The Black - Der Tod aus der Tiefe

Erschienen: Dezember 2015

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Michael Drewniok
Urzeit-Gigant, konserviert in Tiefsee-Öl

Buch-Rezension von Michael Drewniok Nov 2019

Auf der Suche nach Erdöl dringt der Mensch immer weiter in die Erdkruste vor. Die Firma „Petro-Pem-Exploration“ hat die Offshore-Forschungsbohrinsel „Leaguer“ auf eine besondere Mission geschickt: In einem knapp 10 Kilometer tiefen Ozeangraben soll nach dem begehrten Rohstoff gefahndet werden! Um ihn dort zu finden, schickt PPE den Ingenieur Thomas Calhoun mit seiner Crew zur „League“. Aufseher Martin Vraegel sieht sich zu seinem Unwillen mit einer kleinen, aber selbstbewussten Gruppe konfrontiert, die sein strenges Regiment systematisch missachtet. Vor allem Techniker Craig „Catfish“ Standlee liebt es Vraegel zu reizen, während Taucher JP und Geologin Shawna Sigler ihn eher übersehen. Calhoun ist gut damit beschäftigt, zwischen den Parteien für Frieden zu sorgen sowie die PPE-Geschäftsführung zu besänftigen, die angesichts der hohen Kosten auf positive Ergebnisse pocht.

Es gibt technische Probleme. In der Tiefsee ist der Wasserdruck so hoch, dass Menschen dort nicht tauchen können. Drohnen müssen sie ersetzen, aber auch ihnen macht der Druck zu schaffen. Deshalb führt Calhouns Team eine Reihe seltsamer Ereignisse zunächst auf technische Störungen zurück: Der Meeresboden scheint sich zu heben und zu senken. Er wird von einer Kolonie enorm großer, aggressiver Röhrenwürmer besiedelt, die der Wissenschaft unbekannt ist. Trotzdem gelingt die Probebohrung, doch was sie zutage fördert, sorgt erst recht für Verwirrung: Es scheint das ersehnte Öl zu sein, doch es zeigt Spuren einer Verunreinigung, die niemand erklären kann.

Die Erleuchtung kommt zu spät: Der Bohrkopf der „League“ hat eine gewaltige Kreatur gepiekt, die seit Jahrmillionen auf dem Meeresgrund ‚geschlafen‘ hat. Nun ist sie wach, wütend - und intelligent! Das Wesen schickt seine Boten an die Oberfläche, wo diese Angst und Tod auf der Ölplattform säen …

Je größer, desto gruseliger?

Die Tiefsee sorgt für die letzten weißen Flecken auf der Oberfläche unserer Erde. Trotz weit fortgeschrittener Technik bleibt sie dem Menschen verschlossen. Ewige Dunkelheit und vor allem ein Druck, der selbst eine schwer gepanzerte Hülle wie eine billige Getränkebüchse zerdrücken kann, lassen Einblicke nur unter Einsatz komplizierter und kostspieliger Geräte zu. Ihr Einsatz gleicht einem Stochern im Nebel. Was sich tief unter dem Meeresspiegel nicht entdecken lassen will, kann dem deshalb leicht ausweichen. Das Wissen darum befördert die Fantasie und sorgt für Visionen von faszinierenden, gruseligen, gigantischen Wesen, die seit Äonen in der Düsternis ihr Dasein fristen und besser nicht gestört werden sollten.

Solche Vorstellungen fallen erst recht auf fruchtbaren Boden, wo sich Geld damit verdienen lässt. Folgerichtig suchen die genannten Untiere schon lange Buchseiten oder Kinoleinwände heim. Was die Forschung über die reale Tiefsee herausfindet, wird aufgegriffen und farbenfroh entstellt, um den Unterhaltungsfaktor zu maximieren. Paul E. Cooley mischt zusätzliche Konfliktfaktoren hinzu. Eine Ölplattform auf dem Meer ist eine ideale Kulisse für ungebetenen Besuch, vor dem man nicht flüchten kann. Hinzu kommen weniger originelle als dramaturgisch bewährte zwischenmenschliche Konflikte, und fertig ist ein turbulenter Thriller, der mit Horror-Elementen aufgewertet wird.

Natürlich ist es schwer bzw. unmöglich, eine ‚neue‘ Bedrohung aus der Tiefsee zu locken. Die Unterhaltungsindustrie hat grundsätzlich alle möglichen Arten und Formen des Furchtbaren schon mehrfach heraufbeschworen. Cooley blieb also nur die Möglichkeit, Bekanntes miteinander zu kombinieren und zu variieren. Das Ergebnis ist ein Kaijū der exotischen Art - kein Godzilla oder ein ähnliches Monster, das dem „Pacific Rim“ entschlüpft und vielhundertmetergroß über entsetzten Menschlein aufragt, sondern eine Kreatur, durch deren ‚Adern‘ Erdöl rinnt, das allerdings ‚lebendig‘ ist und unabhängig vom Zentralorganismus Menschen überfallen und ‚absorbieren‘ kann. Daraus entwickeln sich „Blob“-ähnliche Ableger, die „Alien“-gleich Säure verspritzen und höchstens lichtscheu, aber (zunächst) unverwundbar sind, was ihre Abwehr wie vom Verfasser gewollt schwierig und opferreich gestaltet.

