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Michael Drewniok
Apocalypse Now - plus Monster

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mär 2019

Journalist Mike McKinney hält sich 1970 in Vietnam auf, wo die USA den Krieg gegen den Vietkong erbittert fortsetzen, obwohl faktisch feststeht, dass dieser nicht zu gewinnen ist. Stattdessen gehen die Gegner immer grausamer gegeneinander vor; längst ist der ‚echte‘ Krieg zum gegenseitigen Terror degeneriert, der vor allem einen Verlierer kennt: die Zivilbevölkerung, die von beiden Seiten drangsaliert und dezimiert wird.

Auf der Suche nach einem Thema jenseits der Dokumentation nutzloser Gemetzel gerät McKinney an eine lokale Legende, nach der eine seltsame Kreatur durch den Dschungel der Kriegszone schleicht. Zweieinhalb Meter soll sie groß und grässlich anzusehen sein. Außerdem liebt sie Menschenköpfe und ist nicht zimperlich, wenn es darum geht, den Sammlungsbestand zu erweitern.

Nach einem besonders blutigen Gefecht bekommt McKinney seine Chance: Da es unzählige Köpfe zu ‚ernten‘ gibt, taucht das Wesen quasi in seiner Nachbarschaft auf - eine Chance, die sich der Reporter nicht entgehen lässt. Das bereut er bald bitter, denn er weckt die Aufmerksamkeit der Bestie, die sich auf ihn ‚justiert‘ und nunmehr unerbittlich verfolgt.

Dachte McKinney bisher, er habe im Krieg sämtliche Schrecken kennengelernt, muss er seinen Irrtum bald eingestehen. Die Kreatur ist ihm auf den Fersen, wohin er auch geht. Einmal kann er ihr gerade noch entkommen, als sie ihn schon in ihren Schlupfwinkel verschleppt hat. McKinney verlässt Vietnam und flüchtet in die USA. Dort denkt er immer wieder an seine Schreckensgeschichte zurück, die er für abgeschlossen hält. Dass er sich irrt, wird ihm erst viele Jahre später bewusst: Das Wesen hat ihn keineswegs vergessen …

„Get down deeper and down“

Spätestens mit dem Film „Apokalypse Now“ war 1979 DAS Bild vom Vietnamkrieg als Mischung aus sinnlos auf die Spitze getriebener Gewalt und Delirium fixiert. Junge US-Soldaten, eigentlich noch Kinder, wurden in ein fernes Land verfrachtet, um gegen einen Gegner zu kämpfen, der sich ihnen nicht stellte, sondern sie aus dem Hinterhalt einer Landschaft attackierte, die ein feuchtheißer, dampfender Dschungel ist. Wer war der Feind, wer die einheimische Bevölkerung, die offiziell verteidigt wurde? Es gab keine Front, sondern ein ständiges Rätselraten darüber, wo „Charlie“ das nächste Mal zuschlagen würde.

So einen ‚Krieg‘ konnte man nicht gewinnen. Der Vietkong kämpfte auf heimischem, vertrautem Boden. Er gab nicht nach, so unbarmherzig man auf ihn einschlug. Ratlos setzte das US-Militär auf eine Terror-Taktik, versprühte Gift, um den deckenden Dschungel zu entlauben, oder ließ Napalmbomben regnen. Das end- und nutzlose, verlustreiche Ringen und Schlachten ließ eine Generation psychisch gestörter Männer heranwachsen, die nie verwinden konnten, was sie in Vietnam erlebt oder getan hatten.

Tim Curran bedient sich der einschlägigen Bilder und setzt sie zu einem Vietnam-Grauen zusammen, dass keine ‚Verstärkung‘ durch ein archaisches Monster aus dem Urwald benötigt hätte. Bis es persönlich auftritt, schildert uns Curran Szenen aus einer Hölle, in der Gesetze und moralische Regeln außer Kraft gesetzt sind. Schon bevor der „Kopfjäger“ die Deckung verlässt, lernen wir mehr als ein Ungeheuer kennen: Auf beiden Seiten wird getötet, gefoltert und terrorisiert. Diese ‚Jagdstrecke‘ kann die Kreatur nicht annähernd erreichen. Stattdessen nutzt sie die Gelegenheit, in einer aus den Fugen geratenen Welt Beute zu machen.

