Fairwater von Oliver Plaschka

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2007, 464 Seiten.ISBN 3-426-52169-5.

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In Kürze:

Fairwater, das Venedig Marylands mit seinen dunklen Kanälen und steinernen Brücken, ist eine Stadt, die Sie auf keiner Karte finden werden. Ihre Bewohner bewahren die Erinnerungen an längst verlorene Zeiten und halten an ihren Träumen fest, doch finstere Kräfte wirken deren Verwirklichung entgegen. Wie ein Hofstaat scharen sich die Hauptfiguren dieses Spiels um den rätselhaften Cosmo van Bergen, den Herrscher über das mysteriöse Netzwerk von Fabriken, die Fairwaters kleinen Talkessel durchwuchern. Birgt seine Tochter Stella, die schlafende Prinzessin, den Schlüssel zum Geheimnis der Stadt – oder ist es Marvin, der in einer von sprechenden Tieren bevölkerten Traumwelt lebt?

Das meint Phantastik-Couch.de: Fairwater ist …anders60

Fantasy-Rezension von Lisa Reim

Mysteriöse Todesfälle. Merkwürdige Gestalten. Und ein kleines bisschen Wahnsinn. Das ist Fairwater, die kleine Stadt in Maryland, bestimmt von Kanälen, Brücken, Fabriken und der allgegenwärtigen Familie van Bergen. Die Reporterin Gloria kehrt nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder in ihre Heimatstadt zurück, um die Beerdigung eines früheren Freundes zu besuchen. Ihre Nachforschungen decken ein Geflecht von dunklen Geheimnissen auf. Doch ihre Recherchen beleuchten nur einen kleinen Teil von etwas viel Größerem …

Was genau es mit dieser Stadt und seinen Bewohnern auf sich hat, erfährt der Leser anhand von acht Kurzgeschichten, die auch unabhängig voneinander lesbar sind, jedoch erst als Ganzes dem Leser fast alle Zusammenhänge offenbaren. Fast, denn vieles bleibt ungeklärt, was vermutlich auch dem gewöhnungsbedürftigen Erzählstil Plaschkas zu verdanken ist. Denn spätestens nach den ersten zwei Kapiteln heißt es: Dranbleiben! Ansonsten geht man schnell verloren in den Wirrungen des Romans und in dem zeitlichen Hin und Her der Handlung. Auch für den aufmerksamsten Leser wird am Ende vieles ein Geheimnis bleiben, so manche Motivation der Figuren wird nie aufgedeckt. Nicht jedes Buch muss am Schluss bis ins letzte Detail Antworten liefern, doch im Falle von „Fairwater“ hinterlässt das Ende, zu dem man sich mühsam durchgekämpft hat, einen doch eher unbefriedigenden Beigeschmack.

Wirre Ansammlung von Versatzstücken

„Fairwater“ erschien bereits im Jahre 2007 im kleinen Verlag Feder und Schwert, um 7 Jahre später vom Autor aus der Schublade geholt, überarbeitet und schließlich bei Knaur neu aufgelegt zu werden. Inzwischen hatte „Fairwater“ 2008 den renommierten Deutschen Phantastik Preis ergattert und zu einer erheblichen Polarisierung in der phantastischen Fangemeinde geführt. Auch die modifizierte Wiederauflage spaltet die Gemüter: Was für die einen ein Meisterwerk, ist für die anderen eine Zumutung.

Aber was ist „Fairwater“ denn nun eigentlich? Mystery, Horror oder Urban Fantasy? Das lässt sich nicht eindeutig beantworten. In diesem Buch versammelt sich alles, was die Phantastik zu bieten hat: unheimliche Morde, ominöse Kraftwerke, ein geheimnisvoller Antiquar, ein nächtlicher Maskenball, Sanatorien, Geigenspieler und natürlich Außerirdische. Originalität beweist Plaschka nur bei seinem eigenwilligen Schreibstil, der jedoch schnell die Lesernerven strapaziert, denn erzählerisch mag es der Autor mitunter wirr. An den ungewöhnlichen, collagenhaften Stil muss man sich erst einmal gewöhnen, genauso wie an den Umstand, sich in jedem Kapitel auf neue Figuren und Handlungen einzustellen. Sprachlich kommt das Ganze dabei teilweise recht blumig daher. Ganz besonders fallen die häufigen Vergleiche mit Filmen, Büchern oder Liedern auf, die mitunter auch gerne mal zitiert werden. Überlegt eingesetzt sicherlich eine nette Ausschmückung, hier verleitet es aber zu oft zu genervtem Augenrollen.

