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Michael Drewniok
Zwischen den Fronten: „Charlie“ und Dschungelmonster

Buch-Rezension von Michael Drewniok Okt 2019

Ein Routine-Einsatz während des Vietnam-Kriegs wird für Sergeant Reese und seine sechs Männer zum Desaster: Im Dschungel-Dorf Hai Trang ist der Funkkontakt zum US-Spion Bo Xuan abgebrochen. Der Trupp soll feststellen, ob er aufgeflogen ist = von „Charlie“, dem feindlichen Vietkong, erwischt wurde.

Der Auftrag ist gefährlich, denn überall im dichten Regenwald könnte der Feind lauern. „Charlie“ ist Spezialist für gefährliche Hinterhalte und tödliche Fallen. Die Vegetation ist dicht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit erreichen Rekordhöhen, und im Unterholz hocken giftige Schlangen und gewaltige Spinnen.

Eine erste Warnung wird missachtet: Auf dem Weg zum Dorf stoßen die Männer auf die Leichen von Vietkong-Kämpfern, die in Stücke gerissen und buchstäblich ausgeweidet wurden. Ratlos setzt man die Mission fort und stößt nach Hai Trang vor. Das Dorf ist zerstört, seine Bewohner wurden grausam getötet. Überlebt hat nur die junge Lai An, der allerdings ein Schock die Zunge lähmt, bis die Soldaten selbst erfahren, wer im Wald auf sie wartet: „Vietnam Black“ nennen die Einheimischen den gigantischen Tausendfüßer, der seine Opfer mit gewaltigen Kieferzangen packt, ihnen ein Nervengift injiziert und sie anschließend genüsslich aussaugt.

Die Panzerung der Kreatur widersteht selbst Gewehrkugeln, was die Abwehrbemühungen der Soldaten einschränkt. Schon bald sind erste Ausfälle zu verzeichnen. Der Weg zurück ins rettende Camp ist lang. „Charlie“ ist auf die Eindringlinge aufmerksam geworden. Der Tausendfüßer verfolgt die Gruppe. Er ist bestens an den Dschungel angepasst und kann ausgezeichnet klettern oder schwimmen, wie die Flüchtenden zu ihrem Leidwesen feststellen …

Myriapodalypse Now!

Es ist eine alte Weisheit: Alter Wein höchstens mittelmäßiger Qualität muss aufgewertet werden, um zahlende Kundschaft zu locken. Wenn mit dem Produkt selbst kaum Staat zu machen ist, muss es so angepriesen werden, dass genau dieses Problem in den Hintergrund gerät. Das geschieht in einer Grauzone zwischen vorsichtiger Übertreibung und dreister Lüge. Wenn die Balance gelingt, sind alle zufrieden.

So einen ‚Erfolg‘ versucht Jung-Autor Brad Harmer-Barnes mit seinem Horror-Action-Garn „Vietnam Black“ zu erzielen. Bei nüchterner Lektüre erleben wir eine Gruppe recht beliebiger Pechvögel bei ihrer Flucht vor einem überdimensionalen Tausendfüßer. Diese „Myriapda“ - so der lateinische Name - können aufgrund ihrer (von Harmer-Barnes ignorierten) evolutionären ‚Konstruktion‘ glücklicherweise nicht annähernd so groß werden wie „Vietnam Black“ und sorgen deshalb nur in ihrem Mikrokosmos für Angst & Schrecken, wirken aber unter der Lupe eindeutig unheimlich und sind deshalb gruseltauglich. (Vor über 300 Mio. Jahren krochen übrigens tatsächlich Gliederfüßer umher, die immerhin bis 2,5 m lang waren.)

Der Autor schildert eine perfekt an ihre Umwelt angepasste Kreatur, die offensichtlich deutlich schlauer ist als das durchschnittliche „Insekt“. (Die biologisch nur rudimentär bewanderten GIs begreifen nie, dass ein Tausendfüßer kein Insekt ist.) Das allein erzeugt keinen nachhaltigen Grusel. „Vietnam Black“ verfolgt seine Opfer, denen es grässliche Tode beschert. Es bleibt ein Tier, das der Autor deshalb ‚aufwerten‘ muss, um es bedrohlich zu halten. Also ist die Bestie so gut gepanzert, dass die meisten Kugeln einfach abprallen. Selbst Volltreffer werden klaglos eingesteckt - und die Logik noch heftiger mit Füßen getreten.

Rockmusik, Drogen, Tod = VIETNAM!

