Ingenieure des Kosmos von Clifford D. Simak

Buchvorstellungund Rezension

Ingenieure des Kosmos von Clifford D. Simak

Originalausgabe erschienen 1939unter dem Titel „Cosmic Engineers“,deutsche Ausgabe erstmals 1958, 93 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Rainer Eisfeld.

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In Kürze:

Ende des 7. Jahrtausends retten zwei Weltraum-Reporter eine verschollene Wissenschaftlerin. Im Kryonik-Tiefschlaf hat sie die telepathischen Rufe der „Kosmischen Ingenieure“ vernommen, die am Rand des Universums mit bösartigen Chaos-Mächten ringen. Ein kleines Menschenteam macht sich durch Zeit und Raum auf, um den „Ingenieuren“ zur Seite zu stehen ... – Ausgerechnet Clifford D. Simak, der später durch seine ‚ruhige’ und jeglichem Gigantismus abholde Science Fiction berühmt wurde, legt als Frühwerk eine „Space Opera“ vor, die unbekümmert den Naturgesetzen trotzt und ebenso flach wie spannend unterhält: Nostalgie pur!

Das meint phantastik-couch.de: Space-Opera-Walkürenritt durch Raum, Zeit & Logik70

Science-Fiction-Rezension von Michael Drewniok

Im Auftrag ihrer Zeitung „Evening Rocket“ durchstreifen die Reporter Herbert „Herb“ Harper und Gary Nelson Anno 6948 an Bord ihres Dienst-Raumschiffs „Space pup“ das Sonnensystem. Wo immer sich etwas Schlagzeilenträchtiges ereignet, sind sie zur Stelle. Dieses Mal geht die Fahrt weit hinaus bis zum Kleinplaneten Pluto. Dort bereitet sich Pilot Tommy Evans auf den ersten überlichtschnellen Raumflug vor, der ihn Lichtjahre weit in das Sternsystem Alpha Centauri führen soll.

Auf dem Weg zum Pluto stößt das Duo auf das Wrack eines uralten Raumschiffs. Im Inneren findet man den tiefgefroren konservierten Körper der legendären Wissenschaftlerin Caroline Martin, die vor beinahe einem Jahrtausend spurlos verschwunden ist. Sie kann geweckt werden und konfrontiert ihre Retter mit einer unglaublichen Information: Im ‚Schlaf’ blieb ihr Geist wach und entwickelte telepathische Fähigkeiten. Martin ‚hörte’ die Stimmen einer unbekannten Superintelligenz, die sich mit anderen kosmischen Kräften ‚unterhielt'.

Auf dem Pluto konfrontiert das kleine, dort stationierte Beobachtungskommando die Besucher mit diesem Phänomen: Offenbar versucht eine außerirdische Intelligenz Verbindung mit den Menschen aufzunehmen. Martin kann die Botschaften entziffern: Die „Ingenieure des Kosmos“ rufen um Hilfe! Jenseits jener Grenze, an der das Universum endet, droht eine Gefahr, die den Kosmos zerstören könnte – und wird.

Das Trio – verstärkt durch Tommy Evans und den Wissenschaftler Kingsley – reist durch Raum und Zeit zu den „Ingenieuren“. Diese konkretisieren das Problem: Ein anderer Kosmos ist durch den „Interraum“ auf Kollisionskurs mit ‚unserem’ Universum. Er muss gestoppt werden: eine eventuell mögliche, jedoch lebensgefährliche Aufgabe …

Pfeif’ auf die Naturgesetze!

Space Opera! Das ist Science Fiction aus einer ‚unschuldigen’ Ära, die nicht grundlos mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs endete. Zwar starb das Genre nicht aus und erfreut sich auch heute bester Gesundheit. Es fehlt ihm aber jene fröhliche Naivität, die auch der hier vorgestellte Titel im Übermaß ausstrahlt. „Ingenieure des Kosmos“ spiegelt einen Optimismus wider, der uns heutzutage geradezu unheimlich vorkommt. Er wurzelt in einer Epoche, die dank naturwissenschaftlicher und technischer Errungenschaften die „frontier“ – jene Grenze, die der Mensch aufgrund eben dieser Fortschritte immer weiter in die ‚Wildnis’ vorschiebt – kurzerhand ins Weltall verlegte, das man – es stand quasi fest – in absehbarer Zeit mit Raumschiffen durchmessen und kolonisieren würde.

