Calibans Krieg von James S. A. Corey

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Caliban´s War“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 656 Seiten.ISBN 3-453-52929-4.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Die Menschheit hat die Himmelskörper unseres Sonnensystems besiedelt. Doch der Friede bröckelt, denn die Kolonien begehren gegen die Vorherrschaft der Erde auf. Auf dem Jupitermond Ganymed haben die Kämpfe schon begonnen, und nun wird auf der Venus auch noch ein fremdartiges Molekül entdeckt. Steht eine Invasion von Außerirdischen kurz bevor? Das Schicksal der Menschheit steht auf Messers Schneide …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Renaissance des SF-Romans“85

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Die Schöpfung ist fehlerhaft. Nur so ist es zu erklären, dass fremde Intelligenzen, göttergleich, sich um die Aussaat neuer Intelligenz im All verdient machen. Dies muss auch die Menschheit leidvoll erfahren. Im Sonnensystem haben sich die Menschen ausgebreitet, dabei stehen die Erdbewohner den Gürtlern aus dem Asteroidengürtel und den Kolonisten vom Mars ablehnend gegenüber.

Auf der Eros-Station untersuchte einer der globalen Erd-Konzerne die außerirdische Materie – und löste dabei eine Katastrophe aus. Das Protomolekül befiel Menschen und modifizierte diese in nie vorstellbarem Ausmaß. Physikalische Grenzen und Gesetze schienen für das Protomolekül keine Gültigkeit zu haben, die Menschheit drohte einfach umprogrammiert, zu etwas anderem umgewandelt zu werden. Zwischen Mars und Erde brach ein bewaffneter Konflikt aus, in der sich die Rebellen der AAP einmischten. Mittendrin Captain Holder und seine Crew.

Nachdem der Konflikt befriedet, das verbrecherische Komplott des Konzerns aufgedeckt wurde und der vom Protomolekül befallene Mond Ceres auf die Venus stürzte, schien die Bedrohung für die Menschheit, zumindest zunächst einmal, gebannt. Doch dann tötet auf Ganymed ein Wesen Soldaten sowohl der Erdallianz wie auch des Mars, das mit konventionellen Waffen nicht gestoppt werden kann. Gleichzeitig verzeichnet man auf der Venus erhöhte Aktivität. Erkrankte Kinder verschwinden von Ganymed, auf dem bislang die Nahrung für die Kolonien im Gürtel angebaut wurde, der kalte Krieg zwischen der Erde und Mars wird heiß und persönliche Geltungssucht und Profitstreben führen geradewegs in eine Katastrophe.

Auf der Suche nach den entführten Kindern kommt Holder und seine Crew, die den Vater eines der verschwundenen Kinder aufgenommen haben, erneut einer Verschwörung auf die Spur. Skrupellose Wissenschaftler, geldgierige Unternehmer und machtgeile Militärs haben zueinander gefunden, und wollen die ultimative Waffe schaffen. Dumm nur, dass sich ihre Schöpfung nicht beherrschen lässt. Und so schlingert die Menschheit nach nur zwei Jahren relativer Ruhe erneut der Katastrophe entgegen …

Eine eindeutige Leseempfehlung

James Corey – hinter dem Pseudonym verbergen sich die erfolgreichen und angesehen Autoren Daniel Abraham (Die magischen Städte, dt. bei Blanvalet) und Ty Frank – legt im zweiten Teil der Trilogie noch einmal eine Schippe drauf. Als ich den Blurb von George R. R. Martin las, in dem er dem Roman als „episch und actiongeladen“ bezeichnete, dachte ich zunächst, dass Martin das Werk sicherlich nicht gelesen hätte. Nachdem ich das erste Drittel hinter mir hatte, dämmerte mir, dass er schlicht recht geurteilt hat.

In zwei alternierenden Handlungssträngen – neben der Crew um Holder steht eine Erdenpolitikerin im Zentrum der Aufmerksamkeit – erzählt Corey uns eine spannungsgeladene Geschichte voller unerwarteter Wendungen, Dramatik und markanten Figuren.

Natürlich liegt dem Roman dasselbe Grundgerüst wie im Auftaktteil der Trilogie zugrunde. Machtgierige Individuen bringen die Menschheit aus eigennützigen Motiven wieder einmal in Gefahr, eine Gruppe Underdogs macht sich auf, das Intrigenspiel öffentlich zu machen und sich der Bedrohung mutig entgegenzustellen. Die Rollen sind hier ebenso klar verteilt wie die Charaktere, die uns bekannt vorkommen.

Was dann den Reiz des Romans ausmacht, das ist die Art, wie sich die Geheimnisse offenbaren, und wie sich die Gestalten im Verlauf der Handlung entwickeln. Schicht um Schicht, wie bei einer Zwiebel eröffnen sich dem Leser deren charakterlichen Besonderheiten, erkennt man deren Wesen und ihre jeweilige Motivation. Das ist nicht nur interessant, sondern sorgt auch für ein gerüttelt Maß an Authentizität.