Wenn man „Vietnam“ in Anführungsstriche setzt, wird aus historischer Realität ein Produkt jener Fiktion, die in der Unterhaltungsindustrie tiefe Wurzeln geschlagen hat. Filme wie „Apokalypse Now“ oder „Full Metal Jacket“ haben Standards gesetzt, die zu Stereotypen und Klischees verkamen und immer wieder verwendet werden, weil sie Leser und Zuschauer verinnerlicht haben. Also wabert auch um unseren Trupp ein Nebel aus Hasch, dröhnt ständig Rockmusik, lauert überall spinnentückisch „Charlie“, der ebenso rassistische wie von Vietnam überforderte Jung-Soldaten abschlachtet.

Das ‚echte‘ Vietnam ist dem Verfasser ebenso gleichgültig wie unbekannt. Er bedient sich ausschließlich aus dem Baukasten. Dies ist kein Vorwurf, zumal Harmer-Barnes routiniert vorgeht sowie jenen Verdruss vermeidet, den Möchtegern-Autoren verbreiten, die auf Biegen und Brechen ‚schockieren‘ wollen, diesen Effekt jedoch nur unfreiwillig, weil aufgrund ihrer Stümperhaftigkeit erzielen. Harmer-Barnes bezeichnet sich auf seiner Website selbstironisch als „Literature’s answer to Bert I. Gordon“. Wer auch nur einen Film dieses geradezu kriminell unbegabten Regisseurs gesehen hat, wird zustimmen, dass Harmer-Barnes es besser kann.

Natürlich stellen die Figuren nur Archetypen dar. Ihre Namen muss man sich nicht merken, obwohl sich der Autor Mühe gibt, ihnen Profile zu geben - Profile freilich, die jeder einschlägig TV-‚gebildete‘ Leser problemlos erkennt. Das Hauptproblem scheint darin bestanden zu haben, irgendwie eine Frau in die Handlung zu bringen. Doch Lai An ist als solche völlig unwichtig für das Geschehen. Sehr offensichtlich versucht Harmer-Barnes auch Leserinnen zu binden - viel Glück dabei, denn SO funktioniert es nicht.

„Zehn kleine [ZENSIERT!]“

Der Vietnam-Krieg dient folglich nur als Kulisse, der Vietkong als Bonus-Bedrohung, wenn der mörderische Tausendfüßer gerade Pause macht. Einschlägige Klischee-Highlights - das scheinbar verlassene Dorf im Dschungel, die von „Charlie“ gegrabenen Supertunnel, die Flussfahrt unter Feindbeschuss - fließen pflichtschuldig in die Handlung ein. Harmer-Barnes bemüht sich sie mit dem „Vietnam-Black“-Horror zu verschmelzen, kann aber die Künstlichkeit seiner Bühne nicht verdecken: Was Reese und seinem Trupp zustößt, könnte auch jede Dschungel-Expedition der Gegenwart erleben. Vietnam ist nur Mittel zum Zweck, was sich übrigens auf dem Backcover der deutschen Ausgabe fortsetzt: Dort sieht man drei Fotos aus dem ‚echten‘ Vietnam-Krieg. Sie werden manipulativ zweckentfremdet, um die ‚Authentizität‘ dieses Romans zu unterstützen.

Ansonsten wird wie schon erwähnt geflüchtet und gestorben. Die Bestie ist lange überüberwindlich und trotzt jeder Gegenwehr. Im Finale wirft der Autor über Bord, was bisher problemfrei funktioniert hat: Das Ungeheuer gerät in eine Falle, die Harmer-Barnes - klischeetreu bis zuletzt - mit Napalm spickt. Kein Spoiler ist ebenfalls ein Epilog, der uns vor Augen führt, dass es weitere Tausendfüßer gibt, die der Verfasser bei Bedarf über neue Pechvögel herfallen lassen kann …

Wie so oft wird der Nostalgie-Faktor bemüht, um „Vietnam Black“ aus der Flut trivialer Action-Splatter herauszuheben. Harmer-Barnes outet sich als Fan einschlägiger Monster-Movies der 1950er bis 1990er Jahre. Dass es ihm gelingt, diesen Horror heraufzubeschwören, ist für sich betrachtet kein Lob (was der Autor tunlichst ignoriert): Das Gros der im genannten Zeitraum entstandenen Filme waren Bockmist, nur wenige unterhaltsam. „Vietnam Black“ reiht sich ein - als anspruchsloses (= belangloses) Lesefutter. Man kann damit einige Stunden totschlagen. Man kann aber rsatzweise auch staubsaugen oder ein Schläfchen halten.

Fazit:

Ebenso routiniert wie substanzarm spult der Verfasser seine Schauermär vom übermächtigen Monster ab, das Schrecken und Tod atmosphärisch vor der Klischee-Kulisse des Vietnam-Kriegs verbreitet: garantiert kalorienarmes Lesefutter.

Vietnam Black

Vietnam Black

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