Die „Pulp“-Science-Fiction, die seit 1926 in unzähligen Magazinen verbreitet wurde, schürte diese Zuversicht bzw. nutzte sie, um hohe Auflagen zu erzielen. Was in der Realität oft mühsam und unter zahlreichen Rückschlägen erforscht und entwickelt wurde, war in den auf Spannung getrimmten „Space Operas“ das Werk abrupter Geistesblitze, die durch Tatkraft (und harte Fäuste) ergänzt wurden. Diese Zukunft funktionierte hervorragend – und rein analog; so wirft Forscherfrau Caroline Martin mit einem schnöden Bleistift Formeln auf Papier, die binnen kürzester Zeit in den Bau von Maschinen resultieren, mit denen sich künstliche Mikro-Universen basteln lassen. Ohnehin bleiben die Naturgesetze reine Schablone, die nach Belieben = so, wie es die Handlung bedarf, durch „Technobabbel“ ‚ergänzt’ bzw. ausgehebelt werden können. Dazu sei beispielsweise zitiert, wie nach Simak die „Ewigkeit“ konstruiert ist: „Durch das Rotierenlassen eines Kreises in drei Dimensionen schafft man eine Sphäre. Lässt man die Sphäre durch vier Dimensionen rotieren, hat man eine Hypersphäre …Jetzt brauchst du nur noch die Hypersphäre durch den fünfdimensionalen Raum rotieren zu lassen.“

Raum und Zeit sind für unser Helden-Quintett nur Spielzeuge, die nach Belieben manipuliert und instrumentalisiert werden. Gewaltig muss das Ergebnis sein, denn so stellte man sich eine Zukunft vor, in der sich der Mensch titanische Städte, Raumschiffe oder künstliche Planeten baute. Folgerichtig verlieren sich unsere Abenteurer von der Erde in der überdimensionalen Heimatstadt der „Ingenieure“, die das von ihnen geschaffene Wunder nicht einmal bevölkern können. Doch eine galaktische Supermacht MUSS Beeindruckendes erschaffen (sowie möglichst nebulöse, aber großartig klingende Andeutungen über Raum und Ewigkeit/en machen).

Visionen auf tönernem Boden

Während es technisch stets mit Vollgas vorausgeht, bleibt das 7. Jahrtausend ansonsten seltsam altbacken. Herb und Gary sind „Reporter“, die für eine offensichtlich auf Papier gedruckte Zeitung arbeiten; die einzige Konzession an die Zukunft ist das Dienstfahrzeug – ein Raumschiff, das jedoch eher an ein U-Boot erinnert und recht sparsam mit Instrumenten bestückt ist. Autorenkollege Damon Knight merkte bereits 1951 kritisch an, dass sich die Protagonisten wie „durchschnittlich schlaue Mittelschicht-Amerikaner“ der 1930er Jahre verhalten – kein Wunder, denn „Cosmic Engineers“ erschien erstmals im Magazin „Astounding Science-Fiction“ und in den Ausgaben Februar-April 1939. Dieses SF-Garn atmete deshalb noch aus vollen Lungen den Geist einer durch den Krieg ad absurdum geführten Zukunft/Zuversicht.

Für sensationelle Entdeckungen sind geniale Wissenschaftler, für den Einsatz der durch sie geschaffenen Gefährte und Apparate tollkühne Helden zuständig. Auf der Erde hat offenbar ein restriktives Regime das Sagen. Man verbietet unserem Raum-Zeitreise-Quintett ihre Expedition und will sie sogar festsetzen, was eine rasante Flucht mit donnernden Raketendüsen zur Folge hat. Allerdings fühlt sich auf dem Pluto oder an Bord der „Space pup“ niemand dafür zuständig, den Kontakt mit den „Ingenieuren“ daheim abzuklären. Wahre Helden halten keine Rücksprache, und aufhalten lassen sie sich erst recht nicht! Im Dienst der guten Sache denken sie nicht an die Folgen für ihre ‚Karriere’ – ein Wort, das echte Männer ohnehin nicht kennen!

