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Carsten Kuhr
Eine große neue Space-Opera Schöpfung schickt sich an Herberts DUNE Konkurrenz zu machen – oder doch nicht?

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Nov 2018

Die Welt in einer fernen Zukunft. Die Menschheit hat sich im All ausgebreitet, hat Planeten besiedelt, Reiche gegründet und Wirtschaftsimperien aufgebaut.

Bei all diesen Vorstößen in die Weiten des Alls traf man nur einmal auf fremdes Leben. Die Cielcin, intergalaktische Wanderer ohne planetare Wurzeln erwiesen sich als gefährlicher Gegner der Menschheit. Die Angriffe der Aggressoren häufen sich, die Verluste an Menschen und weit wichtiger an Material, an Wohlstand machen sich in den Bilanzen der Herrscherhäuser bemerkbar. Der seit Jahrhunderten andauernde Konflikt scheint nicht zu gewinnen. Weder die Legionen, noch die genetisch angepassten Adeligen konnte bislang Entscheidend gegen die Eisschiffe der Cielcin punkten.

Hadrian Marlowe ist der erstgeborene Sohn eines der vielen adeligen Herrschaftshäuser des Imperiums. Immer ging er, der wie seine ganze Familie genetisch optimiert wurde, davon aus, seinem despotischen Vater, der den Uranhandel fest in Händen hält, eines Tages als Herrscher zu folgen. Jahrelang hat er gelernt, trainiert und sich vorbereitet – nur um eines Tages zu erfahren, dass sein Vater seinen jüngeren Bruder bevorzugt, und ihn in die Kantorei abschieben will. Hier, inmitten des mächtigen Klerus, soll er für die Familie wirken – ein Schicksal, dem er den Tod vorziehen würde.

Hadrian flieht um seinen Traum, Scholastiker zu werden umzusetzen, findet sich dann aber, erstmals allein und ohne Ressourcen, am Rande der Galaxis wieder ...

Es passiert – wenig, fast nichts.

Was ist das für ein Wälzer, den uns der Verlag, als Auftakt einer monumentalen Space Opera anpreist?

Vergleiche mit Herberts Dune werden ebenso werbewirksam gezogen, wie Rothfuss Kvorte-Saga als verwandt angepriesen.

Insbesondere Ersteres kann man verstehen, trifft der Rezipient vorliegend doch wieder auf Adelshäuser, Paläste, gigantische Imperien und wirtschaftliche Macht. Allerdings zieht sich die Saga im Gegensatz zu Herberts Dune doch sehr.

Der Autor offeriert uns monologartig die Memoiren seines Protagonisten, der als Kriegsheld und Kriegsverbrecher in der Zelle auf seine Hinrichtung wartet.

Hadrian wächst als privilegiertes Kind in einer Gesellschaft heran, die uns an griechisch-römische Vorbilder erinnert. Die Menschen werden als rechtlose Sklaven ausgebeutet, die Herrschaftsklasse steht, genetisch mit einer hunderte Jahre währenden Lebensspanne ausgestattet, weit über dem Pöbel. Und genauso verhält sich unsere Hauptperson auch. Gedankenlos, weltfremd, arrogant und naiv begegnet er seiner Umwelt, ist schnell beleidigt und verletzt und lässt seine Umgebung mitleiden. Das ist wahrlich kein Charakter, dem man gerne folgt, eher ein verwöhnter Schnösel, dem man am liebsten immer wieder in seinen Allerwertesten treten würde. Seine Handlungsweise ist teilweise so borniert, dass man nur den Kopf schütteln kann über so viel Ignoranz und Dämlichkeit.

Dazu kommt, dass sich die Handlung in den ersten paar hundert (!) Seiten zäh dahinzieht. Es passiert wenig, eigentlich fast nichts, außer dass wir erleben, wie Hadrian gedemütigt und ausgebootet wird, wie er sich dabei auf Andere verlassen muss, um ihm wenigsten noch die Chance zu eröffnen, seinen Traum vom ewigen Lernen zu verfolgen. Das ist, gelinde ausgedrückt, nicht eben sonderlich faszinierend und so mäandert der Plot auch eher vor sich hin, als dass er den Leser mitreißt.

Positiver Aspekt dieser Handlungsarmut ist, dass der Autor den frei werdenden Platz für die detailverliebte Beschreibung seiner Welt nutzt. Hier sind die geschichtlichen Anleihen, insbesondere was die absolutistische Regierungsform anbelangt, mit den Verweisen und Zitaten griechisch / römischer Philosophen überdeutlich.

Interessantester Aspekt war für mich die Rolle des Klerus – also der so genannten Kantorei – die mittels eines Erlöserkults dafür sorgt, das die Plebejer auf Linie bleiben, die sich technikfeindlich aufgestellt hat und als erzkonservativer Inquisator fungiert.

Daneben rücken die Aliens mit zunehmender Dauer immer mehr in den Fokus – allerdings noch, ohne dass sich hier große Dramatik oder Spannung aufbauen würde. Erfahrene Space-Opera Leser werden so manche Versatzstücke aus anderen sagen wiedererkennen. Der Cliffhanger zum Ende der ersten 50 Jahre des immerhin über tausend-jährigen Hadrians hätte nach über 900 Seiten auch nicht unbedingt sein müssen. Nach einem solchen Lesemarathon wäre ein runder Abschluss wünschenswert gewesen.

So bleibt als Fazit, dass der Auftakt der Reihe – wie viele Romane es werden, kann nur gerätselt werden – ein sehr dezidiertes World-Building offeriert, allerdings weder mit dem Erzähler noch mit dem handlungsarmen Plot zu punkten weiß.

Das Imperium der Stille

Das Imperium der Stille

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Letzte Kommentare:
23.08.2019 09:10:44
Lomograph

Ich stimme der Kritik völlig zu. Nach mehr als 900 (!) Seiten passiert endlich etwas, das die Bezeichnung Ereignis verdient. Ich werde die Folgebände nicht lesen, da gibt es weitaus spannendere Lektüre.

23.06.2019 21:57:26
vmxtc

Die Kritik trifft es ziemlich gut — insbesondere was die Hauptperson betrifft. Der Entwurf ist episch, die Umsetzung leider eher langatmig. Weniger wäre hier mehrgewesen, ohne dass der Autor auf Inhalt hätte verzichten müssen. Als Vorbild drängt sich neben Frank Herbert Dan Simmons auf — und dort anzukommen ist sicherlich alles andere als einfach.

27.01.2019 13:57:28
Scifiaddict

Es passiert fast nix und ist trotzdem spannend..Es macht Spass zu lesen, leicht aber nicht trivial.
Bei mir hat es gut gepunktet!