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Michael Drewniok
Das Licht geht aus, dann kommen Monster

Buch-Rezension von Michael Drewniok Nov 2015

In einer typischen US-Kleinstadt findet eine laue Sommernacht ihr unerwartetes Ende: Erst erlöschen die Sterne, dann bricht ein ‚Gewitter‘ los, dessen ‚Blitze‘ den aus dem Schlaf gerissenen Bewohnern des Piccamore Way völlig zu Recht unheimlich und unnatürlich anmuten. Telefone, Handys und Internet sind tot - und das trifft bald auch auf die Mehrheit der Bürger zu.

Zunächst kann - und will - niemand glauben, dass ‚etwas‘ in der Dunkelheit lauert. Dann fallen tentakelähnliche ‚Kabel‘ scheinbar vom Himmel. Wer sie berührt, bleibt wie die buchstäbliche Fliege an der Leimrute hängen und wird auf Nimmerwiedersehen in die Höhe gezerrt.

Über der Stadt wird eine gewaltige, keineswegs irdische Flugmaschine sichtbar. Kleinere, vom ‚Mutterschiff‘ unabhängige Einheiten begleiten es und machen Jagd auf die entsetzten Kleinstädter. Gegenwehr ist praktisch unmöglich, und Flucht hilft nur kurz; die Eindringlinge beginnen die Straßen systematisch zu durchsuchen, um niemand entkommen zu lassen.

John Shipman, Lehrer an einer örtlichen Highschool, gehört zu den wenigen Glückspilzen, die sich zunächst vor den Häschern verbergen können. Es gibt keinen Plan, Rettung von außen ist nicht zu erwarten, und der Zusammenhalt bleibt in der Krise brüchig. Die Gruppe schmilzt rasch zusammen, bis Shipman verzweifelt die Flucht nach vorn bzw. oben antritt - und in eine Hölle gerät, die erst recht nicht von dieser Welt ist …

Action aus zweiter bis dritter Hand

Tim Curran schnürt als Schriftsteller stets ein Überraschungspaket: Nach dem Öffnen findet man entweder ein schmackhaftes Menü - oder ein faules Ei. „Blackout“ fällt zumindest inhaltlich in die zweite Kategorie. Die Idee kann nicht den Hauch von Originalität beanspruchen. Curran gibt sich keinerlei Mühe zu verbergen, dass er sein Garn unter Ausschöpfung zum Teil sehr bekannter Quellen zusammengestoppelt hat. Das beginnt mit „Krieg der Welten“, wobei Curran die Verfilmung von Stephen Spielberg (2005) dem Roman von H. G. Wells eindeutig vorzieht.

Auch lahme Vorlagen werden verwurstet, wenn dem Verfasser ein Effekt gefällt. SF-Fans denken eher ungnädig an den 2010 entstandenen Film „Skyline“. Dass sich Curran gerade hier ‚inspirieren‘ ließ, weckt keine Freude; manche Szene hat er praktisch 1 : 1 übernommen. Die Suche nach weiteren Wurzeln sei den in der Populärkultur bewanderten (bzw. von ihr besessenen) Nerds und Nitpickern überlassen; sie dürften problemlos fündig werden.

„Blackout“ wird zu einem zwar zweifelhaften, aber wenigstens kurzen ‚Vergnügen‘. Eigentlich handelt es sich nicht um einen Roman, sondern um eine Novelle; als solche wurde sie ursprünglich veröffentlicht. Curran ist kein Autor für die kurze Erzählform; er neigt dann dazu, Ereignisse hastig abzuspulen - ein Manko, das seine Kurzromane oft brandmarkt. Das Finale entwickelt sich nicht aus der Vorgeschichte, sondern folgt in der Regel einem Bruch, den Curran gern als unerwartetes Ereignis tarnt, während die Handlung nicht abgeschlossen wird, sondern schlicht endet. Durchaus aufgebaute Spannung fällt zusammen wie ein Segel in der Flaute; der Leser bleibt enttäuscht und erbost zurück.