Wobei Clifford D. Simak in einem Punkt von der Schablone abweicht: Mindestens gleichberechtigt im Kreis der Weltenretter sitzt eine Frau! Nun gut, der Autor nennt sie oft „Mädchen“, was aber ihre Jugend und Schönheit trotz überragender intellektueller Fähigkeiten betonen soll. Um das zeitgenössische Publikum zu versöhnen, baut er weibliche Angstquiekser dort ein, wo sich die „Space pup“ in ferne, nur mögliche Zukünfte oder fremde Dimensionen vorwagt. Immerhin steht im Finale keine Hochzeit an. Caroline Martin verliebt sich nicht in einen der kernigen Jungs, mit denen sie das Universum rettet.

Die Ewigkeit fest im Griff

Naiv, aber durchaus einfallsreich beschwört Simak seine (hyper-) kosmischen Kulissen herauf. Ein Universum reicht ihm nicht, er postuliert ein Multiversum (über das man übrigens schon in der griechischen Antike nachdachte), dem er nach Belieben mysteriöse Zusatz-Dimensionen anflanscht. Auch eine Zeitreise in eine nur mögliche Erde der Zukunft findet statt, wo ‚zufällig'/glücklicherweise der allerletzte Mensch noch lebt, um seinen beeindruckten Besuchern weitere ‚kosmische’ Weisheiten aufzutischen.

Um nicht gar zu abstrakt in megalomanische Sphären abzudriften, präsentiert Simak seinen Lesern zwischendurch handfeste Gefahren. So lauern im Hintergrund die superbösen „Höllenhunde“, eine von Hass und Zerstörungswut geprägte Alien-Brut, die sogar das Ende des Universums und damit ihren eigenen Tod riskiert, wenn sie dadurch die verhassten „Ingenieure“ mitreißen kann. Simak inszeniert eine buchstäblich bombastische Raumschlacht, deren tödlichen Ausgang er (fadenscheinig) als ‚gerecht’ kommentiert.

Überhaupt endet diese Weltraum-Oper erwartungsgemäß mit einem Happy-End – und einer bekannten Coda: Der Mensch ist zwar der Erbe der „Ingenieure“, aber noch nicht „reif“ genug es anzutreten. Das entscheiden unsere Helden im Namen der Menschheit, die sich dazu nicht äußern kann. Abschließend wird das Bild einer Zukunft entworfen, die abermals das Individuum ausspart; es hat in dieser Vision keinen Platz – ein Fehler, den Simak später nicht mehr beging, sondern ‚echte’ Menschen in den Mittelpunkt seiner Geschichte setzte. Deshalb bleibt „Ingenieure des Kosmos“ ein Kuriosum; das Werk eines Schriftstellers, den man normalerweise nicht mit der „Space Opera“ in Verbindung bringt, der aber im zeitgenössischen Rahmen des Genres ein spannendes, nostalgisch angestaubtes Garn gesponnen hat!

Ihre Meinung zu »Clifford D. Simak: Ingenieure des Kosmos«

Luxi zu »Clifford D. Simak: Ingenieure des Kosmos«12.10.2009
Dies ist ein ganz früher Simak, es ist seine älteste verfügbare Prosa in deutscher Sprache. Clifford D. Simak hatte seine erste Story 1931 veröffentlicht, dieser Kurzroman hier erschien erstmals acht Jahre später, 1939, in drei Fortsetzungen in John W. Campbells "Astounding", bevor er dann 1950 seine erste Buchausgabe erlebte. Auf deutsch erschien "Ingenieure des Kosmos" lediglich in zwei verschiedenen Groschenroman-Ausgaben (1957 als Utopia-Kriminal-Zukunftsroman 25 und 1967 als Terra-Extra 123). Eine "ordentliche" deutsche Buchausgabe hat dieser Roman also nie erlebt und das ist vielleicht auch gut so ....

