Interview mit Judith und Christian Vogt

Judith und Christian Vogt

© Yannick Vogt

Phantastik-Couch.de: Hallo erst mal zusammen. Könntet Ihr Euch unseren Lesern bitte kurz einmal selbst vorstellen?

Judith & Christian Vogt: Hallo! Wir sind Judith und Christian Vogt – Judith ist gelernte Buchhändlerin und jetzt hauptberuflich schreibend tätig, Christian ist promovierter Physiker. Als Vollblutnerds spielen wir Pen&Paper-Rollenspiel. Wir haben eine kleine Schmiede im Garten und betreiben Historisches Fechten (HEMA) und Kung Fu.

Phantastik-Couch.de: Ich selbst lernte Euch zuerst als Steampunk Autoren kennen – und schätzen. Mit DIE ZERBROCHENE PUPPE dem ihr später DIE VERLORENE PUPPE nachgereicht habt, habt ihr die Fans des Steampunks verwöhnt und begeistert. Erst später stieß ich auf Judiths Romane aus der Welt des Schwarzen Auges. Was fasziniert Euch an Steampunk, warum in einem kurzen Satz zusammengefasst, sollte der Leser zu einem Steampunk Buch greifen?

Judith & Christian Vogt: Mit Steampunk können sich die Leserinnen und Leser in ein 19. Jahrhundert zurückversetzen, das es so nicht gegeben hat – verrückte Erfindungen in dem, was man in dieser Zeit „wissenschaftlicher Abenteuerroman“ genannt hat.

Phantastik-Couch.de: Warum glaubt ihr, hat Steampunk es so schwer, bei uns durchzustarten?

Judith & Christian Vogt: Wir sollten vielleicht nicht zu hohe Ansprüche an die Publikumstauglichkeit eines Sub-Genres stellen. Wir sehen Steampunk als Teil der Science-fiction – Retro-Science-fiction – und das ist natürlich schon ein bisschen speziell. Aber es ist schon viel bekannter als noch vor einigen Jahren!

Phantastik-Couch.de: Die Fantasy-Romane aus der DSA Welt hat Judith, zumindest wenn man dem Cover glaubt, alleine verfasst – Christian, ist eine archaische Umgebung nicht so Dein Ding?

Judith & Christian Vogt: Zu dieser Zeit habe ich noch nicht mitgeschrieben. Ich habe erst mit der ersten „Puppe“ Blut geleckt. Für DSA habe ich allerdings einige Abenteuer, Spielhilfen und Kurzgeschichten verfasst.

Phantastik-Couch.de: Für den Sommer ist von Judith ja auch noch eine Römische Space Opera / Military SF bei Lübbe angekündigt – warum der Wechsel ins SF Lager?

Judith & Christian Vogt: Ich sehe das nicht so sehr als Wechsel. Mein Herz schlägt halt für die Phantastik in all ihren Ausprägungen. Zu den „Space Ömern“ (Roma Nova) gibt es aber eine recht interessante Entstehungsgeschichte: Die Idee stammt von einem Münchner Filmproduzenten, der bereits Concept Art hatte anfertigen lassen. Ich war ganz begeistert, als er mich als Autorin dafür angefragt hat. Auch das war noch vor der ersten Puppe – und deshalb war Christian da auch noch nicht mit an Bord.

Phantastik-Couch.de: Bislang kannten Euch eigentlich hauptsächlich Leser, die entweder aus der Rollenspiel-Szene und deren Verlagen kamen, oder sich für Steampunk interessierten. Dann, quasi aus dem Nichts, der Wechsel zum Publikumsverlag Lübbe mit den 13 Gezeichneten. Wie kam es dazu?

Judith & Christian Vogt: Wir wollten natürlich gerne zu einem größeren Verlag. Dazu kommt, dass ich seit 2017 hauptberuflich schreibe – das ist natürlich bei einem größeren Verlag besser möglich, weil wir ja auch mehr Leser dadurch erreichen. Wir sind sehr froh, dass unser Roman die Leute bei Lübbe überzeugen konnte!

Phantastik-Couch.de: Nun bietet Ihr dem Leser eine ganz eigene Kreation an. Nicht das übliche archaische Weltbild, mit Recken oder Rittern, Magiern mit spitzen Hüten oder Zauberstab – stattdessen eine Welt, die mich an den Napoleonische Zeit erinnert. Stimmt das, oder an welcher Ära habt ihr Euch orientiert?

Judith & Christian Vogt: Es geht um den Konflikt zwischen der Handwerksstadt Sygna und dem Aquinzischen Kaiserreich. Das ist an sich an die napoleonische Besatzung des Rheinlands angelehnt. Sygna befindet sich jedoch ungefähr auf dem Technikstand der frühen Neuzeit, wohingegen Aquintien bereits deutlich fortschrittlicher ist.

Phantastik-Couch.de: Dazu kommt ein Duellant, kommen Händler und Dichter – ganz ungewöhnliche Figuren für einen Fantasy-Abenteuerplot?

Judith & Christian Vogt: In unserem Buch ist das wichtigste Thema „Fremdbestimmung vs. Selbstbestimmung“. Eine kleine Gruppe Rebellen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gesellschaftsschichten rekrutiert, wagt den Aufstand. Außerdem wollten wir immer schon mal eine Geschichte mit einem Fechter erzählen, da wir uns viel mit dem Thema der frühneuzeitlichen Fechtschulen der Marksbrüder und Federfechter auseinandergesetzt haben!

Phantastik-Couch.de: Und schlussendlich Eure ganz eigene, neue Magie – die Magie der Zeichen – wie seid ihr darauf gekommen?

Judith & Christian Vogt: Wir sind beide keine Handwerker – aber Handwerk fasziniert uns sehr, deshalb auch die Schmiede im Garten. Bei DSA haben wir uns auch ein bisschen mit dem mittelalterlichen Handwerk, mit Zünften und Gebräuchen beschäftigt. Fechtkunst, Dichtkunst und Diebeskunst sehen wir in dem Kontext auch als Handwerk an! Aufgeprägte oder eingewirkte Zeichen als Magiesystem bieten sich da natürlich an – und somit gibt es in Sygna keine Magier und keine Herrschaft der Adligen, sondern eine Oligarchie der Handwerksfamilien.

Phantastik-Couch.de: Wie wird es mit Euch als Verfasser aufregender Abenteuer abseits des Alltagswegs weitergehen – was habt ihr für die nähere bis mittlere Zukunft in petto?

Judith & Christian Vogt: Wir freuen uns sehr darüber, dass Bastei Lübbe „Die 13 Gezeichneten“ als Dreiteiler herausbringen wird! Wir sind gerade mit dem ersten Entwurf des zweiten Teils fertig und vollkommen im Fieber der Handwerkszeichen.

Außerdem planen wir einen Ausflug in die Zukunft – ein bisschen Richtung Mad-Max-Postapokalypse, und dafür haben wir zum Glück auch schon einen Verlag gefunden.

Phantastik-Couch.de: Habt vielen Dank, dass ihr unseren Leser Rede und Antwort gestanden habt. Wir wünschen Euch für die Zukunft alles Gute!

Judith & Christian Vogt: Vielen Dank für die schönen Fragen!

Das Interview führte Carsten Kuhr für Phantastik-Couch.de