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Michael Drewniok
Nach Jahrmillionen frei - und hungrig!

Buch-Rezension von Michael Drewniok Okt 2019

Florence County liegt irgendwo im Hinterland des US-Staates Wisconsin. Früher boomte die Region dank reicher Eisenerz-Vorkommen. Doch die Förderkosten sind so stark gestiegen, dass heute nur noch die Firma Superior Mining Erz im Tagebau fördert.

Da dies einer der letzten und daher wichtigen Arbeitgeber ist, hält die Polizei trotz knapper personeller Ressourcen ein Auge auf den Betrieb. Deshalb reagiert Sheriff Deuard „Dew“ LaBay umgehend, als ein mysteriöser Notruf sein Büro erreicht: Der Anrufer teilt knapp mit, das Minengelände unter seine Kontrolle gebracht zu haben, um die Angestellten „zu fressen“.

Die Stellvertreter Jerry Hauser und Woody Stromm begleiten den Sheriff. Das Trio findet die Mine menschenleer vor. Dennoch steht bald fest, dass man nicht allein ist: Seltsame Gerüche und Empfindungen suchen die Männer heim. Die Manifestationen werden rasch brachialer. Grässlich anzuschauende Kreaturen attackieren die Gesetzeshüter. Flucht ist nicht möglich, denn ‚etwas‘ setzt Funkgeräte und Handys außer Betrieb. Außerdem scheinen die Gesetze von Raum und Zeit außer Kraft zu sein: Die Polizisten schaffen es nicht das Gelände zu verlassen.

An anderer Stelle der Mine sind die Staatspolizisten Jay Nagle und Tanya Seatin dem Grauen in die Falle gegangen. Nach und nach enthüllt sich, was die Arbeiter nach einem Jahrmillionen währenden ‚Schlaf‘ geweckt und an die Oberfläche gelockt haben. Der Gegner verfügt über buchstäblich übernatürliche Kräfte und liebt es seine Opfer durch Furcht zu ‚würzen‘, bevor er über sie herfällt …

„Es“ light plus Koontz-Kopie

Tim Curran gehört zu jenen Schriftstellern, die sich kurz fassen können. Gerade im Horror-Genre ist das keine Selbstverständlichkeit; hier sorgt das eBook für Erleichterung, weil die gedruckten Romane ihre Leser ob ihrer Seitenstärke unter sich zu begraben drohen - dies ungeachtet der Tatsache, dass keineswegs jede Idee ein Epos tragen kann bzw. ein Plot seine Wirkung gerade dadurch gewinnt, dass er nicht ausgewalzt wird.

Allerdings ist Curran auch ein (allzu) fleißiger Autor, der sich um die Qualität seiner Werke nicht unbedingt so schert, wie man es sich als Leser wünschen würde. „Die Mine“ ist leider ein typisches Beispiel: Eine ausgelutschte Story wird derart routiniert, aber (ungeachtet der zahlreichen Ekelsex-Szenen) lustlos und innovationsfrei präsentiert, dass man sich fragt, wie Curran die Dreistigkeit aufbringt, sein Publikum mit solchem Humbug zu konfrontieren.

Was da in einer verborgenen Höhle der Firma Superior Mining zufällig ausgegraben wird, agiert lange aus der Dunkelheit heraus - eine kluge Entscheidung, die durchaus für Spannung sorgt. Doch Ist die „Terror-Zelle“ (so der Originaltitel) erst einmal aus dem Sack, mutiert „Die Mine“ zum Trash-Horror, dessen Verfasser Schmodder und Schmuddel aneinanderreiht. In erster Linie enttäuscht die Banalität des Wesens, das wir zudem viel zu gut aus besseren Vorlagen kennen: Zu nennen sind hier vor allem „It“ von Stephen King (1986, dt. „Es“) und „Phantoms“ (1983/1998, dt. „Phantom - Unheil über der Stadt“) von Dean R. Koontz.

Weniger kopiert als hastig abgepaust

Obwohl Koontz wie so oft (oder eigentlich immer) King nicht erreichen kann, bleibt Curran hoffnungslos zurück. Wie so oft zeigt sich das Böse bei ihm ebenso übermächtig wie geschwätzig, um final doch aufs Kreuz gelegt werden zu können. Curran versucht sich damit herauszureden, dass ‚seine‘ Schöpfung im Grunde ‚Kind‘ geblieben und deshalb ‚unschuldig‘ grausam (und dumm) ist. Das klingt nur scheinbar schlüssig, weil es mit der entsprechenden Umsetzung hapert. Curran häuft Action- auf Ekeleffekte, wobei er immerhin auf einen eindrucksvollen Wortschatz zurückgreifen kann (der die Übersetzung farbenfroh = geil & garstig überstanden hat). Leider ist er über schlappe Buh!-Effekte keineswegs erhaben.

Gehört man zu jenen Lesern, die sich durch ‚schreckliche‘ und ‚schlimme‘ Übeltaten nicht bannen lassen, bleibt „Die Mine“ beliebig bis langweilig. Das ach so fürchterliche Untier spiegelt sich in den Flach-Profilen der fünf menschlichen Protagonisten. Selbstverständlich tragen Sheriff LaBay und seine (enervierend tumben) Stellvertreter schwer an unbewältigten Alltagsproblemen, die freilich alle das Prädikat „Klischee“ tragen. Noch schlimmer ergeht es den beiden Troopern Jay und Tanya, die den Sheriff und seine Begleiter nie treffen und von Curran offensichtlich nur als weitere Monsterbissen in die Handlung geschleust werden; u. a. mischt sich grobe, aber einen Teil des Zielpublikums sicherlich begeisternde Anti-Trump-Kritik mit Gemeinplätzen über Rassismus und Chauvinismus.

Dabei ist es letztlich gleichgültig, woran die Protagonisten tragen: Sie sollen entweder möglichst grausig zu Tode kommen bzw. die fiese Brut der irdischen Urzeit ausschalten. Dass dies Sheriff Dew übernehmen wird, ist keine Überraschung. Er wird zum Held wider Willen. Die ‚Lösung‘, die er für das Problem findet, ist eine ausgelaugte Variante jenes finalen Monster-Killens, das einfach deswegen gelingt, weil man über großkalibrige Waffen verfügt, oder wie in unserem Fall schwere Werkzeuge zweckentfremdet. Das Ende kommt abrupt, ist aber trotzdem eine Erlösung, weil wir längst wissen, dass Curran uns nichts Überraschendes oder gar Innovatives gönnen wird.

Anmerkung: Um ein ‚richtiges‘ Buch zu schaffen, wird „Die Mine“ in der deutschen Ausgabe mit der Curran-Novelle „Sow“ (2013; dt. „Mutter“) als ‚Doppelroman‘ mit Wendecover herausgegeben.

Fazit:

Eher Novelle als ‚richtiger‘ Roman, bietet „Die Mine“ nur Horror-Standards, die scheinbar aufregend aufgeplustert werden, sich aber als Effekthascherei entpuppen, deren ohnehin begrenzte Gruselkraft in einfallsarmer Wiederholung verebbt: trotz routinierter Schreibe zusammengehauener Horror-Trash.

Die Mine

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