Gute Ansätze, schlechte Ausführung

Für sich genommen macht Plaschka alles richtig, was vermutlich auch zur Auszeichnung mit dem Phantastik-Preis geführt hat: Eine düstere Atmosphäre, ein ausgefallener Erzählstil, handfeste Fantasy-Elemente und ein Hauch Mystery. Doch zusammen kombiniert mag das Konstrukt leider nicht überzeugen. Nach dem vielversprechenden Start plätschert die Geschichte nur dahin, mit den Figuren wird man nicht so richtig warm und der Zugang zur Geschichte fällt zunehmend schwerer. Hier verwundert es nicht, dass viele Leser das Buch nach der Hälfte frustriert zur Seite gelegt haben. Ein besonders fesselnder Text ist „Fairwater“ leider tatsächlich nicht.

Fazit

Nicht sehr handlungsbezogen schwelgt „Fairwater“ irgendwo zwischen seiner eigenen sprachlichen Künstlichkeit und seinem Versuch, einen anspruchsvollen Plot abzuliefern. Der Grundgedanke überzeugt, jedoch wirkt der Text zu unausgeglichen. Dennoch wird es Leser geben, für die das funktioniert, die sich auf dieses literarische Experiment einlassen können. Leser, die handlungsgetriebene Geschichten lieben und das Konkrete bevorzugen, anstatt sich zu sehr gedanklich in ein Buch einarbeiten zu müssen, sollten lieber zu einem anderen Buch greifen.

Ihre Meinung zu »Oliver Plaschka: Fairwater«

tassieteufel zu »Oliver Plaschka: Fairwater«06.11.2011
Fairwater, das Venedig Marylands mit seinen steinernen Brücken und dunklen Kanälen ist auf keiner Karte zu finden,ihre Bewohner bewahren ihre Erinnerungen an längst vergangene Zeiten und hüten ihre Träume wie Schätze. Der rätselhafte Cosmo von Bergen,der die Herrschaft über das Netzwerk von Fabriken besitzt, scheint die Zentrale Figur der Stadt zu sein. Als die Reporterin Gloria zur Beerdigung ihres alten Freundes Marvin nach Fairwater zurück kommt, wittert sie eine Story, denn Marvin wird zwar beerdigt, doch seine Leiche wurde nie gefunden. Doch was sie bei ihren Ermittlungen herausfindet, bringt sie selbst in Gefahr.
Selten mußte ich mich durch ein Buch so hindurch quälen wie durch Fairwater! Am Anfang lies sich die Geschichte ja noch ganz interessant an, Gloria kommt nach Fairwater und beginnt zu ermitteln, stößt auf seltsame Machenschaften und auf eine mysteriöse Mordserie. Doch mit dem Fortschreiten der Geschichte wird es zunehmend verworrener. Die Figuren sind allesamt gestört und mehr als seltsam. Wahnvorstellungen, drogenvernebelte Träume und bizarre Erlebnisse werden in seltsamen Vor und Rückblenden geschildert, so das man manchmal gar nicht weiß, über wen u. welche Zeit grade berichtet wird. Vermutlich muß man selbst betrunken oder bekifft sein, um da durchzublicken. Viele Ereignisse werden nur nebulös angedeutet oder gar nicht schlüssig geklärt. Offen bleibt z.B. auch völlig, warum sich Sam und Mary als Geschwister ausgeben, da gibt es überhaupt keinen Grund dafür und alles was mit Cosmo van Bergen zu tun hat, wird wirklich nur ganz knapp angerissen, was hat er Lysander angetan? Sehr ungenügend war für mich auch der ganze Erzählstrang mit den seltsamen Firmen van Bergens, was da so alles ablief auch in Bezug auf Mary wurde überhaupt nicht zufriedenstellend beschrieben,
auch hier muß man sich vermutlich selbst was zusammenreinem und diese Liste liesse sich noch ewig lang fortsetzten. Was mir bei dem Buch dann völlig den Rest gegeben hat, war die Sache mit den sogenannten Ausserirdischen den Regendunklen, das hat dann die Story völlig überfrachtet.
Tja, sicher ein Buch das polarisiert, entweder man mag es oder man mag es nicht. Ich war eben am falschen Ende der Skala und hab hier einen totalen Fehlschlag gehabt.

Fazit: das Beste am Buch ist noch der Klappentext, selten mußte ich mich durch ein Buch so durchquälen und habs nur ausgelesen, weil ich eine unverbesserliche Optimistion bin u. immer hoffe, es wird noch besser! Eine wirre Story, die Figuren sind völlig überfrachtet und einen roten Faden sucht man hier vergebens, spannend wird es eigentlich auch nie, also für mich ein völliger Fehlgriff!

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