Durchschnitt in der Hölle

Dem gegenüber steht eine gewisse literarische Qualität, die über weite Strecken die inhaltlichen Schwächen ausgleicht. Zwar erfindet Curran auch hier das Rad nie neu: US-Durchschnittsbürger, die nicht der Realität abgeschaut, sondern in der Populärkultur verankert sind, wirken vor allem auf ‚ausländische‘ Leser wie Karikaturen. Solche Figuren sind betont simpel gestrickt und verkörpern Tugenden, die weiterhin dort mit dem „American Way of Living“ gleichgesetzt werden, wo man ihn lebt oder sich nach ihm sehnt.

Arbeite hart, sei smart, zahle deine Raten und stell‘ dich gut mit den Nachbarn, während du und deine Familie in eurem Klein- oder Vorstadthaus leben. TV-Sport, Grillen und eine latent konservative Grundhaltung bestimmen dieses Mikroversum, das wie gesagt eher behauptet als real vorbildlich ist.

Ebenso typisch ist der Zusammenbruch des ohnehin künstlich gewahrten sozialen Zusammenhalts, sobald eine elementare Krise hereinbricht. Plötzlich entpuppen sich hilfsbereite Nachbarn und „gute Kumpels“ als egoistische Diktatoren, gefährliche Feiglinge oder Verrückte, die Flucht und Flüche nur unterbrechen, um den stets gut bestückten Waffenschrank zu öffnen. Ohne Unterschied werden auch in unserer Geschichte kritische Mitmenschen und Außerirdische bedroht: selbstindizierte Paranoia ist offenbar (nicht nur) für den US-amerikanischen Horror unverzichtbar.

Lösung ohne Rätsel

„Blackout“ erzählt nur scheinbar vom rätselhaften Einbruch des Schreckens. Wer das Genre kennt, weiß über das Geschehen längst Bescheid, bevor Curran den Schleier lüftet. Er gibt sich keine Mühe, in dieser Hinsicht innovativ zu werden, da er entweder davon ausgeht, dass dieses Grauen auch in der Wiederholung die erwünschte Wirkung ausübt, oder ihm schlicht gleichgültig ist, dass er es nur wiederkäut, weil ihm wichtiger ist, einen zugesagten Text veröffentlichungspünktlich fertigzustellen.

Dass trotz dieses Trommelfeuers negativer Kritik von einer Lektüre nicht generell abgeraten wird, liegt - es sei noch einmal ausgesprochen - in der Tatsache begründet, dass Curran schreiben KANN. Selbst die ständigen Klischees bleiben (mehrheitlich) erträglich. Man erkennt, dass „Blackout“ reines Lesefutter ist und konsumiert es. Der Nährwert ist niedrig, aber wenigstens bleiben die Nebenwirkungen jenes schlampig zusammengestammelten Grob-Horrors aus, der in jenem Umfeld, in dem Curran meist veröffentlicht, keinesfalls die Ausnahme darstellt. Die deutsche Ausgabe ist solide übersetzt und weist ein stimmungsvolles sowie gezeichnetes Cover auf.

Angemerkt sei, dass der Verlag DarkFuse, in dem „Blackout“ ursprünglich erschien, 2017 unter juristisch verdächtigen Bedingungen Bankrott anmeldete. Viele Autoren warteten vergebens auf ihre Honorare; im Internet finden sich deutliche, d. h. wütende Äußerungen, zumal schon der Verlagsvorgänger „Delirium Books“ unter ähnlichen Umständen sein Ende fand.

Fazit:

Eine US-Kleinstadt wird von Außerirdischen überfallen und ‚abgeerntet‘. Die weitgehend kopflose und ‚unhappy‘ endende Flucht einiger Überlebender wird routiniert geschildert, während der Plot aus ‚entliehenen‘ Einfällen zusammengeflanscht wurde. Nach 140 Seiten ist der Spuk vorbei - und wird vom Leserhirn umgehend und verlustfrei gelöscht.

Blackout - Im Herzen der Finsternis

Blackout - Im Herzen der Finsternis

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Letzte Kommentare:
14.04.2016 19:43:13
Alexi1000

OK, Prämisse und Handlung sind nichts neues, tatsächlich in ähnlicher Form schon als Romane, oder Filme gesehen, ABER: was Curran hier in 140 Seiten schafft den Leser glaubhafte Charaktere und Geschwindigkeit/Spannung zu vermitteln, das ist mal wieder aller erste Sahne!!! MInimale Abzüge (weils gern etwas länger hätte sein dürfen ;-))

Hammer, 92°.