Neben der Spannung, die die Jagd nach dem verschwundenen Mädchen, den Hinterleuten der Verbrechen und der Verhinderung des GAU mit sich bringt, beleuchtet der Autor auch sehr pointiert, aber um so glaubwürdiger aus Sicht einer Insiderin die Mechanismen der Macht im politischen Alltag. Intrigen, Machtkämpfe, Seilschaften und der Drang, sich persönlich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern – all das, was wir befürchten, was wir uns nur vorstellen können, wird durchaus glaubwürdig als wahr dargestellt und minutiös beschrieben. Was in aller Regel mit einem gehörigen Maß an Idealismus beginnt, das wechselt nur zu bald zu dem allgemein üblichen Spiel – wie bereichere ich mich selbst am besten. Unauffällig sucht der eine Politiker nach Macht, der andere nach Reichtum, der dritte nach Seelenfrieden, auf der Strecke bleiben die guten Vorsätze. Diese Kapital und Szenen lesen sich wie ein Politkrimi, wobei sie sich nahtlos und stimmig in den Handlungsbogen integrieren.

Das Gesamtobjekt, der Roman selbst, ist nicht nur gut geschrieben, sondern von Jürgen Langowski auch mustergültig ins Deutsche übertragen worden. Stilistisch auf hohem Niveau wartet ein moderner SF-Klassiker auf den Leser, der alles beinhaltet, was man sich von einem SF-Roman wünschen kann – temporeiche Raumgefechte, Intrigen, etwas Fremdes, das als Bedrohung über die Menschheit kommt, ein wenig Liebe und Sentimentalität und jede Menge beißende Ironie, die über die Politiker ausgeschüttet wird. Eine klare Leseempfehlung!

(Carsten Kuhr, April 2013)

Ihre Meinung zu »James S. A. Corey: Calibans Krieg«

Doris Hettstedt zu »James S. A. Corey: Calibans Krieg«08.03.2017
James heißt "Holden", nicht Holder, nicht stürzt Ceres auf die Venus, sondern Eros, und es ist auch kein Mond, sondern ein Asteroid. Wenn mir das beim ersten Überfliegen auffällt, will ich nicht wissen, wie es ist, wenn ich den Text genauer unter die Lupe nehme.

Hat der Autor die Bücher überhaupt gelesen? Offensichtlich nicht, also kann man auch das Review nicht wirklich ernstnehmen.
geronimox zu »James S. A. Corey: Calibans Krieg«25.09.2013
Der Inhalt ist in der obigen Couch Rezi hinreichend beschrieben, deshalb schildere ich an dieser Stelle nur meinen persönlichen Leseeindruck.

Dieser Roman ist der abhängige mittlere Teil der »Protomolekül-Trilogie«. Er knüpft direkt an das vorherige Buch (Leviathan erwacht) an, resümiert als Einstieg die Geschichte des ersten Teils jedoch nur so knapp, dass man besser vorher den ersten Teil gelesen haben sollte um die kommenden Geschehnisse richtig einordnen zu können.

Auch dieser Band ist für mich im Ziegelstein-Taschenbuchformat mit 650 Seiten viel zu lang geraten, um mich durchgehend zu fesseln. Wenn der Couch-Rezensent C. Kuhr beschreibt wie »… sich die Gestalten im Verlauf der Handlung entwickeln. Schicht um Schicht, wie bei einer Zwiebel eröffnen … [und] … politischer Alltag … minutiös beschrieben [wird] …« sind das für mich nur seitenlange Unterbrechungen der Spannung und der SciFi-Action.

Denn die gibt es durchaus.

Der Roman liefert eigentlich alles, was das Herz eines Hard-SciFi Fans begehrt: Raumschiffe, StarWars, Alientechnik, Weltraumkolonien, Mad Scientists und Helden in müffelnden Raumanzügen.

Aber er beinhaltet auch umfangreich auserzähltes politisches Intrigenspiel in Hinterzimmern und die erwähnten kapitellangen Charakterentwicklungen, auf die ich zugunsten strafferer Spannungsbögen gerne verzichtet hätte. Aber vielleicht mögen ja andere Leser diese ausufernden Details – jedem das Seine. Aufgrund der Längen in der Erzählung kann ich jedem nur empfehlen, für den Roman viel Lesezeit einzuplanen.

Das Ende dieses mittleren Teils ist nicht abgeschlossen und endet mit einem enormen Cliffhanger, der das Überleben der gesamten Menschheit infrage stellt, mich als Leser bis zum Erscheinen des dritten Teils im nächsten Jahr jedoch voll in der Luft hängen lässt.

Mein Fazit: 7/10 (Abzug wegen spannungsmindernder Länge und der Frechheit des Verlags, drei voneinander abhängige Romane im grossen Abstand mehrerer Jahre zu veröffentlichen.)
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