, recht blutig.
Vieles deutet auf einen Fortsetzung ihres Erstlingswerkes hin - wir werden sehen...
Fazit:
Ohne den starken romantik Einschlag, wäre Fr.Spies ein sehr guter historischer Roman mit mystischen Einschlägen gelungen (leider stört mich die "große Liebesgeschichte" doch etwas).
Ein interessantes, lesenswertes Buch, nicht nur für die "Damenwelt"

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