Blut der Götter von Karl-Heinz Witzko

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016deutsche Ausgabe erstmals 2018, 624 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

Das Fürstentum Arades ist von neun Strömen des Verderbens umgeben, die auf das Unendliche Meer hinausführen. Alle wissen: Dort draußen lauert nichts anderes als die Monstrositäten der Tiefe – und der sichere Tod. Doch eines Tages legen fremde Schiffe im Hafen der Hauptstadt an. Die Besatzung erklärt, sie kämen von einem Land jenseits des Meeres. Was hat es mit ihnen auf sich? Dunkle Legenden besagen, dass einst der unheilige Götterfresser, der Feind aller Götter, hinter das Unendliche Meer verbannt wurde. Bringen die Fremden Verderben über das Land? Arades’ Fürst muss eine Entscheidung treffen – doch diese kann den Untergang des Reiches bedeuten.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Fantasy aus deutschen Landen von einem Autor, von dem man zu lange nichts gehört hat“82

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Die Küstenstadt Arades war bislang ein Hort des Wohlstands und der Sicherheit. Ihre mächtigen Wälle, die schlagkräftige Flotte und die Leibgarde des Herrschers, von den Wachen der neun Sippen einmal ganz abgesehen sorgten dafür, dass in und um die Gassen Frieden herrschte. Eines Tages legten drei fremde Schiffe im Hafen an. Deren Besatzung behauptete von jenseits des Meeres zu kommen, und bat um die Erlaubnis, ihren Glauben von dem einen Gott verbreiten zu dürfen. Sie alle brannten auf Anweisung des Herrschers in siedendem Öl oder ertranken jämmerlich in Käfigen am Ufer des Meeres.

Sechsundzwanzig Jahre später sind die Schilves, wie sie sich selbst nennen, zurück. Im Handstreich und unterstützt durch ihre ganz eigene Magie erobern sie die Stadt im Handstreich, lassen die Machtpyramide aber unangetastet. Kurz darauf hinterlässt ein Serienkiller eine blutleere Spur aus Leichen. Verbindenden Glied der Oper – ihnen allen, wurde ein großer Teil der Kehle herausgerissen, ihr Blut fehlt.

Die Eroberer wissen, dass nichts ihren Machtanspruch mehr gefährden kann, als Gerüchte über eine vage, mystische Bedrohung. Zwei ungleiche Männer sollen die Morde aufklären – der Eine, ein Seemann der Schilves, der Andere ein Einheimischer. Als Puhler, als Mann, der Beleidigungen rächt, gestohlenes Gut zurückholt und zwischen Täter und Opfer vermittelt hat Nikola bisher seinen Lebensunterhalt verdient. Nun soll er zusammen mit Sayme die Verbrechen möglichst unauffällig aufklären und für Gerechtigkeit sorgen – eine Aufgabe, die sich als weit gefährlicher entpuppt, als gedacht …

Die Renaissance eines Deutschen Fantasy Autors

Von Karl-Heinz Witzko hat man längere Zeit nichts mehr gehört. Einst wurde er für seine „Das schwarze Auge“ Romane ebenso gefeiert wie für seinen Beitrag zur Gezeitenwelt, allerdings ist beides doch Jahre her. Nun, kurz vor der Buchmesse gibt es ein Lebenszeichen, ein umfangreiches Manuskript fand seinen Weg in gedruckte Form auf die Buchtische der Buchhandlungen.

Im Plot verbindet der Autor das Bild einer archaischen Welt, eigentlich mehr das Bild einer Küstenstadt dieser Welt mit einer interessanten Suche nach Motiv und Täter. Dabei legt der Autor so manche falsche Fährte, beleuchtet en passent die Gesellschaftsstrukturen der Stadt mit ihren Familien, ihrem Alleinherrscher und den Untertanen.

Insbesondere die Puhler, die so gar nicht ins gewohnte schwarz-weiß Schema passen haben mich hier fasziniert. Menschen, die zwischen den fürstlichen Bütteln / Wache und den Verbrechern stehen. Nur mittels Dekret werden sie tätig, bei Beleidigungen und Verleumdungen erhält der Schuldige eine der Tat angemessene Züchtigung, sie verschaffen dem Bestohlenen das beliebte Diebesgut gegen einen Obolus zurück und sorgen gleichzeitig dafür, dass auch der Dieb seinen Beutezug in klingender Münze vergütet bekommt. Ein System das ebenso faszinierend, wie nachvollziehbar und erfolgreich ist.

