Wild Cards - Die Cops von Jokertown von George R. R. Martin

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Wild Cards - Fort Freak“,deutsche Ausgabe erstmals 2018, 672 Seiten.ISBN 978-3-7645-3214-7.Übersetzung ins Deutsche von Simon Weinert.

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Das meint Phantastik-Couch.de: Schau mal. Wo ich aufwuchs, gab es keine Joker und Asse. Deshalb …kriege ich es immer noch nicht auf die Reihe.87

Fantasy-Rezension von Julian Hübecker

Wer in das enorme Universum von „Wild Cards“ eintauchen möchte – es besteht mittlerweile aus 21 Bänden -, der ist mit diesem Werk gut beraten. Doch aufgepasst! Zwar wird groß mit dem Namen George R. R. Martin geworben, doch ist dieser nur Herausgeber. Stattdessen treten zehn Schriftsteller zu einer Kurzgeschichten-Anthologie an; darunter auch bekanntere Autoren wie Paul Cornell. Wer sich nun von der großen Zahl abschrecken lässt, nach dem Motto: „viele Köche verderben den Brei“, dem soll gesagt sein: es funktioniert! Alle schreiben auf einem ähnlichen Niveau, schaffen kleine Geschichten, die zu einem großen Ganzen verschmelzen und so eine komplexe, in sich schlüssige und abgeschlossene Chronik um die Cops von Jokertown bilden.

„Zwar machte ich mich auf einen verstörenden Anblick gefasst, aber nicht genug, denn am Ende wich ich doch einen Schritt zurück. Ich sah mich einem Drachen gegenüber.“

Doch nun zur Grundgeschichte, die sich wie ein roter Faden durch die einzelnen Storys zieht und um die sich viele kleine Nebenhandlungen spinnen: Es geht um das fünfte Polizeirevier von Jokertown, einem Ghetto im Herzen New Yorks. Hier leben vor allem Joker, jene Verfluchten, die durch das Wild Card-Virus verunstaltet wurden. Zusätzlich mit bedrohlichen Fähigkeiten ausgestattet, sind sie die Aussätzigen der Gesellschaft. Klar, dass dies viel Konfliktpotenzial bietet. Ihnen gegenüber stehen die Asse, jene Mutierten, die zwar auch über Fähigkeiten verfügen, jedoch ihre menschliche Form behielten, wodurch sie von den gewöhnlichen Menschen, den Normalos, nicht zu unterscheiden sind.

Obwohl das fünfte Revier zu gleichen Teilen aus Jokern bzw. Assen und Normalos zusammengesetzt ist, um so eine gewisse Integration zu wahren, gibt es auch hier schwarze Schafe. Denn Jokertown verkommt immer mehr, steckt im Sumpf aus Gewalt und Blut fest, und auch so mancher Polizist lässt sich gegen Geld nur zu gern korrumpieren. Doch es gibt auch die Guten, jene, die noch an Werte glauben. Diese erzählen ihre Geschichten, die auf dem ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, auf dem zweiten jedoch zu einem weit zurückliegenden Fall führen, der eigentlich als aufgeklärt galt.

Spannende Verknüpfung der einzelnen Storys, großartige einfallsreiche Charaktere

Seit 1987 wütet das Wild Card-Virus bereits, hat seitdem viele verschiedene Charaktere in einem komplexen Universum hervorgebracht. So spielen die Geschichten über mehrere Jahrzehnte hinweg und verknüpfen weitreichende Ereignisse, die globale Auswirkungen auf die fiktive Welt haben. Dabei lesen sich die früheren Bücher wie Superheldenromane, wo die Protagonisten Kriege gegen üble Burschen führen. Doch dieses Werk lässt eher an einen Film noir denken, mit seinen dunklen Gassen und dem Dampf, der aus Gullideckeln steigt. Doch das macht den Charme dieses lasterhaften Jokertown aus, dem letzten Loch, regiert von verschiedenen Banden, wo jeder nur ums Überleben kämpft. Für eingefleischte Fans ist es aber auch eine Heimkehr, denn es tauchen Charaktere aus früheren Anthologien auf. Doch für Neueinsteiger ist dies kein Hinderungsgrund, zu diesem Buch zu greifen. Denn solche Auftritte sind die Ausnahme und tragen nicht zur eigentlichen Handlung bei. Der eigentliche Spaß liegt darin, in Gedanken die einzelnen Handlungen zu verknüpfen, um das große Ganze zu verstehen. Aber vor allem imponieren die vielen Charaktere, die dem Buch eine eigene Dynamik geben und es zu etwas Lebendigem machen.

Fazit:

„Die Cops von Jokertown“ ist wahrlich kein Buch, das man in einem Rutsch durchlesen kann. Man sollte sich Zeit nehmen, die einzelnen Fäden der Kurzgeschichten zu verknüpfen. Für alle, die sich darauf einlassen wollen, ist es ein Werk mit viel Einfallsreichtum und einer großen Portion Spannung.

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