Winter des Verrats von Daniel Abraham

Buchvorstellungund Rezension

Winter des Verrats von Daniel Abraham

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „A Betrayal in Winter“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 380 Seiten.ISBN 3-442-24447-1.Übersetzung ins Deutsche von Andreas Heckmann.

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In Kürze:

Klirrend kalt sind die Winter in Machi, der nördlichsten der unermesslich reichen Sommerstädte. Und eiskalt sind auch die Intrigen, die in diesen Tagen und Wochen die Stadt zu vergiften drohen. Denn der Herrscher von Machi liegt im Sterben, und gemäß der Tradition kämpfen seine ältesten Söhne unerbittlich um die Nachfolge. Doch was noch niemand ahnt: In den Schatten der Stadt formieren sich auch bislang unbekannte Kräfte. Und sie schrecken vor keiner noch so abscheulichen Tat zurück, um den Winter des Verrats zu ihrem ganz persönlichen Vorteil zu nutzen …Von unglaublicher Intensität und Imaginationskraft!

Das meint Phantastik-Couch.de: „Lauwarmes Melodram vor eisiger Kulisse“68

Fantasy-Rezension von Holger Schmidt

Mit dem ersten Teil seiner auf vier Bände angelegten „Die magischen Städte“-Reihe konnte Daniel Abraham im Jahr 2007 ein ungewöhnliches Romandebut vorlegen. Mit dem zweiten – hier vorliegenden – Band geht die Geschichte um die Städte der 'Khai’ weiter.

Eisige Intrigen

Vor vielen Jahren fädelten Feinde der Khai eine geschickte Affäre ein, um die Macht der großen Sommerstädte zu brechen. Die Stadt Saraykeht war das erste Ziel der im Verborgenen intrigierenden Galten und wurde, nachdem ihr Dichter und sein magischer Andat vernichtet waren, zerstört. Doch die Galten sind längst noch nicht zufrieden. Ihr nächstes Ziel ist das hoch im Norden gelegene Machi.

Während ein unbarmherzig kalter Winter die Stadt in seinen Klauen hält, kämpft ihr Herrscher, der Khai, um sein Leben. Wie es die Tradition will, streiten nun seine Söhne um die Nachfolge auf dem Thron. Doch nicht nur die Söhne des Khai bekämpfen sich mit allen Mitteln, auch andere Feinde wollen die Gunst der Stunde nutzen. Und dann ist da auch noch der verstoßene Prinz 'Otah', von dem keiner weiß, ob er nach all den Jahren in der Verbannung überhaupt noch am Leben ist. Oder ist vielleicht er es, der das Leben seiner Brüder bedroht und nach der Macht in Machi greift?

Für Maati Vaupathai liegen die turbulenten Ereignisse in Saraykeht weit in der Vergangenheit. Er steht nun in den Diensten des Dai-Kvo und kann als über dreißigjähriger Dichter längst nicht mehr darauf hoffen, einen Andaten zu binden. Mit dem Wenigen, was er erreicht hat ist Maati vollkommen zufrieden. An das, was er in der Sommerstadt erlebt hat, denkt er nicht mehr viel. Dann jedoch soll er für seinen Arbeitgeber die Bibliothek der Stadt Machi erforschen und gerät abermals in den Strudel der Ereignisse.

Wohltemperierter Weltentwurf

Nicht zuletzt wegen asiatisch anmutender Elemente ist der Vorgänger dieses Buches ein Roman, der sich aus der Masse der Fantasy-Erscheinungen abhebt. Dezent verwendete Magie, bemerkenswerte Charaktere in einer ungewöhnlichen und dramatischen Handlung machen die magischen Städte zu einer etwas anderen Fantasy-Serie. Ein weiteres schönes Element sind die 'Dichter', die magische Wesen, eine Art menschgewordenen Gedanken, an sich binden und mit ihrer Hilfe Gutes bewirken.

Auch in diesem Buch begegnet der Leser einer bunten Riege interessanter Charaktere: eine unzufriedene Prinzessin, die nach Anerkennung strebt, ein gescheiterter Dichter, der eine Intrige aufdecken soll, ein verstoßener Prinz, der sich zwischen Liebe und Macht entscheiden muss. Abraham weiß viel Interessantes über seine Figuren zu erzählen – Gutes wie Schlechtes.

Das Element der durch Gesten unterstützten Kommunikation ist zwar ungewöhnlich, wirkt aber nicht vollkommen ausgereift. Lediglich der Hinweis auf eine eine Aussage unterstützende Geste, ohne dass dem Leser erklärt wird, wie diese aussehen könnte, ist etwas zu wenig. Sätze wie: „Er machte eine abweisende Geste“ wirken eher, als ob der Autor selbst nicht wüsste, wie diese Geste aussehen könnte.

Unterkühlte Dramatik

Hauptkritikpunkt bei „Winter des Verrats“ ist die Vorhersehbarkeit der meisten Ereignisse. Allein schon die Figur des verstoßenen Prinzen schreit geradezu danach, diesen seinen Thronanspruch zurückgewinnen zu lassen. Leider ist dies längst nicht die einzige vorhersehbare Entwicklung in der Geschichte. Abraham erzählt sehr gradlinig auch aus der Sicht der Schurken, was den Leser ausgiebig über die eingefädelten Intrigen aufklärt. Überraschungen erlebt man über die gesamte Romanlänge nur wenige. Im Gegenteil, der dramatische Kern der Geschichte wird dem Leser penetrant vorgekaut. Mit ausgeprägter Theatralik erzählt der Autor sein kleines Melodram.

Im Grunde befasst sich das Buch nur mit den folgenreichen Intrigen in 'Machi'. Alle Charaktere sind auf irgendeine Weise in die Verschwörungen eingebunden. Die Atmosphäre ist dicht und bedrückend, voller tragischer Schicksale und verbitterter Weisheit. Letzten Endes wirkt dieser Weltentwurf jedoch einseitig und längst nicht so detailliert, wie man das von vielen überzeugenden Fantasy-Romanen kennt. Schade, denn man hätte gerne mehr über Abrahams Welt erfahren, als nur das Ränkeschmieden der Mächtigen zu verfolgen.

Lauwarmes Ergebnis

Dank der zahlreichen glaubwürdigen Figuren und der ansprechenden Sprache des Autors, ist „Winter des Verrats“ kein schlechter Roman, aber auch längst nicht mehr so originell wie Band 1. Positiv fällt die melancholische Grundstimmung auf, die sich durch das gesamte Buch zieht und gemeinsam mit weiteren Elementen dem Roman eine etwas andere Atmosphäre verleiht. So gesehen, ist dieser Roman also eine ideale Unterhaltung für kalte depremierende Winterabende.

Ihre Meinung zu »Daniel Abraham: Winter des Verrats«

rugrat zu »Daniel Abraham: Winter des Verrats«30.07.2013
Man kann einem Fantasy - Roman kaum zum Vorwurf machen, was fast dem gesamten Genre eigen ist: der fast immer gute Ausgang.

Auch wenn der Roman stellenweise leicht vorhersehbar ist- kann man diesen Gedanken beiseite schieben und sich auf diese schön geschrieben melancholische Geschichte konzentrieren- dann bleibt das übrig, was es ist: eine gute und wirklich lesenswerte Geschichte über Liebe, Verrat und Schicksal...
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