Renn, versteck dich - und stirb trotzdem

Bis es zur Konfrontation kommt, ist die Hälfte des Romans gelesen: Autor Cooley nimmt sich VIEL Zeit, um uns Ross und Reiter (= die Ölbohrinsel „League“ und ihre Besatzung) vorzustellen. „The Black“ ist erst einmal ein Science-Thriller, dessen Verfasser uns ausführlich über die Tiefsee, die Offshore-Ölsuche und die dafür entwickelte Hightech informiert. Das verärgert die Fans eher handfesteren Horrors, die deshalb abwertend über diesen Roman urteilen. Dabei ist die weniger langsame als sorgfältige Vorbereitung der Krise eher eine Reminiszenz an eine Vergangenheit, in der es halt dauerte, bis der Schrecken endlich aus dem Schatten sprang.

Als es soweit ist, kann sich niemand mehr beschweren. Von nun an wird malerisch und zahlreich gestorben! 80 Männer (und eine Frau) zählt die Besatzung der League. Beinahe alle werden gepackt, verätzt, in Stücke gerissen und absorbiert: Nicht nur der schon erwähnte „Blob“, sondern auch das „Ding aus einer anderen Welt“ lassen grüßen. Die Ereignisse überschlagen sich, während der Bodycount steigt und nicht nur „Redshirt“-Plattform-Malocher, sondern auch sorgsam herangezogene Hauptfiguren einschließt.

Man muss davon ausgehen, dass Autor Cooley 2014 noch keine Fortsetzung plante und erst der Erfolg für mehrere Fortsetzungen sorgte. Einige Wendungen hätte der Autor sonst sicherlich vermieden. So spielt das gigantische ‚Muttertier‘ am Grund des Grabens keine echte Rolle. Gefährlicher und handlungsaktiver sind seine ‚Ableger‘, die überall und nirgendwo erscheinen können. Cooley lässt sie wie schon angesprochen tüchtig wüten. Dennoch hält sich der Horror als Selbstzweck in Grenzen. Tatsächlich ist „The Black“ auch deshalb unterhaltsam, weil der Verfasser das Spielfeld gut vorbereitet hat: Wenn sich die (buchstäblich) schmelzende Schar der Überlebenden zur Wehr setzt, greift sie ausschließlich auf Inventar zurück das uns zuvor geschildert wurde. Cooley hält sich an die eingeführten Möglichkeiten und Grenzen. Aus dem Hut zaubert er nichts.

Grenzen müssen kein Hindernis darstellen

Dazu passt eine Figurenzeichnung, die angenehm auf das Geschehen konzentriert bleibt. Cooley verschont uns mit komplizierten biografischen Vorgeschichten, die innerhalb des Genres in der Regel den Tatbestand des Phrasendreschens erfüllen. Auch eine Love-Story fällt aus, obwohl eine Frau an Bord ist. Der Autor hat begriffen, dass es eine Geschichte zu erzählen gilt, die sich auf den Schrecken konzentriert. Aus literaturkritischer Sicht ist der Verzicht auf Zwischenmenschlichkeiten ein dicker Minuspunkt. Doch Cooley klammert auf diese Weise einen Wust ausgelaugter Klischees aus, deren Fehlen man dankbar registriert.

Es bleiben genug Gemeinplätze. „The Black“ ist eine Schauergeschichte - nicht mehr. Cooley erfindet das Rad nicht neu, nachdem er es endlich auf der „League“ umgehen lässt. Stattdessen bleibt er auf Kurs und steuert geradlinig auf ein nie überraschendes, aber unterhaltsames Finale zu. Dieser Roman ist reine Routine, aber bekanntlich kann gut beherrschtes Handwerk durchaus gewollte bzw. aufdringliche ‚Kunst‘ schlagen. (Deshalb unterbleibt an dieser Stelle eine detaillierte Analyse zur Frage, wie nahe „The Black“ dem südkoreanischen Horrorstreifen „7-gwanggu“ [2011; dt. „Sector 7“] ist …)

Fazit:

Nach einem (allzu) ausführlichen, Schauplatz und Figuren allerdings sorgfältig einführenden Auftakt steigt der Action- und Horrorgehalt des Geschehens rapide. Gerade dass Gore & Splatter nicht die einzigen ‚Unterhaltungselemente‘ bleiben, sorgt für soliden Spaß an dieser Grusel-Mär, obwohl mancher Handlungsstrang ins Leere läuft - ein Manko, das der Verfasser als Chance begriffen und daraufhin mehrere Fortsetzungen geschrieben hat.

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