Der Schrecken ist allgegenwärtig

Mike McKinney ist eine Figur, wie sie uns 1987 Stanley Kubrick in ‚seinem‘ Vietnam-Film „Full Metal Jacket“ vorgestellt hat. Ein Außenseiter vergisst seine Objektivität und verfällt dem verhängnisvollen Zauber, den das Grauen ausüben kann. Im Niemandsland existieren keine Vorschriften. Unter dem ständigen Druck entstehen bizarr verformte Charaktere, die unterschiedliche Formen von Wahnsinn oder Mordlust an den Tag legen. McKinney taucht tief in einen permanenten Ausnahmezustand ein, der süchtig macht.

Auf den „Kopfjäger“ wird der Journalist vor allem aufmerksam, weil ihn der allgegenwärtige Tod abgestumpft hat und er auf der Suche nach einem neuen Kick ist. Wie im Horror-Genre üblich, wird seine Neugier hart bestraft. Was oder ob er sich etwas zuschulden kommen ließ, ist unwichtig. McKinney hat die Aufmerksamkeit des Bösen erregt. Auch wie dies geschah, bleibt unklar; der Autor lässt es absichtlich im Dunkeln. Die Natur des kopfjagenden Schreckens bleibt offen. Gehört er zu einer uralten Rasse, die neben dem Menschen überlebt hat? Hat der Tod buchstäblich Gestalt angenommen, um seinen Job zu erledigen? Der „Kopfjäger“ ist einfach da, Er fügt sich problemlos in den alltäglichen Vietnam-Wahnsinn ein. Curran lässt ihn Schädel sammeln. Auch dies wird nicht erläutert.

Letztlich muss man sich fragen, was der Autor mit seiner Geschichte beabsichtigt. Ungeachtet der Vietnam-Klischees ist dieser Kurzroman gut geschrieben, inhaltlich dicht und überaus stimmungsvoll. Man erwartet deshalb, dass sich die Kreatur in die Handlung integriert und diese in ein spannendes Finale treibt, das Vietnam, die Kreatur und Mike McKinney logisch miteinander verknüpft. Stattdessen bricht die Handlung unvermittelt ab - ein Vorgehen, das schon mehrfach Curran-Werke in ihrer Wirkung beschädigt hat. Offenbar weiß der Autor nicht, wie er seine Geschichte zu einem plausiblen Ende bringen kann.

Das Monster bleibt Selbstzweck

Man muss wohl davon ausgehen, dass „Kopfjäger“ als reines Horror-Garn gemeint ist. Der Vietnamkrieg bleibt unter dieser Voraussetzung reine Kulisse, die Curran gut bzw. besser, als es sein müsste, darzustellen und zu nutzen weiß. Hinter dem Text versteckt sich keine zweite Verständnisebene. Das Kriegsgrauen wird als Verstärker für eine typische Horrorgeschichte eingesetzt. Natürlich ist das politisch nicht korrekt, aber legitim. Unterm Strich stellt sich Curran selbst ein Bein: ‚Sein‘ Vietnam mag zwar aus Genre-Filmen zusammengebastelt sein, doch er leistet dabei wie gesagt (zu) gute Arbeit.

Die Story kann ihren Rahmen nicht füllen. Das lässt ein Publikum zurück, das aus dem ‚falschen‘ Grund enttäuscht ist. Curran will es spannend unterhalten und tut dabei zu viel des Guten und Eindrucksvollen. Es ist selten, dass Talent die Ambition überflügelt und zu Fall bringt; üblicherweise ist es umgekehrt. Unter dieser Prämisse ist „Kopfjäger“ lesenswert, aber weder richtig spannend noch gruselig.

Da dieser ‚Roman‘ eher eine Novelle ist, hat ihn der deutsche Verlag mit einem weiteren Kurzwerk aus Currans Feder (oder Tastatur) zu einem sog. „Wende-Buch“ geschnürt: „Leviathan“ - der zweite Roman - wurde dem „Kopfjäger“ um 180° gedreht zugebunden und erhielt ein eigenes Cover.

Fazit:

Erstaunlich stimmungsvoll mischt Autor Curran Kriegshorror und Übernatürliches, wobei das Monster in Sachen Grausamkeit mit den Menschen nicht wirklich mithalten kann. Leider findet Curran für seine Geschichte keine adäquate Auflösung, weshalb sie im abrupten Finale an Wirkungskraft einbüßt.

Kopfjäger

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