Herbst der Kriege von Daniel Abraham

Buchvorstellungund Rezension

Herbst der Kriege von Daniel Abraham

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „An Autumn War“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 448 Seiten.ISBN 3-442-24448-X.Übersetzung ins Deutsche von Andreas Heckmann.

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In Kürze:

Schon lange schwelt der Konflikt zwischen den Galten und den vierzehn Städten der Khais. Doch erst in Balasar Gice erwächst den Galten ein General, der genügend Weitblick und Ideen hat, um es mit den Sommerstädten aufzunehmen. Und tatsächlich entwickelt Gice einen gleichermaßen schrecklichen wie erfolgversprechenden Plan, der die Khais ihrer einzigen Waffe – der magischen Andaten – berauben soll …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Das bisherige Highlight der Reihe“86

Fantasy-Rezension von Holger Schmidt

Nach „Sommer der Zwietracht“ und „Winter des Verrats“ ist „Herbst der Kriege“ der dritte Teil der „Die magischen Städte“-Reihe. Ungewöhnlicherweise hat der Autor diesen Zyklus von Anfang an auf vier Bände angelegt – nicht der einzige Punkt, in dem sich Abrahams Fantasy von der Konkurrenz abhebt.

Die Macht der Khais

Wie ewige Konkurrenten liegen sich die zwei großen Landmassen gegenüber: Im Osten das Land der Galten und auf dem westlichen Kontinent die große Ebenen, mit den mächtigen Städten der Khais. Während ein großer Rat über die Politik der Galten entscheidet, regieren in den Städten der Khais territoriale Herrscher wie Könige. Der größte Vorteil der Khais sind die Andaten, die ihnen von dem Oberhaupt der an Mönche erinnernden „Dichter“ zur Verfügung gestellt werden. Unter Führung eines Dichters sorgen die Andaten für die reinsten Wunder: sie entfernen mit einem einzigen Gedanken Getreidekörner aus den Ähren, oder weichen den Stein in Stollen auf, damit Minenarbeiter es leichter haben, Erz abzubauen.

Unter diesen paradiesisch anmutenden Zuständen sind die Menschen in den Städten der Khais weich geworden. Nur allzu sehr verlässt man sich auf die Macht der Andaten. Um die reichen Städte zu schützen, unterhalten die meisten Khais noch nicht einmal eine Verteidigungsarmee. Längst ist es jedoch nicht mehr so leicht, einen Andaten an sich zu binden, wie das noch vor Generationen möglich war. Immer weniger Beschwörungen gelingen den in ihren Fähigkeiten nachlassenden Dichtern.

Lange Zeit haben die Galten nur nachlässig gegen den ewigen Konkurrenten im Osten intrigiert. Das ändert sich, als in Galtland ein entschlossener General in Erscheinung tritt, der eine persönliche Rechnung mit den Andaten offen hat. Balasar Gice hat sich geschworen, die Macht der magischen Geschöpfe zu brechen, koste es, was es wolle. Und während der Feind eine Söldnerarmee zusammenzieht und einen ausgeklügelten Plan ersinnt, um den Andaten mit ihren eigenen Waffen entgegen zu treten, treffen in der Stadt Machi alte Bekannte aufeinander, deren Schicksale für immer eng miteinander verstrickt sind.

„Gestatten, Daniel R.R. Bradley!“

Abrahams Stil ist irgendwo zwischen dem auf starke Charaktere und Gefühle konzentrierten George R. R. Martin und Marion Zimmer Bradleys Avalon-Saga anzusiedeln. Die Figuren haben Tiefe und sind stets glaubwürdig dargestellt. Dem Autor gelingt es, den Leser für die Dilemma der unterschiedlichen Charaktere einzunehmen, so dass man nur selten das Gefühl hat, allen Psycho-Wehwehchen der Figuren ausgesetzt zu werden. Auch haucht Abraham dem Schurken – hier in Gestalt von Balasar Gice – Leben ein und verfeinert diesen mit einer gehörige Portion psychologischer Widersprüche. Doch auch Gices Motive sind immer transparent und nachvollziehbar.

Böse Zungen könnten behaupten, der Autor habe seine Bestimmung verfehlt und wäre besser Metereologe geworden. Tatsächlich findet man nur selten in einem Buch mehr Beschreibungen des Wetters als in diesem. Was aber daran liegt, dass Abraham sich Zeit lässt und die Kulissen des Geschehens akribisch ausschmückt. Dabei gelingt es ihm immer wieder, den Leser mit fantastischen Umschreibungen und Analogien zu fesseln.

Action und Spannung

Lange Zeit hat man beim Lesen das Gefühl, den abschließenden Teil einer Serie in Händen zu halten. Wie von langer Hand geplant kreuzen sich die Lebenswege der bekannten Figuren wieder in der Stadt Machi und viele Probleme, die in den vorherigen Bänden aufgebaut wurden, gilt es nun zu lösen. Die Spannung bleibt bis zum furiosen Finale erhalten

Es ist jedoch nicht die Action, kein zielloser Aktionismus, der die Sache am Laufen hält. Die Figur des Balasar Gice gibt den Schurken in dieser Reihe endlich ein markantes Gesicht, zwingt mit seiner Entschlossenheit die bereits bekannten Charaktere zum Handeln. Und ab diesem Punkt, wenn sich die Personen von den ewigen inneren Konflikten abwenden und gezwungen sind, sich zu wehren, entsteht endlich eine Romanhandlung voller Spannung, dramatischer Ereignisse und unvorhersehbarer Wendungen. Immer noch setzt Abraham Action sparsam ein, konzentriert sich eher auf seine starken Figuren. Doch endlich liest man eine Geschichte, in der an einem Wendepunkt alles passieren kann – das ist Spannung in ihrer ureigensten Form.

Dieses Buch ist Abraham vorzüglich gelungen. Während in Band 2 einige Schwächen des Autors negativ hervortraten, spielt Abraham nun alle seine Stärken klar aus. Was bleibt, ist ein nervenaufreibender, sprachlich bestens gelungener und unkonventioneller Fantasy-Roman. Dieses Buch lässt den enttäuschenden zweiten Teil vergessen und kann den ungewöhnlichen Erstling sogar noch toppen.

Ihre Meinung zu »Daniel Abraham: Herbst der Kriege«

Stolt zu »Daniel Abraham: Herbst der Kriege«31.10.2009
Also.. nur zu den letzten Sätzen dieser Rezensiion: Ich habe die Lektüre von "Winter des Verrats" gerade beendet und möchte anmerken, dass er mir in keinster Weise "enttäuschend" oder "schwach".

Ansonsten hat mich dieser kleine Artikel aber sehr gereizt, nun endlich mit "Herbst der Kriege" zu beginne. Danke!

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