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Michael Drewniok
Schon tot? Egal: Feuer frei!

Buch-Rezension von Michael Drewniok Sep 2019

Sie heißen Stan, Marty, Bull, Brian, Taff, Bobby, Danny und Nick: Intellektuell könnten sie selbst als Kollektiv nicht einmal einem Pumpernickel Paroli bieten, aber sie sind die Richtigen, wenn es darum geht, blutige Drecksarbeit im Dienste Ihrer britischen  Majestät zu erledigen. Klaglos fressen sie Dreck, saufen aus Kloschüsseln und scheißen in mitgeführte Papierbeutel, um keine Spuren zu hinterlassen, wenn sie heimlich in krisenverheerten Drittweltländern Terroristen u. a. Lumpen austilgen. Dank bekommen (und erwarten) sie nicht, denn ängstliche Politiker wollen von ihrer faktisch ungesetzlichen Existenz nichts wissen, sondern nur Ergebnisse sehen.

Aktuell fällt das Oktett über eine von Rebellen heimgesuchte Siedlung im Westafrika-Staat Sierra Leone her, um einen britischen Mediziner zu befreien, der dort eine unbekannte Seuche untersucht hat. Die Mission ist erfolgreich, doch was besagter Fachmann berichtet, sorgt für Schockwellen, die bald den gesamten Erdball erfassen: Ein unbekannter Virus sorgt dafür, dass mausetote Zeitgenossen als Zombies ‚zurückkehren‘. Sie haben keinen Verstand, aber großen Hunger, weshalb sie über ihre (zu) lange ahnungslosen Mitmenschen herfallen. Binnen kurzer Zeit steht die Menschheit vor dem Untergang. Jeder Zombiebiss tötet nicht nur, sondern überträgt die Krankheit, weshalb sich die Opfer zu den Untoten gesellen, um gemeinsam die Überlebenden zu bedrängen. Die Zivilisation bricht zusammen; nur wenige Widerstandsnester können sich vorläufig erfolgreich behaupten.

Unsere acht (bzw. inzwischen nur noch sieben) Haudegen stecken erwartungsgemäß mitten im schlimmsten Schlamassel. England wird aufgegeben; die Verteidiger wollen sich auf verschiedenen Kanal- und Atlantikinseln neu formieren, um anschließend das Heimatland zurückzuerobern. Während die Bevölkerung hilflos zurückgelassen wird, sollen einige prominente Politiker gerettet werden. Unser Team wird ins zombieverseuchte England geschickt - und bald hinter den Linien im Stich gelassen; kein Grund, den Mut oder die Waffen sinken zu lassen …

Durch dick & dünn, gegen (Un-) Tod und Teufel!

Vor allem jene, die nicht unter Beschuss stehen, deuten das Schlachtfeld gern als Abenteuerspielplatz, auf dem sich ‚echte‘ Männer (und inzwischen auch Frauen) miteinander messen. Der Tod wird zum Spannungsfaktor und sorgt außerdem für dramatische Szenen, in denen diverse Gefühle hochkochen. Held oder Feigling: Der Krieg fegt Masken beiseite und enthüllt den ‚wahren Kern‘ des Menschen.

Natürlich gibt es Literatur, die sich nicht nur spektakulär mit den Schattenseiten beschäftigt, sondern den Krieg als realen Schrecken thematisiert. In diese Kategorie fällt der hier vorgestellte Roman definitiv nicht! Stattdessen haben wir es mit einem militäraffinen Machwerk zu tun, dessen Verfasser Kritik höchstens vorgibt oder dorthin projiziert, wo der generell ‚gute‘ = pflichtbewusste Soldat keine Lobby besitzt. Wer damit gemeint ist, wird von Autor Luke Duffy kurz und knapp so angesprochen: „Politiker und Weicheier“.

Zwar schildert er einen Kampf gegen Zombies, nutzt aber die Gelegenheit und prangert an, was ihm, der einst selbst Soldat und im Nahen Osten stationiert war, übel aufstößt. Dies wird in eine simple, aber durchaus spannende Handlung verpackt. Allerdings (und glücklicherweise) ist Duffy nicht fähig (oder willens), seine Argumentation zu ‚tarnen‘. So schildert er offen, wie die Welt aus seiner Sicht funktionieren sollte: Sie wäre ein Ort, an dem man sich gefälligst an Regeln hält und die Dinge durchzieht, statt von Zweiflern und Schwächlingen ausgebremst zu werden!

Nichts Neues im Reich der Untoten

Für diejenigen, die nicht „gedient“ oder gar „im Felde gestanden“ haben, ist es nur bedingt möglich, sich in Lukes (Gedanken-) Welt einzufinden. Ihm ist es bitterernst mit dem Begriff „Waffenbrüder“; diverse Protagonisten hat er nach Kameraden benannt, die während seiner Dienstzeit gefallen sind. Was als ausgelaugtes Klischee daherkommt, mag daher die militärische Realität widerspiegeln; ein Faktum, dem man nicht zustimmen muss, aber anerkennen sollte, dass Duffy dies u. a. Militär-‚Werte‘ nicht so plump präsentiert wie andere „Military-Fiction“-Autoren.

