Lerchenlicht von Philip Reeve

Buchvorstellungund Rezension

Lerchenlicht von Philip Reeve

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „Larklight“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 496 Seiten.ISBN 3827051991.Übersetzung ins Deutsche von Ulrike Nolte.

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In Kürze:

Art Mumby und seine Schwester Myrtle leben mit ihrem Vater, einem Ichthyomorph-Biologen, in der Villa „Lerchenlicht“ im Weltall. Art liebt es, die Frachtschiffe beim Anlegen und Ausladen zu beobachten, während Myrtle sich lieber Klavier spielend auf ihre Zukunft als feine englische Dame vorbereitet. Vom Leben in der Hauptstadt und Queen Victoria erfahren sie nur aus der täglichen Lektüre der London Times. Ein gewisser Mr Spindler – auch Wissenschaftler, wie das Briefpapier des Königlichen Xenologischen Instituts vermuten lässt – kündigt einen Besuch an. Die Aufregung ist groß, denn Besuche jenseits des Mondes kommen nicht gerade häufig vor. Doch anstatt eines Gentleman erscheint eine Invasion von Riesenspinnen, die den Biologen in ihre Gewalt bringt und die Geschwister zur Flucht ins Weltall zwingt. Eine lange und gefährliche Reise beginnt, auf der Art und Myrtle auf die kuriosesten Wesen treffen, ihr Leben und das Weltall retten müssen.

Das meint phantastik-couch.de: „Ein etwas anderer Steam-Punkt Roman“60

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Romane mit einem Viktorianischen Hintergrund – sogenannte „Steam Punk“-Titel – haben in den letzten Jahren die Kassen der Buchhandlungen zum Klingeln gebracht. So ist es nur folgerichtig, dass auch Autoren des phantastischen Genres dieses faszinierende Feld für sich entdecken. Stellen sie sich nun ein Britisches Empire vor, in dem Isaac Newton nicht nur die Gesetze der Schwerkraft, sondern auch die Alchemie erforscht und definiert hat. Eine Flotte von Ätherschiffen durchquert das All, die Planeten unseren Sonnensystems werden von Aliens bewohnt, überall herrscht eine – wenn auch mit Einschränkungen – atembare Atmosphäre. „Britannia rules“, man ist sehr britisch, die typischen Tugenden werden auch im All hochgehalten, und auf den Tee – aber bitte Earl Grey mit einem ofenwarmen Buttermuffin – sowie die Times muss man auch auf den entlegensten Aussenposten nicht verzichten.

Piraten im Weltraum – oder Spinnen auf dem Vormarsch

Der elf-jährige Art Momby lebt zusammen mit seiner älteren Schwester Myrtle und ihrem Vater auf Lerchenlicht, einem etwas absonderlichen Haus, das über der Rückseite des Mondes schwebt. Ihr Vater, einer der angesehensten Xenobiologen des Königlichen Xenologischen Instituts, hat sich auf die Erforschung der Lebensformen des Äthers spezialisiert. Eines Tages kündigt sich Besuch auf Lerchenlicht an. Ein Mr. Webster will vorbeischauen, doch Mr. Webster erweist sich als gigantische weisse Spinne mit 12 Beinen, und er bringt Artgenossen mit, jede Menge Spinnen erobern Lerchenlicht. Im letzten Moment gelingt es Art und seiner Schwester zu entkommen, ihr Vater aber wird gefangen genommen und eingesponnen. Auf dem Mond trifft unser Geschwisterpaar auf den berüchtigten Weltraumpiraten Jack Havock und seine Crew aus Aliens. Doch kann das sein, dass dieser Junge, der kaum älter als Myrthe ist, wirklich der berüchtigte Freibeuter sein soll? Verfolgt von Ätherschiffen der britischen Marine machen sich unsere Helden auf, das Rätsel des Angriffs der weissen Spinnen auf Lerchenlicht zu lösen. Quer durch das Sonnensystem führt sie ihr Abenteuer, sie besuchen den Mars, Jupiter und Saturn und kommen einer gigantischen Verschwörung auf die Spur. Das Empire selbst schwebt in höchster Gefahr, denn die alte Rasse erhebt nach Jahrzehntausenden erneut Anspruch auf das Sonnensystem …

Das Buch, ein Augenschmaus

Zunächst fällt neben dem ungewöhnlichen kleinoktaven Format des Bändchens die äussere Gestaltung des Buches ins Auge. Mit Prägedruck und reichhaltigen Illustrationen des Tolkien-lllustrators David Wyatt versehen erwartet ein besonderes Werk den Leser.

Der Text atmet förmlich das Victorianische Zeitalter. Bewusst werden die damaligen Tugenden, der überbrodelnde Patriotismus der Briten, das besser als die anderen Nationen Sein und die damals auf uns heute steif wirkende Höflichkeit im Umgang miteinander beschrieben und hochgehalten. Da kann es noch so heiss sein, ein Brite wird sich immer angemessen hochgeschlossen kleiden und mit keiner Miene verraten, dass er durch die Hitze bedrängt wird – eine Einstellung, die gerade in den indischen Kolonien vielen Briten, die dem Hitzschlag erlagen, damals das Leben kostete.

Jules Verne lässt grüssen – und Hollywood steht in den Startlöchern

Wie jedes wirklich gute Jugendbuch ist dies ein Text, der Alt wie Jung gleichermassen zu fesseln weiss. Oberflächlich betrachtet erwartet den Käufer eine spannende Abenteuergeschichte voller böser Monster, Piraten und absonderlicher Vorgänge, die ihren Reiz gerade aus der altertümlichen Ausstrahlung der Gerätschaften der uns heute merkwürdig vorkommenden Sitten und Verhaltensweisen zieht. Man ist unwillkürlich an einen der phantastischen Romane aus der Feder von Jules Verne erinnert, an dessen skurrile Charakterköpfe, die typische Vertreter ihrer Landsmänner waren. Auch die Illustrationen erinnern ein wenig an die Kupferstiche zu den Verne´schen Titeln. Natürlich entsprechen die geschilderten Begebenheiten, der Äther, die atembare Atmosphäre auf allen Planeten und Monden etc. nicht den Erkenntnissen, selbstverständlich überzeichnet der Autor, schafft sich seine ganz eigene Welt, aber gerade dieser so herrlich unkonventionelle Schauplatz der absonderlichen, ja unerhörten Ereignisse weiss zu fesseln.

Erwachsene Leser haben neben diesem Lesespass dann aber noch weitere Facetten zu bewundern. So erweist der Autor berühmten Vorbildern seine Reminiszenz, überrascht mit Inside-Jokes und spielt gekonnt mit Stereotypen. Nicht umsonst hat sich Warner Brothers die Filmrechte vorab gesichert. Hier wartet ein herrliches Abenteuergarn auf seine Leser, das – wenn man sich darauf einlässt – zum Träumen einlädt.

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