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Michael Drewniok
Blick in eine hungrige Vergangenheit

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mär 2019

Johnny Horowitz, einst ein erfolgreicher Paparazzi, der die Boulevardpresse mit Skandalfotos von Stars und Sternchen belieferte, steckt in der Krise. Um den Kopf freizubekommen, tritt er eine Reise an, die ihn an die Küste des US-Staates Carolina und weiter auf die Ferieninsel Seagull Island führt.

Dort verbringt Horowitz seine Tage trinkend und sich selbst bemitleidend, bis ihn der Zufall an den Nordstrand der Insel führt. Den darf man nicht betreten, da das Meer eine starke Unterströmung besitzt, die Schwimmer in den sicheren Tod reißt. So lautet jedenfalls die offizielle Begründung, doch Horowitz erfährt zufällig den wahren Grund: Sobald sich im Vorfeld großer Stürme die Atmosphäre elektrisch auflädt, öffnet sich am Nordstrand ein Zeitfenster. Es ermöglicht den Blick zurück in die Kreidezeit, als die Erde von Dinosauriern beherrscht wurde.

Horowitz ist begeistert: Hier lockt eine Mediensensation! Er recherchiert und stellt fest, dass die Insulaner durchaus wissen, was am Nordstrand vorgeht. Sie vertuschen es, da sie schon mehrfach feststellen mussten, dass dieses Zeitfenster durchlässig ist: Die Kreaturen, die sich dort zeigen, können an den Strand und damit in die Gegenwart kriechen, wo sie sich erfreut bzw. hungrig zeigen, wenn sie auf neugierige Menschen treffen.

Die Gefahr kann Horowitz nicht abschrecken. Ein gewaltiger Hurrikan nimmt Kurs auf Seagull Island, sodass sich das Zeitfenster erneut öffnen wird. Horowitz plant einen Mediencoup. Um zu beweisen, dass tatsächlich Urzeit auf Gegenwart trifft, will er eine der Kreaturen aus dem Ozean ziehen. Dass er seinen Plan nicht gründlich genug durchdacht hat, merkt Horowitz zu spät: Als der Sturm das Zeitfenster besonders weit aufreißt, taucht ein Bewohner von Vorgestern auf, den es nicht am Strand hält - das monströse Wesen steuert auf die nahe Fischersiedlung zu …

Neugier lockt das Unheil an

Der triviale Horror ist ein Schmuddelkind der Literatur. Dass er heiß geliebt und oft gelesen wird, gilt seinen Kritikern als besonders verdammenswert. Glücklicherweise ist jene trübe Ära vorbei, als sie ihren Unmut nicht nur äußern, sondern auch gesetzlich geltend machen konnten. Die älteren Leser kennen noch die Zeiten, als man seine Freude am vordergründigen, aber spannenden Grauen verborgen hielt, um nicht als notorischer Realitätsflüchtling, Spinner und potenzieller Massenmörder angeprangert zu werden.

Natürlich kann „trivial“ durchaus „minderwertig“ bedeuten. Sogar in den meisten Fällen trifft dieser Blitz das korrekte Ziel: Simpel-Horror ist dann echter Mist, den nur sehr schlichte Gemüter goutieren können. Nichtsdestotrotz gibt es einige Handwerksmeister, die das Genre nicht nur deshalb wählen, weil sie dumpfen Splatter und/oder ‚perversen‘ Grusel-Sex für aufregend und verkaufsförderlich halten.

Tim Curran ist einer von denen, die ihr Publikum mit simplem, aber solidem Horror versorgen. Das gelingt ihm, weil er ein echter Geschichtenerzähler ist, der sehr gut weiß, wie er seine Leser in den Bann zieht. Dass er nicht immer erfüllen kann, was er verspricht, steht auf einem anderen Blatt. „Leviathan“ gehört jedenfalls zu jenen Werken, in denen Curran auf den Punkt kommt, d. h. ein Garn spinnt, das bis ins zwar abrupte, aber plausible Finale entweder fasziniert oder wenigstens interessiert.

