Die Legenden der besonderen Kinder von Ransom Riggs

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Tales of the Peculiar“,deutsche Ausgabe erstmals 2018, 208 Seiten.ISBN 3-426-22656-1.Übersetzung ins Deutsche von Silvia Kinkel.

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Das meint Phantastik-Couch.de: Die Magie ist sofort wieder da91

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Einmal kein ökonomisches Kalkül, sondern ein toll gestaltetes, super geschriebenes Buch

Was wäre wenn – ja wenn es besondere Menschen geben würde, die ganz eigene, phantastisch anmutende Kräfte ihr Eigen nennen würden?

Wären diese geachtet, bewundert gar, oder würden sie doch eher neidisch und missgünstig beäugt und verfolgt?

Der Blick in die Geschichte mit der Inquisition, der Verfolgung von Andersdenkenden, von weisen Frauen und Wissenschaftlern lehrt uns, dass der Mensch allem, das er nicht kennt misstrauisch, ja ablehnend gegenüber steht.

Von dieser Prämisse aus hat uns Ransom Riggs in drei relativ kurzen Romanen von seinen besonderen Kindern, ihren Hütern und dem Kampf, dem sie ausgesetzt sind, berichtet.
Eine kongeniale filmische Umsetzung in nur einem großen Leinwandepos hat den Hype um die auf den ersten Blick so unspektakulären, inhaltlich aber wunderbar phantasiereichen und bereichernden Bücher angeheizt.

Nun, nach einer größeren Pause, legt der Verlag ein weiteres, ein neues, kleines Büchlein zu einem für den Umfang recht hohen Obolus auf.

Ist das merkantile Ausnutzung der Beliebtheit der Trilogie, oder mehr, das war die Frage, als ich von der Veröffentlichung hörte.

Nun, schon als ich das kleinoktave Buch zur Hand nahm, wurde deutlich, dass es sich nicht um einen Versuch, dem Leser das Geld für eine mehr oder minder geratene Fortsetzung aus der Tasche zu ziehen, handelte. Nein, ganz im Gegenteil haben sich Verlag und Herausgeber erfolgreich bemüht, dem Käufer ein wunderbar gestaltetes Buch an die Hand zu geben.

Den Deckel ziert ein goldgeprägtes Pflanzenrelief in dessen Zweigen und Blättern sich noch weitere Motive verbergen. Dazu kommt eine Fadenheftung, Lesebändchen und zu jeder der enthaltenen 10 Geschichten eine inhaltlich passende Illustration.

Inhaltlich wartet eine Märchensammlung der besonderen Art auf den Rezipienten. Wie wir dies von Riggs erwarten, sind die Beiträge durchaus tiefgründig, ist eine Moral deutlich erkennbar – ohne dass diese aufgesetzt wirkt. Da geht es um das Akzeptieren von Andersartigkeit, um Gier, falschen Stolz, und vernichtenden Hass aus niedrigen Beweggründen. Und es geht jeweils natürlich auch darum, diese negativen Gefühle zu erkennen, sie sich bewusst zu machen und sie letztlich zu hinterfragen und zu überwinden.

Das Alles verpackt der Autor dann in phantasiereichen, humorvollen und anrührenden Stories, die sich nicht nur sehr angenehm lesen, sondern den Leser mühelos in ihren Bann ziehen.

Sei es, dass zivilisierte Kannibalen ihre sich und ihr Fleisch verkaufenden Opfer in einen Wettlauf um Reichtum treiben, der letztlich beide, Nutznießer wie willige Opfer hilflos zurücklässt; um eine besondere Prinzessin, die ihren Platz in der Welt und ihre wahre Liebe sucht; wir erfahren, wie die Zeitschleifen, in der die Besonderen sichere Aufnahme finden, entstanden sind; lernen ein Mädchen kennen, das mit Geistern sprechen kann; bekommen Menschen präsentiert, die sich in eine schwimmende Insel verwandeln, und einen Besonderen, der Meeresströmungen lenken kann.

Pointierte Fußnoten des Herausgebers erhöhen den Lesespaß weiter. Der Band zeigt, dass Riggs ein schier unerschöpfliches Füllhorn an phantastischen Ideen hegt, das er vorliegend breit gestreut und atmosphärisch dicht, über seine Leser ausleert.

Fazit:

Um auf meine anfängliche Frage, ob der Bändchen den Obolus nun wert ist zurückzukommen, so ist das optisch wie haptisch toll gestaltete Buch voller magischer Preziosen jeden Cent des Preises wert ist.

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