Duffys Bemühungen, seine „Non-Hateful-Eight“ als raue, aber liebenswerte Teufelskerle darzustellen, sind seinen Kampfszenen bemerkenswert weit unterlegen. ‚Echte‘ Kerle verstecken Gefühle demnach hinter infantilem Fäkal-Humor, den der Verfasser um einige (nicht vermisste) Ekel-Exempel erweitert. Man schimpft und flucht und liebt sich doch. Selbst als man im zombieversuchten England zurücklassen wird, stößt dies bei den Männern auf Verständnis: So ist das halt im Krieg! Statt zu meutern, schlägt man sich dorthin durch, wo man verraten wurde: Aus Soldatensicht mag dies logisch sein, aber der Leser kratzt sich verwundert am Kopf.

Die Stereotypie der Figurenzeichnungen vertieft die Kluft zu einer Geschichte, die niemals Neues bietet, das Bekannte aber handwerklich solide aufgreift und aufbereitet. Wie oft wurde die Erde inzwischen in Wort & Bild von Zombies überrannt? Spätestens seit „The Walking Dead“ ist alles zum Thema gesagt und gezeigt, doch die Untoten schwärmen weiter: Sie mögen als Schrecken recht einfach gestrickt sein, sind aber immer noch horrortauglich. Weil Autor Duffy selbst im Kampfeinsatz war, kennt er sich mit der militärischen Materie sichtlich aus. Als Schriftsteller hat er begriffen, dass dieses Wissen als Overkill-Technobabbel nicht die Geschichte bedrängen oder gar ersetzen darf - ein Fehler, der für die „Military Fiction“ typisch ist.

Problem - Lösung: Bumm!

Da nur Zombies ‚getötet‘ werden, muss sich Duffy nicht zurückhalten und kann deshalb in Wortkaskaden über die Wirkung kaliberstarker Projektive auf Menschenkörper schwelgen. Der simple Kopfschuss ist selten; meist bleiben dort, wo unsere Helden aufgeräumt haben, nur Knochenteile und Fleischfetzen zurück. Man muss Werke wie dieses auch als Akt der Befreiung ansehen: DIESE Soldaten werden nicht von „Politikern und Weicheiern“ zurückgehalten, sondern setzen durch, was sie vor Ort für erforderlich halten! Zivile „Kollateralschäden“? Sind halt nicht zu vermeiden, wenn man al-Kaida-Drecksäcke umlegen soll! Man handelt, wie es einem eingedrillt wurde, und denkt höchstens über strategische Probleme nach.

Stan und seine Jungs reisen ohne Papierkram durch die Welt. Sie wechseln monatlich ihre Identitäten, und solange sie niemand daheim killen, holen sie strenge, aber verständnisvolle Vorgesetzte wieder aus dem Knast. Sobald der nächste Einsatz ansteht, steht das Team verkatert, aber kampfbereit parat: Das Ergebnis zählt, nicht der Weg dorthin. Kritik richtet sich auf militärischer Seite höchstens gegen jene Karriere-Offiziere, die sich in der sicheren Etappe herumdrücken. Ansonsten sind es die nun schon mehrfach zitierten „Politiker und Weicheier“, die jenen Mist bauen, den das Team ausbaden muss. Die Bevölkerung ist vor allem ein Hindernis, das seinen Rettern panisch im Weg steht und Anweisungen nicht befolgt, weshalb Duffy sie jämmerlich zugrunde gehen lässt: Selbst schuld bzw. Pech gehabt!

Kampf reiht sich an Kampf, wobei Duffy durchaus Fantasie entwickelt, wenn es darum geht, Stan & Co. in eigentlich rettungslose Situationen zu treiben, aus denen man sich irgendwie doch freischlagen kann. Das Ergebnis ist pure Unterhaltung, die man sich politisch korrekt eigentlich nicht gönnen dürfte. Recht viele Lesern pfeifen darauf, weshalb „Outbreak“ (im Original „The Death Walk the Earth“) längst in Serie gegangen ist, was Duffy auch dadurch forciert, dass er die Handlung einfach abbrechen lässt, um sie nach diesem grobschlächtigen Cliffhanger nahtlos in Band 2 fortzusetzen.

Fazit:

Statt Schurkenstaat-Gesindel steht dieses Mal Zombie-Pack vor den Visieren harter Soldaten-Hunde, die sich tapfer von einem Selbstmord-Kommando ins nächste befehlen lassen. Die schwülstig gezeichneten Klischee-Figuren werden immerhin unterhaltsam in Gefechte mit lebenden Strolchen und untoten Kannibalen verwickelt. Der Autor ist ‚vom Fach‘ und sorgt unterm Strich (aber wohl unabsichtlich) für einen Teflon-Effekt, der potenzielle Landser-‚Romantik‘ aus (wachen) Leserhirnen gleiten lässt.

Outbreak: Hinter den Linien (Outbreak 1)

Outbreak: Hinter den Linien (Outbreak 1)

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