Das Grauen hat seine eigene Atmosphäre

„Leviathan“ geizt nicht mit deftigen Splatterszenen. Wenn das Urzeit-Monster an Land geht, fliegen buchstäblich die (Fleisch-) Fetzen. Curran weiß allerdings genau, dass die detailfrohe Schilderung solcher Metzeleien allein nur ein anspruchsloses Publikum begeistert, das hierzulande mit dem schönen Begriff „Gore-Bauern“ bedacht wird. Schrecken will inszeniert werden, um eine durchschlagende Wirkung zu erzielen. Dass dies auch auf dem Splatter-Sektor funktioniert, wird von Kritikern, die das Genre generell verdammen, ignoriert oder abgestritten.

Natürlich bietet „Leviathan“ alles andere als originelle, feingesponnene Phantastik. Was Curran an Land kriechen und morden lässt, ist weniger ein ‚authentischer‘ Saurier als ein Kaijū - ein Monster, das durch Übergröße und Unverwundbarkeit definiert wird. Godzilla ist ein Kaijū, und er (oder es?) ist die Blaupause für Currans Kreatur, die ansonsten das typische Klischee widerspiegelt: Wer sich in Gefahr = in die Nähe eines Monsters begibt, kommt darin um.

Diese Erkenntnis fasst gleichzeitig eine ‚Moral‘ in Worte. In diesem Fall sorgt sie dafür, dass Journalist Horowitz nicht wie erhofft finanziell von seiner Entdeckung profitiert, sondern eine grundsätzliche Lektion lernt: An manchem Geheimnis sollte man nicht rühren! Die Bewohner von Seagull Island haben es beherzigt. Im zynisch gewordenen 21. Jahrhundert rettet sie das freilich auch nicht.

Töten, was zu töten ist: Monsterpflichten

„Leviathan“ bietet eine Handlung und Figuren aus der Mottenkiste. Vor allem Film und Fernsehen greifen gern auf ein Monster zurück, das übermächtig für Angst und Tod sorgt. Normalerweise wird es durch einen Helden zurück in die Hölle getrieben oder umgebracht. Auf diese ‚Auflösung‘ wollte Autor Curran nicht zurückgreifen, obwohl er sonst praktisch alle Klischees des Monster-Horrors bedient bzw. mit ihnen spielt.

Natürlich gibt es deshalb den fähigen, aber gebrochenen Reporter, der noch einmal durchstarten will, oder den weisen, grimmigen Alt-Einwohner, der einerseits weiß, was vorgeht, während er andererseits eine Existenz als gesellschaftlicher Außenseiter fristet. Ebenso präsent ist die durchaus wissende, aber vertuschende Ordnungsmacht, die den Status Quo sichert = die neugierige Öffentlichkeit fernhält. Dass dies angesichts der Wucht des Zeitfenster-Phänomens eine Illusion ist, wird von Curran ignoriert: SO ein Geheimnis würde nie ein Geheimnis bleiben!

Die Ereignisse überschlagen sich in einem kundig inszenierten Finale, ohne dabei jemals die Grenzen bekannter Vorbilder zu überschreiten. Das Monster tobt, richtet gewaltigen Flurschaden an und killt zahlreiche Pechvögel. Schließlich verschwindet es wieder. Das Zeitfenster schließt sich, zurück bleiben nur Indizien, die auf einen simplen Hurrikan hinweisen: Ebenfalls genretypisch ist das ungelöste Mysterium, das zudem den Weg für eine Fortsetzung bahnt. Doch in diesem Fall passt der zwar spektakuläre, aber auch vorausgeahnte Schluss zur Vorgeschichte. „Leviathan“ ist Lektüre-Fastfood, doch auf diesem Niveau durchaus bekömmlich.

Da dieser ‚Roman‘ eher eine Novelle ist, hat ihn der deutsche Verlag mit einem weiteren Kurzwerk aus Currans Feder (oder Tastatur) zu einem sog. „Wende-Buch“ geschnürt: „Kopfjäger“ - der zweite Roman - wurde dem „Leviathan“ um 180° gedreht zugebunden und erhielt ein eigenes Cover.

Fazit:

Auf einer interessanten Idee fußt dieser Kurzroman, der überaus stimmungsvoll die Urwelt der Saurier aufleben lässt und dabei ebenso einfallsreich wie blutrünstig deren Schattenseiten schildert. Die Story selbst ist simpel und wird eher beliebig als originell aufgelöst: dennoch kurzweiliger Lesestoff.

Leviathan

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