Die Suche nach dem Who Did It bietet jede Menge willkommene Gelegenheit Schilves wie Stadtbewohner zu porträtieren, ihre Gemeinsamkeiten, mehr aber noch ihre kulturellen Unterscheide, nicht nur als ihre Religion anbelangt, zu beleuchten. Daneben wird behutsam der Grund für die Invasion aufgedeckt, und das Schicksal des Herrscher Arades thematisiert. Gefangen im strengen Korsett der Überlieferungen, seiner Erziehung und der Sitten und Gebräuche ist Fürst Katalin eine tragische Figur, die trotz seiner Allgemacht kaum wirkliche Freiheiten hat oder über sich selbst bestimmen kann.

Eigentlicher Held der Geschichte, wenn man diesen Ausdruck überhaupt benützen möchte, ist Nikola. Als Angehöriger der unteren Gesellschaftsschicht vermittelt er Einsichten die die Art und Weise, wie die Armen im Reich leben, ist gleichzeitig aber aufgeweckt und intelligent genug, um auch Machtspiele zu durchschauen und ein Interesse an den Gewohnheiten der Invasoren zu offenbaren. Durch seine Augen lernen wir nach und nach diese kennen, verstehen deren Motivation aber auch die Reaktionen der Einheimischen. Das liest sich faszinierend und spannend, bietet überraschende Aus- und Einsichten abseits des üblichen Fantasy Mainstreams und überzeugt auch stilistisch. Fantasy aus deutschen Landen, die sich sehen lassen kann.

Ihre Meinung zu »Karl-Heinz Witzko: Blut der Götter«

M.Reinsch zu »Karl-Heinz Witzko: Blut der Götter«25.04.2017
Vor gut 26 Jahren landeten die Shilves, ein Volk von der anderen Seite des Meeres in der Stadt Arades. Als diese versuchten von Ihrem Gott „Ris“ zu predigen, verbanden die Araderer den fremden Gott mit einer längst vertriebenen (bösen) Gottheit und richteten fast alle Shilves grausam hin. Die wenigen Shilves, die entkamen wurden lange Zeit nicht mehr gesehen… Nun, 26 Jahre nach dem Treffen, landet eine gewaltige Flotte der Shilves an den Gestaden des Städtebundes und vernichtete deren halbe Armee um dann in friedliche Verhandlungen und Austausch von Wissen über zu gehen…
Soweit bin ich gekommen und habe das Buch nach 200 Seiten (mitten in einer Diskussion über Schöpfungsgeschichte bei Seite gelegt. Allein für diese Seiten habe ich gut 2 Wochen gebraucht, da die Geschichte für mich sehr schleppend und ohne große Spannung geschrieben wurde. Ich lese (wenn mir der Stoff zusagt), recht schnell und sehe die (groben) Zusammenhänge, bzw. das Ziel, welches der Autor anstrebt – hier nicht! Es mag stimmen, das Herr Witzkow sehr detailliert und feinsinnig schreibt, aber durch die verschiedenen Sichtweisen seiner Protagonisten, deren Leben der Leser verfolgt, werden solche Detailfragen eher zu einer Gummimasse, die sich endlos hin zu ziehen scheint. Es mag sein, das die Geschichte nach den von mir gelesenen Seiten an Schwung gewinnt, das Spannung aufkommt (selbst die große Schlacht ist mit 3-4 Sätzen abgehandelt, die zwar im nach hinein etwas genauer beschrieben werden, aber bei mir nur Fragen hinterlassen). Auch sein „Bestrafungssystem“ durch die sogenannten „Puhler“ (die sich eher um die Angelegenheiten des Volkes kümmern), ist undurchsichtig und langatmig beschrieben.
Fazit: Nach den ersten beiden sehr positiven Bewertungen hatte ich mich auf das Buch gefreut! Nun gebe ich auf (vielleicht ein Fehler), und das ärgert mich doch (nicht nur als Vine-Tester, der sich den anderen interessierten Kunden verpflichtet fühlt)! Da ich nicht weiß, wie die Geschichte nun weiter geht, vergebe ich 2 Sterne (auch wenn mein Gefühl eher zu 1 Stern tendiert). Das war mein Erstes und letztes Buch von Herrn Witzko!
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