Denn: Man vermisst so ziemlich alles, was man am späteren Simak schätzt: die pastorale Erzählweise, die Humanität und den feinsinnigen Humor. Und man findet so ziemlich alles, was man am späteren Simak vermisst: Krieg, Zerstörung und Krachbumm.

Probleme, die kaum vorstellbar sind, werden mit Mitteln gelöst, die (logischerweise) noch weniger vorstellbar sind. Es geht um nicht mehr und nicht weniger, als um die Rettung des Universums. Ja, richtig gelesen: Wir sprechen hier nicht von so etwas banalem, wie unserer Galaxis, sondern vom ganzen Universum, weil dieses sich nämlich gerade anschickt, mit einem anderen Universum zusammenzukrachen. Fünf Vertreter der Menschheit, die eigentlich gerade erst dabei ist, ihr Sonnensystem zu verlassen, gelangen in Kontakt zu einer höheren "Rasse", den "Kosmos-Ingenieuren", die diese Gefahr zwar kennt, aber keine Lösung weiß, weil ihr nämlich Kreativität und unerschöpflicher Wissensdrang abgeht. Das widerum aber bringen die Menschen mit und so finden sie Lösungen, wie man zunächst eine kriegerische Rasse im eigenen Universum (die "Höllenhunde") besiegt, dann ein friedliches Volk aus dem anderen Universum rettet, indem man es ins eigene herüberholt und schließlich im "Interraum" ein Energiefeld aufbaut, welches man im entscheidenden Moment gegen das bedrohende Universum schleudert und dieses somit vernichtet, bevor sich die beiden Universen gegenseitig zerstören.

Diese Beschreibung lässt ahnen: Das ist alles hart an der Grenze der Lesbarkeit. Denn im Grunde hat der Kurzroman gar keine richtige Handlung. Die irdischen Protagonisten erfahren von den Ingenieuren stets verbal die aktuellen Gefahren und lassen sich dann irgendetwas einfallen, dass diese Gefahr beseitigt. Man hat nie das Gefühl, dass sie selbst in Gefahr sind. Es fehlt ein stimmungsvoller Spannungsaufbau, es gibt keinerlei Konflikte zwischen den Romanfiguren; alles wirkt abstrakt und weit weg von den Helden und damit vom Leser.

Zu guter Letzt kommt dann noch heraus, dass die "Kosmos-Ingenieure" Roboter sind, geschaffen von einer uralten Zivilisation, die ursprünglich mal unser Sonnensystem bevölkert hat und dass das heutige Leben auf der Erde von eben dieser Zivilisation planmäßig geschaffen bzw. angestoßen worden ist. Da schimmert dann durch, dass die Menschen irgendwie doch was ganz Besonderes sind, ein Volk, das dazu bestimmt ist, irgendwann mal die Herrschaft im ganzen Universum zu übernehmen.

Wie gesagt, ein ganz früher Simak. Hätte er nach "Cosmic Engineers" nichts mehr geschrieben, würde sich heute wohl kaum noch jemand an ihn erinnern. Aber zum Glück hat er nur fünf Jahre darauf seine ersten Stories des City-Zyklus (dt. "Als es noch Menschen gab") geschrieben, knapp zwanzig Jahre später die Hugo-prämierte Erzählung "The Big Front Yard" (dt. "Das Tor zur anderen Welt") und 25 Jahre später den ebenfalls Hugo-prämierten Roman "Way Station" (dt. "Raumstation auf der Erde"). Dazu vor allem in den fünfziger Jahren Dutzende von guten bis ausgezeichneten Erzählungen und in den sechziger und siebziger Jahren eine ganze Reihe von bemerkenswerten Romanen.

"Cosmic Engineers" gehört mit Sicherheit nicht dazu. Der Roman ist ziemlich schlecht, das muss hier eindeutig festgestellt werden. Jedoch wird sich der Voll-Fan natürlich nicht abhalten lassen, ihn zu lesen. Schon allein um besser nachvollziehen zu können, wie aus einem mittelmäßigen Autor ein richtig guter Schriftsteller wurde ...
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